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Grand Slam Track endet mit der Absage des LA Slams

Das vierte und letzte Meeting des Grand Slam Track in Los Angeles wurde abgesagt. Auch in der World Athletics Continental Tour fehlen zwei wichtige Meetings.
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Es ist ein großer Dämpfer für die Leichtathletik in den USA. Die mit polarisierenden Bewertungen und großen Ankündigungen eingeführte, neue Premiumserie Grand Slam Track verliert ihren finalen Austragungsort. Ausgerechnet das Meeting im Olympia-Austragungsort von 2028, Los Angeles, kann nicht wie geplant am 28. und 29. Juni über die Bühne gehen. Wirtschaftliche Gründe hätten zu dieser Entscheidung geführt, berichteten diverse Medien. Nach der Absage des Meetings in New York, das wichtigste US-Meeting in der World Athletics Continental Tour, ist die Ankündigung ein zweiter schwerer Schlag für die Leichtathletik in den USA. Auch in Europa fehlt heuer ein beliebtes Meeting, an dem in den letzten Jahren auch viele österreichische Leichtathlet*innen gerne teilgenommen haben. Der gemeinsame Nenner: die Finanzierung.

Ende letzter Woche veröffentlichte das Team um Michael Johnson, Gründer der Grand Slam Track Serie, eine Pressemeldung, in der es heißt: „Die Entscheidung, die Erstaustragung der Grand Slam Track vorzeitig zu beenden, ist nicht leichtfertig getroffen worden, sondern aus Überzeugung, dass wir die Ziele unserer ersten Saison erreicht haben und es wichtig ist, den Blick auf 2026 und darüber hinaus zu richten.“ Es sei eine wirtschaftliche Entscheidung für die langfristige Stabilität der Serie, die er als weltweit führende in der Leichtathletik intendiert. Es ist ein hoher Anspruch, den der Grand Slam Track in seiner Premierensaison mit der sportlichen Besetzung einerseits sehr gut erfüllen konnte. Andererseits gelang es bei den drei Stationen in Kingston auf Jamaika sowie Miami und Philadelphia in den USA unter den Zuschauer*innen in den Arenen nicht die erhoffte Euphorie zu entfachen.

Negatives Ende

Die britische Nachrichtenagentur Reuters berichtete von einem wirtschaftlich schlechten Deal mit dem Drake Stadium und Los Angeles. Johnson verzichtete auf die Details, die zur Absage des „LA Slams“ geführt haben, und pocht auf Optimismus: „Wir befinden uns in Gesprächen mit potenziellen Austragungsorten, um einen aufregenden Veranstaltungskalender für unsere Fans auf der ganzen Welt zu erstellen.“ Man sei fest entschlossen, 2026 einen Slam in Los Angeles auszurichten. Außerdem versicherte Johnson den Athlet*innen in einer Videobotschaft, dass alle Prämien ausbezahlt würden. Es sind leichte Hinweise auf gravierende Herausforderungen in der Finanzierung der ambitionierten Initiative.

Negative Begleitschlagzeilen mit den US-Sprintstars Fred Kerley, der vom „Miami Slam“ suspendiert wurde, weil er im Hotel seine Lebenspartnerin geschlagen und verletzt haben soll, und Gabby Thomas, die im Rahmen des „Philadelphia Slams“ von einem Mann öffentlich beleidigt wurde, halfen ebenfalls nicht zu einem positiven Stimmungstrend. Das geopolitische Klima in Los Angeles dieser Wochen mag die Stimmung zusätzlich vermiest haben.

Limitierte Reichweite

Die Plattform „The Sports Examiner“ wagte eine Bilanz, teilweise mit Schätzungen. So verharrten die Zuschauerzahlen in Kingston (wenige Tausend pro Tag in einer Arena mit 35.000 Zuschauerplätzen), in Miramar nahe Miami (fast ausverkauft bei 5.000 Plätzen) und Philadelphia (maximal ein Drittel der 53.000 Plätze gefüllt) in nicht-begeisterungswürdigen Sphären. Auch die TV-Zuschauerzahlen in den USA blieben im bescheidenen Bereich und lagen zwischen 200.000 und 250.000 pro Eventtag, wohl unter den Erwartungen. Wie „The Sports Examiner“ betonte, gilt Los Angeles als schwieriger Markt für die Leichtathletik. Für den L.A. Grand Prix, ein Meeting der World Athletics Continental Tour, verirrten sich in den letzten Jahren nur einzelne Zuschauer in die Arena.

Die Premiere der innovativen Serie

Der Grand Slam Track, eine Initiative der Leichtathletik-Legende Michael Johnson mit potenten Geldgebern im Hintergrund und einem kolpotierten Budget von 39,5 Millionen US-Dollar (Front Office Sports), startete mit einem innovativen Meetingformat und der Ambition, die internationale Leichtathletik zu revolutionieren. Die außereuropäische Serie fokussierte sich auf Sprint- und Laufentscheidungen, im Mittelpunkt standen die direkten Duelle zwischen Athlet*innen in Disziplinengruppen von jeweils zwei Wettkämpfen pro Wochenende.

Die Meetings in Kingston, Miami und Philadelphia lockten dank der höchsten Preisgelder in der internationalen Leichtathletik prominente Athlet*innen vorwiegend aus Amerika an und sorgten für einige spannende Wettkämpfe. Das Meeting in Philadelphia wurde bereits kurzfristig von drei auf zwei Tagen verkürzt. Das finale Meeting wäre für 28. und 29. Juni im Drake Stadium in Los Angeles angedacht gewesen.

Inwiefern die Absage ein Rückschlag für Johnson und seine Ideen ist, wird die nahe Zukunft zeigen. In der unvermeidlichen Rivalität mit der Wanda Diamond League erfolgte die Absage genau in der Phase des ersten Europa-Schwerpunkts der diesjährigen Diamond-League-Saison mit den erfolgreichen Meetings in Rom, Oslo und Stockholm – ausgerechnet an jenem Abend, als Leichtathletik-Legende Usain Bolt Stargast bei den Bislett Games im ausverkauften Bislett Stadion in der norwegischen Hauptstadt war.

Kritik an Serie

Etliche Stars der Leichtathletik nutzten die Bühne des Diamond-League-Meetings in Oslo vergangene Woche, um Johnson Zuspruch auszurichten. Doch die kritischen Stimmen gegenüber dem Grand Slam Track, die es von Beginn an gab, erhielten neuerlich Gehör. Norwegens Sprintstar Karsten Warholm meinte, es gäbe zu wenige globale Topstars in der Leichtathletik für zwei parallele Serien. Laurent Meuwly, Trainer von Hollands Superstar Femke Bol und von Anfang an skeptisch gegenüber der GST, wurde in der französischen Sportzeitung „L’Équipe“ wie folgt zitiert: „Wenn man kein Geld verdient, bekommt auch keines mehr von den Investoren. Wenn man absagt, verliert man die Glaubwürdigkeit, die ohnehin nicht da war. Geld als Argument alleine reicht nicht, man muss mehr bieten – und zwar Seriöses!“

Eine Reihe von Absagen

Der Grand Slam Track wollte in eine Nische drängen: Wenige Jahre vor den Olympischen Spielen von Los Angeles 2028 ist die Meetinglandschaft der US-Leichtathletik nicht in der Qualität etabliert wie beispielsweise in Europa. Dieses Thema erhielt bereits im Rahmen der Weltmeisterschaften von Eugene 2022, die erste WM überhaupt in den USA, Aufmerksamkeit. Die Eingliederung von Meetings in den Kalender der World Athletics Continental Tour gelang nur auf bescheidene Weise, das Diamond-League-Meeting in Eugene sowie die beiden Hallen-Klassiker in Boston und New York (Millrose Games) bilden die großen Ausnahmen.

Eines der bekannteren Meetings war noch der NYC Grand Prix, Teil der Gold-Serie der Continental Tour. Dieses Meeting, für 21. Juni auf dem Programm, fehlt dieses Jahr – es wurde vier Wochen zuvor abgesagt. Der NYC Grand Prix war sechs Jahre lang Teil der Diamond League und erlebte 2015 nach dem Ausstieg des Hauptsponsors, eine weltbekannte deutsche Sportartikelfirma, seine vorläufig letzte Austragung. 2022 wurde es reaktiviert, drei Jahre später abgesagt. Die US-Leichtathletik hat bereits den L.A. Grand Prix und den Bermuda Grand Prix verloren, auch die Absage der in San Diego geplanten Straßenlauf-WM passt in diese verheerende Serie.

„The Sport Examiner“ bedauert die Verluste für die Athlet*innen und die Leichtathletik-Fans, sieht aber die Problematik in der Beliebtheit der Sportart in den USA und erinnert an Beiträge in Millionenhöhe, die der US-amerikanische Leichtathletik-Verband (USATF) in den letzten Jahren just als Unterstützung für diese Meetings ausgegeben hat. Bei finanziell negativen Jahresbilanzen.

Keine Galà dei Castelli

Auch die europäische Leichtathletik hat 2025 den Verlust eines bekannten Meetings zu beklagen. Die Galà dei Castelli in Bellinzona, eine Kleinstadt im Süden der Schweiz im Kanton Tessin, findet nach 14 Auflagen nicht mehr statt, aus finanziellen Gründen. Die Schweizer Boulevardzeitung „Blick“ skizzierte in einem Bericht vom 15. April die Enttäuschung der Verantwortlichen: „Die Auswirkungen des kürzlich erfolgten Eingriffs der kantonalen Steuerbehörde machen es unmöglich, die Veranstaltung innerhalb des verfügbaren Zeitrahmens zu organisieren.“ Es ging um Steuersätze auf Antritts- und Preisgelder, die in anderen Kantonen geschweige denn in anderen europäischen Ländern deutlich niedriger wären, so der „Blick“. Diese Sätze seien nun auf weitere logistische Kosten wie Reisekosten ausgeweitet worden, die Belastung trage das Organisationskomitee.

Die Galà dei Castelli gehörte in den letzten Jahren stets zur World Athletics Continental Tour Silber und war ein beliebtes Meeting gegen Saisonende, welches heuer aufgrund der veränderten Wettkampfplanung mit der im September angesiedelten WM in Tokio ausnahmsweise am 8. Juli durchgeführt werden hätte sollen. Etliche der erfolgreichsten Schweizer Leichtathlet*innen nahmen das Meeting seit Jahren als Fixtermin in ihre Wettkampfplanung auf.

Ob die Galà dei Castelli eine Zukunft hat, ist unsicher, zumal die Problematik seit Jahren bekannt ist und diskutiert wird, trotz der konstanten Erhöhung der internationalen Bedeutung des Meetings und des wirtschaftlichen Werts für Bellinzona und die Region, wie die Veranstalter betonen. „In diesem schwierigen und bitteren Moment möchte das Organisationskomitee der Stadt Bellinzona, den Sponsoren, den Medien, den Athlet*innen, den Volunteers und allen, die ihre Leidenschaft in die Galà dei Castelli gelegt haben, seinen Dank aussprechen.“

Autor: Thomas Kofler
Bild: Gerd Altmann / Pixabay – Symbolbild

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