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Julia Mayer und Aaron Gruen laufen WM-Marathon

Dank Julia Mayer und Aaron Gruen sind die rot-weiß-roten Farben in beiden Marathon-Entscheidungen bei der WM in Tokio vertreten: Sonntag und Montag.
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Wer Julia Mayer bei ihrem zweiten WM-Marathon und Aaron Gruen bei seiner Premiere im Dress des ÖLV-Nationalteams die Daumen drücken möchte, braucht Ausdauer. Denn die Entscheidungen im Marathon sind am Morgen japanischer Zeit angesetzt, wodurch die Startzeit in die europäische Nacht fällt. Von Samstag auf Sonntag um 1:30 Uhr mitteleuropäischer Zeit läuft Julia Mayer den Marathon der Frauen, exakt 24 Stunden später fällt der Startschuss für den Marathon der Männer.

Eines der dominierenden Themen im Vorfeld der Marathon-Entscheidungen sind die prognostizierten Temperaturen. Julia Mayer (DSG Wien) bereitet sich darauf vor, dass sie noch während des Wettkampfs den 30er knacken. Noch im Hinterkopf, dass die Olympischen Marathon-Entscheidungen, freilich ein Monat früher, vor vier Jahren von Tokio ins nördlichere Sapporo ausgelagert wurden, hat der Spätsommer die japanische Hauptstadt fest im Griff. Selbst in der Nacht fallen die Temperaturen nicht weit unter 30°C, was einen Marathonlauf zur enormen Herausforderung macht. Dazu kommt die hohe Luftfeuchtigkeit, die eine zusätzlich große Belastung auf den Körper ist. Wer am Sonntag bzw. am Montag bei einer Wettkampfzeit von deutlich über zwei Stunden erfolgreich sein will, muss nicht nur seine Leistung bringen, sondern auch mit den Ausnahmebedingungen gut umgehen können. Wettkämpfe mit etlichen Aufgaben und Überraschungen sind erwartbar. Als erste kleine Maßnahme hat World Athletics die ursprüngliche Startzeit von 8 Uhr auf 7:30 Uhr Ortszeit korrigiert.

RunUp.eu-Lesetipp: Die Vorschau auf die WM 2025

Einmalige Bedingungen

Für Julia Mayer ist der WM-Marathon der erste Marathonlauf seit den Olympischen Spielen vor 13 Monaten und könnte sich idealerweise für einen Wendepunkt eignen, nach schwierigen Monaten wieder Schwung aufzunehmen. Nach der beachtlichen Generalprobe bei Kärnten Läuft (siehe RunUp.eu-Bericht) flog die Österreicherin frühzeitig nach Japan, um sich an Zeitzone und Bedingungen zu gewöhnen. Sie weiß, was auf sie zukommt, wie sie dem österreichischen Laufsport-Journalisten Olaf Brockmann vor Ort erzählte: „Man kann diese Bedingungen nicht mit jenen in Europa vergleichen. Es ist die Mischung von Hitze und Luftfeuchtigkeit, die einen fertig macht.“ So etwas habe sie noch nie verspürt. „Ich laufe gerne, wenn es warm ist. Aber bei einer solchen Hitze werde ich nie mehr im Leben einen Marathon bestreiten!“

Noch vor Abflug Richtung Japan sprach sie im Interview mit dem ORF davon, „in der Form ihres Lebens“ zu sein und entfachte damit die Hoffnungen auf ein gutes Abschneiden in einem in der Dichte starken Feldes. „Ich möchte besser sein als vor zwei Jahren in Budapest, das hab ich definitiv drauf“, sagte die 32-Jährige weiter. Ein realistisches Ziel, denn damals, ebenfalls bei hochsommerlichen Temperaturen, verlor die Österreicherin im Finale geplagt von Bauchkrämpfen viel Zeit. Die WM-Strecke in Tokio ist von der Charakteristik her weniger selektiv als jene von vor zwei Jahren und deutlich einfacher als der Olympische Kurs von Paris. Auf einer recht flachen Strecke kommt kurz vor dem Ziel mit einer spürbaren Steigung aber eine große Herausforderung auf das Feld zu – vielleicht ein Scharfrichter im Kampf um die Medaillen.

Die WM-Marathons von Tokio:

  • Sonntag, 14. September, 0:30 MEZ – Marathonlauf der Frauen (mit Julia Mayer)
  • Montag, 15. September, 0:30 MEZ – Marathonlauf der Männer (mit Aaron Gruen)

Äthiopische Favoritinnen

An der Spitze ist der Marathon der Frauen wesentlich besser besetzt als der Marathon der Männer. Mit der ehemaligen Weltrekordhalterin Tigst Assefa und Sutume Kebede schickt das äthiopische Team die Weltranglistenführende und die Weltranglistendritte ins Rennen. Dazu kommt Tigist Ketema, die Drittbeste der Anwesenden in der Weltrangliste. Kenias Team wird angeführt von Peres Jepchirchir, die vor vier Jahren in Sapporo Olympiasiegerin wurde. Außerdem ist die ehemalige VCM-Siegerin Magdalyne Masai am Start.

RunUp.eu-Tipp: Die Leichtathletik-Weltmeisterschaften werden im ORF, im deutschen Rundfunk und auf Eurosport im Free-TV übertragen.

WM-Premiere für Gruen

Aaron Gruen (ÖBV Pro Team) hat sich im Rahmen des McKirdy Marathon im März mit seinem neuen ÖLV-Rekord von 2:09:53 Stunden für die Weltmeisterschaften qualifiziert. Mit dieser Leistung hob er seinen Schnitt der Weltranglistenpunkte so an, dass er in das Teilnehmerfeld für Tokio rutschte. Außerdem erfüllte er das verbandsinterne Leistungskriterium einer Marathonzeit unter 2:10 Stunden.

Der in den USA lebende und studierende Gruen ist bei seiner Premiere für Österreichs ein krasser Außenseiter. Da er in seinem neuen Studium an der renommierten Harvard Medical School keine Extra-Auszeit bekommt, ist seine Reise von Boston in die japanische Hauptstadt minimalistisch getimt. Er kommt buchstäblich, um den Marathon zu laufen, und fliegt wieder zurück. In der Vorbereitung schenkte Gruen der Simulation der Bedingungen große Aufmerksamkeit. „Es wird aufgrund der Bedingungen sicherlich ein harter Marathon, eine besondere Herausforderung für alle, die am Start stehen“, sagte Gruen in einer Videobotschaft an den ORF für die Pressekonferenz des Österreichischen Leichtathletik-Verbandes am 2. September. „Ich fühle mich gut vorbereitet und bin sehr zufrieden mit dem gesamten Trainingsblock.“ Als Zielsetzung nannte der Debütant, so viele Rivalen wie möglich hinter sich zu lassen.

Offenes Rennen

Titelverteidiger ist Victor Kiplangat aus Uganda, eines der Aushängeschilder seines Landes bei diesen Titelkämpfen, nachdem seine prominenten Landsleute Joshua Cheptegei und Jacob Kiplimo ihre WM-Starts abgesagt haben. Wie immer bei WM-Marathons verzichten viele der Stars, die einen vom Prestige und auch den Einkommensmöglichkeiten lukrativen Herbstmarathon bevorzugen, auf ein Antreten. Den klaren Gold-Favoriten gibt es nicht, nicht nur wegen den schweren Bedingungen ist das Feld der Medaillenaspiranten breit. Äthiopien schickt Tadese Takele, Deresa Geleta und Tesfaye Deriba ins Rennen, Kenia hat Vincent Ngetich, Erick Sang und Kennedy Kimutai am Start – also jeweils nicht die erste Garde. Als Meisterschaftsspezialist hat sich bereits des öfteren Alphonce Felix Simbu aus Tansania präsentiert.

Aus Europa haben der britische Olympia-Vierte Emile Cairess und Maru Teferi aus Israel Medaillenchancen, auch der ehemalige deutsche Rekordhalter Amanal Petros und sein Landsmann Richard Ringer kommen für eine vordere Platzierung in Frage.

Autor: Thomas Kofler
Bild: © Olaf Brockmann

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