Newsletter Subscribe
Enter your email address below and subscribe to our newsletter


Sie kam, sah, und siegte. Alle weiteren Statements hat sich Keely Hodgkinson für das Hallenmeeting am Donnerstag in Liévin aufbehalten. Nicht einmal den Finallauf bestritt die Olympiasiegerin noch. Denn alles ist auf den 800m-Lauf am Donnerstagabend in Frankreich ausgelegt.
Selten hatte ein Vorlauf zu nationalen Meisterschaften solches Potenzial für Superlativen in den Schlagzeilen. Keely Hodgkinson trat, aus Verletzungsgründen der letzten Jahre, erstmals seit ihrem Titelgewinn bei den Hallen-Europameisterschaften von Istanbul im März 2023, wieder bei einem Wettkampf in der Halle an. Es war eine eigenartige Geschichte: Im Vorlauf zimmerte sie eine Zeit von 1:56,33 Minuten auf das Parkett der Utilita Arena in Birmingham, knapp eine Sekunde unterhalb ihres britischen Hallenrekords – wohlgemerkt ohne Tempomacherin und ohne Wavelights zur Orientierung. Das war am Samstag. Am Sonntag verzichtete sie wie angekündigt auf den Finallauf, die bisher in diesem Winter starke Isabelle Boffey, Siegerin des zweiten Vorlaufs, profitierte und lief auf dominante Art und Weise zum Titel in 1:59,64 Minuten.
Es gab nur ein Rennen in der Geschichte der Leichtathletik, das unter dem Hallendach schneller war als Hodgkinsons Auftritt am Samstag. Am 3. März 2002, exakt dem Geburtsdatum der Engländerin, lieferten sich im Rahmen der Hallen-Europameisterschaften im Ferry-Dusika-Stadion in Wien Jolanda Ceplak und Lokalmatadorin Stephanie Graf ein famoses Duell. Die Slowenin behielt mit 1:55,82 Minuten um 0,03 Sekunden die Oberhand und verbesserte den damaligen, ebenfalls in Wien erzielten Weltrekord der DDR-Athletin Christine Wachtel um gut eine halbe Sekunde.

Viel hat nicht gefehlt, dass Ceplaks Rekord bereits am Samstag gehörig ins Wanken gekommen wäre. Bei der 600m-Durchgangszeit von 1:26,11 Minuten lag er noch in Reichweite, Hodgkinsons Schlussrunde war aber nicht mehr fabelhaft genug. „Ich weiß, ich bin in sehr, sehr guter Form. Ich war den ganzen Winter gesund und habe gut trainiert. Es war herrlich, vor heimischem Publikum zu laufen, ich habe das sehr genossen“, sagte Hodgkinson nach ihrem famosen Vorlauf am Samstag. Dass sie mit dieser Leistung auch das Limit für die Hallen-Weltmeisterschaften in Polen erfüllte, blieb eine Randnotiz. Es liegt im Selbstverständnis.
Am Donnerstag beim designierten Höhepunkt der World Athletics Indoor Tour 2026 in Liévin in Frankreich könnte die Weltrekordjagd ein anderes Ende nehmen. Denn die 23-jährige Britin hat dort Unterstützung einer Tempomacherin und Ceplaks Bestmarke fest im Blick. „Für mich war das Rennen am Samstag wichtig, um den neuen 800m-Start einmal auszuprobieren“, fügte sie an. „Ich werde am Donnerstag furchtlos ins Rennen gehen und all die Schmerzen in der Schlussphase annehmen. Ich bin sehr gespannt, was am Ende herauskommen wird.“
Der emsige österreichische Laufsport-Journalist Olaf Brockmann war als Pressechef der Hallen-Europameisterschaften vor 24 Jahren in Wien Augenzeuge des historischen Duells Ceplak gegen Graf. Genauso hatte er über die Vorgänger-800m-Hallen-Weltrekorde von Sigrun Wodars und Christine Wachtel live berichtet. Er kontaktierte die slowenische Mittelstreckenlegende mit der Frage, ob sie glaube, sie würde in wenigen Tagen als Weltrekordhalterin abgelöst. Ihre Antwort: „Ich gratuliere Keely zu ihrer exzellenten Saisonvorbereitung. Natürlich wünsche ich ihr nur das Beste und hoffe, sie kann den Weltrekord brechen. Ich glaube, sie wird es schaffen.“
🇬🇧 Keely Hodgkinsons Abwesenheit im Finallauf war nicht die einzige bei den britischen Hallenmeisterschaften, etliche britische Mittel- und Langstreckenläuferinnen und -läufer legen den Fokus auf die Outdoorsaison mit der Heim-EM in Birmingham. Nach einem Jahr voller Verletzungen kehrte Ben Pattison, WM-Medaillengewinner von Budapest 2023, mit einem nationalen Meistertitel im 800m-Lauf zurück auf die Bühne. Den 1.500m-Lauf der Frauen gewann Jemma Reekie.
🇺🇸 Cooper Lutkenhaus hat beim erstmalig durchgeführten Meeting Sound Invite in Winston Salem den Junioren-Hallen-Weltrekord im 800m-Lauf auf eine Zeit von 1:44,03 Minuten verbessert. Der 17-Jährige blieb 0,32 Sekunden unter dem aus dem Jahr 2000 stammenden Bestwert des Russen Yuriy Borzakovskiy.
Olympiasieger Cole Hocker verbesserte im Meilenrennen den US-Hallenrekord von Yared Nuguse auf eine Zeit von 3:45,94 Minuten, Cooper Teare hatte im Ziel als Zweiter viereinhalb Sekunden Rückstand. Hocker ist nun die Nummer zwei in der ewigen Hallen-Bestenliste hinter Weltrekordhalter Jakob Ingebrigtsen. Der 16-jährige neuseeländische Jungstar Sam Ruthe wurde in 3:52,46 Minuten Siebter, nachdem er in der Schlussphase ob des enormen Tempos einbrach.
Sage Hurta-Klecker gewann einen schnellen 800m-Lauf der Frauen mit vier Läuferinnen unter zwei Minuten in starken 1:58,78 Minuten. 1.500m-Spezialistin Nikki Hiltz setzte sich über 3.000m in 8:34,98 Minuten um eine halbe Sekunde gegen Sinclaire Johnson durch, Hallen-WM-Medaillengewinnerin Shelby Houlihan wurde Fünfte.
🇺🇸 Elle St. Pierre hat bei einem Hallenmeeting in Boston auf dem Weg zu ihrem Sieg im Meilenrennen in einer Zeit von 4:17,83 Minuten den US-Hallenrekord im 1.500m-Lauf von Heather MacLean unterboten. Ihre Zwischenzeit lautete 3:59,33 Minuten. Die US-Amerikanerin hat im Mai 2025 ihr zweites Kind auf die Welt gebracht und ist zum Start dieser Hallensaison auf die Wettkampfbühne zurückgekehrt.
🇩🇪 Mohamed Attaoui aus Spanien, einer der stärksten 800m-Läufer Europas, hat am Freitagabend den 800m-Lauf im Rahmen des Erfurt Indoor Meetings in einer Zeit von 1:45,76 Minuten gewonnen. Bernhard Schmid (SVS Leichtathletik) erzielte im B-Lauf über 1.500m eine neue Hallen-Bestleistung von 3:55,23 Minuten. Im 800m-Lauf der Frauen war Majtie Kolberg in 2:01,60 Minuten die Schnellste.
Autor: Thomas Kofler
Bilder: © James Rhodes