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Wie fast gewohnt fanden die Teilnehmer*innen auf den Straßen von Valencia ideale Rahmenbedingungen vor. Das nutzten auch die besten Europäer: Andreas Almgren stürmte in einer Zeit von 26:45 Minuten zum Gesamtsieg und verbesserte seinen im Vorjahr aufgestellten Europarekord. Auch der Europarekord der Frauen fiel dank eines Ausrufezeichens von Eilish McColgan, die sich mit einer Zeit von 30:08 Minuten an der europäischen Spitze zurückmeldete. Mehr als 15.600 Laufbegeisterte erreichten bei der 18. Auflage des Events entweder die Ziellinie des 10km-Laufs oder jene des 5km-Laufs.
„Es ist eine persönliche Bestleistung, aber heute wäre sicher mehr drin gewesen“, schrieb Timo Hinterndorfer (DSG Wien) am gestrigen Sonntagmorgen nach dem Valencia 10K an RunUp-Redakteur Andreas Maier. Die Enttäuschung überlagerte die Freude über die Bestleistung. Dem 21-jährigen gelang eine Steigerung um sieben Sekunden im Vergleich zum letzten Jahr und damit der Sprung unter die Marke von 29 Minuten, als achter Österreicher in der Geschichte des Laufsports. Im hochklassigen 10km-Feld von Valencia reichte dies jedoch nur für den 91. Platz. Hinterndorfer war einer von unfassbaren 99 Läufern mit einer Zeit unter 29 Minuten.
Und darin war auch der Frust von Hinterndorfer begründet. Im dichten und engen Feld fand der junge Österreicher nicht wie gewünscht ins Rennen und erhielt erst nach einem Drittel in der Gruppe, in der er laufen wollte und in die er sich händeringend in der Anfangsphase erst kämpfen musste, jenen Rhythmus, den er sich vorgestellt hat. Damit war zu diesem Zeitpunkt aber mehr Energie verpufft als gewünscht. Elf U23-Läufer kamen vor dem Wiener ins Ziel, seine Leistung ist neuer ÖLV-U23-Rekord.
Der Valencia 10K hielt neuerlich viele Versprechungen und hat sich als schneller Lauf für viele ambitionierte europäische Läuferinnen und Läufer am traditionellen Wintertermin etabliert. Einer, der mit dieser Veranstaltung beste Erinnerungen teilt, ist Andreas Almgren. Der Schwede hatte bereits im Vorjahr in Valencia mit einem Europarekord triumphiert und wiederholte dieses Kunststück mit Bravour – acht Sekunden groß ist die Differenz seiner beiden Siegerzeiten der letzten zwei Austragungen. „Ich bin überglücklich damit, was ich heute erreicht habe. Es war gar nicht einfach, alles von vorne laufen zu müssen. Aber ich liebe es einfach, hier in Valencia zu laufen, hier hab ich noch nie schlecht performt. Die Bedingungen waren perfekt, meine Form und die Zuschauer auch“, bilanzierte der 30-Jährige.
Der Skandinavier hat im vergangenen Jahr den Anschluss zur Weltspitze geschafft – den Valencia-Sieg war der Auftakt dafür, es folgten ein Europarekord mit Diamond-League-Sieg im 5.000m-Lauf sowie die WM-Bronzemedaille im 10.000m-Lauf in Tokio. Mit seiner neuen 10km-Bestleistung liegt Almgren auf Position acht der ewigen Weltbestenliste, nur 21 Sekunden hinter dem Weltrekord von Rhonex Kipruto, der zurzeit eine Langzeitsperre absitzt.
Neben Almgren schaffte nur noch der zweitplatzierte Äthiopier Khairi Bejiga (26:51), 19 Jahre jung, eine Zeit unter 27 Minuten. Abgesehen von Almgren gab es weitere europäische Topleistungen: Mohamed Abdilaahi und Magnus Tuv Myhre kamen direkt hintereinander auf den Rängen fünf und sechs ins Ziel und verbuchten beide eine Zeit von 27:22 Minuten, beides neue Landesrekorde für Deutschland und Norwegen. Abdilaahi lief zehn Sekunden schneller als der deutsche Marathonrekordhalter Amanal Petros vor zwei Jahren in Castellon, der 25-jährige Myhre verbesserte den gut ein Jahr alten norwegischen Rekord von Narve Gilje Nordas. Seine gute Form hatte Abdilaahi bereits vor vier Wochen bei einem 5km-Lauf in Saudi Arabien unter Beweis gestellt, als er den deutschen Rekord auf eine Zeit von 13:17 Minuten verbessert hatte.
Said Mechaal steigerte als Siebter den spanischen Landesrekord von Ilias Fifa um 16 Sekunden auf eine Zeit von 27:25 Minuten. „Ich bin sehr stolz auf meine Arbeit in den letzten vier Wochen als Krönung eines jahrelangen Aufbaus. Das ist ein Erfolg, den ich allen widme, die immer an mich geglaubt haben“, sagte der 27-Jährige in einem emotionalen Statement. „Teilweise hat es sich heute angefühlt als würde ich fliegen.“ Said Mechaal, der an der Iowa State University studierte, ist der jüngere Bruder des bekannten spanischen Läufers Adel Mechaal, der mehrfach in Olympischen oder WM-Finalläufen gut performte. In spanischen Medien ging er auf Konfrontation mit der spanischen Leichtathletik. Die Sportzeitung „As“ zitierte ihn: „Hier wurde mir mehrmals ein Stipendium verweigert. Ich möchte klarstellen: Ich verdanke alles meinem Umfeld in den USA. Punkt!“
José Carlos Pinto verbesserte seinen eigenen, erst drei Monate alten portugiesischen Landesrekord auf 27:37 Minuten, Jo Wigfield stellte in 27:38 Minuten den britischen von Rory Leonard ein, Efrem Gidey steigerte seinen eigenen irischen Rekord, Mike Foppen lief in 27:39 Minuten einen holländischen Rekord und Baldvin Magnusson markierte in 27:40 Minuten einen isländischen Rekord.
Der Uruguayer Valentin Soca verpasste als Vierter in einer Zeit von 27:21 Minuten nur um fünf Sekunden den im Vorjahr auf selber Strecke aufgestellten Südamerikarekord seines Landsmanns Santiago Catrofe. Richard Ringer platzierte sich bei seinem Wettkampf-Comeback nach der familiären Tragödie rund um die Stillgeburt seiner Tochter in einer Zeit von 27:39 Minuten auf Platz 14 und erzielte damit eine persönliche Bestleistung. Schnellster Schweizer war Morgan Le Guen in 27:42 Minuten, der französische 1.500m-Spezialist Azzedine Habz war nach 27:43 Minuten im Ziel.
Mit ihrem stärksten Wettkampf seit einigen Jahren hat sich Eilish McColgan zurück ins Rampenlicht gebracht. Mit einer Steigerung von elf Sekunden ihrer aus dem Jahr 2022 bestehenden persönlichen Bestleistung, auch damals Europarekord, lief sie nach 30:08 Minuten als Achte ins Ziel des Valencia 10K und stellte damit einen neuen Kontinentalrekord auf. „Ich bin überglücklich. Ich bin zum ersten Mal in Valencia gelaufen und kann nur in den höchsten Tönen schwärmen“, wird sie auf der Veranstaltungswebsite zitiert.
Nach einigen gesundheitlichen Problemen in den letzten Jahren – u.a. eine Knie-OP, in denen sich McColgan an ihr Marathon-Debüt herantastete, das im April 2025 in London gelang, nahm sie im Herbst mit Straßenlauf-Wettkämpfen auf unterschiedlichen Distanzen langsam Schwung auf. Bereits nach ihrem dritten Platz beim Great North Run im September prognostizierte die 35-Jährige dem britischen Leichtathletik-Magazin eine deutliche Leistungssteigerung Richtung Winter, da sie sich in guter physischer und psychischer Verfassung sah. Die Wettkampfleistung in Valencia ist nun eine deutliche Steigerung.
Weitere europäische Topleistungen gelangen der Britin Alex Bell (30:57), eine ehemalige 800m-Spezialistin, und der Portugiesin Mariana Machado, die mit einer Zeit von 30:58 Minuten den portugiesischen Rekord von Sara Moreira um fast eine halbe Minute steigerte. Hinter der Britin Izzy Fry verbesserte Tereza Hrochova ihren eigenen tschechischen Rekord auf eine Zeit von 31:05 Minuten. Lisa Merkel sprang mit einer Zeit von 31:10 Minuten auf Rang vier der deutschen Bestenliste, Marta Garcia in 31:17 Minuten auf Position zwei der spanischen.
Nur sieben Tage lang war Eilish McColgan nicht in Besitz des 10km-Europarekords. Jana van Lent hatte am 4. Jänner bei einem Straßenlauf in Nizza überraschend McColgans ehemalige Bestleistung um neun Sekunden getoppt. Die EM-Fünfte im 10km-Straßenlauf gewann den Lauf an der Cote d’Azur mit einer starken Zeit von 30:10 Minuten. Dabei lief die Belgierin, die schon mit einer starken Performance bei der Crosslauf-EM im Dezember aufgezeigt hat, eine irre schnelle erste Rennhälfte in einer Zeit von 14:42 Minuten.
Im selben Rennen wie van Lent verpasste die zweitplatzierte Alessia Zarbo ihren eigenen französischen Rekord nur knapp. Den hochklassigen Wettkampf in Valencia gewann die erst 20 Jahre alte Kenianerin Brenda Jepchirchir in einer Zeit von 29:25 Minuten vor der in Spanien lebenden Äthiopierin Likina Amebaw (29:29) und Clare Ndiwa aus Kenia (29:49). Die Siegerin liegt nun auf Platz vier der ewigen 10km-Weltbestenliste, die Äthiopierin auf Position sechs.
Autor: Thomas Kofler
Bild: © ÖLV / Sona Maleterova (Timo Hinterndorfer bei der U23-EM 2025)