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Heimsieg für Audrey Werro bei der Athletissima

Audrey Werro blieb auch vor heimischem Publikum unbezwingbar. Direkt hinter der Schweizer Dominatorin verbesserte Femke Broeders-Bol den holländischen Rekord.
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Bei hervorragenden äußeren Bedingungen wurde Audrey Werro ausgerechnet bei ihrem Heimspiel so sehr gefordert, wie kaum in dieser Saison. Die Schweizerin verteidigte knapp ihre Unbesiegbarkeit im Wettkampfjahr 2026 (Freiluftsaison) gegen die mit einem mächtigen Endspurt ausgestattete Femke Broeders-Bol, die in bei der Athletissima in Lausanne einen nächsten wichtigen Schritt machte.

Das 800m-Rennen der Frauen verfolgte das Publikum im ausverkauften Olympiastadion von Lausanne im Stehen, gleichzeitig mit dem Startschuss ertönte ein lauter Jubelschrei, der Lokalmatadorin Audrey Werro beflügeln sollte. Und er tat es gemeinsam mit den zahlreich geschwenkten Schweizer Flaggen. „Ich habe die Unterstützung sehr genossen. Es ist toll wie viele Leute hergekommen sind, mich zu unterstützen“, sagte der Publikumsliebling.

Doch das erste Rennen nach den Europameisterschaften ging der 22-jährigen Eidgenossin nicht so leicht von der Hand wie viele andere Wettkämpfe in dieser so überragenden Saison und sie konnte auch die angeschlagene Pace der Tempomacherin Myrte van der Schoot nicht ganz folgen, die die erste Runde deutlich unter 55 Sekunden anlief.

Athletissima 2026

Ziel: „Schnell laufen“

Werro versuchte sich die zweite Runde gut einzuteilen, mit letzter Kraft rettete sie sich vor der heranbrausenden Femke Broeders-Bol ins Ziel. Mit einer Zeit von 1:55,33 Minuten, immer noch absolute Weltklasse, fehlten beim bereits vierten Diamond-League-Saisonsieg eineinhalb Sekunden auf die erwünschte eigene Jahresweltbestzeit. „Die Zeit seit den Europameisterschaften war sehr kurz, ich fühlte mich heute müder als normalerweise. Gott sei Dank ist sich der Sieg ausgegangen“, so die Athletin. Immerhin unterbot die Lokalmatadorin auch den ein Jahr alten Meetingrekord ihrer Rivalin Keely Hodgkinson.

Zwar gab es vor der Athletissima einzelne Medienberichte und Stimmen, die einen Weltrekordangriff für das Traditionsmeeting ins Auge fassten. Realistischerweise scheint Werro nach einer langen Saison mit intensivem Wettkampfprogramm und vor allem die stressigen drei Runden in Birmingham mit dem Sturz im Halbfinale als Zwischenfall nicht mehr in ihrer absoluten Über-Drüber-Form. Die 22-Jährige selbst achtete im Vorfeld ihres Heimauftritts darauf, den Wettkampfsieg als großes Ziel zu deklarieren. Bezüglich des Weltrekords sagte sie gegenüber France 24: „Ich möchte mir nicht zu viel Druck machen. Es ist mein Traum, eines Tages den Weltrekord zu brechen. Aber in erster Linie fokussiere ich mich darauf, schnell zu laufen.“

Next Step für Broeders Bol

Große Freude mit ihrem Resultat hatte auch die Holländerin, obwohl ihr der Wimpernschlag von sechs Hundertstelsekunden auf den Sieg gefehlt hat. „Ich bin glücklich und stolz, das war ein großartiges erstes Rennen nach der EM“, freute sie sich – insbesondere auch über einen starken Endspurt. Mit Ausnahme von Werro war Broeders-Bol über eine Sekunde schneller alleine auf den letzten 100 Metern als alle anderen – und selbst der Siegerin nahm sie im Finale noch über eine halbe Sekunde ab.

Bei den Europameisterschaften hat die 26-Jährige den holländischen Rekord von Olympiasiegerin Ellen von Langen (1992 in Barcelona) eingestellt. Nun ist sie in einer Zeit von 1:55,41 Minuten die alleinige nationale Rekordhalterin. „Ich bin nach wie vor am Lernen und Sammeln von Erfahrungen. Dieses Rennen wird mir weiterhin Selbstvertrauen geben und ich muss einfach weiter darauf vertrauen, nach 500 Metern kontinuierlich zu puschen“, so die 26-Jährige. Genau in dieser Rennphase verlor der ehemalige 400m-Hürdenstar entscheidende Meter, weil sich die unerfahrene Äthiopierin Saida Tsehaye zwischen sich und die führende Schweizerin schob. Die 18-Jährige fiel in ihrem zweiten Diamond-League-Rennen zwar im Finale zurück, bestach aber mit einer starken persönlichen Bestleistung von 1:56,92 Minuten.

Broeders-Bol monierte diesen taktischen Fehler in ihrem Interview mit der Wanda Diamond League, doch sie und ihr Schweizer Trainer Laurent Meuwly sind erfahren genug, um zu wissen, dass solche Kleinigkeiten in einer Premierensaison im 800m-Lauf passieren können. Daher betonte die Athletin auch vor der Athletissima in einem Interview mit der Plattform olympics.com: „Es läuft viel besser als wir es im ersten Jahr erwarten konnten. Ich bin deutlich schneller und taktisch besser als gedacht. Es macht extrem viel Spaß und ich bin sehr zufrieden.“

© Marta Gorczynska for Diamond League AG

Starke Schweizerinnen

Stark in Szene setzen konnte sich vor Heimpublikum nicht nur Audrey Werro, auch ihre beiden Kolleginnen Veronica Vancardo und Valentina Rosamilia agierten in der Verfolgergruppe stark. Beide Schweizerinnen hatten ja in Birmingham ebenfalls das EM-Finale erreicht. In Lausanne lief Vancardo in 1:58,68 Minuten auf Position vier, Rosamilia in 1:58,93 Minuten auf Position fünf. Beide Leistungen gehören zu den besten in den beiden noch jungen Karrieren. Und beide junge Schweizerinnen blieben auch vor Weltmeisterin Lilian Odira, die sich in 1:59,25 Minuten mit Rang sieben zufrieden geben musste.

Der hochklassige 800m-Lauf im Abendprogramm (sieben aus den Top-Elf der Weltrangliste waren am Start) hatte zur Folge, dass auch der traditionelle B-Lauf in Lausanne durchaus gut besetzt war. 1.500m-Spezialistin Joceline Wind aus der Schweiz lief erstmals unter zwei Minuten und drängte sich zwischen US-Routinier Raevyn Rogers, eine ehemalige WM-Medaillengewinnerin, und Gabriela Gajanova aus der Slowakei, 2024 EM-Medaillengewinnerin. Hinter der Deutschen Smilla Kolbe lief die in Juniorinnenjahren sehr erfolgreiche Delia Sclabas in 2:01,25 Minuten eine persönliche Bestleistung. Eine kleine Krönung ihrer Comebacksaison.

Die weiteren Laufentscheidungen

Kaum zu glauben, aber wahr: Olympiasieger und Weltmeister Emmanuel Wanyonyi hat bis Freitagabend kein Diamond-League-Rennen in dieser Saison über 800m gewonnen. Geklappt hat es in Lausanne beim vierten Versuch. Der Kenianer übernahm rund 70 Meter vor dem Ziel die Führung und verteidigte sie im Zweikampf mit Djamel Sedjati, der den besten Kick im Finale hatte, knapp. Der 22-Jährige siegte in 1:42,19 Minuten mit 0,12 Sekunden Vorsprung auf den Algerier. Der US-Amerikaner Brandon Miller, zuletzt mit vier Siegen am Stück durchaus auch gegen namhafte Konkurrenz, komplettierte in 1:42,55 Minuten das Stockerl.

Marco Arop hat den Wettkampf ziemlich offensiv angelegt und hinter Pacemaker Patryk Sieradzki die erste Runde in etwas mehr als 49 Sekunden absolviert. Der kanadische Weltjahresschnellste führte auch eingangs der Zielgerade noch, doch den beträchtlichen Vorsprung von Anfang der zweiten Runde hatte er bis dahin aufgebraucht. Auf den letzten Metern ging ihm die Kraft aus, er musste sich mit Position vier zufrieden geben. EM-Silbermedaillengewinner Marino Bloudek lief eine Saisonbestleistung von 1:44,21 Minuten und wurde Sechste.

© Marta Gorczynska for Diamond League AG

Ebenfalls ihren ersten Diamond-League-Saisonsieg schaffte Olympiasiegerin Winfred Yavi im 3.000m-Hindernislauf der Frauen. Sie verbesserte den Meetingrekord der Kenianerin Beatrice Chepkoech aus dem Jahr 2023 um fast sechs Sekunden auf eine Zeit von 9:00,04 Minuten und setzte sich im Kampf um den Sieg im Duell mit der jungen Kenianerin Faith Cherotich, bisher die stärkste Hindernisläuferin der Saison, durch. Platz drei ging an Marwa Bouzayani aus Tunesien. Vier der Top-Fünf der Weltranglisten zeugten von einer Weltklassebesetzung.

Kein Erfolg war der Auftritt für das deutsche Trio. Europameisterin Gesa Krause stieg aus, EM-Bronzemedaillengewinnerin Olivia Gürth wurde in 9:22,47 Minuten deutlich hinter der Britin Elise Thorner als zweitbeste Europäerin Neunte. Lea Meyer, die nach ihrem Sturz im Finale von Birmingham noch getönt hatte, die schnellste Europäerin zu sein, musste sich eine Hundertstelsekunde hinter ihrer Landsfrau mit Platz zehn zufrieden geben.

© Marta Gorczynska for Diamond League AG

Der Sieg im 5.000m-Lauf der Männer ging an Birhanu Balew aus dem Bahrain, der seinen ersten Diamond-League-Sieg seit acht Jahren feierte – damals ebenfalls in der Westschweizer Kleinstadt. Der 30-Jährige setzte sich in einer Zeit von 12:57,55 Minuten knapp vor den US-Amerikanern Parker Wolfe, Nico Young und Graham Blanks durch. Erfolgsgeheimnis war eine überragende Schlussrunde des Siegers. Der Schweizer Dominic Lobalu wurde als bester Europäer Achter, Grant Fisher, zuletzt mit Fußproblemen geschwächt, als Elfter nur viertbester Amerikaner im Wettkampf. Der kenianische Commonwealth-Champions Mathew Kipsang musste sich gar mit Position 17 zufrieden geben.

Autor: Thomas Kofler
Bilder: © Marta Gorczynska for Diamond League AG

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