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Rund 300 Tage vor dem Beginn der Leichtathletik-Europameisterschaften von Birmingham haben der Veranstalter und der Europäische Leichtathletik-Verband mit der Bestätigung, Marathonläufe durchzuführen, überrascht. Denn eigentlich waren die EM-Marathons mit der Einführung der Straßenlauf-Europameisterschaft als eigenständiges Event extrahiert worden. Nun öffnet sich ein neues spannendes Ziel für die heimische Marathon-Elite: am 16. August nächsten Jahres.
Über sieben Jahre ist er nun her – der unvorhersehbarste Erfolg der österreichischen Leichtathletik der letzten Zeit. Lemawork Ketema, Peter Herzog und Christian Steinhammer holten bei den Europameisterschaften 2018 in Berlin die Bronzemedaille in der Nationenwertung. Bis dahin war diese Nationenwertung in der heimischen Aufmerksamkeit maximal eine unbedeutende Randnotiz. Seit damals wissen wir: Ja, da gibt es eine Medaille zu gewinnen!
Nun ist der Glanz dieses Erfolgs zumindest auf internationaler Ebene etwas verblasst und eine Wiederholung einer Medaille nicht in Sicht. Aber Aaron Gruen hat mit seiner WM-Qualifikation für Tokio 2025 so etwas wie ein Comeback des ÖLV im Marathon nach den Olympia-Qualifikationen von Lemawork Ketema und Peter Herzog für Tokio 2020 geschafft. Wenngleich Erfolge bei internationalen Großereignissen im Marathon der Männer ausgeblieben sind, ist auch hierzulande eine Entwicklung eingetreten, freilich nicht in so erstaunlichen Dimensionen wie in anderen Ländern. Seit Berlin 2018 liefen drei heimische Athleten einen neuen ÖLV-Rekord (Ketema, Herzog und Gruen). Bei den Frauen hat Julia Mayer mit ihrer Entwicklung sämtliche der heimischen Bestenlisten auf den Straßenlauf-Distanzen umgeschrieben und die herausfordernde Qualifikation für die Olympischen Spiele 2024 in Paris per Direktlimit geschafft.
Nachdem sich niemand aus der heimischen Marathonszene für die Europameisterschaften in München 2022 qualifizieren hat können – ein zwischenzeitlicher Tiefpunkt, ist eine Absenz des ÖLV bei den EM-Marathons in Birmingham 2026 äußerst unwahrscheinlich. Und die Möglichkeit eines oder gar zweier Teams realistischerweise gegeben.
Das zeigt der aktuelle Zwischenstand der „Road to Birmingham“, dem offiziellen Qualifikationsranking. Auch wenn diese recht neu veröffentlichte Liste noch nicht frei von Unschärfen ist, hat der Zwischenstand selbst ein halbes Jahr vor dem Ende des Qualifikationszeitraums eine gewisse Aussagekraft. In einigen Tagen, wenn der Valencia Marathon 2025 der Vergangenheit angehören wird, gibt es realistischerweise nur noch einen Shot pro Athletin und Athlet im Marathon, nämlich bei einem der Frühjahrsmarathons. Und zusätzlich eine realistische Möglichkeit für ein gutes Halbmarathonergebnis, welches für die Qualifikationswertung herbeigezogen wird.
Für eine Nominierung einzelner Athletinnen und Athleten ist die sportliche Qualifikation notwendig – also ein Top-60-Platz im Ranking „Road to Birmingham“, welches hinter den Champions von 2022 die Athletinnen und Athleten mit dem Direktlimit reiht und in weiterer Folge jene mit den höchsten Ranglistenpunkten.
Für eine Nominierung eines Teams sind laut Auskunft des Österreichischen Leichtathletik-Verbandes (ÖLV) zwei über das Ranking qualifizierte Athletinnen bzw. Athleten die Voraussetzung. Dann kann ein Verband unabhängig jeglicher Kriterien weiter auffüllen, bis maximal sechs. Der ÖLV hat sich entschieden, dies nur bei einem Leistungsnachweis einer Marathonzeit von 2:14:30 (Männer) und 2:37:00 Stunden (Frauen) im Zeitraum zwischen Anfang September 2025 und Ende Mai 2026 zu tun. Drei Resultate sind für eine Platzierung in der Nationenwertung beim EM-Marathon notwendig.
Freilich werden sich die Rankings im Laufe der nächsten Monate noch stark verändern, zumal viele, die an den Weltmeisterschaften von Tokio 2025 teilgenommen haben, keinen schnellen Herbstmarathon gelaufen sind. Doch im Allgemeinen ist das Niveau in Europa nicht so hoch, als dass man davon ausgehen könnte, dass der Großteil der verfügbaren Startplätze über die Direktlimits gebucht wird – die zwar leichter als für globale Großereignisse sind, aber trotzdem hochangesetzt. Und: Bei Europameisterschaften ist die Drop-Out-Quote aus Erfahrung hoch, da ein EM-Marathon an der europäischen Spitze nicht unbedingt als der attraktivste Event gilt.

Das bedeutet: Eine Qualifikation über den Rankingplatz scheint für meherere aus der heimischen Marathonspitze möglich. Die beiden besten Leistungen innerhalb des Qualifikationszeitraums im Marathon und im Halbmarathon (maximal eine) werden anhand des Performance Scores von World Athletics zu Rate gezogen. Bei den besten österreichischen Marathonläuferinnen ist eine Qualifikation von Julia Mayer am wahrscheinlichsten. Schließlich hat die 32-Jährige auch die Qualifikationskriterien für die Weltmeisterschaften 2023 und 2025 sowie die Olympischen Spiele 2024 unter Beisein der starken Konkurrenz von den anderen Kontinenten geschafft. Ihre gegenwärtige Ranking-Platzierung (40/60) ist aber kaum repräsentativ, bereits mit dem Valencia Marathon am 7. Dezember kann sie einen großen Schritt nach vorne machen. Angesichts ihrer starken Verfassung der letzten Wochen ist auch ein Direktlimit von 2:27:00 Stunden keineswegs ausgeschlossen.
Außerdem: Ihre bisher beste gewertete Leistung ist jene vom EM-Halbmarathon in Rom, die aber aufgrund des Zeitpunkts definitiv aus der Wertung fallen wird. Den Score von damals kann Mayer realistischerweise deutlich verbessern, was sie beim Halbmarathon im Rahmen des Graz Marathon bereits bewiesen hat. Da diese Veranstaltung allerdings nicht im Global Calender von World Athletics eingetragen war, kann Maers Leistung für die Weltranglisten und Qualifikationslisten nicht herbeigezogen werden.
Nur eine Position (41/60) hinter rangiert liegt Eva Wutti (Club RunAustria) – mit ihren beiden Marathonleistungen aus dem heurigen Frühjahr: 2:37:43 in Wien und 2:37:44 als Siegerin des Salzburg Marathon. Damit liegt die 36-Jährige im internationalen Vergleich gut und auch die ÖLV-Leistungsbestätigung von 2:37:00 Stunden liegt bei einem gelungenen Marathon-Aufbau im Winter im Bereich des Realisierbaren, was etliche Leistungen in der Vergangenheit zeigen. Allerdings verpasste die Kärntnerin die Herbstsaison aufgrund einer hartnäckigen Fußverletzung.

Dass Staatsmeisterin Cornelia Stöckl-Moser (SC Leogang) aktuell innerhalb der Top-60 der Qualifikationsliste liegt (54/60), mag überraschen. Die 31-Jährige profitiert von den Bonuspunkten, die sie bei den Staatsmeisterschaften im Halbmarathon, aber vor allem als Staatsmeisterin im Marathon in Linz bekommen hat. Um die Top-60 zu halten, wird die Salzburgerin aber wohl ihre in die Wertung fallenden Leistungen steigern müssen, zumal World Athletics eine Änderung bei der Gewichtung der Platzierungs- und Bonuspunkte für die Weltrangliste plant, womit alte Leistungen konsequenterweise auch rückwirkend neu bewertet werden würden. Dazu kommt, dass die Leistungsbestätigungsforderung von 2:37:00 Stunden deutlich unter ihrer bisherigen Marathonleistungen liegt. Mit ihren Comeback-Leistungen nach der Mutterschaftspause im Frühjahr 2025 hat die Pinzgauerin allerdings hoffnungsvolle Zeichen gesetzt.

Auch die Top-Drei-Männer haben Verbesserungspotenzial, was ihre derzeitige Rankingposition betrifft. Bei Aaron Gruen (ÖBV Pro Team, 46/60) ist der Hitze-WM-Marathon mit einer Zeit von 2:22:07 Stunden in der Wertung, bei Andreas Vojta (team2012.at, 50/60) der missglückte EM-Halbmarathon von Rom (der ohnehin noch rausfallen muss) und bei Mario Bauernfeind (ÖBV Pro Team, 51/60) seine Leistung vom Berlin Marathon 2025 (2:20:01).
Im Kollektiv können die drei Athleten diese Leistungen realistischerweise verbessern und damit ihren Punktestand stärken, für alle scheint auch die ÖLV-Leistungsbestätigung von 2:14:30 Stunden realisierbar. Dominik Hirczy (Lauftreff Nussdorf) liegt gegenwärtig nur knapp hinter Bauernfeind. Der Salzburger läuft in gut einer Woche den Valencia Marathon und könnte bereits dann einen Sprung nach vorne machen – und vielleicht einen deutlichen Schritt näher an die 2:14:30 Stunden kommen.
Autor: Thomas Kofler
Bilder: © ÖLV / Sonja Maleterova (WM 2025), © SIP / Johannes Langer, © Salzburg Marathon / Salzburg Cityguide