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Gesa Krause: „Ich laufe auf meinen Traum zu“

Im 3.000m-Hindernislauf zählt Gesa Felicitas Krause zu den Besten der Welt. Im Interview spricht sie über ihre Liebe zum Laufen, über die Magie, die eigenen Grenzen auszuloten und über die Stärken von Frauen.

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Gesa-Krause-Interview_Headerbild

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Im 3.000m-Hindernislauf zählt Gesa Felicitas Krause zu den Besten der Welt. Im Interview spricht sie über ihre Liebe zum Laufen, über die Magie, die eigenen Grenzen auszuloten und über die Stärken von Frauen.

Gesa, warst du heute schon laufen?

Ja, gleich in der Früh nach einem Kaffee habe ich mich in meine Laufsachen geworfen. 15 Kilometer auf dem Laufband, mit Blick nach draußen. Die Nacht war frostig, alles war vereist und hat in der Morgensonne gefunkelt. Danach gab’s dann in aller Ruhe Frühstück.

Hört sich nach einem perfekten Start in den Tag an!

Für mich definitiv. Wenn man morgens sein Training absolviert und etwas geschafft hat, macht das besonders zufrieden. Der Körper schüttet Endorphine aus. Außerdem lief’s einfach, ich war flott unterwegs und habe mich gut gefühlt.

Was bedeutet für dich „flott unterwegs“?

Das war in diesem Fall ein 4:08er Schnitt. Nicht überragend schnell, aber ich habe gespürt, warum ich so gerne laufe.

Nämlich?

Das Schöne am Laufen ist, dass es so schön einfach ist. Du brauchst ein Paar gute Schuhe, bequeme Kleidung und los geht’s. Vollkommen egal, wo auf dieser Welt du dich gerade befindest. Laufen ist für mich die pure Freiheit.

Gesa-Krause-Interview_Artikelbild-2 Gesa Felicitas Krause (Silvesterlauf Trier) ist zweifache Europameisterin im 3.000m-Hindernislauf (2016 und 2018) und gewann zweimal die WM-Bronzemedaille in dieser Disziplin (2015 und 2019).

Nimmt dir das berufliche Laufen nicht die Freiheit?

Ich liebe, was ich tue. Laufen erfüllt mich und ich mache meinen Job unheimlich gerne. Natürlich ist eine gewisse Verpflichtung dabei. Aber das ist in jedem Beruf so.

Was treibt dich an?

Ich will herausfinden, wo meine Grenzen sind. Was ich auf natürliche Weise zu leisten in der Lage bin, mit meinem Körper und meinem Geist. In diesem Jahr treibt mich zudem der Ausblick auf die Olympischen Spiele in Tokio an. Dort will ich im Finale des 3.000m-Hindernislaufs stehen und mich mit den Besten der Welt messen.

Für dein Ziel, eine Medaille, musst du dich gegen starke Konkurrentinnen behaupten. Was musst du bis Tokio tun, um dafür bereit zu sein?

Es ist ein Full-Time-Job ohne Wochenende. Hartes und kontinuierliches Training, ich laufe zwischen 75 und 180 Kilometer in der Woche. Dafür brauche ich perfektes Lauf-Equipment. Vorbereitende Wettkämpfe. Effektives Regenerieren mit viel Schlaf und durchdachter Ernährung. Professionelles Verhalten, ohne dabei die Lockerheit zu verlieren. Perfektionierte Details ergeben das große Ganze. Das Spannende daran ist, dass es keine klaren Regeln gibt. Du selbst musst für dich herausfinden, was das richtige Maß, die richtige Intensität ist. Und genau deshalb ist Laufen für mich die Sportart, in der ich meine Passion und meine Profession ausleben darf.

Wie wichtig ist im entscheidenden Rennen der Kopf?

Essenziell. Deine Leistungsfähigkeit ist die Basis. Nun musst du sie abrufen, und dafür musst du am Start wissen, dass du alles dafür getan hast, um in bestmöglicher Verfassung zu sein. Von diesem Bewusstsein geht eine besondere Kraft aus, die man mit auf die Strecke nehmen kann.

Nimm uns mit an die Startlinie: Vor dir liegen harte 3.000 Meter mit einem Hindernis alle 80 Meter. Wie fühlt sich das an?

Mir hat die Situation schon Angst gemacht, zu wissen, dass ich mich gleich komplett verausgaben werde. Bin ich allerdings topfit und mental stark, dann finde ich es einfach nur geil, dass ich so schnell und lange laufen werde, bis ich nicht mehr kann. Das Gefühl, alles gegeben zu haben, ist genial. Das sollte man allerdings in sich haben. Sonst ist man für diesen Sport wahrscheinlich nicht gemacht.

Gesa-Krause_Interview_Artikelbild Den Laufsport möchte die 28-Jährige so lange betreiben, „wie es in mir brennt. So lange, wir mir das Laufen ein Lächeln ins Gesicht zaubert.“

Wie erlebst du dein Limit?

Meine besten Leistungen habe ich erbracht, wenn ich zu 100 Prozent bei mir war. Äußere Einflüsse werden ausgeblendet. War es kalt oder warm? Hat die Sonne geblendet? Keine Ahnung. Ich bin alleine mit meinem Siegeswillen, mit dem Schmerz, mit meinen Mantras, wenn ich auf mich einrede, dass ich es schaffen werde. Mein Limit fühlt sich an wie ein reiner Moment, von dem ich voll und ganz vereinnahmt bin.

Hast du das Gefühl, durch dein Leben als Profisportlerin auf viel verzichten zu müssen?

Nein. Mein Sport ist eine Lebenseinstellung. Und meine Entbehrungen sind keinesfalls größer als die besonderen Momente, mit denen ich für meinen Lebensstil belohnt werde. Zum Ende einer Saison genieße ich es durchaus, mal ein wenig in den Tag hineinzuleben. Aber nach ein paar Wochen freue ich mich darauf, wenn wieder Struktur und Disziplin in meinen Alltag einkehren.

Was hast du vom Sport fürs Leben gelernt?

Dass es wichtig ist, eine eigene Vorstellung vom Leben zu haben, von dem, was man möchte. Dass man mutig ist und seine Ziele unerschrocken verfolgt.

Gilt das im Besonderen für Frauen? Ein wenig mutiger zu sein?

Vorsicht, ich bin Feministin.

Dann leg mal los …

Ich denke, dass Frauen sehr starke Individuen sind. Wir verfügen über viel Konsequenz und eine hohe Zielstrebigkeit. Mich inspiriert es, wenn Frauen mit Freude ihre Ziele verfolgen und sich von niemandem unterkriegen lassen.

Sind Frauen stärker als Männer?

Wir Frauen haben Stärken, in denen wir vielen Männern überlegen sind. Man kann das vielleicht nicht in Muskelkraft messen. Aber man kann es spüren.

Autor: Redaktion
Bilder: Puma

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