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Jimmy Gressier und Nadia Battocletti glänzen in Lille

Jimmy Gressier verpasste am Karsamstag in Lille nur um einen Hauch den Weltrekord im 5km-Lauf. Nadia Battocletti schnupperte über die doppelte Distanz am Europarekord.
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Zwei Franzosen machten sich bei ihrem Heimspiel in Lille auf die Jagd nach dem Weltrekord im 5km-Straßenlauf: Jimmy Gressier und Yann Schrub. Am Ende war der 10.000m-Weltmeister Gressier der Bessere der beiden und steigerte seinen eigenen Europarekord, aufgestellt vor einem Jahr auf derselben Strecke, um gleich sechs Sekunden. Zum Weltrekord des Äthiopiers Berihu Aregawi fehlten nur zwei Sekunden. Weitere sportliche Höhepunkte beim Urban Trail de Lille lieferten die 17-jährige Marta Alemayo über fünf Kilometer sowie Agnes Ngetich und 3.000m-Hallen-Weltmeisterin Nadia Battocletti über die doppelte Distanz. Kevin Kamenschak gelang eine neue persönliche Bestleistung auf dieser für ihn langen Strecke.

Es sei ein unglaubliches Rennen gewesen, staunte Jimmy Gressier nach seinem ersten Wettkampfs seit den Crosslauf-Weltmeisterschaften im Jänner in den USA. Danach hatte der 28-Jährige auf die Hallensaison verzichtet, obwohl er genau zu dieser Jahreszeit im vergangenen Jahr den Sprung in die Weltspitze geschafft hat – und damit auch die Basis für seinen Sensationstriumph bei den Weltmeisterschaften in Tokio mit WM-Gold über 10.000m gelegt hat.

Urban Trail de Lille 2026

Diese phänomenale Rückkehr aus der Wettkampfpause nötigte auch seinem Landsmann Yann Schrub Respekt ab. Er selbst verlor auf der Zielgerade einige Sekunden und wurde in einer Zeit von 12:56 Minuten hinter Gressier und dem Äthiopier Addisu Yihune Dritter, eine Sekunde unterhalb des ehemaligen Europarekords von Gressier. „Es war ein sehr guter Winter für mich“, sagte der Hallen-WM-Medaillengewinner im 3.000m-Lauf, der nun in eine Wettkampfpause gehen wird „Es war eine tolle Chance heute, ich wollte sie nutzen, um einmal Weltrekordhalter zu sein.“ Als Siebter verbesserte Narve Giljas Nordas den norwegischen Rekord auf eine Zeit von 13:10 Minuten.

Die ewige Weltbestenliste im 5km-Straßenlauf

  • 12:49 Minuten – Berihu Aregawi (Äthiopien), Barcelona 2021
  • 12:50 Minuten – Yomif Kejelcha (Äthiopien), Lille 2023
  • 12:51 Minuten – Joshua Cheptegei (Uganda), Monaco 2020
  • 12:51 Minuten – Jimmy Gressier (Frankreich), Lille 2026
  • 12:54 Minuten – Addisu Yihune (Äthiopien), Lille 2026
  • 12:55 Minuten – Nicholas Kipkorir (Kenia) – Herzogenaurach 2022
  • 12:56 Minuten – Yann Schrub (Frankreich), Lille 2026
  • 12:57 Minuten – Santiago Catrofe (Uruguay), Lille 2025
  • 12:58 Minuten – Hagos Gebrhiwet (Äthiopien), Al Khobar 2024
  • 12:58 Minuten – Kuma Girma (Äthiopien), Al Khobar 2024

Ein Tief im Winter

Jimmy Gressier gab in einem Interview in der französischen Sportzeitung „L’Équipe“ zu, dass er im Winter emotionale Rückschläge zu überwinden hatte. Der überraschende WM-Titel im 10.000m-Lauf hatte ihn davor extrem beflügelt, doch als dieses Gefühl der „Unbesiegbarkeit“ nachließ, fiel er in ein Loch, aus dem er sich erst herausziehen musste. Dafür verzichtete er auf etliche Wettkämpfe, um für die anstehende Straßenlauf-Saison in einem Trainingslager in Südafrika wieder in Form zu kommen – was ihm angesichts des Lille-Ergebnisses exzellent gelungen ist!

Der Endspurt entlang des Boulevards de la Liberté war ein gewaltiges Statement. Und sofort war das ausgeprägte Selbstbewusstsein Gressiers wieder da: „Wenn ich nächstes Jahr hier zum dritten Mal gewinne, wird man vielleicht einen Teil der Strecke nach mir benennen!“, wird er auf der Website des französischen Leichtathletik-Verbandes (FFA) zitiert.

Superzeit einer 17-Jährigen

Siegerin im Frauenrennen war die Äthiopierin Marta Alemayo in einer Zeit von 14:15 Minuten. Das ist ein neuer äthiopischer Rekord und eine neue U20-Weltbestleistung im 5km-Straßenlauf. Alemayo wird am morgigen Mittwoch erst volljährig und ist bereits zweifache Junioren-Weltmeisterin im Crosslauf. Sie liegt nun auf Rang drei der ewigen Weltbestenliste über 5km. Die Deutsche Konstanze Klosterhalfen erreichte das Ziel in einer Zeit von 15:04 Minuten als Siebte.

Battocletti haarscharf am Europarekord vorbei

Bei den Frauen zeigte Europas Nummer eins auf den Distanzen von 3.000m bis 10.000m, Nadia Battocletti, neuerlich ihre Klasse und verbesserte ihren eigenen italienischen Rekord im 10km-Straßenlauf um eine satte Minute auf eine Zeit von 30:08 Minuten. Ihre bisherige Bestleistung stammte vom Sieg bei den Straßenlauf-Europameisterschaften vor einem Jahr in Belgien, damals freilich ohne Tempomacherinnen. In ihrem letzten Rennen vor einer Pause holte die Italienerin auf der zweiten Streckenhälfte noch einmal alles aus sich heraus und absolvierte diese in unter 15 Minuten. Als nächstes Ziel definierte sie in einem Bericht auf der Website des Italienischen Leichtathletik-Verbandes (FIDAL) eine Attacke auf den Europarekord im Rahmen der Golden Gala in Rom Anfang Juni im 5.000m-Lauf.

Die Winzigkeit einer Sekunde fehlte letztlich auf den erst vor kurzem aufgestellten Europarekord von Megan Keith, die in Castellon sechs Wochen zuvor eine Zeit von 30:07 Minuten gelaufen ist. „Ein bisschen trauere ich der Sekunde nach, aber es ist gut so. Durch die Hallensaison mit dem Ziel des 3.000m-Laufs hat die spezifische Vorbereitung auf die lange Distanz zuletzt gefehlt“, ergänzte die 25-jährige Hallen-Weltmeisterin im 3.000m-Lauf. „Aber der Ärger war schnell verflogen, ich freue mich über meine sehr starke Leistung!“

Die ewigen europäische Bestenliste im 10km-Straßenlauf

  • 30:07 Minuten – Megan Keith (Großbritannien), Castellon 2026
  • 30:08 Minuten – Eilish McColgan (Großbritannien), Valencia 2026
  • 30:08 Minuten – Nadia Battocletti (Italien), Lille 2026
  • 30:10 Minuten – Jana van Lent (Belgien), Nizza 2026
  • 30:21 Minuten – Paula Radcliffe (Großbritannien), San Juan 2003
  • 30:26 Minuten – Klara Lukan (Slowenien), Castellon 2025
  • 30:29 Minuten – Diana van Es (Niederlande), Schoorl 2023
  • 30:32 Minuten – Karoline Bjerkeli Grövdal (Norwegen), Hole 2020
  • 30:36 Minuten – Yasmin Can (Türkei), Brasov 2025
  • 30:38 Minuten – Liz McColgan (Großbritannien), Orlando 1989

Fantastische Siegerzeit durch Ngetich

An der Spitze des Feldes zeigte Topfavoritin Agnes Ngetich aus Kenia eine Spitzenleistung und blieb in einer Zeit von 28:58 Minuten nur zwölf Sekunden über ihrem eigenen, 2024 in Valencia aufgestellten Weltrekord. Es war erst zum dritten Mal überhaupt, dass ein 10km-Lauf von einer Frau in einer Zeit unter 29 Minuten absolviert wurde. Außer Ngetich hat das nur noch ihre Landsfrau Emmaculate Achol geschafft, die gegenwärtig allerdings wegen Dopings für sechs Jahre gesperrt ist.

Die 25-jährige Ngetich lag lange Zeit auf Weltrekordkurs, schließlich war sie den Wettkampf mit Unterstützung männlicher Tempomacher in unglaublich aggressiven 14:15 Minuten für die erste Hälfte angelaufen. Sie sei überglücklich, sagte die amtierende Crosslauf-Weltmeisterin nachher, da sie die Hälfte der Distanz alleine laufen musste. Dementsprechend war diese Leistung eine mehr als taugliche Wiedergutmachung für den missglückten Halbmarathon in New York vor drei Wochen. Vor Battocletti, die Vierte wurde, kamen auch noch Chaltu Dida (30:02) und Hirut Meshesha (30:05) ins Ziel. Für ein Highlight sorgte Cassandre Beaugrand. Die Olympiasiegerin im Triathlon lief einen französischen Rekord von 30:52 Minuten.

Eine starke Siegerleistung gab es auch bei den Männern durch den erst 19-jährigen Äthiopier Kairi Bejiga in einer Zeit von 26:51 Minuten. Tim Verbaandert (27:17) und Joel Ibler Lillesö (27:55) verbesserten die Landesrekorde für die Niederlande und Dänemark. Eine neue persönliche Bestleistung feierte auch Kevin Kamenschak (ATSV Linz LA) in einer Zeit von 29:05 Minuten. Damit liegt der 22-jährige Oberösterreicher auf Rang neun der ewigen ÖLV-Bestenliste.

Autor: Thomas Kofler
Bild: © Pixabay

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