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Kein Marathonsieg für Eliud Kipchoge in Sydney

Bei seinem Australien-Debüt konnte Eliud Kipchoge sportlich nicht überzeugen. Der zweite Star des Sydney Marathon, Sifan Hassan, dagegen triumphierte.
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Die erhoffte Rückkehr auf die Siegerstraße ist Marathon-Legende Eliud Kipchoge am 31. August in Sydney nicht geglückt. Der Auftritt des Kenianers beim neuen Major war für den Veranstalter dennoch ein großer Erfolg. Der zweite Star des Tages, Olympiasiegerin Sifan Hassan, überzeugte mit einem deutlichen Streckenrekord.

Die Legende ist zu einer Mission aufgebrochen, einer besonderen. Seit Jahren hat Eliud Kipchoge die Ambition, überall dort, wo er auftritt, nicht nur zu gewinnen, sondern zu inspirieren. Mit der Freude am Laufen, mit der Friedlichkeit und mit dem Verbindenden des Laufsports. Dieses Mal inszenierte die Marathon-Reise nach Australien fast die Story der Entdeckung eines neuen Kontinenten.

Noch nie zuvor war der zweifache Olympiasieger in „Down Under“, der Sydney Marathon erwartete sich von der namhaften Verpflichtung, dass der Funke der Inspiration Kipchoges auf die australische Laufcommunity überspringt, die – der Sydney Marathon ist das markanteste Beispiel – gerade ohnehin im enormen Wachstum ist. Die Begeisterung in Australien ob der Teilnahme von Kipchoge war aber zweifelsohne sichtbar, der Veranstalter sprach von rund 300.000 Zuschauer*innen am Streckenrand. „Ich werde helfen, Australien zu einer Laufnation zu machen. Ich denke, dass haben wir mit dem Sydney Marathon geschafft“, so Kipchoge nach dem Rennen.

Die Premiere

Erstmals fand der nach den Olympischen Spielen im Jahr 2000 etablierte Sydney Marathon 2025 als Teil der World Marathon Majors statt. Nach einer dreijährigen Bewerbungsphase anhand von strikten Kriterien wurde die nun größte australische Laufveranstaltung im vergangenen Jahr in den exklusiven Kreis der selbsternannten World Marathon Majors aufgenommen. Als siebte Station ergänzt der Sydney Marathon mit 35.000 Teilnehmer*innen in diesem Jahr als erster bedeutender Marathon der südlichen Hemisphäre den bisherigen Kalender mit dem Tokio Marathon, dem Boston Marathon, dem London Marathon, dem Berlin Marathon, dem Chicago Marathon und dem New York City Marathon. Die World Marathon Majors streben nach weiterer Erweiterung: Bewerbungsphasen laufen mit dem Kapstadt Marathon und dem Shanghai Marathon.

Einzigartige Strecke

Der Auftritt gelang und die Teilnahme am Sydney Marathon passte hervorragend ins spitzensportliche Portfolio Kipchoges. Aushängeschild bei der Premiere als World Marathon Major, Abwechslung zu den letzten Jahren. Nur das Endergebnis passt irgendwie nicht dazu. Anstatt als Sieger über die Ziellinie vor der weltbekannten Oper zu laufen, erreichte der Rekordsieger bei World Marathon Majors das Ziel als Neunter in einer Zeit von 2:08:31 Stunden. Bereits nach dem Ausstieg der Tempomacher bei Kilometer 30 konnte der Star dem Tempo der Spitze nicht mehr folgen.

Für den erfolgsverwöhnten Superstar ist die Serie von nun fünf Marathonläufen ohne Sieg eine absolute Premiere – und Folge seiner biologischen Entwicklung. Schließlich ist Eliud Kipchoge offiziell bereits fast 41 Jahre alt und damit nicht mehr im besten Wettkampfalter. Aber: Nicht zum ersten Mal hatte der Kenianer Schwierigkeiten mit selektiven Marathonkursen. In Sydney stehen mehr Höhenmeter auf dem Programm als auf den bekannt herausfordernden Strecken in Boston oder New York. „Ein wahrlich einzigartiger und wunderschöner Kurs!“, so Kipchoge im „The Guardian“.

TCS Sydney Marathon presented by ASICS

„Muss niemanden etwas beweisen“

Als Eliud Kipchoge beim Hamburg Marathon 2013 die Bühne des Marathons betrat, begann eine einzigartige Erfolgsserie in dieser Disziplin. Mit nie da gewesener Dominanz. Nun hat er 23 Marathonläufe auf internationalem Parkett in den Beinen und der Nimbus der Unbesiegbarkeit ist längst vergangen. Sydney war nur das letzte von mehreren Zeichen, dass der nun 40-Jährige im Generationenduell gegen Jüngere unweigerlich ins Hintertreffen gelangt ist. „Ich habe niemandem mehr etwas zu beweisen“, sagte Kipchoge dem „The Guardian“. Es sei ein Privileg, in seinem Alter noch so schnell laufen zu können.

Eine Inspiration

Spekulationen darüber, dass dies der letzte Marathon Kipchoges als Leistungssportler gewesen sein könnte, trat er in Medien selbst entschieden entgegen. Gegenüber Wide World of Sports, zitiert im australischen TV-Sender „9“, sagte der Kenianer, er wolle weiterhin Menschen inspirieren, jede Metropole der Welt besuchen, um die Botschaft des Laufens als Bewegung an möglichst viele zu verteilen. „Bei meinem Erbe geht es nicht um Medaillen, nicht um Rekorde, nicht um schnell laufen. Es geht primär darum, aus der eigenen Haustür zu treten und gemeinsam mit anderen zu laufen. Es geht darum sich Ziele zu setzen und erreichen. Es geht darum, dass Laufen glücklich macht.“ Er wolle weiterhin jeden Tag laufen und Marathonläufe auch als Spitzensportler genießen, um seine Vorbildrolle zu erhalten. Typische Kipchoge-Botschaften.

Olympiasiegerin souverän

Der zweite Topstar der Veranstaltung lieferte eine Topleistung ab: Sifan Hassan, Olympiasiegerin von Paris im Marathon, gewann in einer Zeit von 2:18:22 Stunden und ließ die ehemalige Weltrekordhalterin Brigid Kosgei um 34 Sekunden hinter sich. Es sind die beiden besten Marathonzeiten, die jemals auf australischem Boden erzielt worden sind. Und es sind beachtliche Leistungen auf einer schwierigen Marathonstrecke. „Eine große Geschichte für mich!“, sagte die 32-Jährige, die auf den letzten Kilometern zu kämpfen hatte.

Dennoch gelang ihr nach einer Marathon-Hälfte in 1:10:01 Stunden ein deutlicher negativer Split. Den Streckenrekord von Vorjahressiegerin Worknesh Edesa steigerte der holländische Star, der nun vier ihrer sechs Marathonläufe gewonnen hat, um über drei Minuten. Neben dem Olympiasieg handelt es sich dabei ausschließlich um Siege bei World Marathon Majors.

Die Kenianerin Kosgei bestätigte mit der Zeit von 2:18:58 Stunden ihre Frühjahrsleistung vom Hamburg Marathon, wo sie in 2:18:26 Stunden ebenfalls Zweite war. Die Olympia-Zweite von 2021 kann nun neun Marathon-Leistungen unter 2:19:15 Stunden aufweisen. Die Äthiopierin Edesa, die in Hamburg vor Kosgei gewonnen hatte, belegte in diesem Jahr übrigens Platz drei in einer Zeit von 2:22:15 Stunden. Gut in Szene setzten sich die Australierinnen Leanne Pompeani, Jessica Stenson und Lisa Weightman als Siebte, Achte und Neunte. Pompeani war die deutlich Schnellste aus dem Trio und verbesserte ihre persönliche Bestzeit auf eine Zeit von 2:24:47 Stunden.

Äthiopischer Doppelsieg

Gewonnen hat den Sydney Marathon 2025 bei idealen Laufbedingungen übrigens Hailemaryam Kiros aus Äthiopien in einer neuen Rekordzeit für australische Marathons von 2:06:06 Stunden. Damit blieb der 28-Jährige elf Sekunden über dem bisherigen Streckenrekord von Brimin Kipkorir. Dem Veranstalter dürfte es recht sein, dass diese Marke nun ausgelöscht ist – Kipkorir ist mittlerweile wegen Dopings gesperrt.

Kiros ist in seiner Karriere schon viermal schneller gelaufen, darunter als Fünfter des Berlin Marathon 2024 in 2:04:35 Stunden. Der Sieg in der australischen Metropole ist für den Halbmarathon-WM-Elften von 2020 aber sein bisher größter Erfolg. Das Stockerl komplettierten Addisu Gobena aus Äthiopien (2:06:16), Sieger des Dubai Marathon 2024, und Tebello Ramakongoana (2:06:47). Der 28-jährige Landesrekordhalter aus dem Kleinstaat Lesotho sorgte als WM-Vierter von Budapest 2023 und als Olympia-Siebter von Paris 2024 für großes Aufsehen. Nun lieferte er auch seine zweite Performance unter 2:07 Stunden nach dem zweiten Platz beim Xiamen Marathon zu Jahresbeginn.

Auch Mustapha Houdadi (Marokko), Edward Cheserek (Kenia), Masato Arao (Japan), der sich laut Japan Running News jahrelang von einem Trainingsunfall, bei dem er von einem Auto angefahren wurde, regeneriert hat, Laban Korir und Felix Kirwa (beide Kenia) bewältigten die Marathon-Distanz schneller als Kipchoge. Hinter dem Superstar erreichte Victor Kipchirchir, ehemaliger Sieger des Salzburg Marathon, als Zehnter von elf Läufern mit Leistungen unter 2:10 Stunden das Ziel.

Fitwi außerhalb der Top-Ten

Kein Topresultat erreichte auch der deutsche Rekordhalter Samwel Fitwi. Geplagt von Problemen mit dem Oberschenkel erreichte er das Ziel nach 2:10:30 Stunden auf Position 13. „Ich stand kurz vor einem Krampf und musste das Tempo daher etwas reduzieren“, wird er auf der Website des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) zitiert. Bis zur Rennhalbzeit, die nach 1:03:45 Stunden erreicht war, war der 29-Jährige, der sich in Addis Abeba auf den Sydney Marathon vorbereitet hatte, Teil der Spitzengruppe um Kipchoge.

Weitere internationale Straßenläufe

🇬🇧 Rund 60.000 Teilnehmer*innen haben dem Great North Run einen neuen Teilnahmerekord beschert. Marathon-Europarekordhalter Bashir Abdi musste sich im Eliterennen im Halbmarathon mit einer Leistung von 1:00:58 Stunden nur dem kenianischen Sieger Alexander Mutiso, ehemaliger Sieger des London Marathon, um sechs Sekunden geschlagen geben. Vorjahressieger Abel Kipchumba komplettierte das Stockerl. Bester Brite war Ben Connor als Vierter in 1:02:57 Stunden.

Einen heimischen Stockerlplatz gab es bei windigen Bedingungen bei den Frauen durch Eilish McColgan. Die Schottin belegte hinter den Kenianerinnen Sheila Chepkirui und Vivian Cheruiyot in einer Zeit von 1:09:42 Stunden den dritten Platz. Chepkirui, ehemalige Siegerin des New York City Marathon, und Cheruiyot, Olympiasiegerin im 5.000m-Lauf von Rio 2016, waren zehn bzw. fünf Sekunden schneller. Die ehemalige US-Rekordhalterin Emily Sisson wurde Vierte. Mc Colgan war wenige Wochen zuvor bei der „City Night“ in Berlin am Start, wo sie sich in 31:31 Minuten über zehn Kilometer Chloé Herbiet geschlagen geben musste, die in 31:12 Minuten einen neuen belgischen Rekord aufstellte.

🇺🇸 US-Rekordhalter Conner Mantz zeigt sich wenige Wochen vor dem Chicago Marathon in Topform. Bereits Anfang August hatte er die beliebte Laufveranstaltung Beach to Beacon (10 km) mit einem Streckenrekord von 27:26 Minuten gewonnen, als erst zweiter US-Amerikaner. Yared Nuguse beendete eine für ihn aufgrund der verpassten WM-Teilnahme enttäuschenden Saison mit einem tollen Sieg bei der Fifth Avenue Mile in New York. In einer Spitzenzeit von 3:47,7 Minuten setzte er sich gegen seine Landsleute Parker Wolfe und Drew Hunter durch. Auch Hobbs Kessler und 800m-Hallen-Weltmeister Josh Hoey waren im Rennen. Gracie Morris gewann bei den Frauen in einer Zeit von 4:15,5 Minuten deutlich.

🇨🇭Marathonläuferin Laura Hottenrott hat als Siegerin des beliebten Jungfrau Marathon in der Schweiz einen neuen Streckenrekord aufgestellt. In einer Zeit von 3:17:35 Stunden unterbot sie ihre eigene Bestmarke aus dem Jahr 2022 um satte fünf Minuten. Die Strecke von Interlaken auf den Eigergletscher wies 1.953 Höhenmeter auf. Hottenrott steht im deutschen Team für die Berglauf- und Trailrunning-WM in Canfranc.

Landsfrau Kirsten De Baey-Ruszin und die Schweizerin Martina Strähl komplettierten die Top-Drei. Bei den Männern siegte der deutsche Marathonläufer Erik Hille in 3:03:55 Stunden vor Vitaliy Shafar aus der Ukraine und Robbie Simpson aus Großbritannien. Fast 3.500 Läufer*innen absolvierten das herausfordernde Rennen.

🇨🇭Ebenfalls in der Schweiz fand am vergangenen Wochenende der Sarnersee Lauf statt. Schnellste der rund 4.400 angemeldeten Läufer*innen waren im Halbmarathon Matthias Kyburz (1:05:18) und Fabienne Schlumpf (1:15:12). Die beiden Olympia-Teilnehmer von Paris 2025 bereiten sich auf einen Start beim New York City Marathon vor.

Autor: Thomas Kofler
Bild: © Pixabay

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