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Jakob Ingebrigtsen sagt Crosslauf-EM doch ab

Eigentlich wollte Jakob Ingebrigtsen mit den Crosslauf-Europameisterschaften in den Winter starten. Doch der norwegische Superstar fehlt in der Entry List.
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Vor eine Woche erweckte die Ankündigung Jakob Ingebrigtsens, bei der Crosslauf-EM zu starten, international noch besondere Vorfreude. Doch nun fehlt der Name des bekanntesten Läufers Europas auf der gestern veröffentlichen Entry List. Für Österreich reist ein Quartett nach Lagoa. Die Titelkämpfe finden am 14. Dezember statt, eine detaillierte Vorschau aus heimischer Perspektive liest du nächste Woche auf RunUp.eu.

Dreimal hat Jakob Ingebrigtsen den EM-Titel im Crosslauf bereits gewonnen. Ein vierter Titel wird in diesem Jahr nicht hinzukommen. Erlend Slokvik, Sportdirektor des norwegischen Verbandes, sagte laut European Athletics unter Berufung auf ein Interview mit dem norwegischen Fernsehsender NRK, dass Ingebrigtsen sich vollständig auf die Vorbereitung der nächsten Wettkampfsaison konzentrieren möchte und daher trotz eines guten Höhentrainingslagers in den letzten Wochen auf ein Antreten in Lagoa verzichtet. Damit fehlt der Topfavorit auf die Goldmedaille.

Das rot-weiß-rote Crosslauf-EM-Team

Marcel Tobler (ULC Riverside Mödling), Allgemeine Klasse, Männer
Kevin Kamenschak (ATSV Linz LA), U23, Männer
Nicole Bauer (ULC Riverside Mödling), U23, Frauen
Tabea Schmid (ULC Riverside Mödling) U20, Mädchen

Eine Saison mit hohen Hürden

Noch vor einer Woche berichteten alle wichtigen Sportmedien in Europa von der Ankündigung Jakob Ingebrigtsens, an den Crosslauf-Europameisterschaften 2025 teilzunehmen. Die Titelkämpfe in einer Disziplin, die er sehr schätzt, hätten ein versöhnlicher Saisonausklang für den Norweger sein sollen. Aus dem nun nichts wird.

Nach einer erfolgreichen Hallensaison mit vier Titeln bei den Hallen-Europa- und -Weltmeisterschaften erlebte Ingebrigtsen ein turbulentes Jahr. Bereits am Tag nach dem zweiten Gold in Nanjing saß der nun 25-Jährige in einem norwegischen Gerichtssaal. Wochenlang wurde über die Anklage, die er und seine jüngere Schwester Ingrid gegen ihren Vater Gjert richteten, juristisch verhandelt. Der Vorwurf: jahrelange physische und psychische Misshandlung.

Freispruch

Gjert, der Jakob in jungen Jahren trainiert hatte, wurde vom Vorwurf der Misshandlung seines Sohnes freigesprochen. Ein Rückschlag für Jakob, der davor auch öffentlich über Einschüchterungen, psychischen Druck und sogar Schläge aus der eigenen Teenager-Zeit berichtete hatte. Gestützt wurde die Klage auch von den anderen Geschwistern, vor Gericht schafften es aber nur die Vorwürfe von Jakob und Ingrid.

Im Gegensatz dazu wurde Gjert Ingebrigtsen aber aufgrund einer konkreten, singulären Gewalttat mit einem nassen Handtuch gegenüber seiner Tochter Ingrid, die wie Jakob als Rohdiamant im Laufsport galt, aber früh damit aufhörte, zur Verantwortung gezogen. Eine Bewährungsstrafe von 15 Tagen und eine finanzielle Entschädigung in dreistelliger Höhe. Eine Verurteilung wegen Misshandlung sprach das Gericht auch im zweiten Fall nicht aus.

In der Öffentlichkeit

Für Jakob Ingebrigtsen dürfte das Urteil ein emotionaler Rückschlag gewesen sein. Zumal der Richter die Darstellung die Darstellung der beiden Kinder als „großteils glaubwürdig“ einstufte, wie die britische Tageszeitung „The Guardian“ Mitte Juni schilderte. Aber in vielen Aspekten stand Aussage gegen Aussage und eine exakte Wahrheitsfindung war aufgrund der verschiedenen Perspektiven im Zeugenstand schwierig, so das Medium weiter. Jakob reagierte in sozialen Medien mit einer Liebeserklärung an seine eigene Tochter, Filippa. Auf weitere öffentliche Reaktionen seinerseits verzichtete er. Diese hatte er bereits vor Start der Verhandlungen und auch am Schlusstag in diversen emotionalen Botschaften bereits präventiv getätigt.

Die Verhandlung Ingebrigtsen gegen Ingebrigtsen wurde in den norwegischen Medien intensiv verfolgt und bewertet, fast inszeniert. Teilweise äußerte die Öffentlichkeit nach dem Urteil Kritik an und Skepsis gegenüber der Familie Ingebrigtsen. Ab 2016 inszenierte sich die Familie in einer TV-Dokumentationsserie „Team Ingebrigtsen“ und gab damit der Öffentlichkeit fünf Jahre sprichwörtlich Einblick in ihr Wohnzimmer. 2022 erfolgte die Trennung der drei erfolgreichen Läufer Hendrik, Filip und Jakob von ihrem Trainervater Gjert. Wenig später veröffentlichten sie in einer Kolumne in der norwegischen Tageszeitung VG erstmals schwere Vorwürfe gegen ihn, die letztlich auch Ermittlungen in Gang brachten.

Beschwerden an der Achillessehne

Der zweite große Rückschlag im Jahr 2025 war kein emotionaler, sondern ein körperlicher. Aufgrund einer Verletzung an der Achillessehne verpasste Jakob Ingebrigtsen fast die komplette Sommersaison. Er schaffte das Comeback rechtzeitig zu den Weltmeisterschaften von Tokio, war dort aber nicht fit genug, um über das Vorlauf-Aus im 1.500m-Lauf und Platz zehn im 5.000m-Lauf hinauszukommen – offensichtlich weit weg vom üblichen Energielevel.

Ein eigenes Laufevent

Dafür gründeten er und seine älteren Brüder ein Laufevent namens RUNFEST, welches ab 2026 in Ingebrigtsens Heimatstadt Sandnes im Südwesten Norwegens über die Bühne gehen soll – und zwar vom 24. bis 26. September. Der Slogan lautet: „Let’s Run and Have Fun – Together“. „Das ist ein Traum, den wir schon seit Jahren verfolgen. RUNFEST soll ein Fest der Lauffreude für alle sein“, sagte Jakob Ingebrigtsen. Zwischen 1.500m und Halbmarathon werden mehrere Distanzen angeboten. „Das Laufen hat mir so viel gegeben. Ich hoffe, wir bauen in Sandnes etwas auf, das viele Leute zum Laufen motiviert.“

Crosslauf-Schlagzeilen der letzten Tage

🇳🇱 Kevin Kamenschak (ATSV Linz) und Marcel Tobler (ULC Riverside Mödling) haben am vergangenen Wochenende ihre Generalprobe für die Europameisterschaften beim Warandecross im holländischen Tilburg abgelegt. Das rot-weiß-rote Duo kam nach 10.000 Metern jeweils in einer Zeit von 30:18 Minuten ins Ziel, Staatsmeister Kamenschak auf Platz neun (viertschnellster U23-Läufer), Tobler als Elfter. Für den 24-Jährigen, der Wirtschaft an der Universität Wien studiert, war das die Leistungsbestätigung für eine EM-Nominierung durch den Österreichischen Leichtathletik-Verband (ÖLV).

Sieger Nik Lemmink sicherte sich in einer Zeit von 29:46 Minuten den holländischen Meistertitel. Bei den Frauen feierte die Schwedin Sarah Lahti bereits ihren vierten Sieg beim Warandecross in einer Zeit von 33:11 Minuten mit fast einer Minute Vorsprung. Damit ist Lahti Rekordsiegerin bei diesem traditionellen Crosslauf. Zum ersten Mal im Rahmen dieses Events absolvierten die Frauen dieselbe Wettkampfdistanz wie die Männer.

🇪🇸 Beim Crosslauf der World Athletics Cross Country Tour Gold im spanischen Alcobendas musste sich die designierte Topfavoritin bei den Crosslauf-Europameisterschaften, Nadia Battocletti, mit Platz zwei zufrieden geben. Eine Woche nach ihrem Sieg in Atapuerca war nach gut 8.000 Metern die Äthiopierin Yenenesh Shimket, 18-jähriges Talent, schneller. Allerdings lief Battocletti deutlich schneller als auf gleicher Strecke vor einem Jahr, als sie den Wettkampf gewann. Die Äthiopierin hatte die Woche davor auch den italienischen Crosslauf Cinque Mulini für sich entscheiden können. Die Britin Megan Keith wurde Vierte, die spanische WM-Elfte im Marathon, Laura Luengo, Sechste.

Der Sieg bei den Männern ging an den in Spanien lebenden Rodrigue Kwizera aus Burundi, der bereits seinen vierten Erfolg bei diesem Event feierte. Sein spanischer Trainingspartner Thierry Ndikumwenayo war als Fünfter bester Europäer.

🇩🇪 Elena Burkard hat bei den verregneten deutschen Crosslauf-Meisterschaften in Darmstadt einen Doppelsieg gefeiert. Die 33-Jährige war sowohl auf der Mitteldistanz als auch auf der Langdistanz nicht zu schlagen. In Abwesenheit von Konstanze Klosterhalfen holten sich Eva Dieterich und Pia Schlattmann die weiteren Medaillen. Bei den Männern holte sich Markus Görger den Titel im Duell mit Nick Jäger.

🇧🇪 Isaac Kimeli, WM-Silbermedaillengewinner im 5.000m-Lauf, hat bei den belgischen Crosslauf-Meisterschaften in Hulshout eine überraschende Niederlage einstecken müssen. Doppelstaatsbürger Robin Querinjean, der international für Luxemburg startet und im WM-Finale über 3.000m-Hindernislauf stand, war im Endspurt einen Tick schneller. Somit wird bei den Europameisterschaften einer der beiden für Luxemburg, der andere für ein starkes belgisches Team starten.

🇦🇺 Australiens Rohdiament Cameron Myers hat auf dem Weg zu den Crosslauf-Weltmeisterschaften, die im Jänner in Florida stattfinden werden, den Titel bei den australischen Meisterschaften in Canberra gewonnen. Der 19-Jährige entschied den Wettkampf mit einem gewaltigen Endspurt für sich. Bei den Weltmeisterschaften will er allerdings nicht den Einzelbewerb bestreiten, sondern das australische Mixed-Team anführen, das vor drei Jahren beim Heimspiel in Bathurst eine Medaille gewonnen hat.

🇨🇦 Kanadas mehrfacher internationaler Medaillengewinner auf der Bahn, Mo Ahmed, hat erstmals seit 13 Jahren an den kanadischen Crosslauf-Meisterschaften teilgenommen und folgerichtig den Titel geholt. Erst eine Woche zuvor hat er seinen Abschied von der bekannten Trainingsgruppe Bowerman Track Club unter der Regie von Trainer Jerry Schumacher in Oregon bekannt gegeben.

Autor: Thomas Kofler
Bild: © Maja Hitij / Getty Images for European Athletics – Jakob Ingebrigtsen als Sieger bei der Crosslauf-WM 2024.

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