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Kipchoge mit Galavorstellung zu zweitem Olympischen Gold

Der beste Marathonläufer der Geschichte dominierte den Olympischen Marathon von Sapporo in vergleichbarer Weise, wie er es vor fünf Jahren in Rio getan hat, und zementiert seine Nummer-eins-Position in der Marathon-Welt. Die weiteren Medaillen gingen an zwei Europäer somalischer Herkunft. Peter Herzog beendete den Olympischen Marathon bei schwierigen Bedingungen auf Position 61.
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Eliud Kipchoge ist der Größte! Das ist keine Neuigkeit, in einer unvergleichlichen Art und Weise dominiert der kenianische Superstar schließlich die Marathonszene seit vielen Jahren und gibt den bedeutendsten Botschafter des Marathonlaufens der Jetztzeit und vielleicht der Geschichte. Er ist Weltrekordhalter, er ist der erste Mensch, der je die Marathondistanz in einer Zeit unter zwei Stunden absolviert hat. Nur folgerichtig, dass Eliud Kipchoge nun auch ein zweites Mal Olympiasieger ist. Er triumphierte in Sapporo in einer eindrucksvollen Art und Weise, mit einem dominanten Alleingang auf den letzten knapp zwölf Kilometern.

Dominanz wie in Rio

Blendet man die Wetterbedingungen und das Panorama aus, die Bilder von Kipchoge aus Sapporo glichen jenen aus Rio 2016. Damals holte er bei strömendem Regen, aber durchaus hohen Temperaturen, zu seinem ersten riesigen Erfolg aus. Er kontrollierte das Rennen 30 Kilometer lang, machte Späßchen mit den Kontrahenten, zog bei Kilometer 30 seriös an und entledigte sich gut sieben Kilometer vor dem Schluss seinem letzten Verfolger. Fünf Jahre später war es mit 26°C am Start etwas heißer, die Luftfeuchtigkeit lag bei 80%. Kipchoge lief von Beginn an wie ein Favorit, immer vorne in der Gruppe, immer locker, versprühte gute Laune und Zuversicht nach außen und besonders nach innen. Nach 30,5 Kilometern testete er die Konkurrenz mit einer ersten Attacke, sie wirkte und er zog kompromisslos durch. Als Solist durch die asphaltierten Wege auf dem Gelände der Hokkaido University bis zur Ziellinie im Odori Park. Und die war nach einer starken zweiten Marathon-Hälfte mit einem fabelhaften 5km-Split zwischen Kilometer 30 und 35 nach 2:08:38 Stunden erreicht. Sechs Sekunden schneller als in Rio und noch zehn Sekunden mehr an Vorsprung als damals. Kurzum: Kipchoge agierte beim Olympischen Marathon 2021 in einer eigenen Liga und ist nun der dritte Zweifach-Olympiasieger nach Abebe Bikila und Waldemar Cierpinski.

Eliud Kichoges Splits
Eliud Kipchoges Halbmarathon-Splits: 1:05:15 / 1:03:23 Stunden
Eliud Kipchoges 5km-Teilzeiten: 15:19 / 15:34 / 15:11 / 15:43 / 15:37 / 15:07 / 14:28 / 14:56 / 6:43 (2,195 km) Minuten

Nageeye und Abdi überholen Cherono

Sieger der zweiten Liga war Abdi Nageeye aus den Niederlanden, der für die zweite holländische Medaille in einem Olympischen Marathon sorgte – auch Gerard Nijboer gewann 1980 Silber. Einen Moment lang musste der 32-Jährige kurz vor der Zwischenzeit bei Kilometer 35 zur dreiköpfigen Verfolgergruppe von Kipchoge abreißen lassen. Ihm gelang es, die Lücke von wenigen Sekunden zu schließen und er setzte sich im Finale in den Windschatten von Lawrence Cherono. Auf der langen Zielgeraden war er so Silber-sicher, dass er sich redlich bemühte, Bashir Abdi anzuzeigen, dass dieser mit einem engagierten Endspurt noch an Cherono vorbeilaufen konnte. Eine Allianz nicht nur zweier europäischer Topläufer aus benachbarten Ländern, sondern eine von zwei in Somalia geborenen Läufern gegen einen kenianischen. Abdi, 16. in Rio und EM-Silbermedaillengewinner im 10.000m-Lauf von Berlin, ist der dritte belgische Olympia-Medaillengewinner im Marathon nach der belgischen Lauflegende Karel Lismont (Silber 1972 und Bronze 1976) sowie Étienne Gailly (Bronze 1948). Zwei Medaillen für Europa hat es in einem Olympischen Marathon zuletzt 1984 in Los Angeles gegeben, als der Portugiese Carlos Lopez ein rein europäisches Stockerl vor dem Iren John Treacy und dem Briten Charlie Spedding anführte.

Abdi Nageeyes Splits
Abdi Nageeyes Halbmarathon-Splits: 1:05:15 / 1:04:43 Stunden
Abdi Nageeyes 5km-Teilzeiten: 15:18 / 15:36 / 15:10 / 15:43 / 15:38 / 15:07 / 14:57 / 15:43 / 6:46 (2,195 km) Minuten

Womit Lawrence Cherono der traurigste Mann in Sapporo war, als unglücklicher Vierter konnte er ausgerechnet in seiner an sich starken Teildisziplin, dem Schlussspurt nicht überzeugen. Vor der Flucht von Kipchoge war er aufmerksam in dessen Windschatten gelaufen, nachher bewältigte er praktisch alleine die Führungsarbeit in der Verfolgergruppe, zu der bis wenige Meter vor Schluss auch der am Ende fünftplatzierte Spanier Ayad Lamdassam gehörte, und begünstigte damit unwillkürlich den Medaillengewinn der Europäer.

© SIP / Johannes Langer

Herzog finisht Olympia-Premiere

Im ersten Olympischen Marathonlauf außerhalb des Hauptaustragungsortes, an dem es am heutigen Tag mit Regenschauern kühler gewesen wäre als im Austragungsort der Olympischen Winterspiele von 1972, hatte mit Ausnahme von Kipchoge das gesamte Feld mit den schwierigen Bedingungen aus dem Mix der hohen Frühtemperaturen, der hohen Luftfeuchtigkeit, eines beträchtlichen, wechselnden Windes sowie der partiellen Sonneneinstrahlung aus der Wolkendecke teilweise enorm zu kämpfen. 30 der 106 Teilnehmer erreichten die Ziellinie nicht, darunter Lemawork Ketema (SVS Leichtathletik), der nach gut einem Drittel das Rennen, das er im Vorfeld mehrmals als das wichtigste seines Lebens bezeichnete, verlassen musste. Sein Trainer Harald Fritz bestätigte in einer ersten Reaktion, dass Probleme einer alten Verletzung an der hinteren Oberschenkelmuskulatur zurückgekehrt sind. Landsmann Peter Herzog (Union Salzburg LA), der sich von Beginn an eine Gruppe vor Ketema im Feld postierte, kämpfte sich durch und erreichte, gezeichnet von den Strapazen, aber auch von den Emotionen seiner Olympia-Premiere die Ziellinie nach 2:22:15 Stunden auf Gesamtrang 61. Eine erhoffte Aufholjagd nach konservativem Beginn gelang dem Salzburger nicht, der vor dem Rennen „Mut und Zuversicht“ verbreitete, aber auch zu bedenken gab, seinen Körper in Sapporo neu kennengelernt zu haben: „Ich habe nicht gewusst, dass ich so schwitzen kann. Bei so hoher Luftfeuchtigkeit bin ich noch nie gelaufen!“ Die Bedingungen beim wochenlangen Trainingslager in St. Moritz, wo heuer überspitzt gesagt nie richtig Sommer wurde, waren komplett konträr zu jenen in europäischen Breiten nicht imitierbaren Bedingungen in Japan.

„Ich habe sehr früh gemerkt, dass es heute sehr hart wird. Eigentlich schon ab Kilometer zehn“, erzählte der Salzburger nach dem Rennen, ein Kampf gegen die Umstände und mit seinem Körper. „Der längste Leidensweg, den ich jemals auf sportlicher Ebene je beschritten habe“, schätzte der 34-Jährige, der sich nun mit Stolz „Olympionike“ nennen darf. Gleichzeitig aber auch „eine grenzgeniale Erfahrung, das größte Marathonrennen, das es gibt.“ Und daher zog Herzog trotz des suboptimalen Rennens, was die Laufzeit betrifft, eine zufriedenstellende Bilanz unter seinem bisherigen Karriere-Höhepunkt. „Unter diesen sehr schwierigen äußeren Bedingungen in einem so dichten Feld zu laufen, war für Peter heute eine ganz neue Erfahrung“, betonte sein Trainer Hannes Langer. „Ich freue mich mit ihm, dass er dieses Olympische Abenteuer für sich positiv zu Ende bringen konnte.“

Peter Herzogs Splits
Peter Herzogs Halbmarathon-Splits: 1:07:44 / 1:14:31 Stunden
Peter Herzogs 5km-Teilzeiten: 15:35 / 15:53 / 15:48 / 16:44 / 17:07 / 17:31 / 17:50 / 17:57 / 7:50 (2,195 km) Minuten

Die Leichtigkeit des Seins, wenn alle anderen kämpfen

Nur einer schien mit den äußeren Bedingungen keine gröberen Probleme zu haben. Der 36-jährige Meister aller Klassen. Als hätte er den Marathon an einem kühleren Ort bestritten und wäre nur ins Rennen projiziert worden. 30 Kilometer absolute Kontrolle, 12 Kilometer absolute Überlegenheit in seinem bekannten Laufstil, der alles leicht ausschauen lässt und direkt von der Couch weg zum Laufen gehen anregt. Auch auf dem 42. Kilometer. Der 5km-Split zwischen Kilometer 30 und 35 in 14:28 Minuten war unter den gegebenen Voraussetzungen grandios, das entspricht einem Kilometerschnitt in dieser Rennphase von 2:53,5 Minuten.

Dass die schwierigen Bedingungen aber real waren, zeigen zahlreiche Episoden aus diesem Rennen. Bereits nach neun Kilometern griff sich London-Marathon-Sieger Shura Kitata an den hinteren Oberschenkel und stieg aus. Nur Augenblicke später war das Rennen für London-Olympiasieger Stephen Kiprotich vorbei. Nach zwölf Kilometern bekundete der zweifache WM-Vierte Callum Hawkins aus Schottland Probleme, das von Anfang an nicht langsame Tempo der Spitzengruppe halten zu können. Auch er stieg aus. Nach einem Drittel war das Rennen für den Koreaner Oh Joo Haan (ehemals Wilson Loyanae aus Kenia) vorbei, gleichzeitig fiel der ugandische Rekordhalter Filex Chemonges weit zurück. Dann stieg wie erwähnt Ketema aus, kurz nach dem Halbmarathon war das Rennen für den zweiten Äthiopier Sisay Lemma vorbei, bei Kilometer 26 stieg der lange Zeit mit Kipchoge führende Brasilianer Daniel do Nascimento aus, Augenblicke später erwischte es den Schweizer Tadesse Abraham, der nicht mehr konnte. Noch vor Kilometer 30 fiel Asienrekordhalter Hassan El Abassi zurück und Weltmeister Lelisa Desisa konnte dem Tempo von Kipchoge und Co. auch nicht mehr folgen, womit das äthiopische Debakel komplett war.

© SIP / Johannes Langer

Osako mit Heimvorteil knapp an Medaille vorbei

Dabei machte der Superstar erst jetzt ernst. Stephen Mokoka, WM-Fünfter von Doha, stieg aus. Europameister Koen Naert, am Ende toller Zehnter, fiel aus der Spitzengruppe zurück. Elf Mann lagen kurz zusammen, dann attackierte Kipchoge, erzwang die Vorentscheidung und teilte die Gruppe in kleinere Grüppchen. Der dritte Kenianer im Feld, Amos Kipruto verließ das Rennen an der vorletzten Verpflegungsstation. Galen Rupp, Bronzemedaillengewinner von Rio 2016, der davor einen tadellosen Eindruck hinterlassen hatte, konnte nicht mehr folgen und wurde am Ende Achter. Auch Suguro Osako, einzige Hoffnung der Japaner auf eine erste Marathon-Medaille seit 29 Jahren, konnte den Anschluss nicht halten. Mit offensichtlichem Seitenstechen kämpfte er sich zu Platz sechs. Wie dem gesamten anderen Feld blieb ihm nichts anderes übrig, als im Ziel Ehrfurcht vor der Leistung des 36-jährigen Eliud Kipchoge zu zeigen. Was auch die Tausenden Zuschauer taten, die entlang der Strecke das Rennen in mehreren Reihen verfolgten – ein Vielfaches des Publikums von gestern. Und die sorgten für eine hervorragende Stimmung, wie Herzog lobte: „So etwas habe ich noch nicht erlebt. Das war eine durchgehende Welle des Applauses! Das haben wir uns alle verdient nach dieser schwierigen Zeit hier in Sapporo.“

Ringer bester Deutscher

Im Gegensatz zu anderen Nationen kamen alle drei deutschen Läufer ins Ziel. Lange Zeit war der nationale Rekordhalter Amanal Petros der beste Deutsche im Rennen, Richard Ringer hatte sich seinen Marathon aber besser eingeteilt und holte in der zweiten Hälfte viele Positionen auf, darunter auch eine gegen seinen Landsmann. Ringer wurde 26., Petros folgte fünf Positionen später und Hendrik Pfeiffer machte die Top-50 voll.

Ergebnis Olympischer Marathonlauf der Männer in Sapporo

Gold: Eliud Kipchoge (Kenia) 2:08:38 Stunden
Silber: Abdi Nageeye (Niederlande) 2:09:58 Stunden
Bronze: Bashir Abdi (Belgien) 2:10:00 Stunden

  1. Lawrence Cherono (Kenia) 2:10:02 Stunden
  2. Ayad Lamdassem (Spanien) 2:10:16 Stunden
  3. Suguru Osako (Japan) 2:10:41 Stunden
  4. Alphonce Simbu (Tansania) 2:11:35 Stunden
  5. Galen Rupp (USA) 2:11:41 Stunden
  6. Othmane El Goumri (Marokko) 2:11:58 Stunden
  7. Koen Naert (Belgien) 2:12:13 Stunden
  8. Mohamed Reda El Aaraby (Marokko) 2:12:22 Stunden
  9. Nicholas Navarro (Frankreich) 2:12:50 Stunden
  10. Maru Teferi (Israel) 2:13:02 Stunden
  11. Goitom Kifle (Eritrea) 2:13:22 Stunden
  12. Jeison Alexander Suarez (Kolumbien) 2:13:29 Stunden
  13. Tachlowini Gabriyesos (Olympic Refugee Team) 2:14:02 Stunden
  14. Morhad Amdouni (Frankreich) 2:14:33 Stunden
  15. Hamza Sahli (Marokko) 2:14:48 Stunden
  16. Yang Shao Hui (China) 2:14:58 Stunden
  17. Eyob Faniel (Italien) 2:15:11 Stunden

    26. Richard Ringer (Deutschland) 2:16:08 Stunden
    30. Amanal Petros (Deutschland) 2:16:33 Stunden
    36. Zane Robertson (Neuseeland) 2:17:04 Stunden
    40. Sondre Nordstad Moen (Norwegen) 2:17:59 Stunden
    50. Hendrik Pfeiffer (Deutschland) 2:20:43 Stunden
    61. Peter Herzog (Österreich) 2:22:15 Stunden
    DNF Tadesse Abraham (Schweiz)
    DNF Lemawork Ketema (Österreich)

Olympische Spiele von Tokio 2020

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