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Generalprobe mit Vernunft für Herzog

Der Sevilla Marathon am 19. Februar stellt das nächste große sportliche Ziel für Peter Herzog dar. Am Sonntag bestreitet er in der andalusischen Regionalhauptstadt einen Halbmarathon – eine Art „Generalprobe“, die ganz im Zeichen des Sevilla Marathon in drei Wochen steht.
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„Ich bin fast ein bisschen nervös und freue mich sehr“, gibt Peter Herzog (Union Salzburg LA) zu. Es liegt in der Natur der Marathonläufer, dass der Takt der Wettkampfauftritte nicht allzu eng ist, der letzte Wettkampf mit einer ähnlichen Distanz liegt vier Monate zurück (Berlin Marathon). Österreichs Marathonrekordhalter wertet das als gutes Zeichen, obwohl die Bedeutung des Halbmarathons in Sevilla keine allzu große Nervosität hervorzurufen bräuchte. Ein Trainingslauf unter Wettkampfbedingungen, direkt aus einer umfangreichen und harten Trainingswoche heraus, ohne Risiko, also in einem vernünftigen, Marathon tauglichen Tempo, lautet die gemeinsam mit Trainer Johannes Langer herausgearbeitete Vorgabe für Sonntag. „Alles ist der Zielsetzung Sevilla Marathon untergeordnet“, so Langer.

Herzog will nicht auf die Uhr schauen („Die Zeit ist semi-wichtig“) und auch nicht nur auf die physischen Aspekte: „Ich will mit einem guten Gefühl aus dem Wettkampf gehen, ganz anders als etwa letztes Jahr beim Wörthersee Halbmarathon als letztem Wettkampf vor dem Berlin Marathon.“ Auch die Erinnerungen an den guten Sevilla Halbmarathon 2022 (1:03:17 Stunden, aus dem Training heraus mit Handbremse) und die anschließende, bittere Verletzung sind noch präsent. Diese Erfahrungen sollen in den kommenden Wochen durch frische, guten Erinnerungen ersetzt werden.

Zwei wochenlange Trainingslager

Um für diese Vorhaben bestens vorbereitet zu sein, reiste der Salzburger in den vorweihnachtlichen Wochen nach Kenia, um im „Home of Champions“ in Iten auf über 2.000m Meereshöhe zu trainieren. Seit Wochen verweilt er in Monte Gordo an der Südküste Portugals, wo er bis zum Sevilla Marathon bleiben wird. „Hier sind die Trainingsbedingungen im europäischen Winter einfach sehr gut“, berichtet der 35-Jährige. Auch wenn die Temperaturen ihn aktuell zwingen, mit langer Laufhose, Laufjacke und Stirnband zu trainieren. Es ist eine vergleichbare Vorbereitung wie im Vorjahr, was die Auswahl der Trainingsorte betrifft, aber zusätzlich versetzt mit emotionalem Mehrwert.

Gemeinsam mit Landsleuten

Bereits in Kenia, wo Herzog letztes Jahr ebenfalls physische Beschwerden hatte und teilweise Alternativtraining absolvieren musste, war die Stimmung heuer besser. Dazu führte die Präsenz des deutschen Marathonrekordhalters Amanal Petros, einiger Franzosen und Belgier, aber insbesondere von Sondre Nordstad Moen. Mit dem Norweger, ehemaliger Europarekordhalter im Marathon, verstand sich Österreichs Marathon-Rekordhalter auf Anhieb gut. Das Trainingsprogramm ist das eine, aber eine wohltuende Atmosphäre bei Trainingseinheiten, harmonische Partnerschaften und die Stimmung zwischen den Einheiten sorgen auch ein Stück weit dafür, besser trainieren zu können.

In Portugal genoss er noch vertrautere Unterstützung. Erst trainierte Timon Theuer (Union St. Pölten) mit ihm, dann Markus Hartinger (LTV Köflach) und seit gestern ist Lars Demuth (1. Sportvereinigung Hohe Wand) sein Trainingspartner. „Wenn man so lange an einem Ort lebt, weit weg von der Familie, ist Abwechslung enorm wichtig. Sowohl das Training mit Timon, als auch mit Markus, mit dem ich mich sehr gut verstanden habe, war im Einklang mit meinem Programm und so wird es mit Lars auch sein“, spricht Herzog von einem enormen Mehrwert, der natürlich gegenseitig gilt, und erzählt auch von der guten Stimmung in einer Gruppe holländischer Athleten. „Beim Essen gibt es immer viel zu lachen!“ Und auf der Laufbahn die Möglichkeit, vom individuellen Programm ausgehend sich bei guter Gelegenheit bei den anderen einzuklinken. Das war letztes Jahr unter den Einschränkungen der Pandemie vor Ort freilich kaum so möglich. Herzogs vorläufige Zwischenbilanz: „Ich bin fit!“ Ansonsten gibt sich der Pinzgauer gewohnt zurückhaltend, die Analyse seiner Trainingsarbeit übernimmt der Auftritt beim Sevilla Marathon in drei Wochen.

Keine Weltranglistenpunkte

Ein minimaler Wermutstropfen des Wettkampfs am Sonntag ist, dass die Halbmarathonstrecke in Sevilla zwar vom spanischen Leichtathletik-Verband (RFEA) geprüft ist, aber nicht vom Leichtathletik-Weltverband (World Athletics), so dass es – wie im Vorjahr – keine Weltranglistenpunkte dafür gibt. Herzog sieht das entspannt: „Der Zeitpunkt für einen schnellen Halbmarathon in guter Form für das World Ranking kommt ein anderes Mal.“ Der Extraaufwand, aus Monte Gordo anstatt ins nahe gelegene Sevilla, eine Woche vorher zum Halbmarathon nach Santa Pola nahe Alicante zu reisen, hätte nicht dafür gestanden – schließlich ist dieser Halbmarathon ein Testrennen.

Walelegn und Saina in Favoritenrolle

Trotz dieses Schönheitsfehlers hat nicht nur Herzog den Halbmarathon in Sevilla als Wettkampfgelegenheit auserkoren, sondern neben einer durchaus leistungsstarken ostafrikanischen Gruppe auch einige gute Europäer wie der Deutsche Nils Voigt, der nicht in einer Marathon-Vorbereitung steckt und daher Vollgas geben möchte, der Franzose Benjamin Choquert oder die Italiener Yassine El Fathaoui und Nekagenet Crippa. Bester Spanier ist der amtierende Landesmeister im Marathon, Jorge Blanco. Angeführt wird das Feld vom Halbmarathon-WM-Medaillengewinner Amdework Walelegn aus Äthiopien, der mit einer Bestleistung von 58:40 Minuten der klare Favorit ist und in die Nähe des Streckenrekords (59:02) laufen soll.

Bei den Frauen sind mit Alina Reh und Deborah Schöneborn zwei prominente deutsche Läuferinnen am Start. Weitere starke Europäerinnen sind die Holländerin Jasmijn Lau und die Französin Melody Julien. International der bekannteste Name im Feld ist die US-Amerikanerinnen Betsy Saina, afrikanische Eliteläuferinnen wurden keine eingeladen. Der Veranstalter spricht dafür sogar davon, dass die gebürtige Kenianerin den US-Rekord angreifen möchte.

Rund 12.500 Läuferinnen und Läufer haben sich für den Event angemeldet.

EDP Medio Maraton de Sevilla

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