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Das österreichische Berglauf-Nationalteam hat am Finaltag der European Off-Road Championships in Kamnik im Up & Down Mountain Race seine Leistung gebracht. Manuel Innerhofer überzeugte als Achter mit seinem zweitbesten EM-Resultat nach Rang vier vor vier Jahren, Hans-Peter Innerhofer und Maximilian Meusburger liefen auf den Positionen 20 und 21 ins Ziel. Für die Bronzemedaille in der Nationenwertung hinter den erwartungsgemäß stärkeren Teams aus Italien und der Schweiz fehlte nach offensivem Rennbeginn nicht viel. Die Erkenntnis bleib, dass die Entwicklung auch in anderen Trailrunning-Nationen bergauf zeigt. „Das Niveau ist brutal hart“, bilanzierte ÖLV-Teamleiter Michael Geisler.
Um dem Traum einer Top-Platzierung in der Nationenwertung in Kombination mit einem guten Abschneiden in der Einzelwertung zu jagen, startete das österreichische Team wie angekündigt offensiv in den 13,5 Kilometer langen Up & Down Mountain Bewerb mit Start und Ziel in Kamnik, bei dem in drei Anstiegen 970 Höhenmeter erklommen werden mussten. Bei der ersten Zwischenzeit nach 2,5 Kilometern lagen Manuel und Hans-Peter Innerhofer auf den Positionen vier und acht mitten im Spitzenfeld.
Im ersten technisch anspruchsvollen Downhill und dem darauffolgenden zweiten Anstieg zog sich das Feld weit auseinander. Manuel Innerhofer lief weiterhin konstant meist auf Rang acht liegend und erreichte das Ziel auf dem Hauptplatz in Kamnik nach 1:02:28 Stunden Laufzeit auf genau dieser Position. Sein Zwillingsbruder Hans-Peter verlor in der mittleren Wettkampfphase abrupt einige Positionen und konnte sich bis zur Schlussphase in den Top-20 halten (Laufzeit: 1:04:29). Damit erfüllten beide Brüder in etwa das, was sie vor einer Woche im Gespräch mit RunUp.eu im Bereich ihrer Möglichkeiten einschätzten und somit als Zielsetzung zur Orientierung definierten.
Manuel Innerhofer war mit seiner Platzierung „im Großen und Ganzen megahappy“. „Ich war bergauf sicherlich der Stärkste in der Verfolgergruppe und konnte ziemlich puschen!“ Auch mit seiner Renneinteilung war der Pinzgauer recht zufrieden: „Am Start gilt nur eine Devise: alles oder nichts! Man muss ein gewisses Risiko eingehen, denn die Spitze läuft schnell weg und man muss in einer guten Position in den ersten Anstieg hineinlaufen, sonst steckt man hinten fest und verliert zu viel Zeit.“
Ein Up & Down Mountain Race sei immer eine Gratwanderung: „Es geht darum, so viel zu investieren, dass man schnellstmöglich ist, ohne zu früh zu überpacen.“ Auch wenn die Zufriedenheit in ihm überwog, brachte ein Aspekt des Tages ihm in seiner ehrlichen Einschätzung ein Stirnrunzeln. „Früher war ich bergab immer einer der schnellsten. Daher war ich sehr optimistisch, als ich gemerkt habe, wie gut ich heute in den Anstiegen zurecht kam. Ich war sehr erstaunt, wie stark meine Konkurrenten heute bergab gelaufen sind und welches Tempo sie auch in den Flachpassagen vorlegen konnten.“
Diese Tatsache hinterlasse in ihm ein Gefühl, dass heute etwas mehr drin gewesen wäre – wenngleich die Medaillenränge jedenfalls außer Reichweite gewesen wären. „Vielleicht hätte ich in den Downhills noch mehr bedingungsloses Risiko gehen müssen.“ Auch dort sei die Risikowahl eine Gratwanderung – Stichwort Trittsicherheit. In der Situation habe er sich mit seiner Rennstrategie wohlgefühlt, in der Schlussphase wunderte er sich aber etwas, dass keine Aufholjagd mehr gelang.

Tatsächlich: Von der letzten Zwischenzeit bei Kilometer 11,5 bis ins Ziel, ein rein abschüssiges Gelände, waren bis auf die beiden zum Schluss schon ziemlich erschöpften Medaillengewinner Dominik Rolli und Petter Engdahl alle Athleten, die vor Innerhofer landeten, schneller unterwegs als der Österreicher. Und auch die fünf Athleten hinter ihm absolvierten die letzten beiden Kilometer etwas schneller oder auf die Sekunde gleich schnell wie er.
Diesen skizzierten Eindruck teilte sein Bruder im Gespräch mit RunUp.eu eine halbe Stunde nach Zielankunft: „Ich war schon verwundert, wie wild manche, vor allem die Jungen, heute die Downhills hinuntergerast sind.“ Nach 2,5 Kilometern hielt sich Hans-Peter Innerhofer als Achter noch in der Spitzengruppe auf und war guter Dinge, ehe er in der folgenden Downhill-Passage viel Zeit und etliche Positionen verlor. Sein Wettkampf pendelte sich auf Positionen zwischen 15 und 20 ein, am Ende fiel er als 20. in die Wertung. „Ich habe alles aus mir herausgeholt. Ich war komplett am Ende, auch muskulär am Limit. Ich hätte gerne noch einen Endspurt gezogen, aber es ging einfach nicht mehr.“
Nur drei Sekunden später überquerte Maximilian Meusberger die Ziellinie. Nachdem er selbst bereits einige negative Erfahrungen mit zu schnellen Anfangsphasen gemacht hat, hielt er sich auf dem ersten Kilometer etwas zurück und fand auf diese Weise gut ins Rennen. „Ich habe sukzessive Leute überholt, sowohl bergauf als auch bergab. Die Renneinteilung ist mir sehr gut gelungen, ich war bis auf dem letzten Meter konkurrenzfähig“, sagte der 21-Jährige, der erstmals bei Europameisterschaften in der Allgemeinen Klasse teilnahm.
Diese konträre Renntaktik zu den Innerhofer-Brüdern brachte eine beachtliche Platzierung. Der Vorarlberger zeigte in den letzten Jahren starke Leistungen im Juniorenbereich und sammelte bei der WM im September erste Erfahrungen bei den Erwachsenen. Mit den Rängen 25 im Uphill und 21 im Up & Down zeigte der Vorarlberger durchaus, warum er Teil eines erlesenen Kreis von jungen Athleten ist, die von Trailrunning-Spezialist Salomon speziell gefördert werden. „Von solchen EM-Rennen kann ich sehr viel lernen. Ich will mich in den nächsten Jahren sukzessive steigern.“

Der Auftritt des jungen Meusburger fügte sich in Kamnik gut mit den Leistungen der beiden arrivierten Routiniers Manuel und Hans-Peter Innerhofer zusammen, auch wenn der Wunsch der Medaille nicht realisiert werden können. Vor drei Jahren war Meusburger bereits Teil des Junioren-Teams, das der ÖLV für die Heim-WM in Innsbruck nominierte. Seither versucht der Vorarlberger von seinen erfahrenen Teamkollegen so viel wie möglich abzuschauen. „Manuel und Hans-Peter waren für meine Entwicklung sehr hilfreich. Immer, wenn ich mit ihnen unterwegs war, konnte ich viel lernen. Das sind zwei echt sympathische und bodenständige Menschen, die uns Junge in den letzten Jahren sehr gut geführt haben“, lobte er die Zwillinge.
Der vierte ÖLV-Athlet, Johannes Nussbaumer (EXCITINGFIT RUNNING TEAM), erwischte nicht seinen besten Tag. Trotzdem kämpfte er sich auf Platz 30 ins Ziel – und damit auch deutlich in der ersten Hälfte bei 76 Athleten, die in die Wertung kamen. Wie umkämpft die Platzierungen auch in diesem Bereich sind, zeigt die Tatsache, dass die beiden Medaillengewinner von vor zwei Jahren, Theodore Klein aus Frankreich und Lukas Ehrle aus Deutschland, nur knapp vor Nussbaumer, aber hinter den drei anderen Österreichern die Ziellinie überquerten. Außerdem: Nur die Teams aus Italien und Deutschland hatten ihren viertbesten Athleten früher im Ziel als das rot-weiß-rote Nationalteam.
Für die Nationenwertung wurden die Top-Drei-Resultate herbeigezogen. Die Summe der österreichischen Platzierungen ergab 49 Punkte und Platz fünf hinter dem sehr kompakt agierenden italienischen Team (20), den Schweizern (26), dem Team des neuen Europameisters Jan Torrella aus Spanien (38), sowie dem belgischen Team (47). „Ich freue mich sehr über das gute Abschneiden in der Nationenwertung, das bringt eine hervorragende Stimmung ins ganze Team“, schilderte Manuel Innerhofer. Auch wenn der Traum von der Medaille nicht in Erfüllung ging: Seit die beiden Innerhofer-Zwillinge die Zugpferde des heimischen Berglauf-Nationalteams bei den Männern sind, gelang bei Europameisterschaften nie ein besseres Abschneiden. Klar, eine Medaille wäre die Krönung gewesen, musste auch der 30-Jährige zugeben.
Der heutige Wettkampf bekräftigte, dass für eine Medaille in der Nationenwertung in dieser Konstellation bei den Top-Drei aus Österreich alle Zahnrädchen jeweils zu 100% ineinandergreifen müssen, um gegen die teilweise mit Profis bestückten Teams aus anderen Nationen zu bestehen. Italien und Schweiz zeigten heute eine für den ÖLV unerreichbare Dichte, das spanische Team startete noch aggressiver ins Rennen als das österreichische. Zwei Spanier kamen in die Top-Ten und der drittbeste rettete sich, nachdem er ziemlich durchgereicht wurde, rechtzeitig für Bronze ins Ziel. „Unser Team hat sich sehr gut geschlagen. Das Niveau ist brutal hoch, das hat man heute klar gesehen“, lobte Delegationsleiter Michael Geisler und bewertete den fünften Platz trotz des verpassten Medaillentraums positiv.

Der Spanier Jan Torrella war der Mann des Tages in Kamnik. Nachdem Dominik Rolli mit Petter Engdahl als Begleiter die erste Rennhälfte diktierte, drehte der 22-jährige Katalane in der zweiten Rennhälfte auf und stürmte in einer Zeit von 1:00:09 Stunden zum Titel – mit fast einer Minute Vorsprung auf Rolli. „Es ist unglaublich, ein Traum, der in Erfüllung geht. Ich habe mein Herz und meine Beine heute ans Limit gebracht“, jubelte der neue Europameister.
Torella, vor zwei Jahren Achter, schrieb spanische Laufsport-Geschichte: Er holte nicht nur das erste spanische Gold in Kamnik – nie zuvor hat ein spanischer Läufer Berglauf-EM-Gold geholt. Die einzige bisherige Medaille gelang Daniel Osanz im Uphill-Bewerb vor vier Jahren. Rolli freute sich über seine dritte EM-Medaille – Gold fehlt im noch. Und Petter Engdahl, der völlig erschöpft das Ziel erreichte und sich gerade so vor dem immer stärker werdenden Italiener Cesare Maestri zu Bronze rettete, schrieb seinen Geschichtseintrag für den schwedischen Laufsport nach der Silbermedaille von Freitag fort (siehe RunUp.eu-Bericht).
Ein gutes Rennen gelang Isabell Speer im Up & Down Mountain Race der Frauen, das zur Mittagszeit bei immer sommerlicheren Temperaturen auf derselben Strecke ausgetragen wurde wie das Männerrennen. Die Salzburgerin erreichte das Ziel nach 1:17:26 Stunden und blieb im vorderen Drittel des Feldes. „Ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung, schließlich sind längere Strecken eher meine Paradedisziplinen“, sagte die 33-Jährige. „Ich bin vom Start weg in meinem Rhythmus geblieben und hab darauf geachtet, nicht zu überziehen. In den schlammigen Downhill-Passagen konnte ich meine Stärken ausspielen. Zum Schluss war ich sehr motiviert, noch in die Top-20 zu kommen.“
Den Tag ihres Sportlerlebens erlebte die in der Schweiz lebende Deutsche Hanna Gröber. In großer Überlegenheit stürmte sie in einer Zeit von 1:09:41 Stunden zum Titel vor Nancy Scott aus Großbritannien (1:11:07) und Nélie Clément (1:11:14), bereits am Freitag Bronzemedaillengewinnerin. Beide hatten im Ziel rund eineinhalb Minuten Verspätung. Die Off-Road EM 2026 war nicht jene von Scout Adkin, die nach Rang fünf am Freitag dieses Mal Vierte wurde – allerdings ihrerseits fast zwei Minuten hinter der Drittplatzierten. So kreierte das Frauenrennen enorme Abstände, die ersten Zehn waren durch viereinhalb Minuten getrennt.
Das Schweizer Team freute sich auch ohne der fünffachen Europameisterin Maude Mathys mit 27 Platzierungspunkten über die Goldmedaille in der Nationenwertung hauchdünn vor Spanien (27) und Großbritannien (29). Alle vier Schweizerinnen blieben zwar ohne Einzelmedaille, liefen aber in die Top-Zwölf und holten sich somit eine von gleich vier Goldmedaillen für das in der Dichte überzeugende Schweizer Team.
Im U20-Rennen mit 65 Teilnehmern überzeugte Ben Balik (ProTeam Vienna) als bester Österreicher mit Rang 24. Er absolvierte die 5,8 Kilometer lange Strecke mit Start und Ziel in Kamnik, auf der 375 Höhenmeter im Anstieg und Gefälle zu bewältigen waren, in einer Zeit von 27:03 Minuten und konnte in den finalen Downhill-Passagen noch einige Positionen wettmachen. Die Brüder Emilio und Fernando Freitag (beide LG Decker Itter) beendeten den Wettkampf auf den Positionen 45 (28:37) und 50 (29:26). „Leider sind alle drei am Start in einen Massensturz verwickelt gewesen“, berichtete Teamleiter Michael Geisler. „Alle drei sind sofort wieder auf die Beine gekommen und haben die Verfolgung aufgenommen. Unter diesem Gesichtspunkt ist Bens Platzierung hervorragend. Für Emilio und Fernando war es die erste EM-Erfahrung, von der sie viel für ihre Zukunft mitnehmen können.“
Die drei österreichischen Platzierungen summierten sich zu Rang acht in der Nationenwertung unter 14 platzierten Teams. Für alle drei heimischen Youngsters war es die Premiere bei Off-Road Europameisterschaften, Balik war bereits am Freitag im Einsatz und auch dort als 35. bester Österreicher im U20-Rennen.
Junioren-EM-Gold ging an Basile Astier aus Frankreich, der sich in einer Zeit von 23:58 Minuten klar vor seinem Landsmann Yannick Memheld (24:37), Sieger am Freitag im Uphill, und Ewan Busfield aus Großbritannien (24:55) durchsetzte. Frankreich sicherte sich mit 9 Platzierungspunkten die Goldmedaille in der Nationenwertung vor Italien (25) und Großbritannien (28).
Im U20-Rennen der Mädchen, das ohne österreichische Beteiligung über die Bühne ging, zeigte Julia Ehrle, am Freitag als Dritte eher enttäuschend, ihr Können und dominierte den Wettkampf in einer Zeit von 28:21 Minuten. Insgesamt gewann Deutschland in Kamnik wie die Schweiz vier Goldmedaillen, nur das französische Team war mit acht Gold-, fünf Silber- und vier Bronzemedaillen wesentlich erfolgreicher. Die weiteren Medaillen gingen an Agota Szabo aus Ungarn (29:09) und Sofia Rubio aus Spanien (29:16). In der Nationenwertung sicherte sich Frankreich mit 23 Punkten die Goldmedaille vor Spanien (34) und der Schweiz (38).
Nach drei intensiven Wettkampftagen und vielen guten Platzierungen der österreichischen Athletinnen und Athleten zieht ÖLV-Trailrunning-Referent und Delgationsleiter Michael Geisler ein positives Fazit: „Wir sind mit der Entwicklung im heimischen Berglauf und Trailrunning sehr zufrieden. Sowohl die etablierten Routiniers als auch die Jungen haben gute Leistungen gezeigt. Aber die Off-Road EM 2026 hat gezeigt, dass die anderen Nationen durch gezielte Projekte und Förderungen große Schritte setzen. Das Niveau steigt von EM zu EM deutlich und es ist jedes Mal eine große Herausforderung, uns mit den anderen traditionsreichen Berglauf- und Trailrunningnationen in Europa zu messen.“
Überzeugt hat den Tiroler auch der Austragungsort: „Kamnik hat sich als laufbegeisterte Stadt präsentiert. Die Menschen hier haben toll mitgefiebert. Es war ein tolles Teamerlebnis mit dem österreichischen Trailrunning-Nationalteam – genauso der Austausch mit der europäischen Community.“
Autor: Thomas Kofler
Quelle: Österreichischer Leichtathletik-Verband
Bilder: © ÖLV