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Hinterndorfer und Lassacher vor U23-EM optimistisch

Timo Hinterndorfer und Cordula Lassacher wollen sich bei der U23-EM in Bergen in den 10.000m-Läufen gut präsentieren. Sie sind die beiden stärksten Läufer im heimischen Aufgebot.
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Von Donnerstag bis Sonntag gehen im norwegischen Bergen die U23-Europameisterschaften über die Bühne – und damit für viele junge Leichtathlet*innen aus Europa der Saisonhöhepunkt. Das gilt auch für Timo Hinterndorfer und das Läuferinnen-Trio, die vom Österreichischen Leichtathletik-Verband (ÖLV) in das insgesamt 17 Athlet*innen umfassende Nationalteam nominiert wurden. Mit den 10.000m-Auftritten von Hinterndorfer und Cordula Lassacher stehen die rot-weiß-roten Laufhighlights der viertägigen Titelkämpfe bereits am Donnerstag- bzw. Freitagabend auf dem Programm.

Vier Tage steht die norwegische Küstenstadt Bergen im Scheinwerferlicht der Talentproben der zukünftigen europäischen Leichtathletik-Generation. Für die Jahrgänge 2003 bis 2005 findet für den Großteil von Donnerstag bis Sonntag der Saisonhöhepunkt statt, die Besten der kommenden Tage sehen in den Weltmeisterschaften der Allgemeinen Klasse im September in Tokio ihr Jahreshighlight und wollen in Bergen ein erstes wichtige, internationales Zeichen setzen. Und das bei guten sommerlichen Wetterbedingungen, die viele in Westösterreich in diesen Tagen mit Sehnsüchten erfüllen würden.

Österreichs U23-Nationalteam

Der Österreichische Leichtathletik-Verband hat 17 Athlet*innen für die U23-EM nominiert, nur einmal war bisher ein U23-Team größer. Die Österreicher*innen gliedern sich ein in ein Feld von 1.198 Athlet*innen aus 44 europäischen Mitgliedsverbänden. Angeführt wird das Team von Enzo Diessl, der im Hürdensprint als Führender der U23-Europaliste eine Medaillenchance haben sollte. Zu den einzelnen prominenten Absagen zählt auch Kevin Kamenschak (ATSV Linz LA), vor zwei Jahren zweifacher Medaillengewinner bei der U20-EM. Der Linzer wird in diesem Jahr keine Wettkämpfe mehr bestreiten.

ÖLV-Quartett in Laufentscheidungen

Im 17-köpfigen ÖLV-Team befinden sich drei Läuferinnen und ein Läufer: Cordula Lassacher (Atus Knittelfeld) und Timo Hinterndorfer (DSG Wien) legen ihr Hauptaugenmerk auf den 10.000m-Lauf, haben aber auch die Qualifikation für die 5.000m geschafft und könnten damit auch noch einen zweiten Bewerb bestreiten – jeweils zwei Tage später. Beide lassen sich für einen zweiten Start ein Hintertürchen offen, für den Fall, dass die Beine nach dem 10.000m-Lauf unerwartet frisch sind. Ein Doppelstart ist in beiden Fällen eher unwahrscheinlich, wie Hinterndorfer und Lassacher im Gespräch mit RunUp.eu bestätigten.

Nicole Prauchner (TGW Zehnkampf Union) ist im 800m-Lauf der Frauen dabei und am Donnerstagabend noch vor dem 10.000m-Lauf der Männer als erste ÖLV-Läuferin im Vorlauf im Einsatz, Nicole Bauer (ULC Riverside Mödling) im 5.000m-Lauf. Bei den ÖLV-U23-Meisterschaften Anfang Juli in Graz kam keine Läuferin und kein Läufer mehr dazu: Katharina Stöger (Union Salzburg LA) verpasste das Last-Minute-Limit im 1.500m-Lauf ebenso wie Niklas Kainrath (Union St. Pölten) im 800m-Lauf.

Jerusalem als Maßstab für Hinterndorfer

Hinterndorfer ist im 10.000m-Lauf mit seiner Saisonbestleistung von 29:53,99 Minuten aus einem nicht rundum gelungenen Wettkampf bei den Staatsmeisterschaften in der Entry List weit hinten im Feld, hat aber ein stärkeres Leistungsniveau als seine Vorleistung – was auch seine 10km-Straßenlauf-Zeiten untermalen. In die Sphären der Topplatzierungen zu kommen, wird für den Achten der Junioren-EM von vor zwei Jahren im 5.000m-Lauf dieses Mal über die doppelte Distanz eine große Herausforderung. „Ich hoffe die Platzierung aus Jerusalem zu verbessern. Das wird aber nicht einfach, denn es sind viele gute Athleten am Start“, schätzt der 21-Jährige, der einen Top-Ten-Platz als Minimalziel definiert.

Seine Erwartungshaltung fußt auf einer gelungenen Vorbereitung mit vielen gezielten Bahntrainings. Dabei wechselten sich längere Bahnläufe im geplanten Wettkampftempo mit progressiven Läufen und kürzeren Bahneinheiten in gezielt flotterem Tempo ab. „Ich hatte oft Radbegleitung, was beim Pacing Vorteile hat. Da kann man leichter die gewünschten Runden- und Kilometer zeiten erreichen“, erzählt der Wiener.

Der 10.000m-Lauf der Männer steht bereits am ersten Wettkampfabend auf dem Programm. Hinterndorfer zählt auf ein flottes Rennen mit einem Tempo rund um einen Schnitt von drei Minuten pro Kilometer vom Startschuss weg. „Das würde gut passen für mich, ich gehe generell mit einem guten Gefühl in den morgigen Wettkampf. Daher werde ich entspannt an die Startlinie stehen!“ Dass seine bisherigen Bahnrennen nicht in der Qualität gelangen, in der er sie sich vorgestellt hätte, sieht Hinterndorfer nicht als Nachteil und verweist auf seine guten Straßenlauf-Auftritte in den letzten beiden Jahren.

RunUp.eu-TV-Tipp: Die U23-Europameisterschaften werden zur Gänze in ORF Sport+ oder im Livestream auf ORF ON übertragen. In einem bereits bei den letzten beiden Auflagen umgesetzten gemeinsamen Projekt der Verbände in Deutschland, Österreich und der Schweiz liegt der Fokus des Livestreams auf den Athlet*innen der deutschsprachigen Länder. Diese Bilder werden dem ORF zur Verfügung gestellt. Als Kommentatoren fungieren Uwe Holli und Bernhard Schmid, die dank finanzieller Projektunterstützung von European Athletics gemeinsam mit einem Regisseur im Stadion sitzen werden. Damit ist Österreich außerhalb Skandinaviens eines der wenigen europäischen Länder, in denen die U23-EM 2025 live im Fernsehen ausgestrahlt wird.

Die Kirsche für das Sahnehäubchen

Wie Hinterndorfer sieht auch Cordula Lassacher ihre Stärken aufgrund ihrer guten Ausdauer mehr im 10.000m-Lauf als im 5.000m-Lauf, weshalb beide den Fokus früh auf die längste Bahndistanz gelegt haben. Mit ihrer Bestleistung von 34:23,53 Minuten ist sie in der Entry List im Mittelfeld platziert. „Es wäre schön, wenn ich im Vergleich dazu ein paar Positionen weiter vorne ins Ziel kommen könnte“, meint die 21-Jährige. Nach dem wochenlangen Aufenthalt im Höhentrainingslager in St. Moritz im Juni, wo sie einige Trainings gemeinsam mit den starken deutschen Disziplin- und Alterskolleginnen absolvieren konnte, was zusätzliche Motivation entfachte, und der gelungenen Generalprobe bei den ÖLV-U23-Meisterschaften am ersten Juli-Wochenende ist sie mit der Vorbereitung zufrieden.

In Graz siegte Lassacher überraschend mit einem steirischen U23-Rekord im 1.500m-Lauf. „Auch für den 10.000m-Lauf ist eine solide 1.500m-Zeit sehr wertvoll, weil auch über die lange Distanz ein schneller letzter Kilometer sehr wichtig ist“, erklärt sie. Das gelte auch für Rennverläufe, die nicht taktisch geprägt sind. Denn das erwartet die Steirerin für Freitagabend nicht: „Normalerweise geht es recht schnell los. Ich bin zwar auf beides gut vorbereitet, aber ein flottes Rennen von Beginn weg wird gut passen.“ Von der Stadionbesichtigung am heutigen Vormittag nahm sie positive Gefühle mit ins Hotel, wobei der Rahmen für sie in der Wettkampfzeit keine Rolle spielen soll: „Ich will gar nicht viel mitkriegen, sondern in meinem Tunnel bleiben und mich voll auf den Wettkampf und meine Leistung fokussieren.“ Angeführt wird er von den Favoritinnen Lisa Merkel aus Deutschland und Agate Caune aus Lettland, die auf dem Papier deutlich über allen Kontrahentinnen stehen.

Für Lassacher ist die U23-EM der Höhepunkt einer langen Saison mit etlichen Erfolgsmomenten. „Mir ist 2025 ein sehr wichtiger Schritt in meiner Entwicklung gelungen. Bei der EM geht es für mich darum, das umzusetzen, was in diesem Jahr gelernt habe. Ich will mir das Rennen gut einteilen und lange so ruhig wie möglich bleiben.“ Nach den ÖLV-U23-Rekorden im Halbmarathon, im 10km-Lauf und im 10.000m-Lauf, alle im Frühling aufgestellt, visiert der Schützling von Trainerin Karin Haußecker in Bergen die sprichwörtliche Kirsche als Zierde auf dem Kuchen einer gelungenen Saison an.

In den 5.000m-Läufen liegen Hinterndorfer und Lassacher, falls sie doch starten, im hinteren Teil der Entry List. Das gilt auch für Nicola Bauer, wobei ihre 5km-Bestleistung deutlich besser ist als ihre 5.000m-Bestleistung bei ihrem Sieg bei den U23-Meisterschaften 2025 in Graz. Nicole Prauchner ist über 800m Außenseiterin, ein Aufstieg aus dem Vorlauf wäre eine Sensation.

U23-Europameisterschaften

Die Europameisterschaften der Altersklasse U23 werden seit 1997 im zwei-Jahres-Rhythmus ausgetragen, um den Übergang von der Juniorenzeit auf das hohe Niveau der europäischen und internationalen Leichtathletik mit einem weiteren Meisterschaftshöhepunkt harmonischer zu gestalten.

In diesem Jahr sind die Jahrgänge 2003, 2004 und 2005 startberechtigt. Bergen wäre bereits als Gastgeber im Jahr 2021 vorgesehen gewesen, damals wäre Superstar Jakob Ingebrigtsen das Aushängeschild der Titelkämpfe gewesen. Doch die damaligen politischen Einreisebeschränkungen Norwegens in der Pandemie machten eine Austragung nicht möglich, Tallinn sprang kurzfristig ein. Das Organisationskomitee in der zweitgrößten norwegischen Stadt wurde mit der Ausrichtung vier Jahre später de facto als 1:1-Ersatz belohnt. Damit findet die U23-EM zum vierten Mal in Folge im Norden Europas statt, zum sechsten Mal bei den letzten sieben Malen, aber zum ersten Mal in Norwegen.

Die von Hügeln und Bergen umgebene Stadt an der Südwestküste Norwegens ist bekannt für ihren Hafen und das historische Zentrum Bryggen. Austragungsort ist das Fana Stadion, das zweitgrößte Stadion der Stadt hinter dem für Fußball genutzten Brann Stadion. 2004 war es Ersatzaustragungsort der Bislett Games, da in Oslo das Stadion renoviert wurde, und sah den Weltrekordlauf von Elvan Abeylegesse (5.000m). Bis zu 15.000 Zuschauern finden auf den weitläufigen Tribünen rund um die Laufbahn, teilweise Naturtribünen, Platz.

Talenteschau

Die U23-EM ist traditionell ein wichtiges Schaufenster für einige der hoffnungsvollen europäischen Talente der Zukunft. Einige etablierte Stars wie Hallen-Welt- und -europameisterin Saga Vanninen aus Finnland im Siebenkampf, Lokalmatadorin Henriette Jäger im 400m-Lauf, das holländische Supertalent Niels Laros oder die serbische Hochspringerin Angelina Topic sind wie etliche hoffnungsvolle Lauftalente wie Audrey Werro, Stefan Nillessen oder Jakub Dudycha am Start.

Holländische Dominanz bei den Männern

Niels Laros peilt in Bergen den 5.000m-Lauf an und ist damit der Widersacher von Junioren-Weltmeister Andreas Fjeld Halvorsen (3.000m), einer der großen Medaillenhoffnungen der Gastgeber. Seine Topform hat der 20-jährige Holländer, der im Olympischen Finale von Paris im 1.500m-Lauf starker Sechster war, zuletzt beim Diamond-League-Meeting in Eugene unter Beweis gestellt (siehe RunUp.eu-Bericht), wo er mit einem frenetischen Schlussspurt das Meilenrennen vor Olympia-Medaillengewinner Yared Nuguse für sich entscheiden konnte – eine bessere Generalprobe wäre kaum möglich gewesen. Die Crosslauf-Spezialisten Nicholas Griggs (Irland) und WIll Barnicoat (Grobritannien) sowie der U20-Europameister über 3.000m, Jonathan Grahn aus Schweden, komplettieren das interessante Feld. Laros ist in Bergen ohne Saisonvorleistung auch für den 800m-Lauf gemeldet. Absolviert er dieses seltene Double, gehört er auch dort zum engsten Favoritenkreis.

Die Laufentscheidungen in Bergen

  • Donnerstag, 18 Uhr – 800m-Vorläufe der Frauen (mit Nicole Prauchner)
  • Donnerstag, 18:35 Uhr – 1.500m-Vorläufe der Männer
  • Donnerstag, 19 Uhr – 10.000m-Finale der Männer (mit Timo Hinterndorfer)
  •  

  • Freitag, 12:10 Uhr – 3.000m-Hindernis-Vorläufe der Frauen
  • Freitag, 12:50 Uhr – 1.500m-Vorläufe der Frauen
  • Freitag, 13:30 Uhr – 800m-Vorläufe der Männer
  • Freitag, 19:50 Uhr – 10.000m-Finale der Frauen (mit Cordula Lassacher)
  •  

  • Samstag, 12:50 Uhr – 3.000m-Hindernis-Vorläufe der Männer
  • Samstag, 17:45 Uhr – 1.500m-Finale der Männer
  • Samstag, 18:30 Uhr – 5.000m-Finale der Männer (vielleicht mit Timo Hinterndorfer)
  • Samstag, 19:20 Uhr – 3.000m-Hindernis-Finale der Frauen
  • Samstag, 19:40 Uhr – 800m-Finale der Frauen
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  • Sonntag, 13:05 Uhr – 3.000m-Hindernis-Finale der Männer
  • Sonntag, 16:15 Uhr – 1.500m-Finale der Frauen
  • Sonntag, 16:35 Uhr – 5.000m-Finale der Frauen (mit Nicole Bauer und vielleicht mit Cordula Lassacher)
  • Sonntag, 17 Uhr – 800m-Finale der Männer

Laros’ Landsmann Stefan Nillessen ist der Favorit im 1.500m-Lauf – auch er war letztes Jahr Olympia-Finalist in Paris. Zuletzt bestach der 22-Jährige beim Diamond-League-Meeting in Paris mit einem holländischen Rekord von 3:29,23 Minuten. In Bergen könnte er seinen Titel von Espoo 2023 verteidigen. Und er könnte das noch kuriosere Doppel als Laros anstreben, denn Nillessen ist auch im 3.000m-Hindernislauf qualifiziert. In seinem bisher einzigen Hindernislauf seines Lebens schaffte er im Mai auf Anhieb eine Zeit von 8:32,78 Minuten.

800m-Spezialist Jakub Dudycha gewann die Goldmedaille sowohl bei der EM der Altersklasse U18 als auch der Altersklasse U20 und blieb in diesem Jahr bereits zweimal unter 1:45 Minuten, wobei er zwei Top-Resultate in der World Athletics Continental Tour Gold erzielte. Der Tscheche hat aber im deutschen Youngster Alexander Stepanov, dem Italiener Francesco Pernici und dem Briten Justin Davies harte Konkurrenz – und vielleicht auch mit Niels Laros.

Haushohe Favoritenrolle für Werro

Audrey Werro, Star des 55-köpfigen Schweizer Rekordaufgebots für U23-Europameisterschaften, agierte in der Diamond League etwas wetterwendisch, lief aber in der Freiluftsaison im 800m-Lauf bereits viermal unter 1:59 Minuten und hatte ihren besten Wettkampf Ende Mai in Bydgoszcz, wo sie den Schweizer 800m-Rekord auf eine Zeit von 1:57,25 Minuten verbesserte. Alles andere als die Goldmedaille wäre in Bergen eine herbe Enttäuschung, ähnlich ist die Ausgangsposition für die Spanierin Maria Forero im 5.000m-Lauf. Spannend ist die Ausgangsposition im 3.000m-Hindernislauf, wo die Spanierin Marta Serrano, die Finnin Ilona Mononen und die Deutsche Adia Budde laut Papierform die Stärksten sind.

Autor: Thomas Kofler
Bild: © ÖLV / ©wolf.amri – Cordula Lassacher bei den Österreichischen U23-Meisterschaften in Graz, wo sie den 1.500m-Lauf gewann.

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