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Viel hat nicht gefehlt und Österreichs Laufszene hätte am gestrigen Laufsonntag, mit den beiden größten Marathonveranstaltungen hierzulande im Herbst, einen neuen ÖLV-Rekord gefeiert. Julia Mayer gewann in Graz den Halbmarathon in einer Zeit von 1:11:16 Stunden, sieben Sekunden hinter ihrem vom Barcelona Halbmarathon 2024 her stammenden österreichischen Rekord. Mit der Nettozeit war es sogar noch knapper.
Gemeinsame Interessen verbinden – und so hatte Julia Mayer (DSG Wien) in der steirischen Landeshauptstadt mit dem großgewachsenen Mario Bauernfeind (ÖBV Pro Team), unterstützt von derselben Sportmarke, einen idealen Tempomacher. Aus zwei Gründen war das eine wertvolle Mithilfe: Als psychologische Unterstützung, denn das Rennen fühlte sich für die 32-Jährige laut ihrem Interview mit dem ORF Steiermark bereits nach Kilometer fünf „zach“ an und zweitens als Leitorientierung in der Schlussphase, als die Halbmarathon-Spitze sich in den engen Gassen der Grazer Innenstadt durch den hinteren Teil des Viertelmarathonfeldes pflügen musste. Beides funktionierte gut und Mayer goss ihre bereits dritte eindrucksvolle Wettkampfleistung seit der Rückkehr vom WM-Marathon in Tokio vor weniger als einem Monat in eine tolle Zeit: 1:11:16 Stunden. Davor hatte sie bereits beim Night Run in Wien und bei den 10km-Meisterschaften in Amstetten überzeugen können.
Damit gab es keine Fragen ob der Siegerin: Die ÖLV-Rekordhalterin legte fast neuneinhalb Minuten zwischen sich und die zweitplatzierte Steirerin Maria Hochegger (Running Team Lannach, unten versehentlich rechts im Bild). Auf dem Weg zum Valencia Marathon, den Österreichs schnellste Marathonläuferin wohl anpeilt, ist die Halbmarathonzeit von Graz ein sehr positives Zeichen für ihre starke Grundverfassung im Laufherbst 2025.

Erste Medienberichte vom gestrigen Graz Marathon wiesen Julia Mayer eine Zeit von 1:11:11 Stunden zu, in der offiziellen Ergebnisliste werden immer noch die Nettozeiten geführt – im Falle der Siegerin eine Zeit von 1:11:11,6 Stunden (im Laufsport ist auf Basis der Regularien eine generelle Aufrundung auf eine volle Sekunde Standard und Usus).
Laut Ergebnisliste ist Julia Mayers offizielle Zeit von gestern die Bruttozeit von 1:11:15,2 Stunden, also 1:11:16 Stunden. Nachdem der Kleine Zeitung Graz Marathon aber nicht im Global Calendar von World Athletics aufscheint, wird ihre Leistung international keine offizielle Anerkennung erhalten. In die ÖLV-Bestenlisten wird die Leistung dagegen aufgenommen, da der Graz Marathon über ein gültiges Vermessungsprotokoll der Strecke verfügt.
Da Julia Mayer laut Ergebnisliste von Maxfun Timing auf der Startlinie mit einer Zwischenzeit von 3,5 Sekunden gestoppt wurde, obwohl sie direkt hinter Mario Bauernfeind aus der zweiten Reihe gestartet ist, lässt erahnen, dass die Leistung der Olympia- und WM-Teilnehmerin in Realität etwas besser war als die Zeit, die nun offiziell da steht – nämlich gemäß der nationalen und internationalen Regularien die Bruttozeit von 1:11:16 Stunden.
Bauernfeind bog kurz vor dem Halbmarathon-Ziel auf die zweite Runde und absolvierte mit einem negativen Split den Marathon, den er erwartungsgemäß als bester Österreicher auf Platz vier finishte. Mit der Zeit von 2:20:06 Stunden konnte der 34-Jährige gut leben, schließlich lag zwischen dem Berlin Marathon vor drei Wochen und dem recht spontanen Start in Graz neben der Regenerationsherausforderung auch noch ein Familienurlaub. „Ich hab die Stimmung sehr genossen und bin sehr zufrieden, wie es heute gelaufen ist. Ab Kilometer 21 bin ich mein eigenes Rennen gelaufen und konnte mich steigern.“ Steirischer Landesmeister wurde der sechstplatzierte Georg Schrank (runninGraz) in einer Zeit von 2:30:57 Stunden.
Bauernfeinds Marathonkollegen Andreas Vojta (team2012.at) und Peter Herzog (Union Salzburg) waren Teil der siegreichen Hyundai-Staffel. Angelaufen wurde sie von Markus Hartinger (LTV Köflach), Etappe Nummer zwei übernahm Vojtas junger Vereinskollege Markus Reißelhuber, ehe die beiden Routiniers die Staffel in einer Gesamtzeit von 2:12:53 Stunden als klare Sieger des Bewerbs finishten.

Im Halbmarathon, mit 4.812 Finishern der mit Abstand größter Bewerb des Wochenendes, konnte Seriensieger Markus Hartinger keinen weiteren Erfolg einfahren. Der 37-jährige Steirer belegte in einer Zeit von 1:08:34 Stunden den zweiten Platz hinter Felix Geieregger (run2gether), der im Zielinterview Hartinger als Vorbild für den steirischen Laufsport und sich selbst als die Zukunft des steirischen Laufsports bezeichnete. Mit einer Zeit von 1:06:40 Stunden steigerte Geieregger seine persönliche Bestleistung um über eine Minute. „Für mich ist diese Veranstaltung wie ein Heimrennen – ich bin fünf Jahre lang in Graz zur Schule gegangen“, fühlte sich der 24-Jährige sehr wohl.
Im Marathon der Frauen gelang der steirischen Vorjahressiegerin Karin Rosenberger (Running Team Lannach) als Zehnte dieses Mal kein Sieg. Landesmeisterin wurde die drittplatzierte Julia Bruhn (runninGraz) in 2:51:36 Stunden. Dafür gab es ein spannendes Zeichen für die heimische Marathonszene von Lemuela Wutz (DSG Wien). Die Läuferin und Triathletin lief in Graz recht spontan ihren ersten Marathon, der eigentlich für Valencia im Dezember vorgesehen war. Die 27-Jährige finishte – mit der Startnummer in der Hand und nicht regeltechnisch korrekt montiert am Oberkörper! – in einer Zeit von 2:44:41 Stunden als Siegerin, damit liegt sie knapp außerhalb der Top-20 der ÖLV-Bestenliste.

Im mit einem sechsköpfigen Elitefeld kenianischer Athleten besetzten Marathon der Männer entwickelte sich ein Rennen ganz im Zeichen von Peter Wahome vom run2gether-Team, der sich als klar Stärkster des Tages als Solist in einer Zeit von 2:11:00 Stunden ins Ziel kämpfte. Nach einer Halbmarathon-Durchgangszeit von knapp über 1:05 Stunden verlor er im Finale etwas an Zeit im Vergleich zu den eigenen Ambitionen, zeigte sich dennoch zufrieden mit seiner Leistung.
Vor zwei Jahren war der 40-Jährige beim Graz Marathon Zweiter. Hinter ihm folgten Evans Kibet (2:16:10) und Tempomacher Simon Thuku (2:16:39) ins Ziel, der ehemalige Sieger Charles Juma hatte keine Chance und musste sich mit Platz fünf zufrieden geben. Mit 1.138 Marathon-Finishern erreichte der Graz Marathon auch in der Königsdisziplin eine vierstellige Teilnehmer:innenzahl.
Mit 13.851 angemeldeten Teilnehmer:innen, darunter über 2.000 Kinder, feierte der Kleine Zeitung Graz Marathon in seiner 32. Auflage das größte Lauffest in seiner Veranstaltungsgeschichte. 45 verschiedene Nationalitäten waren an den letzten beiden Tagen in der steirischen Landeshauptstadt im Feld der Aktiven. „Gesundheit und Bewegung liegen voll im Trend“, so Organisator Michael Kummerer, der die tolle Stimmung in Graz betonte.

Mehr als 1.000 Helfer:innen waren am Sonntag laut des Veranstalters im Einsatz. Ältester Teilnehmer war „Dauerbrenner“ Julius Holzner, der im Alter von 93 Jahren einen Viertelmarathon finishte. Laut eigenen Angaben hat der Graz Marathon bereits 2024 einen wirtschaftlichen Wert von rund 6,5 Millionen Euro für Stadt und Land erzeugt.
Autor: Thomas Kofler
Bilder: © Graz Marathon / GEPA Pictures