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Knapp vier Wochen vor der Eröffnung der 16. IAAF Weltmeisterschaften im Olympiastadion von London trifft sich ein Teil der Weltelite exakt in jenem Stadion zu einer Generalprobe unter Wettkampfbedingungen. Schließlich geht es bei der neunten Station der diesjährigen Diamond League…
Knapp vier Wochen vor der Eröffnung der 16. IAAF Weltmeisterschaften im Olympiastadion von London trifft sich ein Teil der Weltelite exakt in jenem Stadion zu einer Generalprobe unter Wettkampfbedingungen. Schließlich geht es bei der neunten Station der diesjährigen Diamond League nicht nur um eine Standortbestimmung vor den Weltmeisterschaften, sondern auch um wichtige Punkte für die Qualifikation für das Diamond League. Diese ist aber sekundär, denn hauptsächlich gilt es, die Topform Richtung WM aufzubauen. Elitäre Meetings wie jenes in London sind dabei in dieser Phase sehr willkommen.
Laura Muir soll programmgemäß die britische Lauf-Heldin bei den Weltmeisterschaften 2017 sein. Nach ihrer gescheiterten Risiko-Taktik beim Olympischen Finale über 1.500m in Rio wäre es eine klassische Erfolgsgeschichte, könnte sie ausgerechnet bei der Heim-WM triumphieren. Für London hat sich die fleißige Schottin etwas Besonderes einfallen lassen. Sie versucht sowohl in ihrer Spezialdisziplin, dem 1.500m-Lauf als auch über 5.000m aufs Stockerl zu laufen. Ein erfolgreicher Test der Doppelbelastung gelang bei den Hallen-Europameisterschaften im März in Belgrad glänzend. Allerdings: Ende Mai kam eine Verletzung dazwischen, die das Trainingsprogramm der 24-Jährigen kräftig durcheinander wirbelte. Ersten Medienberichten, der Plan des Doppelstarts sei durchkreuzt, widerlegte ihr Coach Andy Young vehement. Die Vorbereitungszeit ist jedenfalls kurz, Muir muss so schnell wie möglich in Form kommen. Sprich: Ist das Meeting in London für alle eine wichtige Standortbestimmung, ist es für Muir zehnmal wichtiger. Der Auftritt in Lausanne über 800m (siehe RunAustria-Bericht) ist viel versprechend für die nahe Zukunft. Aufgrund der Verletzung dürfte aber der in London anvisierte Angriff auf den britischen Rekord von Zola Budd, die vor 32 Jahren in Zürich eine Zeit von 4:17,57 Minuten gelaufen war, hinfällig sein.
Muir fordert Obiri
Im Meilenrennen in London fordert Laura Muir die Kenianerin Hellen Obiri heraus. Die ehemalige 1.500m-Spezialistin hat sich nach der Rückkehr einer Babypause auf die 5.000m spezialisiert und dominiert in dieser Disziplin die bisherige Saison. Dass sie aber auch weiterhin auf der Unterdistanz ein beachtliches Tempo vorlegen kann, demonstrierte sie in Eugene, als sie sich nur Olympiasiegerin Faith Kipyegon geschlagen geben musste. Neben Obiri sind mit 800m-Spezialistin Winny Chebet und den beiden Äthiopierinnen Dawit Seyaum und Axumawit Embaye, die ihre Form 2017 noch sucht, nur drei weitere Afrikanerinnen im Rennen. Die ehemalige Weltmeisterin Jennifer Simpson ist eine weitere Sieg-Kandidatin, auch Kate Grace, Zweite bei den US-Trials, ist am Start. Fleißige Diamond-League-Starterin ist Europameisterin Angelika Cichocka, die den dank dieses Titels leichteren Zugang zu den begehrten Starterfeldern in der Diamond League gerne ausnützt.
Farah mit nächstem Test
Eigentlich interessiert sich Mo Farah seit Jahren nicht für die IAAF Diamond League, aber die Meetings auf britischem Boden nimmt er immer gerne mit, auch um sich seinem Publikum zu präsentieren. „Ich liebe es, in diesem Stadion zu laufen“, so der 34-Jährige, der hier 2012 zwei Olympische Goldmedaillen gewann. Knapp zwei Wochen nach seinem Sieg in Ostrava über 10.000m steht dieses Mal ein 3.000m-Lauf auf dem Programm. Das Feld ist so aufgestellt, dass Farah in der klaren Favoritenrolle ist. Der größte Herausforderer ist auf dem Papier der US-Amerikaner Ryan Hill, der die Zeitenliste anführt. Zuletzt gute Rennen über diese Distanz zeigten der Spanier Adel Mechaal und der Australier Patrick Tiernan. Dieses Rennen ist auch ein wichtiger Test für den zweitbesten Briten im 5.000m-Lauf, Andrew Butchart, der sich ähnlich wie Farah auf den längeren Distanzen wohl fühlt. Im 3.000m-Lauf der Herren gibt es keine Punkte für die Diamond-League-Gesamtwertung.
Kiprop und Wightman auf der Unterdistanz
Es ist nicht ungewöhnlich, dass der Kenianer Asbel Kiprop um diese Jahreszeit ein Testrennen über 800m einstreut. Vor drei Jahren gewann er sogar einen 800m-Lauf im Rahmen der Diamond League, das war in Paris. Ob der Kenianer nach einigen Problemen im Frühjahr trotz zuletzt ansteigender Form bereits in Siegesform ist, ist zu bezweifeln. Zuletzt auf die Siegerstraße zurückgekehrt ist Nijel Amos, der in Paris überraschend gewann. Dieser Sieg hievt ihn in die Favoritenrolle für London, die er sich mit Rom-Sieger Adam Kszczot teilt. Außer Kiprop sind keine Kenianer am Start, dafür gleich fünf Briten. Unter ihnen die WM-Starter Kyle Langford und Guy Learmonth, der EM-Dritte Elliot Giles und 1.500m-Spezialist Jake Wightman, der wie Kiprop Erfahrungen auf der Unterdistanz sammelt. Auch der US-Amerikaner Donavan Brazier könnte im Kampf um den Sieg ein Wort mitsprechen.
Gute Generalprobe für britische Läuferinnen und Läufer
Knapp einen Monat vor den Weltmeisterschaften in exakt diesem Stadion ist der Veranstalter bemüht, seinen Lokalmatadoren eine optimale Bühne für eine lehr- und ertragreiche Generalprobe zu bieten. Daher nahm er zwei weitere Laufdistanzen, in denen es nicht um Punkte für die Qualifikation für das Diamond-League-Finale geht, ins Programm auf. Im 800m-Lauf der Damen treffen die drei voraussichtlichen britischen WM-Starterinnen Shelayna Oskan-Clarke, Adelle Tracey und Lynsey Sharp unter anderem auf die starke US-Amerikanerin Charlene Lipsey, die die Favoritin in diesem Rennen ist. Ihr gewaltiges Rennen in Lausanne bestärkt diese Position noch. Auch Laura Roesler und Chrishuana Williams aus den USA stellen eine leistungsstarke Gegnerschaft für die besten Britinnen dar.
Ebenfalls eine interessante Herausforderung bietet sich Chris O’Hare und Charlie Grice im 1.500m-Lauf. Die Kenianer Bethwel Birgen und Vincent Kibet sind die auf dem Papier schnellsten Läufer im Feld. Mit den starken Australierin Ryan Gregson und Luke Mathews, Europameister Filip Ingebrigtsen und dem US-amerikanischen Olympiateilnehmer Ben Blankenship sind weitere Läufer im Feld, die inetwa dasselbe Leistungsniveau der besten Briten abrufen werden. Jake Wightman, Überraschungssieger in Oslo, testet die Unterdistanz (siehe oben). Diamond League Meeting in London
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