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Jede und Jeder kann laufen! Keine Frage, es gibt keine zeitlichen oder räumlichen Einschränkungen, um dem Laufsport regelmäßig nachzugehen. Die wirtschaftlichen Einschränkungen halten sich sehr in Grenzen, insbesondere im Vergleich zu anderen Sportarten. Erst wenn man Laufdistanzen konkretisiert, treten limitierende…
Jede und Jeder kann laufen! Keine Frage, es gibt keine zeitlichen oder räumlichen Einschränkungen, um dem Laufsport regelmäßig nachzugehen. Die wirtschaftlichen Einschränkungen halten sich sehr in Grenzen, insbesondere im Vergleich zu anderen Sportarten. Erst wenn man Laufdistanzen konkretisiert, treten limitierende Faktoren auf, die die Natur oder Biologie vorsieht. Theoretisch kann jeder Läufer auf Basis einer vernünftigen, zielgerichteten und langen Vorbereitung auf einen Marathonlauf hintrainieren. Aber Menschen mit gewissen körperlichen Voraussetzungen haben entscheidende Vorteile. So wie Volleyballer und Basketballer in der Regel besser für diese Sportart geeignet sind, wenn sie eine hohe Körpergröße aufweisen. Oder Kampfsportler mit starker Muskulatur und Körpermasse bessere Chancen auf Erfolg haben. Oder Radfahrer, die nur mit geringer Körpermasse und schwindend geringem Körperfett von einem Sieg bei der Tour de France hoffen können.
Entscheidendes Kriterium: das richtige Verhältnis des Körpergewichts
Bei vielen Sportarten ist das Körpergewicht ein großes Thema. Das betrifft freilich auch den Marathonlauf ganz entscheidend. Schließlich muss der Aktive sein Körpergewicht 42,195 Kilometer lang – oder in Zeit ausgedrückt mehrere Stunden lang – unter Einsatz der eigenen Energie tragen. Daher klingt logisch, dass sich ein leichter Körper effektiver bewegt als ein schwerer. 2,5 Sekunden Zeitgewinn pro Kilometer – zu dieser Erkenntnis kommt eine Studie aus den USA auf die Frage, was ein Kilo weniger bei einem Marathon bringt (vgl. Website des Frankfurt Marathon).
Allerdings ist Gewicht nicht gleich Gewicht! Muskelmasse nimmt zwar einen beträchtlichen Teil des Körpergewichts ein, gleicht aber den Nachteil des Gewichts aus, indem sie während eines Marathonlaufs gewinnbringend für die Laufbewegung eingesetzt werden kann – zumindest jene an den richtigen Körperstellen. Dagegen kann Körpergewicht in Form von Körperfett beim Marathon wenig Produktives beisteuern. Ganz kontraproduktiv sind Diäten im Vorfeld eines Marathons, denn eine sportliche Anstrengung über mehrere Stunden lässt sich natürlich nur mit gefüllten Energiespeichern gut und sicher durchhalten, nicht jedoch mit leeren. Auch während der Trainingsphase behindert suboptimale Ernährung mit dem Ziel der Gewichtsreduktion die Effektivität des Trainings. Sprich: Je höher der Anteil der Muskulatur bei einem Körpergewicht ist, desto eher kommt man in den Genuss der von der US-Studie versprochenen Zahl. Das optimale Körpergewicht für einen Marathonlauf ist natürlich individuell bei jeder Läuferin und jedem Läufer unterschiedlich.
Kleine Läufer in der Weltklasse immer moderner
Wer sich die weltbesten Marathonläuferinnen und Marathonläufer vor Augen führt, dem wird bewusst, dass sie überwiegend klein gewachsen sind. Das gilt übrigens nicht nur für den Marathon, sondern auch für kürzere Distanzen. Eine 2013 publizierte Studie französischer Forscher (veröffentlicht im Fachmagazin „Journal of Sports Science“), die im Zeitraum zwischen 1990 und 2011 jeweils die Körpergröße der 100 schnellsten Marathonläufer pro Jahr auswerteten, kam zur Erkenntnis, dass binnen dieser Dekade der durchschnittliche Top-Marathonläufer um drei Zentimeter kleiner und um 3,4 Kilogramm leichter wurde. Diesen Daten gegenüber steht allerdings die Tatsache, dass die beiden letzten Weltrekordläufer Wilson Kipsang und Denis Kimetto jeweils rund 1,83m groß sind. Möglicherweise hat sich der skizzierte Trend der letzten Jahrzehnte auch bereits abgewandelt.
Vor- und Nachteile halten sich die Waage
Ist Körpergröße, die ja von der Biologie vordefiniert wird, ein Nachteil beim Marathon? Höhere Körpergröße bedeutet ein höheres Körpergewicht. Im Schnitt läuft dieses Verhältnis nicht proportional ab, sondern zu Ungunsten eines steigenden Körpergewichts. Größere Läufer müssen also während eines Marathons nicht nur mehr Gewicht herumtragen, sie verbrauchen auch deutlich mehr Energie. Sie können keine so hohe Schrittfrequenz wählen wie kleinere Läufer. Dem entgegen stehen allerdings einige Vorteile: ein größerer Energiehaushalt, ausgeprägtere Muskulatur und dahingehend mehr Kraft sowie eine größere Schrittlänge für einen effizienten Laufstil.
Obwohl der überwiegende Teil der Lauf-Weltklasse eine geringe Körpergröße aufweist, tendieren viele Experten dazu, dass die Körpergröße keine entscheidende Komponente im Laufsport ist. Vor- und Nachteile wiegen sich gegenseitig auf. Wirkliche Vorteile bringen jedoch unproportionale Eigenheiten, wie zum Beispiel ein kurzer Unterschenkel bei einem hochgewachsenen Läufer. Sportwissenschaftler Alex Hutchinson nennt in einem ausführlichen Beitrag zu diesem Thema auf der Web-Plattform „Runner’s World“ (2015) zwei Argumente, die kleine Läufer favorisieren. Großbewachsene Läufer sind anfälliger auf äußere Einflüsse wie große Hitze, weil der Körper generell mehr Energie verbraucht. Außerdem müssen die Füße bei der Landung während jeden Schritts ein größeres Gewicht abfedern. Das Verhältnis zwischen Körpergröße und Größe des Fußes verläuft bei hochgewachsenen Menschen ebenfalls nicht proportional – zu Ungunsten der Größe der Füße.
Bremst Körperbehaarung?
Schwimmsportler schwören darauf: Jedes Haar, das nicht vom Schwimmanzug oder der Badehaube bedeckt ist, bremst. Daher ist der Rasierer ein wichtiger Begleiter der Athleten, die Glatze bei männlichen Schwimmern eine beliebte Frisur. Die hydrodynamischen Nachteile von Körperbehaarung sind natürlich um deutlich größer als die aerodynamischen. Fallen lange Haare bei Marathonläuferinnen oder ein stattlicher Bart bei Marathonläufern über die gesamte Distanz also merklich ins Gewicht?
Nein, sagt eine aktuelle, zugegebenermaßen aufgrund der nur zwölf Probanden nicht sehr repräsentative Studie aus Brasilien. Sie findet sogar ein entscheidendes Argument für die Kopfbehaarung. Sie schützt den Körper nämlich vor Hitze, besonders bei direkter Sonneneinstrahlung. Die Probanden, die sich eine Glatze scherten, schwitzten deutlich mehr als beim Vergleichstest vor der Rasur. Die Forscher erkannten bei zehn Kilometer langen Zeitläufen keinen Leistungsvorteil mit Glatze und sprechen sich für weitere Forschungen unter verschiedenen äußeren Bedingungen wie Wind oder Kälte respektive mit längeren Laufdistanzen aus.
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