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Julia Mayer: Das Feuer für den EM-Marathon brennt schon

Österreichs Marathonrekordhalterin Julia Mayer hat sich drei Monate lang gezielt und sehr spezifisch auf den herausfordernden und selektiven EM-Marathon vorbereitet.
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Nach EM-Starts über 10.000m (2022) und im Halbmarathon (2024) steht Julia Mayer vor ihrem ersten Marathonlauf bei Europameisterschaften. Nach einer guten Vorbereitung ist die Olympia-Teilnehmerin von Paris hochmotiviert und verspricht sich einiges vom EM-Marathon. Die 33-Jährige ist bereit und muss nun ihr Rennpferd noch zügeln: „Ich kann es kaum erwarten! Eigentlich könnte es morgen schon losgehen.“ Dank einer höchst anspruchsvollen Strecke auf einem nur fünf Kilometer langen Rundkurs erwartet sie und das gesamte Feld ein „einzigartiger, aber extrem anstrengender Marathon!“

Gut zwei Wochen vor dem EM-Marathon in Birmingham ist Julia Mayer bester Dinge: „Meine Vorbereitung ist praktisch abgeschlossen, es hat alles sehr gut funktioniert. Ich habe mich noch nie so gut gefühlt in meinen sechs Jahren als Profi.“ Ihr Einstieg ins Gespräch mit RunUp.eu schürt Hoffnungen. Ihre größte Sorge: dass es erst in zwei Wochen losgeht. „Ich könnte jetzt schon loslaufen!“ Das EM-Feuer brennt in Julia Mayer!

Julia Mayers EM-Fahrplan
Sonntag, 16. August um 8:30 Uhr (MEZ) – Start Marathon der Frauen

Neue Qualität im Training

7. Dezember 2025, Valencia Marathon: Julia Mayer schaffte mit ihrer Leistung von 2:26:08 Stunden nicht nur die Qualifikation für die Europameisterschaften, sondern verbesserte auch ihren eigenen österreichischen Marathonrekord. Bereits am Tag danach fixierte sie mit ihrem Trainer Vincent Vermeulen das nächste große Ziel: EM-Marathon in Birmingham, 16. August 2026.

Nach einem kurzen Urlaub leitete der akribische Coach die ersten Schritte einer Neugestaltung des Marathontrainings ein und arbeitete somit eine Art der Vorbereitung auf einen Höhepunkt aus, die für seine Athletin neu war. Nicht neu aus Prinzip, sondern neu in der detaillierten Gestaltung. „Eigentlich haben wir alles umgestellt“, blickt Mayer zurück. „Wir haben in allen wichtigen Bereichen an der Qualitätsschraube gedreht – mit dem Ziel der Optimierung. Mehr Qualität als Quantität. Das betraf nicht nur das Training, sondern auch die Gesundheit und Ernährungsstrategien und weitere wichtige Themen.“ Nach dem dritten Platz beim Linz Marathon im April in einer Zeit von 2:29:48 Stunden, mit dem das Team nicht ganz zufrieden sein konnte, nahmen Vermeulen und Mayer aus den Rückschlüssen des Wettkampfs einige Adaptierungen vor.

Julia Mayer beim Linz Marathon 2026. © Linz Marathon / Klaus Mitterhauser

Vorbereitung in den italienischen Alpen

Erstmals seit längerer Zeit planten die beiden wieder ein Höhentrainingslager ein. Auch wenn Mayer als in Wien lebend das regelmäßige Training in der Ramsau bei Vermeulen für sich schon als „mit Höheneffekt“ bezeichnet. In Livigno trainierte sie wochenlang auf 1.800m Meereshöhe und noch weiter oben. „Sowohl die Daten als auch mein Körpergefühl zeigen: So gut hab ich mich in sechs Jahren als Profi noch nie gefühlt“, bilanziert die Athletin die Vorbereitung mit höchst erfreulichen Worten.

Angesichts dieses mit Euphorie versehenen Status quos ist ihre formulierte Zielsetzung für den Wettkampf fast zurückhaltend. Sie ist diplomatisch, angesichts der schwierigen Marathonstrecke in der mittelenglischen Millionenstadt ist dieser Ansatz auch verständlich. Die Niederösterreicherin will am 16. August ihr bestes Resultat bei internationalen Meisterschaften einfahren – und damit eine weitere Steigerung zu ihrem 33. Platz beim WM-Marathon in Tokio schaffen. Bei Europameisterschaften war sie bisher 18. im 10.000m-Lauf im Münchner Olympiastadion vor vier und 35. beim Halbmarathon in Rom vor zwei Jahren – beide Wettkämpfe zählen definitiv nicht zu den individuellen Glanzleistungen ihrer bisherigen Laufbahn.

Das soll sich bei der dritten EM-Teilnahme ändern, Birmingham einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2028 darstellen. Nüchtern betrachtet ist Mayers Zielsetzung für den EM-Marathon im realistischen Bereich angesiedelt. Doch die Herausforderung EM-Marathon 2026 führt ins Ungewisse. Ein nur fünf Kilometer langer Rundkurs mit vielen kurzen Bergauf- und Bergabpassagen verspricht alles – nur keinen gleichmäßigen Laufrhythmus.

Achtmal eine wellige Runde

Ganze 86 Höhenmeter im Anstieg und im Gefälle pro Runde – mal acht – müssen die Marathonläuferinnen und Marathonläufer auf dem Rundkurs bewältigen. Das ist für einen Marathon extrem viel. In dieser Herausforderung liegt das Salz in der Suppe dieser sportlichen Entscheidung.

Mayer spricht von einer „eigentlich absurden“ Annäherung an die Herausforderung. Der Blick auf das Höhenprofil einer Runde sei im ersten Moment ja nicht besonders besorgniserregend. Aber als Marathonläuferin ist man es nicht gewohnt, so viele, weil kurze Runden zu laufen. „Achtmal in Folge dieses Profil, das ist in der Summe dann schon gewaltig. Es wird ein ständiges Auf und Ab, 42,195 Kilometer lang. Diese dauernden Rhythmusbrecher werden eine enorme Belastung für die Beine“, prophezeit die vielfache Staatsmeisterin auf diversen Distanzen. Wer nicht in bester physischer Verfassung sei, der werde der Saft im Finale ausgehen.

Julia Mayer beim Zieleinlauf des WM-Marathon 2025 in Tokio. © ÖLV / Sona Maléterova

Birmingham ist nicht die erste außergewöhnlich schwierige Marathonstrecke bei Großereignissen, die Erinnerungen an Paris 2024 sind noch frisch. Mayer kennt den Kurs aus eigener Erfahrung. „Bei den Olympischen Spielen war es zumindest so, dass es die Bergauf-Sektoren gegeben hat, die lange Bergabpassage und dann ging es flach weiter ins Ziel. In Birmingham wird das anders sein: Dort geht es ständig entweder auf- oder abwärts, aber es ist nie flach.“

Spannend für alle

Eine einzigartige Marathonstrecke bringt Raum für Unsicherheiten. Dieser EM-Marathon lässt sich nicht so leicht planen wie ein flacher jährlich wiederkehrender Stadtmarathon. Auch aufgrund ihrer gestiegenen Erfahrung blickt die Österreicherin entspannt in Richtung der 42,195 Kilometer in der Innenstadt von Birmingham – mit Start und Ziel am Victoria Square. Sie sieht die topografischen Herausforderungen als Vorteil für sich, nicht nur wie oben skizziert aufgrund der strategischen Rennentwicklung.

Und sie findet einen weiteren, gewichtig positiven Aspekt: „Wäre es ein Rennen auf einer flachen Strecke, wäre es vielleicht ein fades. Wir haben so viele Marathons, wo Rekorde und Bestleistungen der Aufhänger sind. Diese Wettkämpfe sind vorhersehbar. Dieses Mal ist die Herausforderung in der Vorbereitung und im Wettkampf hochspezifisch. Es gibt viele offene Fragen – das wird spannend für alle: Athletinnen, Publikum und die Medien.“

Julia Mayer

Verein: DSG Wien
Trainer: Vincent Vermeulen
Disziplin: Marathon
3. EM-Teilnahme, 1. im Marathon
„Road to Birmingham“: Position 14/56
PB: 2:26:08 Stunden (Valencia 2025)
SB: 2:29:48 Stunden (Linz)
Staatsmeistertitel im 800m-Lauf (outdoor): 2

© ÖLV / Sona Maléterova

Ihre Wettkämpfe 2026:
Sieg – Halbmarathon beim LCC Frühlingsmarathon, 1:12:22 Stunden
Platz 3 – Oberbank Linz Donau Marathon, 2:29:48 Stunden
Sieg – 10km-Lauf beim Österreichischen Frauenlauf, 33:34 Minuten
Sieg – Traunsee Halbmarathon, 1:12:35 Stunden

Ab ins Gelände

Um die Unsicherheiten zu minimieren, ist ein zielgerichtetes Training die beste Lösung. So auch der Ansatz von Vermeulen und Mayer. „Seit drei Monaten haben wir uns gezielt auf diese Herausforderung vorbereitet. Ich bin immer wieder im Gelände gelaufen, hab sogar einen Trailrunning-Wettkampf absolviert“, betont sie. Diese Einheiten auf hügeligen Strecken hätten sich harmonisch mit Tempoläufen abgewechselt.

Über die Trainingsfortschritte sei ein gutes Gefühl für unryhthmisches Laufen entstanden, das die 33-Jährige im Wettkampf für sich nutzen möchte: „Ich werde sicherlich nicht auf die Uhr schauen. Die Kilometerzahlen sind irrelevant, vielleicht würden die Rundenzeiten im Vergleich eine Orientierung anbieten. Ich werde einzig und allein auf mein pures Körpergefühl hören!“

Mayer ist zuversichtlich, dass sie zum Kreis derer gehört, die besser vorbereitet an die Startlinie in Birmingham gehen – zumal der EM-Marathon für sie das absolute Highlight des Jahres ist. Das hat sie ja bereits vor Weihnachten festgelegt.

Das Marathonfeld der Frauen

Die Dichte in Europa ist hoch, auch im Marathon der Frauen. Darin widerspiegelt sich auch das enorm knackige EM-Limit von 2:27:00 Stunden. Einige Absagen lockern das endgültige EM-Feld aber auf. 18 der 60 vorgesehenen Startplätze wurden über das Direktlimit gebucht, dazu kommt Titelverteidigerin Aleksandra Lisowska als polnische Einzelstarterin. Julia Mayer ist auf Position 14 gereiht, was ihre Top-20-Ambitionen tatkräftig unterstützt. Vor ihr sind ausnahmslos Läuferinnen gereiht, die schon reihenweise ihre Klasse auf europäischem Niveau bewiesen haben: vier Spanierinnen rund um die amtierende Straßenlauf-Europameisterin im Marathon, Fatima Azzahraa Ouhaddou Nafie, die finnische WM-Fünfte Alisa Vainio, Deutschlands Topläuferinnen Dominika Mayer und Fabienne Königstein oder Italiens Nummer eins, Sofiia Yaremchuk – um nur einige zu nennen.

Auch unmittelbar hinter der Österreicherin lauern in der „Road to Birmingham“ fähige Marathonläuferinnen wie Olympia-Teilnehmerin Laura Hottenrott oder der unverwüstliche irische Routinier Fionnuala McCormack, die als 42-Jährige beim New York City Marathon das EM-Limit unterboten hat und die aufgrund ihrer unendlichen Erfahrung nichts überraschen kann, nicht einmal der Marathonkurs in Birmingham.

Nicht ausgebucht

Das Teilnehmerfeld liefert aber auch eine extrem enttäuschende Komponente: Nicht einmal 60 Läuferinnen haben gemeldet, obwohl die Nationalverbände, die zwei Fix-Qualifizierte aufweisen, bis zu vier weitere Läuferinnen nachmelden durften. Die vollen Möglichkeiten haben nur Gastgeber Großbritannien und Deutschland ausgeschöpft, Spanien ist mit einem Quintett am Start, Italien, Ungarn und die Schweiz stellen vier Athletinnen. Große Nationen wie Frankreich oder die Niederlande verzichten sogar gänzlich, drei vorgesehene Startplätze bleiben leer. Durch die vielen Absagen und Streichungen insbesondere im hinteren Teil des Mittelfeldes droht ein unausgewogenes Feld. Denn einige sind ins Starterfeld hineingerutscht, die nicht damit gerechnet haben dürften.

Risikominimierung

Julia Mayer sollte davon keinesfalls betroffen sein. Führt sie ihre Analyse ihrer Vorbereitung und ihr Bauchgefühl nicht komplett in die Irre – was im hoch technischen und datenbasierten Zeitalter sehr unwahrscheinlich ist – und stimmt die Tagesverfassung am 16. August, sollte sie beim EM-Marathon eine Protagonistin im vorderen Teil des Feldes sein. Und wer weiß, was bei diesem so unvorhersehbaren Marathon am Ende wirklich passiert.

Die Niederösterreicherin ist sich sicher, dass die Begebenheiten für die europäische Elite keine entscheidende Rolle spielt. „Die Stars sind stark genug, um bei jedem Wettkampf vorne mitzulaufen. Aber im großen Mittelfeld – und dazu zähle auch ich mich – bin ich mir fast sicher, dass viele Risiko in Kauf nehmen und in der Schlussphase einbrechen werden. Ganz nach dem Motto ,Hopp oder Top‘. Ich werde das sicherlich nicht machen – und hoffentlich davon profitieren!“

Autor: Thomas Kofler
Bilder: © ÖLV / Sona Maléterova, © Linz Marathon / Klaus Mitterhauser

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