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Gelungene Premieren für Cheptegei, Xaba und Rom

In drei Weltmetropolen fand am gestrigen Sonntag ein großer Halbmarathon statt, in Toronto einer der wichtigsten Marathons Nordamerikas. Ein Überblick.
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Joshua Cheptegei hat in Neu Delhi zum ersten Mal in seiner Karriere einen Halbmarathonlauf gewonnen. In Rom ging zum ersten Mal im Herbst ein Halbmarathon über die Bühne. Eine Sensation lieferte Glenrose Xaba, die als Siegerin des Kapstadt Marathon den südafrikanischen Marathonrekord verbesserte. Ein kurzer Überblick über das globale Lauf-Wochenende.

Erster Halbmarathonsieg für Cheptegei

Er ist Weltrekordhalter im 5.000m und 10.000m-Lauf, er ist Olympiasieger im 5.000m-Lauf (2021) und 10.000m-Lauf (2024), er ist dreifacher Weltmeister im 10.000m-Lauf und Weltmeister im Crosslauf. Joshua Cheptegei ist zweifelsohne einer der größten Läufer der Jetzt-Zeit. Doch eines, hat er bisher nicht geschafft: einen Halbmarathon zu gewinnen.

Das änderte sich am Sonntag in Neu Delhi. Es war freilich erst sein dritter Halbmarathon nach der WM 2020, wo ihm als Debütant der Sieg zugetraut wurde, er aber nur Vierter wurde, und dem zweiten Platz hinter seinem Landsmann Jacob Kiplimo vor eineinhalb Jahren in New York. Aber die Erwartungshaltung an den 32-Jährigen nach der Ankündigung des Umstiegs in den Straßenlauf war enorm, die bisherigen Resultate, so wie auch das recht in die Hose gehende Marathon-Debüt in Valencia 2023, ließen keine Euphorie aufkommen.

In Paris hat Cheptegei vorschnelle Kritiker besänftigt, als ihm endlich der Olympiasieg über seine Spezialdisziplin, dem 10.000m-Lauf gelang. Beim gestrigen Delhi Halbmarathon 2024 musste der Ugander auch keine Spitzenzeit laufen, um als Erster ins Ziel zu kommen: 59:46 Minuten. Nur einmal in den vergangenen zwölf Jahren reichte eine noch höhere Halbmarathon-Zeit zum Sieg bei dieser Veranstaltung. Beinahe hätte es gar nicht zum Sieg gereicht, erst kurz vor Schluss überholte Cheptegei den Kenianer Alex Matata, der vor seinem Landsmann Nicholas Kipkorir den zweiten Platz rettete. Kipkorir, einer der besten 5.000m-Läufer Kenias, bestritt seinen zweiten Halbmarathon. Der zweifache 5.000m-Weltmeister Muktar Edris musste mit Platz fünf zufrieden sein, über eine Minute hinter Cheptegei.

Bei den Frauen siegte Alemaddis Eyayu aus Äthiopien in einer Zeit von 1:08:17 Stunden vor Cynthia Limo aus Kenia, die vor neun Jahren hier gewann, und Tiruye Mesfin aus Äthiopien. Die 24-jährige Siegerin hat im Sommer den Hamburg Halbmarathon gewonnen, Ende August belegte sie beim Halbmarathon in Buenos Aires in persönlicher Bestleistung von 1:07:04 Stunden den zweiten Platz. Eilish McColgan kam in einer Zeit von 1:09:55 Stunden auf dem vierten Platz ins Ziel. McColgan hatte zuletzt bei großer Hitze einen 5km-Lauf in Dubai gewonnen und dabei ihre Saisonbestzeit vom Österreichischen Frauenlauf um eine Sekunde unterboten.

Ein großes Problem bei der wichtigsten indischen Laufveranstaltung ist Jahr für Jahr die Luftverschmutzung. Gerüchte kursieren, dass offizielle Fotos von den Presseterminen im Vorfeld bearbeitet wurden, damit der Himmel blau erschien.

Gelungene Premiere in der „Ewigen Stadt“

Eine Premiere ging in Italiens Hauptstadt über die Bühne. In Rom, wo der Laufsport mit dem Halbmarathon Rom-Ostia und der Rom Marathon im März traditionell seine Hochsaison hat, ging am Sonntag die Premiere des Wizz Air Rom Halbmarathon über die Bühne. Fast 13.500 Finisher*innen alleine im Halbmarathon, zwei Drittel davon Nicht-Italiener*innen und ein bemerkenswerter Frauen-Anteil von 42,5% in den Anmeldelisten zeigen nicht nur das Potenzial der Veranstaltung, sondern auch die Bedeutung, die der Laufsport in der „Ewigen Stadt“ mittlerweile hat. In der Euphorie und dank des hohen Anteils ausländischer Läufer*innen sprach der Veranstalter in der „La Gazzetta dello Sport“ von bis zu 30.000 Teilnehmer*innen in den kommenden Jahren.

Für die passende Siegerzeit sorgte ausgerechnet jener Läufer, der heuer auch den Halbmarathon von Rom zu seinen antiken Hafen in Ostia gewonnen hat: Emmanuel Wafula – und zwar in einer Zeit von 59:58 Minuten. Mit einer Attacke nach 13 Kilometer konnte der Kenianer das Rennen recht früh vorentscheiden. Bei den Frauen siegte Nancy Sang bei ihrem Halbmarathon-Debüt in einer starken Zeit von 1:06:52 Stunden vor Fantu Worku aus Äthiopien, die ihren ersten Wettkampf seit zwei Jahren bestritt, und Eveline Chirchir aus Kenia. Die in Rom lebende Sofiia Yaremchuk erreichte Platz sieben in 1:13:28 Stunden. Das Rennen wurde am Circus Maximus gestartet, führte zu etlichen der schönsten Plätze Roms und finishte direkt vor dem Kolosseum. Die antike Arena bildete auch die herrliche Kulisse für die Siegerfotos bei der Siegerehrung.

Streckenrekorde in Tokio

Neue Streckenrekorde und Siegerzeiten in ähnlicher Qualität gab es beim Tokio Legacy Halbmarathon, eine ebenso recht junge Veranstaltung. Der Kenianer Amos Kurgat gewann das Männerrennen in einer Zeit von 59:52 Minuten vor seinen ebenfalls in Japan lebenden Landsleuten Bedan Karoki und Paul Kuira. Der beste Japaner, Yusuka Nishiyama, erzielte in einer Zeit von 1:01:13 Stunden keine Topzeit. Loice Chemnung dominierte das Frauenrennen mit einer Zeit von 1:07:27 Stunden und über vier Minuten Vorsprung auf die Japanerin Mao Kiyota, die das Duell um Platz zwei gegen Khishigsaikhan Galbadrakh aus der Mongolei gewann.

Historische Leistung beim Toronto Marathon

Im Bemühen darum, der schnellste Marathon Kanadas zu bleiben, ist dem TCS Toronto Waterfront Marathon am Sonntag ein großer Schritt gelungen. Die Siegerzeit von Waganesh Mekasha aus Äthiopien von 2:20:44 Stunden ist nicht nur die schnellste jemals in Toronto, sondern in ganz Kanada gelaufene Marathonzeit bei den Frauen – und zwar gleich um eineinhalb Minuten besser als die Siegerzeit von Magdalyne Masai, die 2021 in Toronto gewonnen hat. Die 32-Jährige hat ihre Karriere vor zehn Jahren zwischenzeitlich unterbrochen und ist 2018 in den Marathon zurückgekehrt. Nach etlichen guten Leistungen, darunter ein vierter Platz in Dubai 2019, ein fünfter in Chicago 2022, ein zweiter in Toronto 2023 und der Sieg bei den Marathons in Ottawa 2023 sowie in Osaka 2024 folgte nun eine gewaltige Leistungssteigerung um zwei Minuten zu dieser Spitzenzeit. Und das trotz des für Toronto typischen Windes.

Gleich vier Äthiopierinnen landeten auf den ersten vier Plätzen. Die etwas höher eingeschätzte Roza Dereje, die bereits Marathonsiege in Dubai und Valencia gefeiert hat, und die Vorjahres-Dritte Afera Godfay landeten mit 2:21er Zeiten auf den Plätzen hinter der strahlenden Siegerin. Die 42-jährige Kanadierin Natasha Wodak lief trotz Problemen mit Übelkeit einen guten Marathon in 2:27:54 Stunden und belegte Platz fünf. Zuletzt war sie vor elf Jahren den Marathon in der südkanadischen Metropole gelaufen. Es war ihr schnellster Marathon seit ihrem nationalen Rekord beim Berlin Marathon 2022, außerdem ihr erster kanadischer Meistertitel im Marathon. Mit den wichtigen Bonuspunkten hofft sie auf eine Qualifikation für die WM in Tokio 2025, nachdem sie den Sprung ins Olympische Starterfeld 2024 knapp nicht geschafft hat.

Auch Leslie Sexton, Rachel Hannah und Anne-Marie Comeau schafften es mit den heimischen Farben in die Top-Ten. Weniger spektakulär war die Siegerzeit bei den Männern: Der Äthiopier Mulugeta Asefa setzte sich in einem engen Rennen in einer Zeit von 2:07:16 Stunden knapp gegen die Kenianer Dominic Ngeno und Noah Kipkemboi durch. Bester kanadischer Läufer und damit nationaler Meister war Justin Kent mit einer persönlichen Bestzeit von 2:12:17 Stunden. Laut dem Canadian Running Magazine ist Kent mit der kanadischen Mittelstreckenläuferin Lindsey Butterworth verheiratet, das Paar hat eine ein paar Monate alte Tochter.

Südafrikanischer Rekord beim Debüt

Die herrliche Endzeit von 2:22:22 Stunden wurde für Glenrose Xaba beim Kapstadt Marathon zur Glückszahl. Bei ihrem Marathon-Debüt stürmte die 29-Jährige auf heimischem Boden zu einem neuen südafrikanischen Rekord, drei Monate, nachdem sie in Durban bereits den Landesrekord im 10km-Straßenlauf verbessert hat (31:12). Damit blieb Xaba gleich 101 Sekunden unter der bisherigen nationalen Bestleistung von Gerda Steyn vom Valencia Marathon 2023. Da diese Leistung neben dem Landesrekord auch einen Streckenrekord darstellt, dürfe sich Xabas Auftritt auch finanziell sehr gelohnt haben.

Die ehemalige Weltmeisterin Mare Dibaba aus Äthiopien finishte eine halbe Minute hinter der Lokalmatadorin auf dem zweiten Platz, die Kenianerin Pascalia Chepngeno kam als Dritte ins Ziel.

Starke Siegerleistungen in Ljubliana

Ein großer Name in der Szene war am Sonntag beim Ljubljana Marathon am Start und beendete ihn prompt als Sieger in einer Zeit von 2:06:29 Stunden. Getaneh Molla überraschte die Laufwelt im Jänner 2019, als er sein Marathon-Debüt in einer Traumzeit von 2:03:34 Stunden abschloss und damit den prestigeträchtigen Dubai Marathon gewinnen konnte. Allerdings konnte der 30-Jährige diese Marathon-Leistung bisher nicht bestätigen und finishte mehrfach im Leistungsbereich zwischen 2:06 und 2:08 Stunden, ohne internationale Top-Resultate zu erreichen. Der elfte Platz beim Valencia Marathon 2022 war sein nächstschnellster, über drei Minuten hinter der Bestleistung.

Die Siegerzeit in der slowenischen Hauptstadt reiht sich damit auf Platz zwei seiner persönlichen Hitliste ein. Die Kenianer Edmond Kipngetich, Vorjahressieger, und Collins Kipkorir folgten auf den weiteren Plätzen. Eine starke Leistung gelang Frauen-Siegerin Joyce Tele aus Kenia, die in einer Zeit von 2:20:17 Stunden einen neuen Streckenrekord erzielte. Die zweitplatzierte Gadise Demissie blieb in 2:20:59 Stunden ebenfalls unter der bisher schnellsten Zeit beim Ljubljana Maratahon von Vorjahressiegerin Zinah Senbeta, die dieses Mal abgeschlagen als Dritte ins Ziel kam. Die beste slowenische Leistung des Tages gab es auf der 10km-Distanz durch Klara Lukan, die eine Zeit von 31:49 Minuten erreichte. Über 21.000 Läufer*innen beteiligten sich an beiden Bewerbstagen, über 13.000 waren es am Sonntag, wobei der Halbmarathon und der 10km-Lauf jeweils über 5.000 Laufbegeisterte anzogen.

Heimsiege bei Hytteplanmila

Die international bekannten norwegischen Läufer Karoline Bjerkeli Grövdal und Narve Gilje Nordas haben den 10km-Lauf Hytteplanmila im norwegischen Hole gewonnen. Am Samstag dominierte die amtierende Halbmarathon-Europameisterin den Wettkampf und finishte ihn in einer Zeit von 31:12 Minuten. Mindestens genauso viel Aufsehen wie die norwegische Meisterin erfuhr die zweitplatzierte Wilma Anna Bekkemoen Torbjörnss. Die 17-Jährige verbesserte den norwegischen U18-Rekord auf eine Zeit von 33:29 Minuten und gewann die Silbermedaille. Nordas erzielte eine Zeit von 28:24 Minuten und hielt den Schweden Suldan Hassan sowie seine Landsleute Per Svela und Sondre Nordstad Moen hinter sich.

Autor: Thomas Kofler
Bild: © Martins Zemlikis / unsplash – Symbolfoto

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