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Julia Mayer 33. im WM-Marathon von Tokio

Julia Mayer ist zurück: Den bei sehr fordernden Bedingungen ausgetragenen WM-Marathon der Frauen am Sonntag in Tokio beendete sie auf Platz 33.
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Julia Mayer erreichte beim dritten globalen Meisterschaftsmarathon binnen 25 Monaten ihre bisher beste Platzierung. Bei den erwartet harten Hitzebedingungen in Tokio erreichte sie eine Zeit von 2:36:20 Stunden und Platz 33 im Feld von 63 Finisherinnen. Das Duell um Gold entschied sich in einem faszinierenden Zweikampf zwischen Peres Jepchirchir und Tigst Assefa noch auf den letzten Metern im Olympiastadion von Tokio. Die 31-jährige Kenianerin feierte vier Jahre nach ihrem Olympiasieg beim damals von Tokio nach Sapporo ausgelagerten Marathon ihren zweiten globalen Meisterschaftstriumph. Sie ist erst die zweite Läuferin der Geschichte nach Rosa Mota, Weltmeisterin 1987 in Rom und Olympiasiegerin 1988 in Seoul, die beide wichtigsten globalen Titel im Marathon gewonnen hat.

„Es war ein mega geiles Rennen, ich bin absolut zufrieden und hätte es nicht besser machen können“, kommentierte Julia Mayer (DSG Wien) etwas überschwänglich ihren WM-Auftritt von Tokio. Der Zieleinlauf mit letzter Kraft, leichten Krämpfen im linken Ober- und Unterschenkel, brachte ihr nicht nur ein gutes Ergebnis ein – Platz 33, sondern markierte auch einen wichtigen Zeitpunkt in ihrer Karriere. Nach dem Olympischen Marathon von Paris als Höhepunkt des ersten großen Zyklus’ in ihrer Laufbahn als Profiläuferin benötigte sie Zeit, wieder in den Rhythmus zu kommen. Nicht nur läuferisch, sondern in der für Spitzensport unabdingbaren mentalen Einstellung, die besonders im Marathon hohe Opferbereitschaft auf vielen Ebenen und enorme Disziplin bei der täglichen Trainingsarbeit sowie volle Motivation für das Sportlerinnenleben erfordert.

Ergebnis des WM-Marathons der Frauen, Tokio 2025
Gold: Peres Jepchirchir (Kenia) 2:24:43 Stunden
Silber: Tigst Assefa (Äthiopien) 2:24:45 Stunden
Bronze: Julia Paternain (Uruguay) 2:27:23 Stunden

 
4. Susanna Sullivan (USA) 2:28:17 Stunden
5. Alisa Vainio (Finnland) 2:28:32 Stunden
6. Shitaye Eshete (Bahrain) 2:28:41 Stunden
7. Kana Kobayashi (Japan) 2:28:50 Stunden
8. Jessica McClain (USA) 2:29:20 Stunden
9. Fionnuala McCormack (Irland) 2:30:16 Stunden
10. Dolshi Tesfu (Eritrea) 2:30:41 Stunden
11. Laura Luengo (Spanien) 2:30:55 Stunden
12. Stelle Chesang (Uganda) 2:31:13 Stunden
13. Sayaka Sato (Japan) 2:31:15 Stunden
14. Cuomu Ci Ren (China) 2:31:38 Stunden
15. Nora Szabo (Ungarn) 2:31:41 Stunden
16. Eunice Chumba (Bahrain) 2:32:22 Stunden
17. Anne Luijten (Niederlande) 2:32:27 Stunden
18. Jackline Cherono (Kenia) 2:33:17 Stunden
19. Sollange Jesus (Portugal) 2:33:24 Stunden
20. Rebecca Lonedo (Italien) 2:33:40 Stunden

33. Julia Mayer (Österreich) 2:36:20 Stunden
© ÖLV / Sonia Maleterova

„Ein wahr gewordener Traum“

Vielleicht sind der 32-Jährigen solche Gedanken durch den Kopf gegangen, als sie sich von der Laufbahn des Olympiastadions in Tokio aufrappelte. Unmittelbar nach der Zielankunft hatte sie sich erschöpft auf eben jene Laufbahn fallen lassen. Die Erschöpfung machte glücklich, der Wettkampf erzeugte ein emotionales Hoch: „Es hat alles perfekt funktioniert. Das gesamte Team hat mich bei den Verpflegungsstellen optimal mit Eis, Kappen, Getränken und Gels versorgt“, lobte sie. „Es ist einfach ein tolles Gefühl, wenn man auf der zweiten Hälfte so viele Konkurrentinnen überholen kann.“

Julia Mayer
Halbmarathon-Splits: 1:17:33 / 1:18:47 Stunden
5km-Teilzeiten: 18:12 / 17:08 / 19:43 / 18:25 / 18:19 / 18:18 / 18:43 / 19:33 / 7:59 (2,195 km) Minuten

Mayer ging bei extrem schwierigen Marathon-Bedingungen wie angekündigt mit Reserven ins Rennen und ordnete sich in einer Gruppe ein, die die Positionen zwischen 50 und 60 einnahm. Obwohl es angesichts des Rahmens verhältnismäßig wenige Aufgaben gab (zehn), gelang es der Österreicherin mit zwei halbwegs gleichmäßigen Marathon-Hälften im Schlussdrittel etliche Positionen wettzumachen, so dass sie bei der Zwischenzeit bei Kilometer 40 auf Position 33 durchging und diese Position auch bis zur Ziellinie im Stadion hielt. „Dass es so weit nach vorne ging, hat mich selbst überrascht“, verspürt sie Stolz angesichts der guten Platzierung im Mittelfeld des Wettkampfs. „Ein Traum ist wahr geworden!“ Es war das erst zweite Mal, dass Österreich bei einer WM im Marathon der Frauen vertreten war. Mayer toppte ihre Platzierung von Budapest 2023 um 17 Positionen.

© ÖLV / Sonia Maleterova

Feuchte Hitze

28°C. bei einer Luftfeuchtigkeit von 72% zeigen die offiziellen Daten vom Marathon-Start um halb Acht Ortstzeit. Einzig der bewölkte Himmel über Tokio verhinderte, dass das Thermometer noch während des Rennens die 30°C-Marke überbot. Dennoch sind derartige Rahmenbedingungen für einen Marathonlauf eine enorme, leistungseinschränkende Herausforderung – und unter diesem Gesichtspunkt sind die Leistungen zu analysieren. Mayer lief in Tokio in den Dimensionen ihrer Olympischen Leistung in Paris (Platz 55), wo die Strecke mit ihren Anstiegen deutlich schwieriger war, die Wetterbedingungen freilich sommerlich, aber weit weniger belastend.

Elfeinhalb Minuten verlor Mayer auf Siegerin Peres Jepchirchir, aber nur acht Läuferinnen blieben bei diesem Rennen unter 2:30 Stunden, was ein klares Zeichen für die besonderen Umstände ist. Sie erklären auch den großen Abstand zur eigenen Bestleistung, einige im vorderen Feld konnten näher an ihre persönlich besten Laufzeiten herankommen. Für Mayer steht aber das Gefühl im Vordergrund, an diesem Tag das Beste aus ihren Möglichkeiten herausgeholt zu haben. Und so könnte ihr Marathon-Comeback nach 13 Monaten ein wichtiger Schritt hin zu ihrem großen Karriereziel darstellen: der Olympische Marathon von 2028 in Los Angeles.

Sullivan als mutige Solistin

Erstmals seit zwölf Jahren startete und finishte der Marathon im WM-Stadion. Das Rennen mit nur 73 der 100 anvisierten Teilnehmerinnen ging gleich mit einem Sturz turbulent los. Dem entzogen sich die favorisierten Äthiopierinnen, in dem sie die Anfangsphase an der Spitze verbrachten. Titelverteidigerin Amane Beriso war nicht nach Tokio gereist, womit alle Nationen nur maximal drei Teilnehmerinnen stellen konnten.

Lange alleine in Führung: Susanna Sullivan. © Mattia Ozbot for World Athletics

Trotz der schwierigen Bedingungen herrschte aber keine Zurückhaltung vor. Japans Beste, Kana Kobayashi, am Ende in einer Zeit von 2:28:50 Stunden Siebte, zeigte sich bald an der Spitze und kontrollierte zigmal mit einem Blick auf ihre Uhr, ob sie denn den geplanten Rhythmus erwischte. Sie führte das Feld aus dem Stadion auf die großzügig breiten Straßen des auch unter touristischen Aspekten wunderbaren Rundkurses in Tokio, der zweimal zu absolvieren war, bevor das Stück zurück zum Stadion mit einem leichten Anstieg den Scharfrichter spielen sollte. Als Erste der großen Namen verlor die Bronzemedaillengewinnerin von Budapest, Fatima Ezzahra Gardadi aus Marokko, den Anschluss. Die 33-Jährige kam zwar später zurück, stieg aber nach rund 30 Kilometern aus.

20 Kilometer in Führung

Lange Zeit alleine mutig, aber entschlossen in Führung laufend war Susanna Sullivan eine der Hauptprotagonistinnen des WM-Marathons der Frauen in Tokio. Die 35-jährige US-Amerikanerin riskierte mit ihrer Strategie aber trotz der schwierigen Bedingungen keinen Einbruch, sondern war auch in der Schlussphase noch konkurrenzfähig und erreichte das Ziel als Vierte. Dieser vierte Platz ist das beste Resultat einer US-Läuferin bei einem WM-Marathon seit der Bronzemedaille von Amy Cragg in London 2017. Bei Olympischen Spielen gelang Molly Seidel, die an derselben Universität studierte wie Sullivan, 2021 in Sapporo eine überraschende Bronzemedaille.

Mit einer beim Chicago Marathon 2024 erzielten persönlichen Bestleistung von 2:21:56 Stunden ist Sullivan die zehntschnellste Marathonläuferin der US-Geschichte. Die aus Florida stammende Läuferin ist kein Profi, sie arbeitet Vollzeit als Mathematikprofessorin im US-Bundesstaat Virginia, wo sie an der George Mason University auch trainiert, und als Nachhilfelehrerin. „Zu unterrichten ist nicht einfach. Ich mache mir täglich Sorgen um mentale Gesundheit und emotionale Regulation bei meinen Schüler*innen“, sagte sie einmal in einem Interview mit „Runner’s World“. Gleichzeitig motiviere sie ihre Arbeit für ihre Schüler*innen auch für ihre sportliche Leidenschaft.

Mit Lonah Chemtai Salpeter aus Israel, Olympia-Vierte von Sapporo 2021, und Tigist Ketema warfen davor zwei weitere Athletinnen das Handtuch, die für vordere Platzierungen in Frage gekommen sind. Spannung brachten die Amerikanerinnen ins Rennen. Susanna Sullivan, die bereits die Zwischenzeit bei fünf Kilometern als Erste erreichte, und Jessica McClain setzten sich kurz vor der Zwischenzeit bei Kilometer zehn von der Spitzengruppe ab. McClain konnte dem Tempo ihrer Landsfrau nicht folgen, Sullivan hatte bei der Halbmarathon-Zwischenzeit einen Vorsprung von über eine Minute auf die Favoritinnen. McClain bildete mit Kobayashi das Verfolgerduo genau zwischen der Führenden und der größeren Gruppe. Alle Drei sollten ihre Bemühungen nicht bereuen: Sullivan beendete das Rennen als Vierte, Kobayashi als Siebte, McClain als Achte.

Susanna Sullivan
Halbmarathon-Splits: 1:12:58 / 1:15:19 Stunden
5km-Teilzeiten: 17:10 / 17:11 / 17:13 / 17:33 / 17:24 / 17:53 / 17:55 / 18:13 / 7:45 (2,195 km) Minuten

Faszinierendes Duell um Gold

Kaum hatte die zweite Hälfte begonnen, kam in der bereits dezimierten Gruppe rund um die Medaillenkandidatinnen Schwung ins Geschehen. Der Vorsprung Sullivans schmolz kontinuerlich, bei Kilometer 28 kam es zum Führungswechsel. Die ehemalige Weltrekordhalterin Tigst Assefa und die stärkste Kenianerin, Peres Jepchirchir, übernahmen nun die Initiative. Die Kenianerin Magdalyne Masai, eine ehemalige VCM-Siegerin, Stella Chesang aus Uganda und Sutume Kebede aus Äthiopien, zweifache Siegerin des Tokio Marathon und daher eine heiße Sieganwärterin, folgten für ein kurzes Stück. Doch das Tempodiktat Assefas und Jepchirchir war dem Trio zu hoch, das im Finale deutlich zurückfiel. Masai stieg aus, Chesang wurde Zwölfte, Kebede gar nur 27.

Die Stars des Tages: Tigst Assefa und Peres Jepchirchir. © Dan Vernon for World Athletics

An der Spitze entwickelte sich ein spannendes Duell um den Weltmeistertitel. Die zweifache Berlin-Siegerin Assefa lief großteils von vorne, konnte ihre Kontrahentin aber nicht abschütteln. Bei der Bergabpassage hinein ins Stadion übernahm die Kenianerin erstmals die Führung. Der Schlagabtausch auf der Bahn war der Höhepunkt eines faszinierenden Marathons. Seite an Seite duellierten sich die beiden Hauptprotagonistinnen. Als Assefa auf der Gegengerade in Führung zog, schien sie die besseren Karten in der Hand zu halten. Doch Jepchirchir nahm ausgangs der letzten Kurve noch einmal Speed auf und lief in einer Zeit von 2:34:43 Stunden zu Gold. Assefa folgte zwei Sekunden später und musste sich wie bei den Olympischen Spielen von Paris, damals in einem beinharten Endspurt gegen Sifan Hassan, wieder mit Silber begnügen. Der wunderschöne Abschluss des Rennens: Die innige Umarmung der beiden Kontrahentinnen wenige Momente nach der Entscheidung.

Peres Jepchirchir
Halbmarathon-Splits: 1:13:59 / 1:10:44 Stunden
5km-Teilzeiten: 17:11 / 17:20 / 17:29 / 18:10 / 16:57 / 16:28 / 16:28 / 17:25 / 7:15 (2,195 km) Minuten

In den Fußstapfen einer Marathon-Legende

Für Jepchirchir ist der Erfolg ein persönlich bedeutender: Die Kenianerin dominierte die Szene vor einigen Jahren. In diese Phase fiel auch ihr Olympiasieg 2021. Zuletzt kämpfte die 31-Jährige mit Verletzungen, doch der japanische Boden brachte der dreifachen Halbmarathon-Weltmeisterin neuerlich Glück. „Als ich ins Stadion reingelaufen bin, hab ich die Energie der vielen Fans gespürt. Ich habe noch etwas Energie in meinem Körper für den Spurt gefunden. Ich bin unglaublich dankbar, weil ich habe nicht damit gerechnet, hier gewinnen zu können“, sagte die neue Weltmeisterin. Ihr Erfolg hielt auch einem Protest stand – Jepchirchir habe außerhalb der offiziellen Verpflegungszonen Getränke bekommen, was eigentlich ein Qualifikationsgrund wäre.

© Dan Vernon for World Athletics

In der Geschichte der Sportart ist es bisher nur der Portugiesin Rosa Mota gelungen, sowohl WM-Gold als auch Olympisches Gold zu gewinnen. Assefa war über die verpasste Goldmedaille nicht traurig: „Ich versuche immer positiv zu denken. Daher bin ich überzeugt, nicht Gold verloren, sondern Silber gewonnen zu haben. Jede Medaille hat für mich einen besonderen Wert“, so die Äthiopierin, die Jepchrichir beim diesjährigen London Marathon den Weltrekord für reine Frauenrennen abgenommen hat.

Die großen Erfolge von Peres Jepchrichir

🥇 Olympische Spiele 2021 im Marathon
🥇 Weltmeisterschaften 2025 im Marathon
🥇🥇🥇 Halbmarathon-Weltmeisterschaften 2016, 2020, 2023
🥇 London Marathon 2024
🥇 New York City Marathon 2021
🥇 Boston Marathon 2022
🥇 Valencia Marathon 2020

Sensationelles Bronze für Paternain

Mindestens genau so spannend wie das Duell um Gold war die Rennentwicklung um Bronze. Nachdem alle anderen Afrikanerinnen im Finale einbrachen, bahnte sich eine der größten Sensationen der WM-Geschichte an, die sich tatsächlich realisierte. Julia Paternain, die bereits das gesamte Rennen über beachtlich weit vorne lief und kontinuierlich Position für Position gutmachte, lief plötzlich auf Position drei und hielt diese souverän mit über einer Minute Vorsprung auf Sullivan bis zum Ziel: Ihr erst zweiter Marathon endete in einer Zeit von 2:27:23 Stunden, nur 14 Sekunden langsamer als bei ihrem Landesrekord im März, mit dem sie sich für Tokio qualifiziert hatte. Gelaufen ist sie ihre Bestzeit von 2:27:09 Stunden beim McKirdy Micro Marathon, also jenem Rennen, bei dem der Österreicher Aaron Gruen seinen ÖLV-Rekord markiert hat.

© Dan Vernon for World Athletics

Die 25-Jährige ist ein absoluter No-Name in der Szene mit interessantem Background. Geboren in Mexiko zog sie mit ihrer Familie im Alter von zwei Jahren nach England. Ihre Eltern stammen beide aus Uruguay und arbeiten als Mathematik-Professoren an der Cambridge University, wo Paternain zum Leistungssport kam. Die Engländerin ging zum Studium in die USA, wo sie in der Höhe von Flagstaff trainiert, und nahm die Staatsbürgerschaft Uruguays neben der britischen und der mexikanischen an. Seit Jahresbeginn ist sie für das kleine südamerikanische Land startberechtigt – nun ist sie die allererste Medaillengewinnerin in der Geschichte von Leichtathletik-Weltmeisterschaften für Uruguay. Ihr bisher beachtlichster internationaler Erfolg war ein sechster Platz bei den U23-Europameisterschaften 2019 im 10.000m-Lauf, damals für das britische Team.

Ein historischer Erfolg

Noch nie in der Geschichte von Leichtathletik-Weltmeisterschaften hat Uruguay eine Medaille gewonnen. Bisher war der neunte Platz von Weitspringer Emiliano Lasa bei den Titelkämpfen von London 2017 der Höhepunkt. Paternain ist erst die elfte Sportlerin oder Sportler, die Uruguay bei Leichtathletik-Weltmeisterschaften vertreten hat. Uruguay ist die 109. Nation der Welt, die sich in den ewigen Medaillenspiegel von Leichtathletik-Weltmeisterschaften einsortiert.

Der Moment ihrer Zielankunft wird ein legendärer, denn ihr passierte etwas, was nur in kleinen Verbänden mit entsprechend geringen Betreuungsmöglichkeiten überhaupt denkbar ist. Schon während der letzten Runde im Stadion blickte sie mehrfach nervös in alle Richtungen. Bei der Zielankunft war ihr gar nicht bewusst, dass sie Dritte war. „Es ist nicht zu glauben, ich bin komplett schockiert“, kommentierte sie. „Ich habe mich nur auf mein Rennen fokussiert, es war eine unglaubliche Erfahrung mit so vielen Zuschauern. Ich hatte die perfekte Strategie.“

Dieser historische Erfolg für Uruguay bedeute ihr sehr viel. Das kleine Land in Südamerika ist im Sport berühmt für die zwei WM-Titel im Fußball, regelmäßig ist Uruguay das bevölkerungsärmste Land unter den Fußball-WM-Teilnehmern. Ansonsten feiert Uruguay noch internationale Erfolge im Rugby, historisch auch im Basketball. Nun ist Uruguay auch eine Laufnation.

Die ewige WM-Teilnehmerin

Mit Platz neun im WM-Marathon von Tokio gelang der zweifachen Crosslauf-Europameisterin Fionnuala McCormack ein grandioser Höhepunkt. Die in wenigen Tagen 41-Jährige hat im vergangenen Jahr bereits Geschichte geschrieben, als sie als erste irische Leichtathletin zum fünften Mal an Olympischen Spielen teilgenommen hat. In Tokio schrieb die Mutter dreier Töchter 14 Jahre nach ihrem letzten WM-Auftritt, damals noch als 3.000m-Hindernisläuferin, nun auch WM-Geschichte. Denn ihre WM-Premiere hat die Irin auch auf japanischem Boden gefeiert: 2007 erreichte sie im 3.000m-Hindernislauf das Finale von Osaka und wurde Zwölfte. Ihre Topresultate bei Freiluft-Europameisterschaften waren zwei vierte Plätze im 10.000m-Lauf 2012 und 2016, 2022 lief die bodenständige Athletin in München als Siebte über die Marathon-Ziellinie.

Vainio Top-Europäerin

Neben Paternains Sensationsleistung und den starken Auftritten der Amerikanerinnen produzierte der WM-Marathon von Tokio abgesehen des starken Auftritts von Fionnuala McCormack eine weitere europäische Topleistung. Alisa Vainio, 2016 in den Schlagzeilen, weil ihr ein Olympiastart in Rio verboten wurde, weil sie zu diesem Zeitpunkt zwar sportlich qualifiziert, aber nicht volljährig war, finishte einen starken WM-Marathon als Fünfte in einer Zeit von 2:28:32 Stunden. Damit egalisierte die 27-Jährige die bisher beste finnische Platzierung in einem WM-Marathon von Ritva Lemettinen aus dem Jahr 1995.

Alle Marathon-Weltmeisterinnen

  • Grete Waitz (Norwegen) – Helsinki, 1983
  • Rosa Mota (Portugal) – Rom, 1987
  • Wanda Panfil (Polen) – Tokio, 1991
  • Junko Asari (Japan) – Stuttgart 1993
  • Maria Manuela Machado (Portugal) – Göteborg, 1995
  • Hiromi Suzuki (Japan) – Athen, 1997
  • Jong Song Ok (Nordkorea) – Sevilla, 1999
  • Lidia Simon (Rumänien) – Edmonton, 2001
  • Catherine Ndereba (Kenia) – Paris, 2003
  • Paula Radcliffe (Großbritannien) – Helsinki, 2005
  • Catherine Ndereba (Kenia) – Osaka, 2007
  • Bai Xue (China) – Berlin, 2009
  • Edna Kiplagat (Kenia) – Daegu, 2011
  • Edna Kiplagat (Kenia) – Moskau, 2013
  • Mare Dibaba (Äthiopien) – Peking, 2015
  • Rose Chelimo (Bahrain) – London, 2017
  • Ruth Chepngetich (Kenia) – Doha, 2019
  • Gotytom Gebreslase (Äthiopien) – Eugene, 2022
  • Amane Beriso (Äthiopien) – Budapest, 2023
  • Peres Jepchirchir (Kenia) – Tokio, 2025

Autor: Thomas Kofler
Bilder: © ÖLV / Sonia Maleterova, © Mattia Ozbot for World Athletics, © Dan Vernon for World Athletics

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