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Kamworor und Gebrhiwet überzeugen in Halbmarathons

13 Jahre nach seinem ersten Sieg hat Geoffrey Kamworor erneut den Ras Al Khaimah Halbmarathon gewonnen. Seine Weltjahresbestzeit hielt wenige Stunden.
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Am 15. Februar 2013 war Geoffrey Kamworor frische 20 Jahre jung und trotzdem bereits kein Geheimtipp mehr. 58:54 Minuten lautete seine damalige Siegerzeit, ihrerzeit absolute Weltklasse. Mit seinem Sieg beim Berliner Halbmarathon 2011 und zwei folgenden Halbmarathons unter einer Stunde sowie Platz drei beim Berlin Marathon als 19-Jähriger hatte er bereits Spuren hinterlassen, die ihn damals zum hoffnungsvollen Talent machten. Seine Versprechen machte der Kenianer wahr. Doch der Sieg beim RAK Halbmarathon 2026, auf den Tag genau 13 Jahre später, ist ein besonderer. Eine Rückkehr im doppelten Sinne, die ihm eine Weltjahresbestzeit brachte, bis der Äthiopier Hagos Gebrhiwet wenige Stunden später in Barcelona noch einmal um neun Sekunden schneller lief als die 58:14 Minuten Kamworors am Persischen Golf. Schneller ist dort bisher nur Jacob Kiplimo im Jahr 2022 gelaufen.

„Es ist schon sehr speziell. Ich bin überglücklich!“ So freudestrahlend und gelassen wie im Siegerinterview nach seinem tollen Auftritt beim Ras Al Khaimah Halbmarathon hat man Geoffrey Kamworor lange nicht gesehen. Und das, obwohl sein breites Lachen einst sein Erkennungsmerkmal war. In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrzehnts dominierte der Kenianer, gewann dreimal den Halbmarathon-WM-Titel und zweimal den Crosslauf-WM-Titel. Zweimal siegte er beim New York City Marathon. Als Teamkollege und Trainingspartner Eliud Kipchoges war er der designierte Erbe der Marathon-Legende.

Der dramatische Trainingsunfall

Doch dann kam der Sommer 2020 mit einer verhängnisvollen Trainingseinheit im Morgengrauen. In der COVID-Zeit folgerichtig alleine auf den Straßen im kenianischen Hochland unterwegs, wurde Geoffrey Kamworor beim Lauftraining von einem Motorrad angefahren, sein Unterschenkel war zertrümmert. Seine Leistungssportkarriere hing am seidenen Faden. Nach multiplen operativen Eingriffen führte ihn ein schier ewig langer Weg der Rehabilitation zurück in den Wettkampfsport, was ohnehin schon beachtlich war. Doch die grandiosen Erfolge davor verbanden sein Comeback mit höchsten Erwartungen, sowohl in Kenia als auch auf der Weltbühne.

Und plötzlich lief es nicht mehr wie geschmiert. Platz vier beim Valencia Marathon 2021 in 2:05:23 Stunden, WM-Fünfter im Marathon 2022, nachdem er davon beim Boston Marathon eine schwere Niederlage erlitten hatte, Rang vier bei den Crosslauf-Weltmeisterschaften 2023 – nach drei Medaillen in Folge. Es war Geduld gefragt. Platz zwei beim London Marathon 2023 war das erste Signal, dass ein nächster Schritt in die richtige Richtung gelungen ist. Eineinhalb Jahre lang folgte kein weiterer Marathon, Platz fünf beim New York City Marathon 2024 war nicht das Gelbe vom Ei. Der Triumph beim Rotterdam Marathon im April 2025 dagegen schon eher, Platz sieben beim Chicago Marathon ging im Weltrekordversuch von Jacob Kiplimo völlig unter.

RAK Halbmarathon 2026

Neuer Asienrekord

Dieser Kontext ist eine verständliche Erklärung für das strahlende Gesicht Kamworors. Mit einem Steigerungslauf im Wettkampf erzielte die zweitschnellste Halbmarathonzeit seiner Karriere. Besser war er nur 2019 bei seinem Sieg beim Kopenhagen Halbmarathon. Die Endzeit von 58:14 Minuten, 40 Sekunden schneller als bei seinem ersten RAK-Sieg, bedeutet eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 2:46 Minuten pro Kilometer, die letzten davon im Alleingang, davor lange unterstützt von Trainingspartner Edwin Kipsaiak, der als Tempomacher fungierte.

Geoffrey Kamworor:
5km-Splits: 13:50 / 13:52 / 13:43 / 13:48 / 3:01 (1,0975 km) Minuten

Als Zweiter überquerte Birhanu Balew die Ziellinie, der mit einer Zeit von 58:23 Minuten den Asienrekord seines bahrainischen Landsmanns Abraham Cheroben um 17 Sekunden verbesserte. Rang drei sicherte sich der bärenstarke 22-jährige Debütant Gideon Rono aus Kenia in 58:38 Minuten, auch Jemal Mekonen aus Äthiopien und Samwel Masai aus Kenia blieben unter 59 Minuten. In dieser Anhäufung bei einem Rennen ist das eine Seltenheit.

Blick in die Zukunft

„Ich habe sehr gut trainiert die letzten Wochen und war daher sehr selbstbewusst, dass es ein schnelles Rennen werden würde. Ich wollte eine Topzeit und ich wollte gewinnen“, kommentierte der 33-jährige, fünffache Familienvater, der die schnelle und flache Strecke in Ras Al Khaimah lobend hervorhob. Er sei dankbar, noch einmal die Chance bekommen zu haben, auf ihr zu laufen.

Nun sind die Blicke des kenianischen Stars auf den 26. April gerichtet. Dann nämlich läuft Geoffrey Kamworor den mit Topstars überfluteten London Marathon. Dort bilden Titelverteidiger Sabastian Sawe und Jacob Kiplimo, beides Weltrekord-Aspiranten, und Olympiasieger Tamirat Tola ein faszinierendes Dreiergespann an der Spitze des Elitefelds.

Vielleicht ist Geoffrey Kamworor mit seinem Sieg beim RAK Halbmarathon endgültig wieder zurück auf der Bühne der Allerbesten – und kann auch im Marathon eine gewichtige Rolle in der Frage nach dem Sieg einnehmen: „Ich glaube, dass ich schneller laufen kann als meine persönliche Bestleistung.“ Diese liegt bei 2:04:23 Stunden, gelaufen auf dem Marathonkurs in der britischen Hauptstadt vor drei Jahren. Und dann verfolge er noch ein großes Ziel, wie er am Wochenende betonte: der Olympische Marathon 2028 in Los Angeles.

Äthiopischer Doppelsieg

Der RAK Halbmarathon der Frauen endete mit dem Doppelsieg des äthiopischen Duos Asmarech Anley (1:07:22) und Melknat Wudu (1:07:27). Magdalena Shauri aus Tansania, die überwiegend von vorne lief und das Tempo machte, komplettierte als Stockerl (1:07:32). Es ist der größte Sieg in der noch jungen Karriere der 21-Jährigen.

Ohne Topstars an der Spitze des Feldes – Ex-Weltrekordhalterin Ababel Yeshaneh und Likina Amebaw, beide aus Äthiopien, hatten absagen müssen – war dies die „langsamste“ Siegerzeit bei diesem, zu den prestigeträchtigsten Halbmarathonläufen der Welt zählenden Events, auf dem schon dreimal der Frauen-Weltrekord gebrochen wurde, seit der zweiten Austragung des Events im Jahre 2008.

Ein neues Hoch für Hagos Gebrhiwet

Laufsportfans, die seit vielen Jahren bei den wichtigsten internationalen Entscheidungen am TV-Schirm kleben, kennen sein Gesicht. Dunkle Haare, oft ernste und leicht angestrengte Miene. Hagos Gebrhiwet ist, angesichts der folgenden Aufzählung seiner Erfolge liegt die Betonung auf „erst“, 31 Jahre alt. Er gewann WM-Silber 2013, WM-Bronze 2015, Olympisches Bronze 2016, das Diamond-League-Finale 2016 (alle 5.000m) und war seither bei zwei weiteren Weltmeisterschaften und bei den Olympischen Spielen 2024 Teil des äthiopischen Teams, für das bekanntlicherweise eine Qualifikation kein Selbstläufer ist. 2023 wurde Gebrhiwet erster Weltmeister im 5km-Straßenlauf, 2024 brach er den äthiopischen 5.000m-Rekord, der weiterhin seiner ist.

2023 trat er ein in die Welt des Halbmarathons und tat dies gleich mit einem Ausrufezeichen. Beim Granollers Halbmarathon in Spanien triumphierte er mit einer Zeit von 58:55 Minuten. Ein halbes Jahr später war er Teil eines fantastischen Halbmarathonrennens in Valencia. Mit einer Weltklassezeit von 57:41 Minuten erreichte er „nur“ Platz drei. Der gestrige Auftritt beim Barcelona Halbmarathon war sein erster im Halbmarathon seither und er hatte dieselbe Güteklasse.

Hagos Gebrhiwet:
5km-Splits: 13:54 / 13:25 / 13:49 / 13:54 / 3:02 (1,0975 km) Minuten

Dieses Mal profitierte er nicht von der wohl stärksten Halbmarathonspitze aller Zeiten, die das Rennen in Valencia damals so schnell machte, sondern stürmte im Alleingang zu einer Weltjahresbestleistung von 58:05 Minuten. Doch noch ist die nicht vom Leichtathletik-Weltverband anerkannt. Mag sein, dass man bei World Athletics genauer hinschaut. Denn auf die Anerkennung des Weltrekords von Jacob Kiplimo im Vorjahr hat man nach langem Ringen verzichtet (siehe RunUp.eu-Bericht).

Apropos Weltrekord: Dieser liegt nun wieder bei einer Zeit von 57:30 Minuten und diese Marke hatte der Äthiopier tatsächlich fest im Blick, als er die Zwischenzeit bei Kilometer zehn in einer grandiosen Zeit von 27:19 Minuten überquerte. Doch dieses Tempo konnte er auf der zweiten Streckenhälfte im Alleingang nicht ganz halten. „Es war ein wunderschönes Rennen. Mein oberstes Ziel war, als Erster ins Ziel zu laufen. Natürlich wollte ich auch unter 58 Minuten bleiben und habe an den Weltrekord gedacht, aber gegen Ende hin hab ich die Ermüdung schon gespürt“, sagte Gebrhiwet nach dem Rennen.

Europäer mit starken Leistungen

Eine starke Leistung lieferte Dominic Lobalu ab, der nach dem suboptimalen Verlauf der letzten Saison nun mit einem starken Achtungszeichen aufwartete, wenngleich er den Kurs Europarekord, den er auf den ersten zehn Kilometern eingeschlagen hatte, nicht halten konnte. Der Schweizer, der bereits einmal eine Zeit von 59:12 Minuten gelaufen ist, bevor er die Staatsbürgerschaft seiner neuen Heimat erhalten hatte, verbesserte sich mit einer Zeit von 59:26 Minuten auf die geteilte Position drei in der ewigen europäischen Bestenliste im Halbmarathon hinter dem Schweden Andreas Almgren und seinem Landsmann Julien Wanders.

Europäische Halbmarathon-Bestenliste der Männer

  • 58:41 Minuten – Andreas Almgren (Schweden), Valencia 2025
  • 59:13 Minuten – Julien Wanders (Schweiz), Ras Al Khaimah 2019
  • 59:26 Minuten – Yemaneberhan Crippa (Italien), Neapel 2022
  • 59:26 Minuten – Dominic Lobalu (Schweiz), Barcelona 2026
  • 59:31 Minuten – Amanal Petros (Deutschland), Berlin 2025)
  • 59:32 Minuten – Mo Farah (Großbritannien), Lissabon 2015
  • 59:37 Minuten – Emmanuel Roudolff (Frankreich), Barcelona 2026
  • 59:39 Minuten – Carlos Mayo (Spanien), Valencia 2023
  • 59:40 Minuten – Morhad Amdouni (Frankreich), WM-Halbmarathon 2020
  • 59:40 Minuten – Samuel Barrata (Portugal), Valencia 2023

Lobalu hatte sich in den letzten Jahren mit Fokus auf die Europameisterschaften und Olympischen Spiele 2024 auf die Bahndistanzen konzentriert. Zum ersten Mal seit fast drei Jahren lief er einen Halbmarathon, der nicht nach Beendigung der Bahnsaison angesetzt war, und erzielte seine zweite Leistung unter einer Stunde.

Französischer und australischer Rekord

Dritter wurde Emmanuel Roudolff aus Frankreich, der mit einer Leistung von 59:37 Minuten seinen Sieg beim Sevilla Halbmarathon vor zwei Wochen bestätigte. Es ist seine erste unterhalb der Stunden-Marke, die ihn mit einer Verbesserung des französischen Rekords von Morhad Amdouni aus dem Jahr 2020 auf Position sechs der ewigen europäischen Bestenliste katapultierte.

Auf Platz vier erreichte der ehemalige VCM-Sieger Samwel Mailu das Ziel in einer Zeit von 59:42 Minuten, insgesamt blieben sieben Athleten unter einer Stunde. Darunter befand sich auch Jack Rayner, der den australischen Rekord von Brett Robinson um vier Sekunden auf eine Zeit von 59:53 Minuten verbesserte, den Ozeanienrekord des Neuseeländers Jake Robertson aber um sechs Sekunden verpasste. Der überraschende Sieger des Florenz Marathon 2025, Badr Jaafari aus Italien, erzielte in einer Zeit von 1:01:09 Stunden eine neue persönliche Bestleistung.

Neuer Streckenrekord für Chemnung

Richtig schnell gelaufen wurde bei optimalen äußeren Bedingungen auch bei den Frauen, ebenfalls Weltjahresbestleistung. Topfavoritin Loice Chemnung, die nach der Rückkehr aus der Mutterschaftspause vor einem Jahr immer stärker wird, zauberte eine Zeit von 1:04:01 Stunden auf den Asphalt der katalanischen Hauptstadt. Das ist die achtschnellste Halbmarathonzeit der Geschichte, eine persönliche Bestleistung um 1:45 Minuten. Aber, dass die 28-Jährige jede Menge drauf hat, hat sie in einer Reihe hochklassiger 10km-Läufe und als Vierte des Chicago Marathon 2025 bereits bewiesen. Die Kenianerin blieb zwölf Sekunden unter dem bisherigen Streckenrekord ihrer Landsfrau und Vorjahressiegerin Joyciline Jepkosgei.

Loice Chemnung:
5km-Splits: 15:22 / 14:49 / 15:07 / 15:24 / 3:17 (1,0975 km) Minuten

US-Rekord durch Kelati

Viel drauf hat im Halbmarathon auch Weini Kelati, die als Zweite in 1:06:04 Stunden ihren eigenen, 13 Monate alten US-Rekord um fünf Sekunden verbesserte. Die zweitbeste Amerikanerin, Roe Taylor, erzielte eine Zeit von 1:06:52 Stunden und damit bereits ihre zweite starke Halbmarathonleistung nach jener im Houston in diesem Jahr. Zwischen Kelati und ihr platzierte sich die Äthiopierin Diniya Kedir.

Ein fantastisches Rennen gelang auch Marathon-Olympia-Teilnehmerin Domenika Mayer, die sich mit einer persönlichen Bestleistung von 1:08:08 Stunden auf Position fünf der ewigen deutschen Bestenliste verbesserte – eineinhalb Minuten schneller als bisher in dieser Disziplin. „Endlich habe ich schwarz auf weiß, was wir schon lange wussten, was in mir steckt“, wird die 35-Jährige auf der Website des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) zitiert und sprach von einem „guten Tag“.

Mekdes Woldu schaffte in einer Zeit von 1:08:36 Stunden nur um 16 Sekunden keinen französischen Rekord und ist nun die Nummer drei der nationalen Bestenliste. Berglauf-WM-Medaillengewinnerin Oria Liaci aus der Schweiz überraschte mit einer Zeit von 1:10:31 Stunden und liegt nun auf Platz drei der ewigen Schweizer Bestenliste.

Barcelona Halbmarathon

Der Hyundai Halbmarathon Barcelona by Brooks hat sich als einer der größten und wichtigsten Halbmarathonläufe Europas etabliert. Mit 36.000 Teilnehmer:innen erzielte die Veranstaltung neben der starken spitzensportlichen Leistungen einen deutlichen neuen Anmelderekord.

Autor: Thomas Kofler
Bild: © RAK Halbmarathon

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