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Italienerin Nadia Battocletti vor Crosslauf-Gesamtsieg

Nach ihrem Erfolg beim traditionsreichen Cross Campaccio hat Nadia Battocletti beste Chancen, die World Athletics Cross Country Tour als Gesamtsiegerin abzuschließen.
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Selten sind sie geworden, die europäischen Laufpromis, die einen großen Wert auf die Crosslaufsaison legen. Nadia Battocletti, die seit Jahren den europäischen Laufsport dominiert, ist eine Ausnahme. Die Italienerin zieht auch in diesem Winter ihre Crosslaufsaison durch und feiert beachtliche Erfolge. Obwohl sie ihre erstmalige Teilnahme an Hallen-Weltmeisterschaften im März angekündigt hat, für die sie sich natürlich auch qualifizieren muss.

Besser hätte ihr 2026 nicht beginnen können, sagte Nadia Battocletti, nachdem sie am Sonntag als Siegerin des italienischen Traditionscrosslaufs Cross Campaccio in der Nähe von Mailand über die Ziellinie gelaufen ist. Es sei eine Ehre, zum zweiten Mal in Folge „Campaccio-Campionessa“ zu sein. Dabei hatte sie sich, wie sie der italienischen Sportzeitung „La Gazzetta dello Sport“ verriet, in den letzten Wochen im Süden der Toskana gezielt auf die kürzeren Distanzen der Hallensaison vorbereitet.

Numero uno

Nun, der Saisonauftakt schließt nahtlos an das erfolgreiche Jahresende 2025 an. Ihre Crosslauf-Erfolgssaison mit dem Sieg beim Cross Internacional de Atapuerca, Platz zwei beim Crosslauf in Alcobendas, und dem Europameistertitel in Portugal Mitte Dezember wurde nur vom Sieg beim Silvesterlauf BOclassic in Bozen unterbrochen. Die lange Reise zu den Crosslauf-Weltmeisterschaften nach Florida am 10. Jänner hat sie sich erspart – das Aufeinandertreffen mit den afrikanischen Topläuferinnen dort freilich hätte einen großen sportlichen Reiz gehabt.

In der World Cross Country Tour, einer Gesamtwertung, die selbst international kaum Beachtung erfährt, führt die Italienerin mit dem Punktemaximum von 3.600 Zählern. Der alleinige Gesamtsieg ist der 25-Jährigen kaum noch zu nehmen, einzig die Äthiopierin Likina Amebaw könnte noch gleichziehen.

Crosslauf im Herzen

„Crosslauf hat einen besonderen Platz in meinem Herzen und wird diesen auch immer haben“, sagte Nadia Battocletti in einem Mitte Oktober auf der Website des Europäischen Leichtathletik-Verbandes (European Athletics) veröffentlichten Artikel. Darin erinnerte sie an ihre ersten internationalen Erfolge, die genau in dieser Disziplin zustande gekommen sind. Mittlerweile hat sie je zwei Goldmedaillen in den Altersklassen U20, U23 und der Allgemeinen Klasse – einmalig in der Geschichte des europäischen Crosslaufs.

Diese Leidenschaft für den Crosslauf ist auch ein Grund dafür, wieso Battocletti noch nie die nationalen Meisterschaften ausgelassen hat. In diesem Jahr wird sie sogar ihre Hallensaison unterbrechen, um zu den italienischen Titelkämpfen nach Sizilien zu fliegen, wie sie im Rahmen des Cross Campaccio bestätigte.

Ein Triumph im Nassen

Dort, beim „Campaccio“ in San Giorgio su Legnano, duellierten sich bei leichtem Regen und folglich tiefem Boden auf der Strecke die beiden letzten Gewinnerinnen: Battocletti, die 2025 als erste Italienerin seit über 30 Jahren den Klassiker gewinnen konnte, und Francine Niyomukunzi aus Burundi. Das Pendel schlug trotz eines Sturzes in der zweiten von drei Runden klar Richtung der Italienerin aus, die die sechs Kilometer lange Strecke nach 21:10 Minuten – und damit 22 Sekunden schneller als ihre Kontrahentin – absolviert hat. Der Sieg im 10 Kilometer langen Männerrennen ging an Egide Ntakarutimana aus Burundi in 30:38 Minuten.

Eine Saison mit einer besonderen Chance

Der Sieg beim Cross Campaccio soll für Nadia Battocletti, die zum Jahreswechsel ihr Studium an der Università di Trento abgeschlossen hat, Auftakt zu einer besonders erfolgreichen Saison sein. Großer Höhepunkt sind die Europameisterschaften im Sommer, wo sie über 10.000m und 5.000m nicht nur Titelverteidigerin, sondern haushohe Favoritin sein wird.

Vielleicht aber kommt im Wettkampfjahr 2026 auch der Moment für die ersten internationalen Siege. Glanzpunkte hat die 25-Jährige mit der Olympia-Medaille und den zwei Medaillen bei den Weltmeisterschaften von Tokio bereits gesetzt, jedes Mal war die kenianische Dominatorin Beatrice Chebet außer Reichweite. Doch Chebet pausiert in diesem Jahr und erwartet zu Sommerbeginn Nachwuchs.

„Sie kann gewinnen!“

Die Kenianerin prophezeite in einem gestern auf der Website der italienischen Sportzeitung „La Gazzetta dello Sport“ veröffentlichten Interview: „Sie kann heuer alles gewinnen!“ Und präzisierte auf Nachfrage, die Italienerin habe eine außergewöhnliche Einstellung beim Sport: „Sie hat afrikanische Tugenden. Sie gibt nicht auf, ist hartnäckig und resistent. Sie hat riesiges Talent, Geduld und ist voller Selbstvertrauen. Und: sie hat einen starken Endspurt.“

Weitere Crosslauf-Ergebnisse

🇧🇪 Keneth Kiprop, Mitglied der ugandischen Nationalmannschaft, die bei den Crosslauf-Weltmeisterschaften 2026 eine Medaille gewonnen hat, hat am Sonntag den Lotto CrossCup in Hannut, der der World Athletics Cross Country Tour Gold angehört, gewonnen. Er setzte sich nach 24:21 Minuten vor dem eritreischen Teenager Saymon Amanuel und Bastien Augusto aus Frankreich durch. Deutschlands Hindernislauf-Spezialist Frederik Ruppert wurde Fünfter.
Drei Wochen nach ihrem zwischenzeitlichen 10km-Europarekord in Nizza feierte Jana van Lent bei den Frauen einen Heimsieg in einer Zeit 27:30 Minuten. Die Belgierin ließ unter anderem die Junioren-WM-Medaillengewinnerin Charity Cherop aus Uganda hinter sich. Beide Rennen führten über rund 8.000 Meter.

🇪🇸 Die Topstars Berihu Aregawi und Winfred Yavi haben eine Woche zuvor den Crosslauf Juan Muguerza im baskischen Elgoibar, ebenfalls ein Event der Cross Country Tour Gold, gewonnen. Für den äthiopischen Vize-Weltmeister von Bathurst 2023, Belgrad 2024 und Tallahassee 2026 war es der dritte Erfolg in Folge bei der 82. Auflage dieses Traditionsevents. Dabei erzielte er seine bisher schnellste Zeit auf der rund 9,7 Kilometer langen Strecke, 29:33 Minuten. Drei Siege in Folge bei diesem Event sind zuletzt dem Spanier Mariano Haro vor einem halben Jahrhundert gelungen.
Europameister Thierry Ndikumwenayo musste sich mit Position vier zufrieden geben und war damit hinter Said Mechaal nur zweitbester Spanier. Bei den Frauen holte sich 3.000m-Hindernisläuferin Winfred Yavi den Sieg auf der rund 7,6 Kilometer langen Strecke in einer Zeit von 25:23 Minuten und mit über einer Minute Vorsprung.

Autor: Thomas Kofler
Bild: © Maja Hitij / Getty Images for European Athletics (Nadia Battocletti bei den Crosslauf-Europameisterschaften 2025)

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