Enter your email address below and subscribe to our newsletter

Titelverteidigungen bei Crosslauf-WM

Die Crosslauf-Weltmeister des Jahres 2023 sind auch die Crosslauf-Weltmeister des Jahres 2024. Jacob Kiplimo und Beatrice Chebet verteidigten ihre WM-Titel bei fast sommerlichen Bedingungen am Samstagmittag in Belgrad mit beeindruckenden Leistungen.
Weiterlesen

Share your love

Die Crosslauf-Weltmeister des Jahres 2023 sind auch die Crosslauf-Weltmeister des Jahres 2024. Jacob Kiplimo und Beatrice Chebet verteidigten ihre WM-Titel bei fast sommerlichen Bedingungen am Samstagmittag in Belgrad mit beeindruckenden Leistungen. Mit seiner Dominanz erinnert der junge Ugander zwangsläufig an die Siegesserie von Kenenisa Bekele in den 2000er-Jahren, die junge Kenianerin trat mit ihrem „back-to-back-title“ in die Fußstapfen der Legenden Tirunesh Dibaba und Paula Radcliffe.

RunUp-Lesetipp: Kuriositäten und Wissenswertes von der Crosslauf-WM 2024

Hitze, Sprünge und ein Schuh

Mit einer frühzeitigen Attacke in der letzten Runde entschied Jacob Kiplimo den sportlichen Höhepunkt, das bestens besetzte Männerrennen, für sich und untermauerte seine Position als bester Crossläufer der Welt eindrucksvoll. In einer Endzeit von 28:09 Minuten auf dem schnell zu laufenden, zehn Kilometer langen Kurs im Park der Freundschaft in Belgrad, hielt er wie vor einem Jahr im australischen Bathurst den Äthiopier Berihu Aregawi (28:12) hinter sich. Der 20-jährige, in Japan lebende Benson Kiplangat gewann das kenianische Duell gegen den kenianischen Meister Nicholas Kipkorir und damit auch das Duell um die Bronzemedaille für sich, während der Crosslauf-Weltmeister von 2019, Joshua Cheptegei aus Uganda, als Sechster genauso wie der siebtplatzierte Halbmarathon-Weltmeister Sabastian Sawe aus Kenia leer ausging.

Hungrig auf Gold

Damit bleibt der globale Crosslauf in ugandischer Hand, zum dritten Mal in Serie gewannen die Stars aus dem Nachbarland Kenias die Einzel-Goldmedaille. „Dieser Erfolg fühlt sich sogar noch aufregender an als der erste im letzten Jahr“, jubelte der 23-jährige Champion. „Nachdem ich die WM in Budapest im letzten Jahr verpasst habe, war ich richtig hungrig auf Edelmetall!“ In der Nationenwertung reichte es nicht wie 2019 beim Doppelsieg von Cheptegei und Kiplimo für Gold, sondern für Silber hinter dem kompakt agierenden kenianischen Team, aber noch vor dem äthiopischen Aufgebot. Äthiopiens Bester, Berihu Aregawi, zeigte sich mit der neuerlichen Silbermedaille in der Einzelwertung zufrieden, versprach aber, alles zu tun, um in Zukunft einmal die Goldmedaille zu gewinnen.

Platz vier in der Nationenwertung ging wohlverdient an das spanische Team, welches mit Thierry Ndikumwenayo, ein aus Burundi stammender und eingebürgerter Läufer, auf dem beachtlichen neunten und Aaron Las Heras auf einem ebenfalls starken 17. Platz gleich zwei Läufer in die Top-20 bekamen. Dort ist traditionell neben je sechs startberechtigten Läufern aus den ostafrikanischen Laufhochburgen bei den Weltmeisterschaften im Crosslauf, einer ostafrikanischen Spezialdisziplin, wenig Platz.

Ergebnis Crosslauf-WM 2024, Allgemeine Klasse, Männer (10km)
Gold: Jacob Kiplimo (Uganda) 28:09 Minuten
Silber: Berihu Aregawi (Äthiopien) 28:12 Minuten
Bronze: Benson Kiplangat (Kenia) 28:14 Minuten

 
4. Nicholas Kipkorir (Kenia) 28:16 Minuten
5. Samwel Masai (Kenia) 28:18 Minuten
6. Joshua Cheptegei (Uganda) 28:24 Minuten
7. Sabastian Sawe (Kenia) 28:31 Minuten
8. Gideon Rono (Kenia) 28:31 Minuten
9. Thierry Ndikumwenayo (Spanien) 28:36 Minuten
10. Boki Diriba (Äthiopien) 28:38 Minuten

17. Aaron Las Heras (Spanien) 29:08 Minuten
20. Mehdi Frère (Frankreich) 29:16 Minuten
Teamwertung (vier beste Platzierungen addiert)
Gold: Kenia 19 Punkte
Silber: Uganda 31 Punkte
Bronze: Äthiopien 40 Punkte

 
4. Spanien 99 Punkte
5. Austalien 106 Punkte
6. Eritrea 113 Punkte

Kenias Frauen in eigener Liga

Sieben Jahre nach dem historischen Sechsfachsieg der Kenianerinnen im Kampala dominierte das kenianische Team das Rennen der Frauen in Belgrad nach Belieben. Die Übermacht zeigte sich bereits zu Rennmitte, als sich die fünf Kenianerinnen entscheidend deutlich vom Rest des Feldes absetzten. „Das Team hat hervorragend gearbeitet, wir sind sehr stolz auf diese Performance“, lobte der kenianische Verbandspräsident Jackson Tuwei, auch Vize-Präsident bei World Athletics, laut der „Daily Nation“. Bis tief in die letzte Runde lief das Quintett gemeinsam, erst die letzten beiden Wettkampfminuten kam etwas Unruhe in die Gruppe. Beatrice Chebet hatte das Geschehen zu jedem Zeitpunkt im Griff und zog eingangs der Zielgerade an der zuvor attackierenden Lilian Rengeruk vorbei. „Es war nicht leicht, unser Team war sehr stark, alles erfahrene Läuferinnen. Wir haben gemeinsam trainiert, zusammengelebt und in den letzten Wochen eigentlich alles gemeinsam gemacht. Teamwork definitely makes dream work for sure!“, jubelte die alte und neue Weltmeisterin sowie klar Führende in der Crosslauf-Weltrangliste.

© Adam Nurkiewicz for World Athletics

Der Erfolg fiel letztendlich klar aus, Rengeruk sicherte sich die Silbermedaille vor Margaret Kipkemboi. Für Rengeruk war es die zweite Crosslauf-WM-Medaille nach Bronze 2017, für Kipkemboi die erste, nachdem die 31-Jährige bereits WM-Medaillen im 5.000m-Lauf (Silber 2019), im 10.000m-Lauf (Bronze 2022) und im Halbmarathon (Silber 2023) hat. Ihr fehlt noch eine Goldene, ganz im Gegensatz zu Chebet, die neben den Goldmedaillen bei Crosslauf-Weltmeisterschaften und jener bei der Straßenlauf-WM 2023 (5km) auch noch je eine Silber- und Bronzemedaille im 5.000m-Lauf gewonnen hat (2022 und 2023). Emmaculate Anyago, die bei den kenianischen Trials erfolgreich war, musste sich mit Platz vier, die letztjährige Bronzemedaillengewinnerin Agnes Ngetich, seither mit einigen Wunderleistungen über zehn Kilometer auf der Straße, mit Platz fünf zufrieden geben.

Ergebnis Crosslauf-WM 2024, Allgemeine Klasse, Frauen (10km)
Gold: Beatrice Chebet (Kenia) 31:05 Minuten
Silber: Lilian Rengeruk (Kenia) 31:08 Minuten
Bronze: Margaret Kipkemboi (Kenia) 31:09 Minuten

 
4. Emmaculate Anyango (Kenia) 31:24 Minuten
5. Agnes Ngetich (Kenia) 31:27 Minuten
6. Sarah Chelangat (Uganda) 32:00 Minuten
7. Daisy Jepkemei (Kasachstan) 32:04 Minuten
8. Bertukan Welde (Äthiopien) 32:14 Minuten
9. Loice Chekwemoi (Uganda) 32:24 Minuten
10. Mebrat Gidey (Äthiopien) 32:27 Minuten

14. Karoline Bjerkeli Grövdal (Norwegen) 32:49 Minuten
15. Weini Kelati (USA) 32:53 Minuten
20. Abbie Donnelly (Großbritannien) 33:17 Minuten
Teamwertung (vier beste Platzierungen addiert)
Gold: Kenia 10 Punkte
Silber: Äthiopien 41 Punkte
Bronze: Uganda 44 Punkte

 
4. USA 113 Punkte
5. Spanien 126 Punkte
6. Japan 137 Punkte

Europameisterin schlug sich achtbar

„Best of the Rest“ war Sarah Chelangat aus Uganda, während das äthiopische Team mit Bertukan Welde auf Platz acht an dessen Spitze eine historische Niederlage einstecken musste. Es war das schlechteste Abschneiden seit sieben Jahren, dennoch reichte es für Silber in der Nationenwertung knapp vor Uganda – ein dritter Platz in der Nationenwertung war Äthiopien zuletzt 1992 hinter Kenia und den USA passiert, gewissermaßen also in der Urzeit der ostafrikanischen Überlegenheit im Langstreckenlauf der Frauen.

Die beste europäische Platzierung schaffte Europameisterin Karoline Bjerkeli Grövdal als 14. direkt vor der in der letzten Runde massiv erschöpften Weini Kelati. Die US-Meisterin, die im Jänner in Houston mit einem US-Rekord im Halbmarathon aufgezeigt hatte, konnte sich auf der Zielgerade vor Erschöpfung kaum auf den Beinen halten und verpasste ihr Ziel einer Top-Ten-Platzierung letztlich klar. Auch die Norwegerin hatte sich mit einem tollen Halbmarathon-Resultat Selbstvertrauen für die Crosslauf-WM geholt: Sieg beim New York City Halbmarathon Mitte März. Mit der Britin Abbie Donnelly, EM-Dritte im Dezember, kam eine weitere Europäerin in die Top-20. Sie klagte gegenüber „Athletics Weekly“ über die ungewohnt hohen Temperaturen, die am frühen Nachmittag sommerliche 28°C. erreichten.

Junioren-Weltmeisterin mit 15

Die Wettbewerbe der Altersklasse U20 waren noch deutlicher in ostafrikanischer Hand als die Wettbewerbe der Allgemeinen Klasse. Bei den Burschen, die acht Kilometer absolvierten, widerstand Samuel Kibathi auf der Zielgerade die Attacke des Äthiopiers Mezgebu Sime und sicherte sich den Titel in einer Zeit von 22:40 Minuten. Er folgt damit seinem Landsmann Ishmael Kipkurui als erst zweiter kenianischer Junioren-Weltmeister im Crosslauf im vergangenen Jahrzehnt. Den kenianischen Erfolg komplettierten Matthew Kipruto mit der Bronzemedaille und der Triumph in der Nationenwertung über Äthiopien.

Der Wettkampf der Juniorinnen war dagegen fest in äthiopischer Hand: Marta Alemayo gewann nach sechs Kilometern in einer Zeit von 19:28 Minuten mit vier Sekunden Vorsprung auf ihre favorisierte Teamkollegin Asayech Ayichew und zehn Sekunden Vorsprung auf die dritte Äthiopierin Robe Dida, die erste wenige Meter vor der Ziellinie die völlig erschöpfte die Kenianerin Sheila Jebet noch abfing, die Goldmedaille. Es war der erste Dreifachsieg seit 2015, damals ebenfalls durch die Äthiopierinnen, einst angeführt vom heutigen Topstar Letesebet Gidey. In der Nationenwertung siegte Äthiopien vor Kenia, das Team aus Uganda freute sich wie bei den Burschen über Bronze.

US-amerikanische, japanische und europäische Teilnehmer*innen hatten in den Juniorenbewerben gegen die ostafrikanische Phalanx wenig überraschend keine Chance auf vordere Platzierungen. Die zweifelsohne talentierte Junioren-Europameisterin Innes Fitzgerald aus Großbritannien kam auf Position 17 ins Ziel und kassierte über eineinhalb Minuten Rückstand auf die Siegerin.

Ergebnis Crosslauf-WM 2024, Altersklasse U20, Burschen (8km)
Gold: Samuel Kibathi (Kenia) 22:40 Minuten
Silber: Mezgebu Sime (Äthiopien) 22:41 Minuten
Bronze: Matthew Kipruto (Kenia) 22:46 Minuten

 
4. Yismaw Dillu (Äthiopien) 22:48 Minuten
5. Johana Erot (Kenia) 22:49 Minuten
6. Charles Rotich (Kenia) 22:51 Minuten
7. Sewmehon Anteneh (Äthiopien) 22:51 Minuten
8. Jenberu Sisay (Äthiopien) 23:00 Minuten
9. Shadrack Kipkemei (Kenia) 23:02 Minuten
10. Abdisa Fayisa (Äthiopien) 23:16 Minuten
Teamwertung (vier beste Platzierungen addiert)
Gold: Kenia 15 Punkte
Silber: Äthiopien 21 Punkte
Bronze: Uganda 52 Punkte

 
4. Japan 77 Punkte
5. Südafrika 114 Punkte
6. Marokko 114 Punkte
Ergebnis Crosslauf-WM 2024, Altersklasse U20, Mädchen (6km)
Gold: Marta Alemayo (Äthiopien) 19:28 Minuten
Silber: Asayech Ayichew (Äthiopien) 19:32 Minuten
Bronze: Robe Dida (Äthiopien) 19:38 Minuten

 
4. Sheila Jebet (Kenia) 19:45 Minuten
5. Diana Cherotich (Kenia) 19:47 Minuten
6. Yenawa Nbret (Äthiopien) 19:50 Minuten
7. Deborah Chemutai (Kenia) 19:51 Minuten
8. Lemlem Nibret (Äthiopien) 20:01 Minuten
9. Shito Gummis (Äthiopien) 20:02 Minuten
10. Nowel Cheruto (Uganda) 20:04 Minuten

17. Innes Fitzgerald (Großbritannien) 21:10 Minuten
Teamwertung (vier beste Platzierungen addiert)
Gold: Äthiopien 12 Punkte
Silber: Kenia 28 Punkte
Bronze: Uganda 48 Punkte

 
4. USA 88 Punkte
5. Großbritannien 90 Punkte
6. Japan 98 Punkte

Kenia zum dritten Mal Mixed-Weltmeister

Die Mixed-Staffel, die zum vierten Mal im WM-Programm stand, war ab Rennmitte eine klare Geschichte für das kenianische Quartett, das in einer Zeit von 22:15 Minuten Äthiopien und Großbritannien klar auf die weiteren Medaillenplätze verwies. Die äthiopische Schlussläuferin Birri Abera verlor beim letzten Wechsel, bereits mit deutlichem Rückstand auf Kenia, ihren linken Schuh und absolvierte die komplette Runde mit nur einem Schuh, konnte die Silbermedaille aber über die Ziellinie retten. Das britische Team, das in der letzten Runde noch das bis auf Rang acht durchgereichte US-Team, das im Gegensatz zur Konkurrenz auf eine Schlussläuferin setzte, abfing, holte in der Besetzung Thomas Keen, Alexandra Millard, Adam Fogg und Bethan Morley damit die einzige europäische Medaille des langen Wettkampftages in Belgrad – eine historische, denn 2019 und 2023 waren Europas Verbände leer ausgegangen.

Mixed-Staffel (zwei Läuferinnen und zwei Läufer)
Gold: Kenia 22:15 Minuten
Silber: Äthiopien 22:43 Minuten
Bronze: Großbritannien 23:00 Minuten&

 
4. Marokko 23:08 Minuten
5. Uganda 23:10 Minuten
6. Frankreich 23:17 Minuten

Österreichische Läufer*innen waren für die Bewerbe der Crosslauf-Weltmeisterschaften 2024 am Samstag in Belgrad keine nominiert. Auch Deutschland und die Schweiz sowie etliche weitere europäische Verbände sandten keine Delegationen.

Autor: Thomas Kofler
Bild: © Srdjan Stevanovic/Getty Images for World Athletics

Crosslauf-Weltmeisterschaften 2024 in Belgrad

Waren die Infos neu für dich??

Share your love