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Hattrick für Gesa Krause – Lea Meyer im Pech

Gesa Krause hat in Birmingham ihren dritten EM-Titel im 3.000m-Hindernislauf gewonnen. Ihre Landsfrau führte fast das gesamte Rennen und stürzte in den Wassergraben.
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Freud und Leid lagen in einem bärenstarken deutschen Team nach 3.000 Metern Wettkampfdistanz mit Hindernissen und Wassergräben eng beieinander. Während Gesa Krause acht Jahre nach ihrem Heimtriumph in Berlin auf das oberste Stockerl des EM-Podests zurückkehrte und bei ihrem dritten Triumph ihre insgesamt fünfte Medaille bei Kontinentalmeisterschaften einheimste, führte Lea Meyer bis zur letzten Runde und vergab die Medaille mit einem Sturz in den letzten Wassergraben. Ausgerechnet ihre Landsfrau Olivia Gürth profitierte und feierte hinter Titelverteidigerin Alice Finot den größten Erfolg ihrer Karriere.

Zehn Jahre nach ihrem Premieren-EM-Titel und acht Jahre nach ihrem letzten ist Gesa Krause wieder die Nummer eins im europäischen Hindernislauf. Die 34-jährige Deutsche setzte sich im Finale von Birmingham mit großer Überlegenheit auf den letzten 200 Metern in einer Zeit von 9:12,69 Minuten vor Alice Finot aus Frankreich und ihrer Landsfrau Olivia Gürth durch. Dass Krause, die zuletzt auch immer mal wieder in den Straßenlauf schnupperte, im Sommer 2026 in eine gute Form gekommen ist, belegten bereits ihre Vorleistungen. Nicht nur das Top-Abschneiden bei der Diamond League in Eugene im 3.000m-Hindernislauf, sondern auch bei diversen starken Auftritten auf Unterdistanzen.

Ergebnis 3.000m-Hindernislauf der Frauen, EM 2026
Gold: Gesa Felicitas Krause (Deutschland) 9:12,69 Minuten
Silber: Alice Finot (Frankreich) 9:14,24 Minuten
Bronze: Olivia Gürth (Deutschland) 9:15,33 Minuten

 
4. Lea Meyer (Deutschland) 9:17,07 Minuten
5. Elise Thorner (Großbritannien) 9:18,14 Minuten
6. Clara Entresengle (Frankreich) 9:21,03 Minuten
7. Flavie Renouard (Frankreich) 9:21,88 Minuten
8. Ilona Mononen (Finnland) 9:25,62 Minuten
9. Agnieszka Chorzepa (Polen) 9:36,14 Minuten
10. Adva Cohen (Israel) 9:38,21 Minuten

„Ich bin überglücklich, es war eine großartige Nacht. Ich bin happy mit meiner Goldmedaille, die letzte ist doch lange her“, sagte die Siegerin nach dem Rennen. Krause profitierte von der Tempoarbeit ihrer Landsfrau Lea Meyer, deren Träume sich mit einem Sturz am letzten Wassergraben auflösten. Zu diesem Zeitpunkt war die Siegerin jedoch schon an ihrer Landsfrau vorbeigehuscht. „Entscheidend war, dass ich auf der Gegengerade dagegengehalten habe. Damit habe ich das Rennen gewonnen. Ich bin unfassbar dankbar, dass mein Rennplan so gut aufgegangen ist und ich die richtigen Entscheidungen im richtigen Moment getroffen habe.“

Erste Medaille für designierte Nachfolgerin

Krause freute sich mindestens genauso über die Bronzemedaille ihrer Landsfrau Olivia Gürth in einer Zeit von 9:15,33 Minuten. Die 24-Jährige profitierte am meisten vom Sturz Meyers und gewann dann das Duell gegen die auf den letzten 200 Metern sehr erschöpfte Lokalmatadorin Elise Thorner, die Europas Jahresliste anführt. „Es ist so toll gemeinsam mit Olivia zu trainieren. Sie fordert mich in jeder Trainingseinheit. Ich wusste, dass sie es drauf hat, aufs Podest zu laufen“, lobte die erfahrene Krause. Ihre junge Trainingspartnerin gilt nach tollen Erfolgen im Nachwuchs als designierte Nachfolgerin für die Rekord-Europameisterin.

Gürth, U20- und U23-Europameisterin, zweifelte bis zum allerletzten Augenblick: „Ich blieb bis zur letzten Hürde konzentriert, im Hindernislauf kann im Endspurt alles passieren. Aber ich habe schon zu Juniorenzeiten bewiesen, dass ich ein gutes Finish habe“, jubelte sie. Krause, lobte sie, sei auf einem anderen Level.

© Maja Hitij / Getty Images for European Athletics

Drama um Meyer

In den deutschen Jubel nicht einstimmen konnte Lea Meyer, letztlich unglückliche Vierte. Die 28-jährige EM-Silbermedaillengewinnerin von München 2022 führte vom ersten Schritt des Rennens an bis zum Glockenton, der die letzte Runde ankündigte. Sie sorgte dabei für ein recht hohes Tempo, dass die kollektive Überlegenheit des deutschen Trios zum Ausdruck brachte.

Gewonnen hätte sie auch ohne Sturz über den letzten Wassergraben nicht, denn Krause und Finot waren in der Schlussrunde stärker. Aber Bronze hätte ihr mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gehört. Sie sei sehr, sehr sauer auf sich selbst, sagte sie auf den Sturz bezogen, und ließ ihrer Enttäuschung freien Lauf.

Kritik an Krause

Nach der ungemütlichen Landung im kalten Nass stieß Meyer die Taktik ihrer Landsfrau sauer auf. Und sie kritisierte nach den dramatischen Ereignissen um ihre Person die dreifache Europameisterin öffentlich heftig. „Gesa will einfach keinen Meter was machen. Die sitzt es aus und rennt da hinten raus. Heute haben die besten Wettkämpferinnen gewonnen“, schimpfte sie im TV-Interview mit dem ZDF. „Ich hätte die Medaille verdient gehabt!“

Sie halte sich vom Leistungsvermögen her für die beste Hindernisläuferin Europas. „Es ist am Ende ein Meisterschaftsrennen und gerade Gesa und Alice sind die absolut besten Meisterschaftsläuferinnen.“ Und eine Angriffsparole ließ sie im TV-Interview auch noch los: „Spätestens in Los Angeles 2028 stehe ich als deutsche Rekordhalterin da!“

Finot zurück in der Elite

Mit EM-Silber konnte Alice Finot in Birmingham ihren Aufwärtstrend weiter fortsetzen. Denn nach ihrer Traumsaison 2024 mit dem EM-Titel von Rom und Platz vier bei den Olympischen Spielen in Paris mit einem überragenden französischen Rekord verliefen sowohl die Wettkampfsaison 2025 als auch jene 2026 bisher relativ enttäuschend. Die Zeit von 9:14,24 Minuten war die beste der Saison und die zweitbeste in den letzten beiden Jahren.

© Maja Hitij / Getty Images for European Athletics

Kein Wunder, dass die 35-Jährige zufrieden war: „Ich habe in letzter Zeit immer wieder mit Verletzungen gekämpft und viel Zeit im Training verloren“, unterstrich sie. Aufgrund ihres Status als Titelverteidigerin hatte die erfahrene Läuferin aus Montbéliard keinen Qualifikationsstress. Ende Juli überzeugte sie mit einem Meisterschaftsrekord bei den französischen Meisterschaften, als sie die bei der EM sechstplatzierte Clara Entresengle deutlich besiegte – und damit ein Statement Richtung internationale Konkurrenz setzte, dass mit ihr bei der EM zu rechnen sei.

Im Duell im Krause war sie letztlich auf den letzten 200 Metern chancenlos, somit gestaltete sich dieses Mal der Zieleinlauf genau umgekehrt im Vergleich zu Rom vor zwei Jahren. Im Gegensatz zu Lokalmatadorin Elise Thorner, die sich mit Position fünf zufrieden geben musste, war die Französin jedoch die einzige, die mit den starken Deutschen mithalten konnte. Meyers Tempodiktat hatte nämlich früh dazu geführt, dass sich das Feld in zwei gleiche Teile zu je acht Läuferinnen aufteilte. Die Achtergruppe, die um die Medaillen lief, verkleinerte sich auf dem letzten Kilometer sukzessive, wobei Finot neben Krause stets am souveränsten wirkte.

Autor: Thomas Kofler
Bilder: © Maja Hitij / Getty Images for European Athletics

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