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Kevin Kamenschak meldete sich mit seinem dritten Staatsmeistertitel, dem ersten im Crosslauf, in jener Disziplin zurück, in der er zuletzt die größten Erfolge gefeiert hat. Den Titelgewinn in St. Margarethen im Burgenland, einen Steinwurf entfernt vom Heimatort seines Trainers Raphael Pallitsch, umgab das Gefühl eines Neustarts für den 21-Jährigen.
Acht Monate nach den Militär-Weltmeisterschaften im Crosslauf in der Schweiz, bei der Kevin Kamenschak (ATSV Linz LA) den 16. Platz erreicht hatte, schreibt eines der großen Lauftalente Österreichs wieder Schlagzeilen. Der 21-jährige Oberösterreicher, der auf die Sommersaison verzichtet hat, holte sich bei den ÖLV-Staatsmeisterschaften in St. Margarethen im Burgenland den Crosslauf-Titel auf der Langstrecke. Nach sieben Runden, einer Gesamtdistanz von 9.100 Metern und 26:40 Minuten Laufzeit bedeutete die Goldmedaille den bestmöglichen Wiedereinstieg ins Wettkampfgeschehen. Als „ein Zuckerl“ bezeichnete Kamenschak die Titel-Premiere in jener Disziplin, in der er seinen letzten großen Erfolg auch auf europäischer Bühne gefeiert hat: EM-Achter in der Altersklasse U23 vor einem Jahr in Antalya. „Die letzten drei Monate konnte ich richtig gut trainieren“, erzählte der Linzer und ging auch daher mit viel Vorfreude an den Wettkampfstart.
Im Wettkampf überzeugte der 21-Jährige, der vor drei Jahren das Rennen auf der Kurzstrecke gewinnen konnte. Er überließ während den ersten beiden Dritteln seinen Begleitern Tobias Rattinger (LAC BMD Amateure Steyr) und Lukas Novak (run2gether) die Bühne bei der Tempogestaltung an der Spitze. Fast eine Minute Vorsprung hatte das Trio zur Halbzeit bereits auf den Rest des Feldes. Gegen Ende der vorletzten Runde attackierte Kamenschak und vollendete diese Verschärfung mit dem Triumph. „Nachdem ich so lange keinen Wettkampf gelaufen bin, wollte ich erst einmal hineinfühlen, wie es läuft. Es ist sehr locker gegangen. Mein Angriff ist mir ganz gut gelungen und hatte vielleicht auch einen kleinen Überraschungseffekt“, schilderte er aus dem Wettkampfgeschehen.

Das lang ersehnte Comeback nach einer Auszeit vom stressigen Wettkampfgeschehen markiert für Kamenschak damit auch das Ende einer nicht einfachen Zeit, die bereits im vergangenen Winter begonnen hat, als eine Krankheit zum denkbar unglücklichsten Zeitpunkt seine Hallensaison verhagelte, die er freilich mit zwei Staatsmeisterschaftsmedaillen halbwegs retten konnte, aber in der er Hoffnungen auf einen ersten EM-Start bei den Erwachsenen begraben musste.
Der Comebacksieg in St. Margarethen ist gleichbedeutend mit einem Fixticket für die in drei Wochen anstehenden Crosslauf-Europameisterschaften in Lagoa an der Algarve. „Heute habe ich gezeigt, dass ich gut drauf bin. Daher freue mich schon auf die EM“, so Kamenschak. Er wird dort, am 14. Dezember, wieder in der Altersklasse U23 starten – wie vor einem Jahr bei seinem letzten großen sportlichen Zeichen.
Im finalen Duell des Männerrennens zwischen den beiden Oberösterreichern teilte Tobias Rattinger das Schicksal Kamenschaks. Auch der als Mediziner arbeitende Hindernislauf-Spezialist verpasste die vergangene Sommersaison quasi komplett. Im Oktober gewann der 27-Jährige in Ottensheim nahe Linz den 10km-Landesmeistertitel, nun zeigte Rattinger am Tag vor seinem 28. Geburtstag auch im Crosslauf, dass er auf einem guten Weg zurück ist.
In einer Zeit von 26:45 Minuten freute er sich über seine erste Staatsmeisterschaftsmedaille im Crosslauf, Silber. Im Vorjahr hatte Rattinger die Kurzstrecke gewonnen, auf der österreichischen Meisterschaften ausgetragen werden und keine Staatsmeisterschaften – als Folge dieses Erfolgs wurde Rattinger damals für die Europameisterschaften in Antalya nominiert, wo er bester Österreicher in der Allgemeinen Klasse wurde.

Die Bronzemedaille sicherte sich Orientierungsläufer Lukas Novak, der damit nach seiner ÖM-Medaille im 10km-Lauf neuerlich auf das Stockerl laufen konnte. Der Steirer erreichte das Ziel in einer Zeit von 26:53 Minuten und hatte damit über eineinhalb Minuten Vorsprung auf den viertplatzierten Berglauf- und Trailrunning-Spezialisten Sebastian Falkensteiner (LC Oberpinzgau).
Herausfordernde äußere Bedingungen machten die Crosslauf-Staatsmeisterschaften und Österreichischen Meisterschaften im Freizeitgelände beim Badeteich St. Margarethen zur Herausforderung. Die abwechslungsreich gestaltete Strecke sah kaum topografische Herausforderungen vor und war recht gut zu belaufen. Doch bei leichten Minusgraden und starkem Wind machte die Abwechslung aus eisigem und rutschigem sowie teilweise tiefem Boden das Rennen zur besonderen Aufgabe.
Großer Abwesender bei seinem intendierten Heimspiel war Raphael Pallitsch (Union St. Pölten), der als klarer Favorit in das 3.400 Meter lange Kurzstreckenrennen gegangen wäre. Der Burgenländer sagte seinen Startplatz aufgrund einer Erkältung kurzfristig ab. So nutzte Marcel Tobler (ULC Riverside Mödling) die Chance und setzte sich nach einem aktiv gestalteten Rennen verdient in einer Zeit von 10:02 Minuten vor dem 18-jährigen Markus Hauser (Leichtathletik Club Unlimited) und Bernhard Neumann (DSG Wien), im vergangenen Jahr U23-Meister, durch. Für Tobler war es der erste Erfolg bei nationalen Crosslauf-Meisterschaften.

Hauser gewann somit überraschend die U20-Wertung vor dem viertplatzierten Damian Eror (LAC Waidhofen/Ybbs). U23-Meister wurde Markus Reißelhuber (team2012.at), im vergangenen Jahr noch U20-Champion, als Fünfter. Die Top-Acht des Rennens wurden allesamt im aktuellen Jahrhundert geboren.
In das Staatsmeisterschaftsrennen der Frauen ging Vorjahressiegerin Carina Reicht (OMNi-BiOTiC POWERTEAM) als Favoritin. Entsprechend der Ausgangsposition verhielt sich die 24-Jährige im Wettkampf auf und nahm sofort das Zepter in die Hand. Bereits nach wenigen Minuten führte sie als Solistin und verteidigte ihren Vorsprung bis ins Ziel, das sie in einer Zeit von 17:10 Minuten erreichte. „Ich wollte schauen, ob jemand mein schnelles Rennen mitgeht. Da mein Vorsprung recht bald sehr groß war, konnte ich mein Rennen ruhig fertig laufen.“
Hinter der überlegenen Siegerin sicherten sich Lisa Redlinger (TS Lustenau) und Tabea Schmid (ULC Riverside Mödling), die nach 17:20 bzw. 17:35 Minuten das Ziel erreichten, die weiteren Medaillen. Die 19-jährige Schmid überholte erst im Finale die davor auf Position drei laufende Nicole Bauer (ULC Riverside Mödling), die heuer bei den U23-Europameisterschaften im Sommer im ÖLV-Team war, und sicherte sich den U20-Titel. Bauer musste auch noch Sandra Schauer (Union St. Pölten) passieren lassen, holte sich als Fünfte aber den U23-Titel.

Die junge Steirerin kommt aus einer sehr erfolgreichen Saison. Sie verbesserte die ÖLV-Rekorde im 5km- und 10km-Lauf und feierte auch im Triathlon große Erfolge. Nach mehreren Europacup-Siegen gelang ihr Anfang Oktober ihr Premieren-Triumph beim Triathlon-Weltcup in Rom – als erst zweiter Österreicherin überhaupt nach Lisa Perterer vor sieben Jahren. Nun zeigte Reicht auch im Crosslauf ihre Stärke und lieferte einen neuerlichen Beweis ihrer Vielseitigkeit.
🇳🇱 Mario Bauernfeind wollte eigentlich an den Staatsmeisterschaften teilnehmen, sagte seinen Start in St. Margarethen aber ab, weil er gesundheitlich angeschlagen aus Holland zurückgekommen ist. Dort nahm der 34-Jährige am Wochenende davor an den Polizei-Europameisterschaften im Crosslauf teil und erreichte mit der sich bereits anbahnenden Erkältung die unglücklichen vierten Plätze sowohl in der Einzel- als auch in der Teamwertung. Das deutsche Trio Robin Müller, Florian Bremm und Kurt Lauer feierte einen Dreifachsieg und den Triumph in der Nationenwertung.
🇪🇸 Die zurzeit beste europäische Langstreckenläuferin auf der Bahn, Nadia Battocletti, ist mit einem außergewöhnlichen Erfolg in ihre Wintersaison gestartet. Die 25-jährige multiple Europameisterin siegte am Sonntag beim zur World Cross Country Tour Gold zählenden Crosslauf Atapuerca in Spanien nach einer Attacke auf dem letzten Kilometer konkurrenzlos vor Sheila Jebet aus Kenia und die für Kasachstan laufende Daisy Jepkemei, die Vorjahressiegerin. Für die 6.821 Meter brauchte die Italienerin, die bereits zum vierten Mal bei diesem Event teilnahm, bei kühlen Temperaturen aber trockenen Bedingungen 22:21 Minuten.
Es ist der erste europäische Sieg seit den Anfangsjahren der Veranstaltung Anfangs des Jahrhunderts. Seit fast zwei Jahrzehnten liefen ausschließlich in Afrika geborene Athletinnen und Athleten als Erste durch das Ziel des Crosslaufs in einem archäologischen Park in der Provinz Burgos im Norden Spaniens, weshalb die spanische Sportzeitung „AS“ gar von einem Wunder sprach. Als zweitbeste Europäerin erreichte Megan Keith aus Großbritannien das Ziel knapp abseits des Stockerls.
Bei den Männern setzte sich der Kenianer Matthew Kipsang in einer Zeit von 20:05 Minuten neuerdings gegen den in Spanien ansässigen und für Burundi laufenden Rodrigue Kwizera durch. Es ist sein bereits dritter Saisonsieg auf höchster Ebene. Die beiden hatten sich bereits eine Woche zuvor beim Crosslauf in Soria, ebenfalls Teil der World Cross Country Tour Gold, duelliert. Damals feierte der Kenianer passend zu seinem 30. Geburtstag einen überraschenden Erfolg. Dieses Mal fehlte Kwizera nach 6.821 Metern eine Sekunde. Dritter wurde der Spanier Thierry Ndikumwenayo.
🇮🇹 Bereits zum 93. Mal fand am Sonntag der Crosslauf Cinque Mulini in San Vittore Olona vor den Toren der Olympia-Gastgeberstadt Mailand statt, ebenfalls ein Lauf der World Cross Country Tour Gold. In Abwesenheit Battoclettis, die im Sinne der authentischen Vorbereitung auf die EM in Portugal zwei Crossläufen in Spanien den Vorzug gegenüber einem Heim-Auftritt gab, hoffte Iliass Aouani auf einen Triumph auf heimischem Terrain. Der WM-Dritte im Marathon musste sich auf der 8,2 Kilometer langen Strecke hinter dem überlegenen Sieger Saymon Amanuel aus Eritrea (22:48) und Matthew Kipruto aus Kenia einordnen. Aouani war nach 23:29 Minuten im Ziel. Bei den Frauen gelang der Äthiopierin Yenenesh Shimket die Wiederholung ihres Vorjahressiegs in einer Zeit von 19:11 Minuten nach 6,2 Kilometern. Beste Italienerin war die viertplatzierte Valentina Gemetto, eine Woche zuvor in Soria bereits Dritte.
🇫🇷 Der ehemalige Europameister im Crosslauf, Yann Schrub aus Frankreich, hat sich am vergangenen Wochenende in guter Form präsentiert. Bei seinem Heimspiel im Rahmen des Cross d’Allonnes, ebenfalls ein Crosslauf der Gold-Tour, belegte er, geschlagen nur vom Äthiopier Milkesa Fikadu, den zweiten Platz. Bei strömendem Regen und tiefem Schlamm als Untergrund erreichten auch die französischen Teilnehmerinnen Alessia Zarbo (2.), Anaelle Guillonnet (4.) und 1.500m-Hallen-Europameisterin Agathe Guillemot (5.) Top-Platzierungen. Tirhas Gebrehiwet aus Äthiopien gewann, die ehemalige 3.000m-Hindernislauf-Weltmeisterin Norah Jeruto kam als Dritte ins Ziel.
🇬🇧 Eine der talentiertesten Crosslaufläuferinnen Europas, Innes FitzGerald, zeigt sich drei Wochen vor den Europameisterschaften, bei denen sie haushohe Favoritin im U20-Rennen sein wird, weiterhin in Topform. Die 19-Jährige siegte bei den britischen Vorausscheidungen in Liverpool in großer Überlegenheit.
Autor: Thomas Kofler
Quelle: Österreichischer Leichtathletik-Verband
Bilder: © ÖLV / Alfred Nevsimal