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„Ich sehe mich immer noch als Hobbyläufer!“

Fünf Wochen vor dem VCM 2026 spricht Aaron Gruen im RunUp-Interview über seine Vorbereitung auf den Vienna City Marathon und seine sportlichen Ziele.
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Seit Jänner hält Aaron Gruen die beiden wichtigsten österreichischen Langstreckenrekorde: nach jenem im Marathon (2:09:53), aufgestellt im März 2025 in der Nähe von New York, auch jenen im Halbmarathon (1:01:14), gelaufen im Jänner 2026 in Houston. Sein nächstes großes Ziel ist der Vienna City Marathon am 19. April, für den er bei einem Halbmarathon im Rockland Lake State Park, dem Ort seines Marathonrekords, am 21. März eine sportliche Generalprobe ablegt.

In Teil zwei des Interviews, welches Aaron Gruen der österreichischen Tageszeitung „Der Standard“ und dem Laufmagazin „RunUp“ exklusiv gab, spricht der 27-Jährige über seine sportlichen Ziele und die Vorbereitung auf seinen nächsten großen sportlichen Höhepunkt, den Vienna City Marathon. Mit ihm gesprochen hat für das RunUp sein „Entdecker“ für die heimische Öffentlichkeit, Olaf Brockmann.

RunUp.eu-Lesetipp:
Teil eins des Interviews mit Aaron Gruen

Olaf Brockmann: Aaron, beschreib dich uns bitte als Läufer!
Aaron Gruen: „Ich sehe mich selbst eigentlich immer noch als Hobbyläufer. Es ist wirklich so, weil ich ja nicht von einem Hintergrund des Laufsports komme. Ich bin mein Leben lang nicht Läufer gewesen. Meine Identität ist nicht unbedingt Läufer. Ich mache es fast so nebenbei.“

Was versprichst du dir vom Halbmarathon am 21. März in Rockland Lake State Park?
„Weil’s vier Wochen vor dem Vienna City Marathon ist, glaube ich, wird es für mich wahrscheinlich kein Rekord-Halbmarathon werden. Die Konkurrenz ist da auch nicht so gut wie in Houston. Es kann sein, dass ich den Halbmarathon eher alleine laufen muss. Da werden nicht so viele schnelle Läufer im Feld sein, vielleicht ein, zwei, die um die 63 Minuten laufen. Es gibt beim ,Project 13.1’ auch kein Preisgeld. Der Marathon, der dort von einem anderen Veranstalter eine Woche später ausgetragen wird, ist stärker besetzt als der Halbmarathon.“

Wie lautet dein weiterer Fahrplan bis zum Vienna City Marathon am 19. April?
„Vor dem Halbmarathon im Rockland Lake State Park starte ich noch beim New Bedford Half Marathon am 15. März. Das wird allerdings ein reiner Trainingslauf. Die letzten Wochen der Vorbereitung waren wegen des Wetters teilweise etwas schwierig. Außerdem bin ich einen Tag nach meinem Geburtstag ziemlich heftig gestürzt und musste ein paar Tage Trainingspause einlegen – das war natürlich etwas frustrierend. Inzwischen ist aber alles wieder in Ordnung, und das Training läuft wieder gut.
In Hinblick auf den VCM ist auch genug Schlaf sehr wichtig. Meistens gehe ich um acht Uhr schlafen. Ich brauche mindestens sieben Stunden Schlaf, sonst kann ich keine Leistungen bringen.“

© MarathonPhoto

Nach deinem österreichischen Rekord beim Houston Halbmarathon ist die österreichische Laufszene sehr gespannt auf deinen Auftritt beim VCM. Wie lauten deine Ziele?
„Wenn man einen schnellen Halbmarathon laufen kann, bedeutet es ja nicht automatisch, dass man auch einen schnellen Marathon laufen kann. Im Vorjahr bin ich einen schnellen oder mittelschnellen Marathon gelaufen, jetzt, neun Monate später, bin ich aber auch einen schnellen Halbmarathon gelaufen. Daher ist meine Hoffnung, dass das bedeutet, dass ich noch schneller im Marathon sein kann. Die Marathon-Pace fühlt sich jetzt schon etwas leichter an.

Im Elitefeld sind viele Läufer, die Spitzenleistungen erbracht haben, die deutlich über meiner eigenen Bestzeit liegen. Das Rennen verspricht also ein sehr hohes Niveau. Für mich wird das eine echte Herausforderung, mich in diesem Feld einigermaßen zu behaupten. Ich werde mein Bestes geben und freue mich sehr auf den Vienna City Marathon.

Ich werde dennoch keine Zeit vorhersagen. Das ist immer riskant. Ich werde keinen Rekord ankündigen, das kommt ja immer auch aufs Wetter, auf die Bedingungen drauf an. Wenn ich eine Woche vorher Influenza habe, sieht es wieder ganz anders aus. Aber eines kann ich sagen: Ich will in Zukunft meinen Rekord verbessern, ob das Wien oder woanders ist.“

RunUp.eu-Lesetipp:
Das Elitefeld beim VCM 2026

Erzähl uns von deinem Training und deinen Umfängen!
„Bis zum VCM werde ich mein Trainingsvolumen wieder erhöhen, genau wie vor allen anderen Rennen. Für den Halbmarathon in Houston waren das so um die 170 bis 180 Kilometer die Woche, jetzt werden es wieder wahrscheinlich 190 bis 200 Kilometer sein. Mehr lohnt sich in meinem Fall nicht, weil ich auch Zeit fürs Studium brauche. In Bezug auf Regeneration versuche ich, einmal pro Woche eine Massage zu bekommen, für mehr habe ich keine Zeit.“

Was sagst du zur Wiener Marathonstrecke?
„Beim Training auf der Strecke des Vienna City Marathons hatte ich sofort das Gefühl, dass das eine sehr gute Route ist. Wenn die Bedingungen stimmen, kann man in Wien definitiv sehr schnell laufen. Die Uphills fühlen sich nicht besonders schwer an, und die Downhills sind extrem motivierend. Während meines Workouts habe ich mir immer wieder die Atmosphäre entlang der Strecke vorgestellt — gerade die Gefällstücke konnte ich perfekt nutzen, um Tempo aufzunehmen.“

© Olaf Brockmann

Auch deine Freundin Kate ist Inhaberin der österreichischen Staatsbürgerschaft und wird den Vienna City Marathon laufen. Wie lauten ihre sportlichen Ambitionen?
„Sie ist sehr ehrgeizig. Ich will aber keine Prognosen stellen, welche Zeiten sie beim Halbmarathon im März und dann beim VCM laufen kann. Wenn das Wetter mitspielt, kann sie auf der schnellen Strecke beim „Project 13.1“ deutlich schneller laufen als zuletzt in Cambridge mit 1:20:24.

Katie, die in Boston an der Northeastern University Cybersecurity studiert, hat selbst eine gute Trainingsgruppe gefunden, sie ist jetzt auch bei meinem Trainer. Ob sie sich als Doppel-Staatsbürgerin eines Tages entscheidet, für Österreich zu laufen, müssen wir mal abwarten. Ich glaube, ihr erstes Ziel ist es, bei den US-Trials für LA28 mitzulaufen, dafür müsste sie 2:37 schaffen. Sie hat gemeint, wenn ihr Training gut läuft und sie fit ist, könnte sie sich auch entscheiden, für Österreich anzutreten.“

Interview: Olaf Brockmann
Bilder: © Olaf Brockmann, MarathonPhoto

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