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Zwölf Wochen liegen zwischen der Einreise mitten im Aufbau und der Abreise in ersehnter Topform. Dass Hellen Obiri ihre Boston-Vorbereitung dieses Mal in der Höhe Kenias, direkt vor den Toren Nairobis, absolviert, war selbst in den kenianischen Medien eine Top-Nachricht wert. Zwei Jahre, nachdem eine der erfolgreichsten Athletinnen Kenias der letzten Jahre ihre Heimat verlassen hat, um sich dem On Athletics Club in Boulder im US-Bundesstaat Colorado anzuschließen, um den Wechsel von der Bahn in den Marathon mit der Expertise von Trainer Dathan Ritzenhein optimal zu schaffen.
Der Plan ging auf: Obiri gewann zweimal den Boston Marathon und einmal den New York City Marathon. Als Mitfavoritin lief sie bei den Olympischen Spielen als Dritte auf das Stockerl. Auch wenn sie Gold wollte, gab sie sich mit der Medaille zufrieden. All diese Erfolge hat sie in den Höhenlagen der USA, ob in Colorado oder weiter südlich, vorbereitet. Das ist dieses Mal anders.
„Ich bin überglücklich, wieder hier zu sein“, sagte sie der kenianischen Tageszeitung „Daily Nation“ nach der Ankunft in ihrem Heimatland im Jänner. „Die zwölf Wochen hier und die damit verbundenen Trainingsaktivitäten werden entscheidend für das Ziel ,Hattrick’ beim Boston Marathon.“ Sie schätze insbesondere die Qualität ihrer Trainingspartner. Außerdem seien die Trainingsbedingungen im kalten und schneereichen Winter in den USA ein Mitgrund für die Entscheidung gewesen, berichteten kenianische Medien.
„Einen Titel zu verteidigen, ist nie einfach. Aber ich werde am Renntag alles geben und hoffen, den Hattrick zu vollenden“, sagte Obiri und gab zu, angesichts des starken Elitefelds einen großen Druck auf ihren Schultern zu spüren. Jeder würde nämlich gezielt darauf achten, ob ihr der dritte Sieg gelingen würde und sie müsse Möglichkeiten finden, im Wettkampf ihre absolute Leistungsgrenze zu erreichen. In einem Interview mit „Tata Sports“ sagte die Athletin: „Dieser Druck hilft mir im Training. In Kenia musst du immer in absoluter Top-Form sein, damit du zur nationalen Spitze gehörst.“
Der Wechsel von den USA zurück zu einem Trainingslager nach Kenia kam überraschend. In einem Interview mit Sports Wave Africa Foundation, eine Organisation, die die Ausbildung von Trainer*innen im afrikanischen Sport fördert und die Obiri unterstützt, hob sie kurz davor die Vorzüge des Trainings in den USA hervor. Der größere Anteil an Trainingseinheiten im Fitnessstudio habe ihrem Körper gut getan. Die intensive Betreuung durch Dathan Ritzenhein in der Trainer-Athletinnen-Beziehung hätte deutlich höhere Qualität als sie es davor kannte. Und er lege ihr einen Trainingsplan zurecht, der in Langfristigkeit optimal auf sie individuell zugeschnitten sei und realistische Ziele enthalte. So etwas kannte sie aus Kenia nicht. Auch in der Regeneration habe sie sich dank Ritzenheins Einfluss erheblich verbessert. „In den USA habe ich zu 100% das, was ich brauche!“
26 Jahre ist es her, dass die Äthiopierin Fatuma Roba als letzte Läuferin dreimal hintereinander den Boston Marathon gewinnen konnte. Unmittelbar davor ist dieses Tripple auch der Deutschen Uta Pippig gelungen. Eine derartige Erfolgsserie ist nicht zuletzt deswegen so schwierig, weil die Elitefelder des Boston Marathon Jahr für Jahr eine reichliche Portion Weltklasse beinhalten.
In diesem Jahr stellen sich hauptsächlich Sharon Lokedi, Olympia-Vierte und eine weitere Kenianerin, die in den USA lebt, Weltmeisterin Amane Beriso und deren äthiopische Landsfrau Yalemzerf Yehualaw, sowie die ehemalige Crosslauf-Weltmeisterin Irine Cheptai, ebenfalls aus Kenia, in Obiris Weg. Lokedi musste sich im Vorjahr nur um acht Sekunden gegenüber Obiri geschlagen geben, Beriso war im Jahr davor die Zweitplatzierte hinter der Kenianerin.
Obiri habe einzig und allein den Boston Marathon in ihrem Fokus, daher verzichtete sie auf jegliche Vorbereitungsrennen. Nach den Erfahrungen des letzten Jahres, als sie drei Marathonläufe auf selektiven Strecken (Boston, Paris, New York) absolvierte, will sie sich 2025 auf zwei Marathons beschränken. „Vom Olympischen Marathon, den ich aufgrund einer Verletzung im Frühling in kurzer Zeit vorbereitet habe, habe ich schlecht regeneriert. New York kam zu früh. Es ist nicht gut für eine Athletin, drei Marathons in einem Jahr zu laufen“, sagte sie gegenüber NTV. Den WM-Marathon von Tokio schloss sie als zweiten Marathon in diesem Jahr aus.
Der Boston Marathon findet zum 129. Mal nach der Premierenausgabe im Jahr 1897 statt. Frauen-Wertungen gibt es rückwirkend seit 1966. Die US-Amerikanerinnen Roberta Louise Gibb und Sara Mae Berman in den Anfangsjahren sowie Uta Pippig aus Deutschland und Fatuma Roba aus Äthiopien in den 90er Jahren haben den Boston Marathon dreimal in Folge gewonnen. Ebenfalls drei Boston-Siege kann die portugiesische Lauflegende Rosa Mota vorweisen, sie benötigte vier Jahre dafür. Rekordsiegerin beim Boston Marathon ist allerdings die Kenianerin Catherine Ndereba, die in den Jahren 2000, 2001, 2004 und 2005 auf der obersten Stufe des Treppchens stand.
Autor: Thomas Kofler
Bild: © Gerd Altmann / Pixabay – Symbolbild