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Europas Laufstar Jakob Ingebrigtsen schob sich mit der Verbesserung seines Europarekords um 0,83 Sekunden auf eine Zeit von 3:27,14 Minuten auf Platz vier der ewigen Bestenliste im 1.500m-Lauf, es ist insgesamt die achtschnellste Zeit über diese Distanz. Vor ihm thronen nur noch der marokkanische Weltrekordhalter Hicham El Guerrouj, der in seiner Karriere gleich fünfmal unter 3:27 Minuten gelaufen ist, der ehemalige Kenianer und spätere US-Amerikaner Bernard Lagat und der Kenianer Asbel Kiprop, der später über eine positive Dopingprobe kläglich gestolpert ist. „Ich wollte ein schnelles Rennen und ich wollte neuerlich unter 3:28 Minuten laufen. Man kann nicht immer in Rekorden denken, dieses Resultat heute war das Beste, das ich erhoffen konnte“, sagte der 22-Jährige nach seinem Rennen und richtete den Fokus auf die Weltmeisterschaften aus, wo er erstmals auch in seiner Spezialdisziplin die Goldmedaille zu holen plant – mit einem Trainingslager in St. Moritz. In der europäischen Bestenliste hält der Skandinavier nun die besten fünf 1.500m-Zeiten, alle aufgestellt seit seinem ersten Europarekordlauf zu Olympischem Gold im Olympiastadion von Tokio.
Vom ersten Schritt an war Jakob Ingebrigtsens Rennen vor stimmungsvoller Kulisse im gut gefüllten Stadion auf eine möglichst schnelle Endzeit ausgerichtet, er nahm gleich die Position hinter nicht weniger drei Tempomachern ein, darunter mit Stewart McSweyn ein Läufer, der vor wenigen Jahren noch selbst zur Weltklasse im 1.500m-Lauf zählte, und Erik Sowinski, der wahrscheinlich bekannteste Mittelstrecken-Pacemaker der Jetztzeit. Die Zwischenzeiten von 54,62 Sekunden und 1:50,72 Minuten nach 400 bzw. 800 Metern waren jedoch nicht ganz optimal, weil nach wenigen Hundertmetern eine kleine Lücke zwischen den drei Tempomachern und Ingebrigtsen entstanden war, die der Norweger sichtlich nicht schließen wollte. Die Durchgangszeit nach 800m war fast identisch zu jener, die Hicham El Guerrouj am 14. Juli 1998 beim seinem Weltrekordlauf im Rahmen des Golden-League-Meetings in Rom aufwies. Zwei Tage vor Ingebrigtsens Europarekordlauf hatte der Weltrekord von El Guerrouj sein 25-jähriges Bestehen gefeiert, nun fehlen dem Norweger noch 1,14 Sekunden auf diese historische Zeit.
Und tatsächlich gab McSweyn in der dritten Runde alles, um Ingebrigtsen auf Weltrekordtempo zu halten, ehe er gut 300 Meter vor der Ziellinie ausstieg. Der Australier erhielt im Ziel ein Sonderlob vom Olympiasieger: „Man bekommt nicht alle Tage einen der besten Läufer als Unterstützung vor den Karren gespannt.“ Möglicherweise gingen in diesen Sekunden die entscheidenden Zehntelsekunden für eine Weltrekordattacke verloren, gute letzte 100 Meter bescherten dem Norweger eine Siegerzeit von 3:27,14 Minuten mit einer Schlussrunde von 54,67 Sekunden, angesichts des enormen Tempos davor mehr als respektabel.
Damit ist auch hinfällig darauf hinzuweisen, dass Ingebrigtsen das Rennen dominierte, obwohl der Kenianer Abel Kipsang 200 Meter vor dem Ziel noch beachtlich nahe am späteren Sieger dran war. Kipsang belohnte sich mit einer persönlichen Bestleistung von 3:29,11 Minuten, auch sein Landsmann Reynold Cheruiyot, der amtierende Junioren-Weltmeister, lief in 3:30,30 Minuten bei seinem Diamond-League-Debüt als Dritter einen „Hausrekord“. Sehr viel Risiko ging der in dieser Saison stark agierende Franzose Azzedine Habz, der lange Zeit an zweiter Stelle lief und Ingebrigtsens Tempo mutig aufnahm. Er konnte es nicht ganz halten und finishte als Neunter zweieinhalb Sekunden hinter seiner persönlichen Bestleistung. Damit war er der Erste hinter der Ziellinie, der nicht seine persönliche Bestleistung verbessert hatte!
Unter den neuen Bestmarken befand sich der neue irische Landesrekord von Andrew Coscoran, der die Bestleistung des ehemaligen polnischen WM-Medaillengewinners Marcin Lewandowski egalisierte: 3:30,42 Minuten. Der 27-Jährige unterbot seinen eigenen Landesrekord, erst vor einem Monat in Nizza aufgestellt, um sage und schreibe 2,26 Sekunden! Abseits dessen und des Europarekords von Jakob Ingebrigtsen kam die nächste bärenstarke Einzelleistung des Rennens von Cameron Myers auf Platz elf. Der 17-jährige Australier – Geburtsdatum 9. Juni 2006 – feierte in Schlesien sein Debüt in der Diamond League und steigerte seine persönliche Bestleistung um fast zwei Sekunden. Mit einer Zeit von 3:33,26 Minuten unterbot er die 17 Jahre alte U18-Weltbestleistung des Kenianers Nicholas Kemboi, der damals als 16-Jährige bei Weltklasse Zürich gewann, aber den Durchbruch in der Allgemeinen Klasse trotz dreier Siege in der Diamond League nie schaffte. Nur zum Vergleich: Ingebrigtsens U18-Bestzeit, die vor kurzem vom Holländer Niels Laros als europäische U18-Bestzeit abgelöst wurde, liegt bei 3:39,92 Minuten, fast sieben Sekunden langsamer als Myers erstaunliche Leistung!
Auch bei den Frauen wurden auf den Mittelstrecken herausragende Leistungen erzielt. Im 1.500m-Lauf der Frauen, der als Nicht-Diamond-League-Disziplin im Vorprogramm ausgetragen wurde, schoben sich drei Äthiopierinnen mit teils klaren persönlichen Bestleistungen in den Top-20 der ewigen Bestenliste im 1.500m-Lauf. Hirut Meshesha steigerte sich auf eine Zeit von 3:54,87 Minuten und ließ Junioren-Weltmeisterin Birke Haylom um 0,06 sowie Diribe Welteji um 0,21 Sekunden hinter sich. Auch Platz vier ging mit Worknesh Mesele an eine äthiopische Läuferin, die erstmals unter vier Minuten blieb – und das deutlich in 3:57,00 Minuten.
Als Fünfte unterbot Linden Hall den ozeanischen Kontinentalrekord, den ihre Landsfrau Jessica Hull erst Anfang Juni in Florenz aufgestellt hatte, um 0,02 Sekunden und stellte ihn auf eine Zeit von 3:57,27 Minuten. Dieser Durchbruch kam überraschend, denn die bisherige Saison lief angefangen mit der Nicht-Nominierung für die Mixed-Staffel bei den Crosslauf-Weltmeisterschaften bisher alles andere als nach Wunsch, Top-Platzierungen blieben aus. In Chorzow konnte die Australierin ihre bisherige Saisonbestleistung um satte fünf Sekunden unterbieten. Auch für Melissa Courtney-Bryant, Jemma Reekie, Gaia Sabbatini und Katharina Trost gab es auf den folgenden Positionen persönliche Bestleistungen. Dabei blieben die Waliserin Courtney-Bryant und die Schottin Reekie erstmals unter vier Minuten. Die 28-jährige Deutsche hat damit das WM-Limit für Budapest endgültig in der Tasche.
Im 800m-Lauf feierte Mary Moraa in Abwesenheit der bei den U23-Europameisterschaften als Bronzemedaillengewinnerin über die halbe Distanz auftretenden Keely Hodgkinson einen Favoritensieg und lief mit einer Leistung von 1:56,85 Minuten an ihre persönliche Bestleistung heran. Den Meetingrekord aus dem Vorjahr von Ajee Wilson knackte sie um über eine Sekunde. Hinter ihr verbesserte die ehemalige Weltmeisterin Halimah Nakaayi ihren Landesrekord für Uganda auf eine Zeit von 1:57,78 Minuten, auch die drittplatzierte Natoya Goule-Toppin blieb noch unter 1:58 Minuten. Drei weitere Läuferinnen, Sage Hurta-Klecker, die Australierin Abbey Caldwell, die mit einer persönlichen Bestleistung dem australischen Rekord von Catriona Bisset, die das Rennen nicht beendete, nahe kam, und die Slowenin Anita Horvat blieben noch unter 1:59 Minuten. Dahinter kamen Renelle Lamote aus Frankreich und Sofia Ennaoui aus Polen ins Ziel, die beide nach Verletzungspausen ihre ersten Wettkämpfe in dieser Saison bzw. dieser Freiluftsaison bestritten.
Im 3.000m-Hindernislauf der Männer feierte Soufiane El Bakkali seinen neunten Sieg in Folge bei internationalen Meetings. Er tat dies in einer Zeit von 8:03,16 Minuten mit einem deutlichen Vorsprung von fast fünf Sekunden auf Abraham Kibiwot, dessen kenianische Landsmann Leonard Bett Dritter wurde. Es war der 15. Sieg bei einem Diamond-League-Meeting in der Karriere des 27-Jährigen, der dritte in der laufenden Saison. Für beide Kenianer war es die beste Platzierung in der diesjährigen Diamond League. Der Deutsche Niklas Buchholz nutzte die große Bühne für einen ordentlichen Auftritt und wurde in einer Zeit von 8:30,01 Minuten als Bester der drei Europäer Elfter. Nach wie vor müssen die Lauffans allerdings auf das direkte Aufeinandertreffen der beiden Überläufer in dieser Disziplin im Jahr 2023, Soufiane El Bakkali und Weltrekordläufer Lamecha Girma warten.
Neben Ingebrigtsen, Moraa und El Bakkali stellte auch Freweyni Hailu im 3.000m-Lauf der Frauen einen neuen Meetingrekord des jungen Mitglieds in der Diamond League auf. Sie siegte in einer Zeit von 8:26,61 Minuten vor Lilian Rengeruk und Lemlem Hailu. Es war der erste Diamond-League-Sieg für die 22-jährige Äthiopierin. Eine neuen lettischen Landesrekord markierte, die noch 18 Jahre alte Agnes Caune, die ihr Diamond-League-Debüt einer Teilnahme an der U23-EM vorzog. Caune blieb in einer Zeit von 8:39,78 Minuten drei Sekunden unter der bisherigen Bestmarke der später sehr erfolgreichen Marathonläuferin Jelena Prokupcuka.
1.500m-Lauf der Männer
800m-Lauf der Frauen
1.500m-Lauf der Frauen
3.000m-Lauf der Frauen
3.000m-Hindernislauf der Männer
* neuer Meetingrekord
** neue Weltjahresbestleistung
*** neuer Europarekord
**** neue persönliche Bestleistung
***** neuer irischer Landesrekord
****** neue U18-Weltbestleistung
******* neuer ugandischer Landesrekord
******** neuer ozeanischer Kontinentalrekord
********* neuer lettischer Landesrekord
********** neuere südamerikanischer Kontinentalrekord