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Historischer Europarekord im 3.000m-Hindernislauf

Der Deutsche Frederik Ruppert lief beim Diamond-League-Meeting in Rabat am Sonntag als erster Europäer einen 3.000m-Hindernislauf in unter acht Minuten.
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Die Welt dreht sich auf allen Laufdistanzen in den letzten Jahren schnell und schneller. Die europäische Bestenliste im 3.000m-Hindernislauf freilich sah kaum Veränderungen an der Spitze in den letzten Jahren. Am Sonntag ist beim Diamond-League-Meeting in Rabat eine historische Marke gefallen, die Mahiedine Mekhissi vor 13 Jahren um einen Wimpernschlag noch verpasst hatte: der erste europäische 3.000m-Hindernislauf in einer Zeit unter acht Minuten. Dass der Deutsche Frederik Ruppert mit dieser Weltklasseleistung von 7:57,80 Minuten nicht einmal den Wettkampfsieg feierte, lag daran, dass sich der Hausherr und Hindernislauf-Star Soufiane El Bakkali in seinem Wohnzimmer nicht den Spaß verderben ließ – und zum fünften Mal hintereinander sein Heimrennen gewann.

Soufiane El Bakkali und Frederik Ruppert lieferten beim Diamond-League-Meeting in Rabat eine besondere Hindernislauf-Show, freilich auf unterschiedliche Art und Weise. Während der Dominator der letzten Jahre, der sich bei den letzten Weltmeisterschaften sensationell vom Neuseeländer Geordie Beamish schlagen ließ, seine Saisonpremiere kontrollierte, legte der Deutsche auf hohem Niveau einen leicht verhaltenen Start hin und zeigte eine eindrucksvolle Aufholjagd – um wie im Vorjahr Platz zwei hinter dem kaum zu schlagenden Lokalmatador zu belegen.

RunUp.eu-Tipp: Das Diamond-League-Meeting in Rabat auf ORF ON

Extra-Motivation von der Tribüne

Als es nach der Zwischenzeit bei 2.000m in die Crunch Time des Rennens ging, hatte Frederik Ruppert den Anschluss an die Spitzengruppe fast geschafft. Der Deutsche lag in der Anfangsphase deutlich hinter El Bakkali, der sich sofort hinter die Pacemaker setzte, und ließ auch eine kleine Lücke zur Spitzengruppe, die er erst in den zwei letzten Umläufen schloss. Aber Ruppert war in der Lage, selbst allein laufend in der entscheidenden Phase ein höheres Tempo zu gehen als jeder andere Läufer im Feld.

Das, obwohl der Wettkampf von Anfang an schnell war. Der Marokkaner, der die Gunst des Publikums genoss, zog in der vorletzten Runde vorbei am führenden Kenianer Simon Koech und von vorne weg zu einer Weltjahresbestleistung von 7:57,25 Minuten. Vor den Augen des marokkanischen Prinzen Moulay El Hassan erreichte DAS Aushängeschild schlechthin der marokkanischen Leichtathletik seine vierte Leistung unter acht Minuten, die dritte in diesem Stadion, wo er 2023 auch den noch gültigen Meetingrekord aufgestellt hat. Mehr als vier Hindernislaufzeiten unter acht Minuten haben nur Saif Saaeed Shaheen (ehemals Stephen Cherono) und Paul Kipselie Koech mit neun bzw. acht geschafft.

© Chiara Montesano for Diamond League AG

Ruppert überflügelt die Kenianer

Ruppert schaffte kurz vor dem letzten Umlauf endgültig den Anschluss zur Spitzengruppe und schnappte sich erst Youngster Edmund Serem und dann dessen kenianischen Landsmann Simon Koech. Der 29-Jährige aus Aachen, der von der Österreicherin Isabelle Baumann, Ehefrau von Olympiasieger Dieter, trainiert wird, finishte in spektakulären 7:57,80 Minuten und ist nun der zwölftschnellste Hindernisläufer der Geschichte – der beste, der außerhalb Afrikas geboren ist.

Auch die jungen Kenianer liefen persönliche Bestzeiten: Der 22-jährige Simon Koech eine in 7:59,44 Minuten (Premiere unter acht Minuten), der erst 18-jährige Junioren-Weltmeister von 2024 und WM-Bronzemedaillengewinner von Tokio 2025 eine von 8:01,61 Minuten. Der Rest des Feldes folgte mit großem Abstand, Weltmeister Beamish musste sich mit Rang 13 in 8:16,80 Minuten zufrieden geben.

Diamond-League-Meeting Rabat 2026

Motivationsreise nach Marokko

Für Ruppert ist das Diamond-League-Meeting in Rabat ein spezieller Ort, „einer, mit dem ich viele Emotionen verbinde“, wie er nach dem Rennen am Sonntag sagte. Die Atmosphäre war sicherlich kein Vorteil für den Deutschen, der sich aber dadurch motivieren ließ: „Das Publikum war fantastisch. Klar, es liebt El Bakkali. Aber die Rolle des ,Feindes’ zu spielen, ist schon speziell.“

Bereits im letzten Jahr bestach er bei seiner Saisonpremiere in Rabat mit einer phänomenalen persönlichen Bestzeit von 8:01,49 Minuten – und überraschte damit die ganze Hindernislauf-Welt. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Ruppert an diese Zeit in der gesamten Saison 2025 nicht wieder heranlaufen konnte. Allerdings gelang es 2025 erstmals, nachhaltig auf internationaler Ebene Erfolge zu feiern. Er gewann einen Wettkampf in Turku und holte zu Saisonende überraschend der Sieg beim Diamond-League-Finale in Zürich, wo freilich einige Stars gefehlt haben. Bei der WM hatte er als Zwölfter keine Medaillenchance.

Nun soll die Saisonpremiere in Rabat wieder eine starke Saison lancieren. „Der Europarekord war definitiv mein Ziel“, sagte der Deutsche nach dem Rennen. „Ich bin heuer schon einen sehr guten 10.000m-Lauf gelaufen und die letzten Trainingseinheiten waren fantastisch. Es ist nun ein unglaubliches Gefühl, der erste Europäer zu sein, der die Acht-Minuten-Barriere unterboten hat. Das hatte ich in all meinen Wintertrainingseinheiten immer im Hinterkopf und es hat sich ausgezahlt, dass ich jeden einzelnen Trainingstag die volle Motivation hineingelegt habe.“

Die europäische Bestenliste im 3.000m-Hindernislauf der Männer
  • 17:57,80 Minuten – Frederik Ruppert (Deutschland), Rabat 2026
  • 8:00,09 Minuten – Mahiedine Mekhissi (Frankreich), Paris 2013
  • 8:01,18 Minuten – Bouabdellah Tahri (Frankreich), Berlin 2009
  • 8:04,95 Minuten – Simon Vroemen (Niederlande), Brüssel 2005
  • 8:05,23 Minuten – Dijlali Bedrani (Frankreich), Doha 2019
  • 8:05,69 Minuten – Fernando Carro (Spanien), Monaco 2019
  • 8:05,75 Minuten – Mustafa Mohamed (Schweden), Heusden-Zolder 2007
  • 8:07,44 Minuten – Lius Miguel Martin (Spanien), Brüssel 2002
  • 8:07,62 Minuten – Joseph Mahmoud (Frankreich), Brüssel 1984
  • 8:07,96 Minuten – Mark Rowland (Großbritannien), Seoul 1988

Burgin düpiert Wanyonyi

Eine große Überraschung gab es im 800m-Lauf der Männer: Weltmeister Emmanuel Wanyonyi musste sich bei seiner 800m-Saisonpremiere (beim Kip Keino Classic in Nairobi lief der 21-Jährige im April einen 1.500m-Lauf und gewann ihn) überraschend dem Briten Max Burgin beugen. Auch im Vorjahr misslang der Saisoneinstieg des Kenianers an gleicher Stelle etwas, auch damals kam er hinter Burgin auf Rang drei ins Ziel – beim Sieg von Tshepiso Masalela aus Botswana. Danach allerdings feierte Wanyonyi noch fünf Diamond-League-Saisonsiege inklusive des Finals in Zürich sowie den WM-Titel in Tokio.

Burgin wurde einst als Supertalent ausgerufen, doch physische Probleme bremsten einen harmonischen Übergang von der Junioren- in die Allgemeine Klasse. Die Olympischen Spiele von Tokio 2021 verpasste er wegen Oberschenkel- und Leistenproblemen, 2022 musste er wegen einer Venenthrombose in der Wade lange pausieren. Nach Final-Teilnahmen bei den Spielen von Paris und den Weltmeisterschaften in Tokio war der Erfolg in Rabat eine Premiere in der Diamond League. Einer, der gewaltigen Eindruck schindete und auf einer stabilen und starken Saison 2025 aufbaut.

© Chiara Montesano for Diamond League AG

Run Like Rudisha

In seinem ersten Wettkampf überhaupt seit dem WM-Finale in Tokio, wo er als Sechster eine persönliche Bestleistung von 1:42,29 Minuten erzielt hatte, lief er den Wettkampf unfassbar offensiv an und erarbeitete sich einen erheblichen Vorsprung auf die Verfolger. Wanyonyi löste sich 250 Meter vor dem Ende und übernahm die zweite Position, der Abstand zu Burgin eingangs der Zielgerade war aber zu groß, um ihn mit dem Endspurt wettzumachen. „Es war ein unglaubliches Rennen, ein sehr aufregender Lauf. Ich hab mich spontan entschieden, die erste Runde so hart zu laufen. Ich bin sehr glücklich über meinen ersten Diamond-League-Erfolg“, sagte der 24-Jährige.

Seine Spontanität ist kein Wunder, Risiko hat er noch nie gescheut und dass David Rudisha, ein begnadeter Frontrunner, sein großes Vorbild ist, hat er schon x-mal öffentlich erklärt. „Von vorne zu laufen vermeidet viele taktische Fallen. Aber es ist ein Test der Stärke und des Willens“, beschrieb er in einem Interview mit der BBC vor vier Jahren, als 20-Jähriger. Beide Aspekte würden ihm taugen. Burgin geht das Jahr 2026 mit großen Zielen an und nimmt den britischen Uraltrekord von WA-Präsident Sebastian Coe ins Visier (1:41,73). „Er scheint in Reichweite“, sagte er bereits im September der BBC.

In Rabat schaffte der junge Brite in 1:42,98 Minuten zum vierten Mal in seiner Karriere eine Zeit unter 1:43 Minuten. Wanyonyi folgte in 1:43,56 Minuten, der Algerier Slimane Moula komplettierte in 1:43,73 Minuten das Stockerl. „Keine schlechte Zeit. Ich habe mein bestes gegeben und es war ein gutes Rennen“, bilanzierte der Kenianer überraschend besänftigt. Hallen-WM-Medaillengewinner Eliott Crestan aus Belgien wurde Sechster, der irische Routinier Mark English, vor zwei Wochen Überraschungssieger beim Diamond-League-Auftakt in Shanghai, musste sich mit Platz elf begnügen.

© Chiara Montesano for Diamond League AG

Schweizer Glanzmoment

Einen hervorragenden Saisoneinstieg erwischte die Schweizer 800m-Läuferin Audrey Werro. Die 22-Jährige stürmte in Rabat zu ihrem zweiten Diamond-League-Erfolg und überzeugte dabei mit einer Zeit von 1:56,56 Minuten. Die Schweizerin konnte damit bei ihrem Freiluft-Saisoneinstieg nahtlos an die starken Hallen-Leistungen anknüpfen. „Es ist schon erstaunlich, dass ich am Beginn der Saison so nahe an meine besten Zeiten herangelaufen bin“, sagte sie, erklärte ihr Niveau aber auch gleich mit einem gelungenen Lern- und Entwicklungsschritt im vergangenen Jahr. „Ich bin sowohl physisch als auch mental sicherlich einen Schritt weiter im Vergleich zum letzten Jahr. Solche Siege lassen mein Selbstvertrauen weiter wachsen.“ Im März hat sie in Torun bei den Indoor-Weltmeisterschaften die Silbermedaille hinter der alles überragenden Keely Hodgkinson gewonnen.

Hinter Werro liefen die Olympia-Silbermedaillengewinnerin Tsige Duguma aus Äthiopien (1:57,24) und die kenianische Überraschungsweltmeisterin von Tokio, Lilian Odira (1:57,27), über die Ziellinie – also hochkarätige Konkurrenz, die die 22-Jährige in die Schranken weisen konnte und das mit einer beeindruckenden Art und Weise. Denn die Schweizerin ging vom Start weg in den Windschatten der Tempomacherin und konnte sich im dritten Rennviertel einen ordentlichen Vorsprung auf die beiden Afrikanerinnen erarbeiten, die die erste Runde im Hinterfeld verbrachten und bei ihren Überholvorgängen dann kurz hinter der offensiv laufenden Italienerin Eloisa Coiro feststeckten. Zwar schafften Duguma und Odira bis eingangs der Zielgerade den Anschluss, mussten dieser kräfteraubenden Aufholjagd aber Tribut zollen und hatten keine Chance gegen Werros letzte 100 Meter von der Spitze weg. Die Siegerin löschte den zehn Jahre alten Meetingrekord von Caster Semenya aus den Geschichtsbüchern des einzigen afrikanischen Diamond-League-Meetings.

Die weiteren Laufentscheidungen

Der bei den Hallen-Weltmeisterschaften überraschend vom Spanier Mariano Garcia besiegte, amtierende Freiluft-Weltmeister Isaac Nader musste sich auch bei seiner Freiluft-Saisonpremiere mit Position zwei anfreunden. Der Amerikaner Yared Nuguse verteidigte seinen Vorsprung entlang der Zielgerade und hatte in einer Zeit von 3:30,35 Minuten, ein Meetingrekord, acht Hundertstelsekunden Vorsprung auf den Portugiesen, der sich kurioserweise während seines Endspurts zweimal nach hinten umblickte. Dritter wurde Azzedine Habz aus Frankreich. Für Nuguse war es bereits der fünfte Sieg bei einem Diamond-League-Meeting, das sind die meisten eines US-Läufers, alle Distanzen summiert.

Im 1.500m-Lauf der Frauen zeigte die Britin Laura Muir einen der stärkeren Wettkämpfe der letzten Zeit und wurde als drittbeste Europäerin Fünfte. Hinter den beiden Äthiopierinnen Freweyni Hailu (3:58,25) und Haregeweyni Kalayu platzierten sich die Französin Agathe Guillemot und die Portugiesin Patricia Silva auf den Positionen drei und vier.

Autor: Thomas Kofler
Bilder: © Marta Gorczynska & © Chiara Montesano for Diamond League AG

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