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Mit Anfang Juni läuft die Stadion-Leichtathletik-Saison in Europa so richtig an. Mit den Europameisterschaften von Birmingham vom 10. bis 16. August wartet der kontinentale Höhepunkt am Horizont, für die sich auch die besten heimischen Läuferinnen und Läufer in Position bringen wollen. International hat sich im Laufe des Frühlings schon Spannendes ereignet. Ein Rückblick auf drei Highlights.
Nach einer bereits starken Hallensaison zeigte Cameron Myers in der diesjährigen Sommersaison in seinem Heimatland Australien mit etlichen starken Leistungen auf. Beim Maurie Plant Meet Ende März, einem Meeting der World Athletics Continental Tour der Kategorie Gold in Melbourne, lief er bei starkem Wind zu einer überzeugenden 1.500m-Siegerzeit von 3:30,42 Minuten.
Eineinhalb Wochen später holte er bei den australischen Meisterschaften in Sydney die Titel über 1.500m und 5.000m, wobei er am Tag vor dem 5.000m-Lauf im Finale über 1.500m einen berauschenden Start-Ziel-Sieg mit einer Siegerzeit von 3:29,85 Minuten schaffte – beachtlich für ein Meisterschaftsrennen und schneller als jedes andere 1.500m-Rennen auf ozeanischem Territorium zuvor. Die Olympia-Teilnehmer von Paris 2024, Ollie Hoare und Adam Spencer, hatten als Silber- und Bronzemedaillengewinner drei bzw. viereinhalb Sekunden Rückstand. Die Ansage danach: „So eine Leistung vor Heimpublikum zu zeigen, ist außergewöhnlich. Das zeigt, dass ich in der Europasaison ein ernstes Wörtchen ganz vorne mitreden werde!“
Der Start in den europäischen Sommer ist für den Teenager geglückt, er ist immer noch in Topform. Bei der 10. Ausgabe der Puma Nitro Lange Laufnacht in Karlsruhe bestritt der Australier am vergangenen Wochenende seinen ersten 800m-Lauf seit zwei Jahren und setzte ein weiteres Ausrufezeichen. Er gewann den Wettkampf in einer Meetingrekordzeit von 1:44,05 Minuten. Das Berauschende war aber nicht die persönliche Bestzeit um drei Sekunden, sondern die Art und Weise des Siegs, die untypisch ist für einen Athleten, der von den längeren Distanzen kommt. Das 19-jährige Ausnahmetalent rangierte nach 200 Metern noch in letzter Position, überholte dann das gesamte Feld und setzte sich mit starken letzten 200 Metern deutlich von der Konkurrenz ab.
Es war der bereits siebte Wettkampfsieg für den Youngster in seinem siebten Wettkampf in diesem Jahr! „Eine perfekte Generalprobe für die Diamond-League-Rennen in Stockholm und Oslo“, freute sich Myers, dessen großes Saisonziel die Commonwealth Games 2026 in Glasgow sind (Leichtathletik-Bewerbe vom 27. Juli bis 1. August).
Wie die US-amerikanische Laufplattform „Let’sRun.com“ darstellte, hat Myers nun eine bessere 800m-Bestleistung als alle jungen 1.500m-Läufer, die in den letzten Jahren über 1.500m und der Meile – Myers’ Spezialdistanzen – das Weltgeschehen bestimmt haben – und spekulierte, ob der junge Australier bereits im heurigen Jahr in Weltrekordform sein könnte. Den Grund für diese These lieferte die Statistik von Let’sRun.com nach dem Gala-Auftritt bei den australischen Meisterschaften: Erst zum siebten Mal überhaupt hatte ein 1.500m-Rennen ohne Tempomacher eine Siegerzeit unter 3:30 Minuten – alle sechs Präzedenzfälle waren Olympische oder WM-Finals mit internationaler Topbesetzung!
Für den Aufreger bei den australischen Meisterschaften 2026 sorgte das 1.500m-Rennen der Frauen. Jessica Hull verteidigte sich nach einem extrem taktischen Rennen auf der Zielgerade in Führung liegend und wollte auf der Innenbahn die Tür zuwerfen. Damit bremste sie Claudia Hollingsworth aus, die versuchte zu reduzieren, Hulls Fersen berührte und diese zu Sturz brachte. Die 20-jährige Hollingsworth beschleunigte erneut und zog noch an Sarah Billings vorbei. Dann wurde sie disqualifiziert und am Tag darauf rehabilitiert – Billings blieb so Meisterin für einen Tag.
Hollingsworth, 2024 U20-WM-Medaillengewinnerin im 800m-Lauf, hatte davor beim Maurie Plant Meet in Melbourne eine Talentprobe abgeliefert, als sie in einer Meetingrekordzeit von 4:01,30 Minuten die damals frisch gebackene Hallen-Weltmeisterin Georgia Hunter-Bell aus Großbritannien und ihre starke Landsfrau Abbey Caldwell besiegte.
Wie stark der australische Laufsport präsent ist, zeigte auch der Auftakt in die diesjährige Diamond League Mitte Mai in Shanghai, wo gleich fünf Australierinnen in die Top-Ten des 1.500m-Laufs der Frauen stürmten – allesamt unter 3:59 Minuten! Den äthiopischen Doppelsieg durch Birke Haylom – Meetingrekord in 3:55,56 Minuten – und Tsige Duguma konnte auch die beste Australierin, Abbey Caldwell, mit einer persönlichen Bestleistung von 3:56,12 Minuten nicht verhindern. Gabija Galvydyte senkte den litauischen Rekord auf unter vier Minuten.
Caldwell gewann eine Woche später das Diamond-League-Rennen in Xiamen gegen nicht ganz so starke Konkurrenz in 3:57,26 Minuten, ließ dabei aber bemerkenswerterweise Shanghai-Haylom hinter sich.
Die Lange Laufnacht in Karlsruhe ist traditionell ein wichtiges Meeting für österreichische Läuferinnen und Läufer. Niklas Kainrath (Union St. Pölten) gelang im 800m-Lauf eine persönliche Bestleistung von 1:48,73 Minuten. In einem weiteren Rennen (gleich 18 800m-Läufe standen am Programm!) verpasste Jonas Mesi (Sportunion IGLA long life) in 1:54,80 Minuten das Limit für die U18-Europameisterschaften knapp.
Ihre Saisonpremieren im 3.000m-Hindernislauf feierten Tobias Rattinger (LAC BMD Amateure Steyr) und Lena Millonig (ULC Riverside Mödling). Der Oberösterreicher beendete seinen Wettkampf in einer Zeit von 8:32,42 Minuten als Sechster im A-Lauf, der Sieg ging an den Italiener Osama Zoghlami in 8:21,67 Minuten. Die zweifache EM-Teilnehmerin belegte bei den Frauen in einer Zeit von 10:08,47 Minuten Platz acht, Sümeyye Erol (9:40,63) und Pelinsu Sahin feierten einen türkischen Doppelsieg. Katharina Pesendorfer (SVS Leichtathletik) folgte in 10:18,53 Minuten auf Position zehn. Lotte Seiler (KSV Alutechnik) und Marie Glaser (SVS Leichtathletik) sowie Kevin Kamenschak (ATSV Linz) waren in den 1.500m-Rennen am Start.
In Bydgoszcz gab Österreichs Nummer eins im 1.500m-Lauf, Raphael Pallitsch (Union St. Pölten), seine Premiere in der Freiluftsaison 2026. Der Burgenländer beendete seinen Wettkampf mit diffizilem Rennverlauf in einer Zeit von 3:39,25 Minuten auf Rang sechs. Der Sieg ging an den Kroaten Marino Bloudek in einer Zeit von 3:38,52 Minuten.
Nicht nur mit einem Paukenschlag hat Mohamed Abdilaahi aus Deutschland seine Saison eröffnet. Der 27-Jährige gewann den 3.000m-Lauf beim Diamond-League-Meeting in Shanghai in einer neuen Meetingrekordzeit von 7:25,77 Minuten. Damit verbesserte er nicht nur den 28 Jahre alten deutschen 3.000m-Rekord von Dieter Baumann gleich um fünf Sekunden, sondern schob sich auf Rang drei der ewigen europäischen Bestenliste hinter Jakob Ingebrigtsen und Mohamed Katir. Der schwedische Europarekordhalter im Halbmarathon, Andreas Almgren, wurde hinter dem kenianischen 1.500m-Spezialisten Reynold Cheruiyot Dritter und freute sich über einen neuen schwedischen Rekord von 7:26,48 Minuten. Eine Woche später überzeugte Abdilaahi in Xiamen auch als Zweiter im 5.000m-Lauf in einer Zeit von 12:57,90 Minuten, geschlagen nur vom Äthiopier Addisu Yihune, der eine Zeit von 12:57,32 Minuten verbuchte.
Für Abdilaahi war der 3.000m-Rekord bereits die zweite nationale Bestleistung in diesem Jahr. Ende März pulverisierte er im kalifornischen San Juan Capistrano den deutschen Rekord von Dieter Baumann über 10.000m aus dem Jahr 1997 um fast eine halbe Minute. In einem hochkarätigen Duell um den Sieg ließ der Deutsche dabei den Australier Ky Robinson mit dessen neuem Ozeanienrekord knapp hinter sich, erzielte eine Zeit von 26:56,58 Minuten und verbesserte sich auf Position fünf der ewigen Bestenliste der europäischen Leichtathletik – übrigens direkt vor dem amtierenden 10.000m-Weltmeister Jimmy Gressier aus Frankreich.
Die internationalen Highlights der beiden Auftaktmeetings in der Diamond League in Shanghai und Xiamen, jeweils in China – das Meeting in Doha wurde aufgrund des Konflikts im Nahen Osten vorerst auf Mitte Juni verschoben – lieferten die 3.000m-Hindernisläufe der Frauen. In Shanghai begeisterte das Duell zwischen Peruth Chemutai und Faith Cherotich im 3.000m-Hindernislauf der Frauen. Dieses bewegte sich angesichts des frühen Zeitpunkts der Saison auf bemerkenswertem Niveau. Die Olympiasiegerin von 2021 aus Uganda, Chemutai, setzte sich in einem Meetingrekord von 8:51,47 Minuten mit dem winzigen Vorsprung von 0,01 Sekunden durch. Marwa Bouzayani lief als Dritte in 8:58,09 Minuten einen Landesrekord für Tunesien.
Eine Woche später in Xiamen gesellte sich Olympiasiegerin Winfred Yavi zum Aufeinandertreffen der mit Abstand drei Besten der Szene in den letzten Jahren. Wieder behielt Chemutai die Oberhand, dieses Mal mit einem Meetingrekord von 8:51,06 Minuten. Yavi folgte eine halbe Sekunde dahinter, Cherotich belegte Rang drei.
🇩🇪 Am Sonntag ging mit dem Meeting Goldenes Oval Dresden ein weiterer Höhepunkt der deutschen Meetingszene vor voll besetzten Tribünen über die Bühne. Karl Bebendorf nützte seine Heimbahn für einen Heimsieg auf der selten gelaufenen Distanz von 2.000m mit Hindernissen in einer Zeit von 5:18,92 Minuten – nur wenige Stunden vor dem Fabel-Europarekord seines Landsmanns Frederik Ruppert beim Diamond League Meeting in Rabat im 3.000m-Hindernislauf (RunUp.eu-Bericht folgt). Diese Leistung ist eine neue deutsche Bestleistung auf der kürzeren Distanz. „Das war wie eine Befreiung für mich, ein unglaublich geiles Gefühl. Es war das, was man sich wünscht, vor heimischer Kulisse performen zu können“, so Bebendorf, der eine Einladung zum Diamond-League-Meeting zugunsten seines Heimauftritts fallen ließ. „Es stand nie zur Debatte, mich gegen das Goldene Oval zu entscheiden!“ Smilla Kolbe gewann den 800m-Lauf der Frauen in 2:00,02 Minuten vor Landsfrau Majtie Kolberg (2:00,67).
🇵🇱 Einen Schweizer Sieg gab es beim World Athletics Continental Tour Gold-Meeting in Bydgoszcz am vergangenen Wochenende mit Valentina Rosamilia im 800m-Lauf der Frauen in einer Zeit von 2:00,73 Minuten vor durchaus prominenten Kontrahentinnen. Die 23-Jährige profitierte auch vom Sturz der zu diesem Zeitpunkt führenden Britin Jemma Reekie in der letzten Kurve. Die Polin Klaudia Kazimierska glänzte über 1.500m mit einem Heimsieg in 3:59,99 Minuten – über vier Sekunden vor der Zweitplatzierten.
Autor: Thomas Kofler
Bild: © Gerd Altmann / Pixabay