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Es ist nicht alles gelungen aus rot-weiß-roter Sicht, gestern Abend beim World Athletics Continental Tour Gold-Meeting in Ostrava. Aber das traditionsreiche Meeting in der tschechischen Kleinstadt, eines der Highlights der zweithöchsten Meetingserie der Welt und oft beliebter Anlaufpunkt für die heimischen Top-Leichtathletinnen und -Leichtathleten, war nicht nur eine gewohnt stimmungsvolle Bühne. Sie hinterließ auch Gewissheit, dass der Kurs von Raphael Pallitsch, Caroline Bredlinger und Tobias Rattinger grundsätzlich stimmt. Im Falle des 1.500m-Spezialisten trotz einer unrunden Saisonvorbereitung, im Falle der 800m-Läuferin trotz Bahn eins und der folglich engen Startkurve und im Falle des 3.000m-Hindernisläufers trotz eines Sturzes am letzten Hindernis.
Wenn Raphael Pallitsch (SVS Leichtathletik) die letzten Monate Revue passieren lässt, kann die Bilanz nicht positiv ausfallen. Die Liste der Trainingswochen mit der Anmerkung „nicht wie geplant“ ist viel zu lang. Immer wieder warfen ihn kleinere Verletzungen, Beschwerden und Erkrankungen aus dem Rhythmus – die wegen eines Infekts ausgefallene Hallensaison war leider ein schlechtes Omen. Zwei Trainingslager in der Höhe musste der WM-Halbfinalist von Tokio 2025 entnervt vorzeitig verlassen.
Trotz dieser ungünstigen Vorzeichen zeigt sich der Burgenländer mit dem Ist-Zustand am Tag nach seinem zweiten Wettkampf der Saison zufrieden: „Für diese Vorbereitung und dafür, dass ich Vorfeld des gestrigen Rennens eine leichte Blessur wohl an einer Muskelfaser im hinteren Oberschenkel verspürt habe, war es ein sehr guter Wettkampf.“ Erst als ihm Physiotherapeuten versicherten, die Gefahr einer Verschlimmerung der Beschwerden aufgrund der Wettkampfbelastung wäre sehr gering, entschied er sich überhaupt für ein Antreten in Ostrava. Beinahe hätte es dort allerdings zum ÖLV-Rekord gereicht.
Nach 3:52,54 Minuten beendete der 36-Jährige das Meilenrennen im Rahmen des World Athletics Continental Tour Meetings, bei dem sein junger Landsmann Samuel Lengauer in der Anfangsphase als Pacemaker im Einsatz war. Dass Pallitsch mit dieser Zeit den stolze 45 Jahre alten ÖLV-Rekord von Robert Nemeth nur um 0,12 Sekunden verpasste, sei zwar etwas ärgerlich. Aber es überwiege der kompetitive Leistung in einem unrhythmischen Wettkampf. „Ich habe in der letzten Runde auf der Gegengerade sehr viel investiert, aber dann die Lücke gefunden, um rechtzeitig vor der Kurve eine Position an der Innenkante zu erwischen“, schildert er im Gespräch mit RunUp.eu.
Als Wettkampf-Zehnter kam er aus Selbiger, die Ziellinie überquerte er als Wettkampf-Achter und zweitbester Europäer hinter dem Polen Filip Ostrovski. „Unter dem mentalen Gesichtspunkt war es sehr wichtig für mich, dass ich meine drei bis vier direkten Kontrahenten im Finale hinter mir lassen konnte“, konnte er sich neuerlich auf seine Stärke im Endspurt verlassen. Gemeint hat der Burgenländer den jungen Iren Nicholas Griggs, den Italiener Pietro Arese, vor zwei Jahren immerhin EM-Bronzemedaillengewinner und Olympia-Achter, sowie Lokalmatador Filip Sasinek. Und außerdem: Die tatsächliche Form, so die Erkenntnis, sei gestern besser gewesen als die Wettkampfzeit.

Somit gibt der gestrige Auftritt beim Golden Spike Meeting dem Routinier ein gutes Gefühl. Einerseits ist er eine Bestätigung, dass die Vorbereitung trotz der maximalen Flexiblität und ständigen Neuausrichtung der Trainingspläne durchaus in eine gute Ausgangsposition für diese Saison geführt hat. „Nun hoffe ich, dass ich die nächsten sieben Wochen kontinuierlich gut trainieren kann, um einiges davon zu kompensieren, was ich im Frühling verpasst habe“, so Pallitsch. Er merke, dass diese Wettkämpfe aufgrund des holprigen Saisonaufbaus mehr Kraft kosten als sie sollten – dennoch sind weitere in den kommenden Wochen geplant. Wenn die Beschwerden im Oberschenkel kein Problem darstellen, dann bereits am Sonntag bei den FBK Games in Hengelo.
Pallitsch lag vor dem Meeting in Ostrava auf Platz 26 der „Road to Birmingham“, die 30 EM-Startplätze für den 1.500m-Lauf der Männer vorsieht. 24 sind bereits mit dem Direktlimit von 3:33,50 Minuten gebucht. Mit der Leistung von gestern kickt der Österreicher seine bisher schwächste aus der Wertung, verbessert seine Durchschnittspunkte und vergrößert damit auch den Vorsprung auf die dahinter liegenden Kontrahenten.
Gewonnen hat den Wettkampf in Ostrava übrigens der US-Amerikaner Nathan Green, der mit einer Zeit von 3:49,44 Minuten den 17 Jahre alten Meetingrekord des Kenianers Keitany Haran verbesserte. Der 23-Jährige überholte erst kurz vor dem Ziel seinen lange Zeit führenden Landsmann Vincent Ciattei.
Im Vorfeld des 800m-Laufs nahmen einige Chronist:innen sogar das Wort Weltrekord in den Mund. Nach ihrer Galavorstellung in Stockholm mit einer sub-1:54er-Zeit überzeugte Audrey Werro auch in Ostrava mit einer Siegerzeit von 1:54,45 Minuten, eine Verbesserung des Meetingrekords aus dem letzten Jahr um fast drei Sekunden. Die Schweizerin dominierte beim Freiluft-Debüt von Femke Broeders-Bol, nach ihrer Hochzeit nun mit Doppelnamen unterwegs, nach Belieben.
600 Meter lang hielt sich die ehemalige 400m-Hürden-Spezialistin Bol bei optimalen äußeren Bedingungen im Windschatten der 22-jährigen Schweizerin, erst dann entstand eine Lücke. Die Holländerin wurde in 1:57,13 Minuten Zweite, Eloisa Coiro verpasste den angestrebten italienischen Rekord als Dritte in 1:58,59 Minuten knapp. Einen Landesrekord lief Rachel Klopfenstein für Mauritius in 1:58,73 Minuten.


Caroline Bredlinger (LT Bgld Eisenstadt) bekam auf der großen Bühne des Gold-Meetings die ungünstige Bahn eins zugelost und ordnete sich daher gleich weit hinten im Feld ein. Während vorne Werro mit Broeders-Bol hinter und der tschechischen Tempomacherin Nikola Bisova vor sich ihr eigenes Rennen gestaltete, entstand unter den Verfolgerinnen ein eigener Wettbewerb. Die 25-jährige Österreicherin lief als Siebte in die zweite Runde und erreichte nach einem Endspurt auf der Innenbahn auch als Siebte das Ziel. Die Zeit von 1:59,36 Minuten ist die erste unter zwei Minuten in dieser Saison und die drittschnellste ihrer Karriere.
„Alles in allem bin ich sehr zufrieden mit diesem Wettkampf“, analysierte Bredlinger, der die Herausforderung der Startphase von Bahn eins aus bewusst war, im Gespräch mit RunUp.eu. Ihr Rennverhalten und ihre Widerstandsfähigkeit in der Schlussphase des Wettkampfs – in der Wintersaison aufgrund diverser Erkältungen im Vorfeld eine Achillesferse – bewertete sie positiv: „Hat gut gepasst!“
Im Gegensatz zu Raphael Pallitsch ist Caroline Bredlinger längst für die EM qualifiziert, mit ihrer Qualifikationszeit von 1:58,99 Minuten (Berlin, September 2025) liegt sie auf Position 16 der „Road to Birmingham“. „Das Wissen um die sichere Qualifikation nimmt mir einen enormen Stress. Es ist halb so schlimm, wenn ein Wettkampf wie vor zwei Wochen in St. Pölten nicht ideal läuft. Außerdem ist man viel flexibler in der Wettkampfplanung, weil man nicht ständig auf die Weltranglistenpunkte achten muss.“
Dieser Vorteil wirkte sich auch in der Saisonplanung aus, der Formaufbau ist auf Birmingham ausgerichtet: „Auch wenn ich gut trainiert habe und in der Vorbereitung alles geklappt hat, bin ich jetzt sicher noch nicht am Maximum. Der Höhepunkt meiner Form soll im August folgen!“
Den nächsten Wettkampf bestreitet die Burgenländerin am Samstag vor heimischem Publikum in Wien, eine Woche später folgt mit Zagreb wieder ein Meeting der World Athletics Continental Tour.
Die bereits 65. Auflage des Meetings Golden Spike in Ostrava brachte einen stimmungsvollen Leichtathletik-Abend. Das Meeting zählt zu den Highlights der World Athletics Continental Tour Gold, der wichtigsten Meetingserie hinter der Wanda Diamond League. Sportliches Highlight des Abends war die 150m-Weltbestleistung durch Noah Lyles.
Als erster der drei österreichischen Läufer war Tobias Rattinger (LAC BMD Amateure Steyr) gestern im 3.000m-Hindernislauf im Einsatz. Bei seinem zweiten Saisonstart nach jenem in Karlsruhe vor gut zwei Wochen zeigte sich der Oberösterreicher gut in Schuss und lief lange Zeit Richtung des Direktlimits für die Europameisterschaften von 8:20,00 Minuten, welches von den zweiten Wavelights als Orientierung für die Läufer angezeigt wurde. Erst in der Schlussphase fiel der mehrfache Staatsmeister bei seinem ersten Antreten bei einem World Athletics Continental Tour Gold-Meeting etwas hinter der von den Blinklichtern auf der Innenkante der Laufbahn angezeigten Marschroute zurück.
Eine persönliche Bestleistung verhinderte ein Sturz am letzten Hindernis auf der Zielgerade, der den Österreicher auf Platz 14 des Wettkampfs zu einer Zeit von 8:28,27 Minuten zurückwarf, immerhin noch die zweitschnellste Zeit seiner Karriere. Der Wettkampf endete mit einem marokkanischen Doppelsieg durch Salah Eddine Ben Yazide (8:09,88) und Mohamed Tindouft, die besten Europäer, Osama Zoghlami aus Italien und Baptiste Fourmont aus Frankreich, folgen mit drei bzw. vier Sekunden Rückstand.
Rattinger führte sein Missgeschick auf die fortgeschrittene Wettkampf-Erschöpfung zurück: „Ich hab mich bereits vor dem letzten Wassergraben müde gefühlt und bin gerade so drübergekommen. Beim letzten Hindernis dann leider nicht mehr.“ Schnell rappelte sich der 28-Jährige wieder auf und lief den Wettkampf zu Ende, der Sturz, der glimpflich ausging, kostete aber entscheidende Sekunden. So blieb seine zwei Jahre alte persönliche Bestleistung bei 8:26,17 Minuten stehen – ohne Sturz wäre sie sicher unterboten worden.
Auf diese Art und Weise fehlte am Ende eines an sich sehr guten Wettkampfs die Belohnung, eine Belohnung, die Rattinger gerne bei einem der nächsten Wettkämpfe nachholen möchte, zum Beispiel bereits am Samstag bei der Track Night in Vienna. Er sei noch nie in so kurzem Intervall zwei 3.000m-Hindernislauf-Wettkämpfe gelaufen, gibt er zu bedenken. Aber der unvollendete Wettkampf in Ostrava gebe ihm viel Selbstvertrauen ob der Form. „In Karlsruhe hab ich mich nicht gut gefühlt, vielleicht war der Wettkampf zu früh nach der Rückkehr aus der Höhe. In den letzten Tagen habe ich aber den Boost des Höhentrainings gespürt und meine Form entwickelt sich sehr gut!
Der 28-jährige Mediziner hat sich gewissenhaft und ausgiebig auf die EM-Saison mit dem Ziel der Teilnahme in Birmingham vorbereitet und sich auch in Abstimmung mit seinem Beruf die Zeit freigeschaufelt. Drei einmonatige Trainingslager in Südafrika, der Sierra Nevada und St. Moritz hat er gemeinsam mit der Trainingsgruppe von Raphael Pallitsch absolviert und sich darauf vorbereitet, das EM-Direktlimit von 8:20,00 Minuten anzugreifen.
Dadurch, dass der Oberösterreicher die komplette letzte Saison verletzungsbedingt verpasst hat, ist er gegenwärtig nicht in der Weltrangliste platziert – und damit auch nicht im „Road to Birmingham“. Dafür braucht jeder Athlet drei Ergebnisse, Rattinger läuft bereits am Samstag sein drittes Saisonrennen und wird dann in der Weltrangliste auftauchen.
Bei der Track Night Vienna ist eine gute Zeit sehr lukrativ, weil es die Staatsmeisterschaftsbonuspunkte zu ernten gibt. Der Veranstalter legt den Wettkampf mit Tempomacher- und Wavelight-Unterstützung auf 8:20,00 Minuten aus, Rattinger denkt optimistisch und selbstbewusst Richtung Birmingham. „Das Niveau in Europa steigt und steigt, daher wäre mein großes Ziel für gestern gewesen, selbst den nächsten Schritt mit einer Bestzeit zu machen. Aber ich fühle mich auf dem Weg dorthin. Und die Erkenntnis ist auch, dass die anderen europäischen Läufer, mit denen ich gestern im Rennen war, nicht in einer anderen Welt agieren.“
Gelingt in Wien ein Rennen ähnlicher Qualität und ohne Sturz als Stimmungskiller, wird Rattinger nächste Woche im „Road to Birmingham“ recht deutlich innerhalb der Top-34 liegen – 20 Athleten haben ihren Startplatz über das Direktlimit bzw. Wildcards bereits sicher.
Der Australier Peter Bol konnte dank eines fantastischen Endspurts den 1.000m-Lauf der Männer für sich entscheiden. In einer Zeit von 2:15:13 Minuten verbesserte der 32-Jährige die zwölf Jahre alte Ozeanienbestleistung seines Landsmanns Jeffrey Riseley. Der Holländer Samuel Chapple und der Kroate Marino Bloudek belegten knapp dahinter die Ränge zwei und drei. Weiterhin nicht in guter Form präsentierte sich 1.500m-Weltmeister Isaac Nader aus Portugal.
Autor: Thomas Kofler
Bilder: © James Rhodes (via Olaf Brockmann)