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Kipyegon und Hodgkinson in Eugene besiegt

Das traditionsreiche Pre Classic in Eugene wartete mit sensationellen Ergebnissen auf. Faith Kipyegon erlitt eine seltene Niederlage, auch Keely Hodkginson siegte nicht.
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Nach über fünf Jahren hat Faith Kipyegon wieder einmal ein Diamond-League-Rennen auf ihrer Spezialdistanz, dem 1.500m-Lauf bzw. der verwandten Meile, nicht gewonnen. Der kenianische Superstar wurde am Samstagnachmittag Ortszeit in Eugene von der US-Amerikanerin Nikki Hiltz und ihrer Landsfrau Dorcus Ewoi übertrumpft. Es blieb nicht die einzige Sensation des Meetings: In den 800m-Rennen mussten Olympiasiegerin Keely Hodgkinson und Youngster Cooper Lutkenhaus mit Rang zwei Vorlieb nehmen. Und Cameron Myers versetzt die Mittelstrecken-Welt weiterhin ins Staunen.

Ihren ersten Wettkampf im Sommer hätte sich Faith Kipyegon sicherlich anders vorgestellt. Denn in Eugene endete eine fünfjährige Unbesiegbarkeit auf der Mittelstrecke – in die Phase fielen drei WM-Titel und der Olympiasieg von Paris 2026. Ausgerechnet auf jener Bahn, auf der die 32-Jährige im vergangenen Jahr ihren Weltrekord im 1.500m-Lauf aufgestellt hat, fand sie im Schlussspurt ihre Meisterin in Nikki Hiltz. Als Erste aus der Kurve kommend konnte sie auf der Innenbahn den schnellen Schritten der Amerikanerin nichts entgegensetzen. Kipyegon finishte in 4:17,80 Minuten, Hiltz war in 4:17,49 Minuten die Schnellste, außen spurtete Dorcus Ewoi in 4:17,62 Minuten zu Platz zwei. In sozialen Netzwerken offenbare die eigentlich unschlagbare Kenianerin, dass sie sich im Vorfeld des Prefontaine Classic mit muskulären Beschwerden im hinteren Oberschenkel plagte.

Prefontaine Classic 2026

Warnsignal für die Nummer eins

Kipyegon, die schon sieben Siege im Rahmen des wichtigsten amerikanischen Leichtathletik-Meetings gefeiert hatte, äußerte sich gegenüber der kenianischen Plattform „Pulse Sports“ gar nicht enttäuscht: „Wissen Sie, es ist nicht einfach, jedes Mal in Topform zu sein, jedes Mal den Wettkampf zu gewinnen. Die Konkurrenz ist gut und heute war das ein Hinweis, dass es ein bisschen mehr von mir braucht, um wieder zu gewinnen.“

Der Grund für die überraschende Niederlage: Sieben Läuferinnen hatten ein schnelleres oder gleich schnelles Finale (letzte knapp 110 Meter) als bzw. wie die Kenianerin, die üblicherweise bei solcher Renngestaltung (nicht superschnell) in dieser Rennphase mit absoluter Tempohärte unwiderstehlich ist. Zu dieser Gruppe zählte auch Klaudia Kazimierska, die mit einem neuen polnischen Meilenrekord von 4:17,90 Minuten nur knapp hinter Kipyegon als beste Europäerin Vierte wurde. Ein enttäuschendes Ergebnis fuhr Olympia-Medaillengewinnerin Georgia Hunter Bell, zuletzt vor allem über 800 Meter in bestechender Verfassung, als Achte ein.

© Diamond League AG

Besonderer Sieg für Hiltz

Hiltz hat vergangenen August in Brüssel erstmals ein Diamond-League-Rennen gewonnen, im Alter von 31 Jahren. Der Triumph auf heimischem Terrain ist von der Bedeutung her für die Olympia-Siebte und WM-Fünfte im 1.500m-Lauf aber höher einzuschätzen. Ausgerechnet am Tag, an dem die USA das 250-jährige Bestehen ihrer Nation feierte, jubelte Nikki Hiltz über den größten Erfolg ihrer Karriere. „Es fühlt sich so großartig an. Das Publikum war fantastisch, dieser Sieg bedeutet mir sehr viel. Es ist schließlich unser einziges Diamond-League-Meeting“, jubelte die Amerikanerin im Interview mit der Diamond League.

Die Lokalmatadorin war mit überraschend viel Selbstvertrauen nach Eugene gekommen. „Als ich gehört habe, welches Tempo geplant war, dachte ich mir: Ok, das ist nicht absurd schnell. Wenn das Rennen taktisch wird, wird das gut für mich. Warum sollte ich nicht gewinnen können? Meine letzten 100 Meter sind Trumpf! Es hat sehr viel Spaß gemacht heute!“

Erster Diamond-League-Sieg für Odira

Überraschendes tat sich wenige Minuten zuvor auch im 800m-Lauf der Frauen, bei dem die Wavelights auf eine Superzeit von 1:53,50 Minuten eingestellt waren. Sanu Jallow aus Gambia stahl den Stars vorerst die Show und führte das Rennen überraschend an, als die Tempomacherin es verließ. Favoritin Keely Hodgkinson musste auf der Gegengeraden der zweiten Runde sich erst außen an die Spitze kämpfen. In ihrem Schlepptau lief Weltmeisterin Lilian Odira in ihrem zweiten Saisonrennen außerhalb Kenias mit. Die Kenianerin hatte bei ihrem Saisondebüt das bessere Finish und übertrumpfte die Britin mit einer Zeit von 1:56,19 Minuten klar.

© Diamond League AG

Generalprobe für London ohne Sieg

Hodgkinson, für die eine Zeit von 1:56,73 Minuten in die Wertung fiel, hat damit auch ihr zweites 800m-Rennen nach dem Gewinn des Hallen-WM-Titels im März auf Platz zwei beendet – nach der Niederlage gegen Audrey Werro in Stockholm. Im September in Tokio musste die Engländerin beim Odira-Triumph gar mit Bronze Vorlieb nehmen. Nach dem Eugene-Rennen sagte Hodgkinson im Interview, dass sie durch eine Knieverletzung infolge eines Trainingssturzes gehandicapt war. In zwei Wochen wollte Hodgkinson eigentlich in London den 800m-Weltrekord angreifen – die Zeit wird zeigen, ob sie dann in der erhofften Topform ist.

Dritte in Eugene wurde Doha-Siegerin Addison Wiley in einer Zeit von 1:57,70 Minuten noch vor Jallow. Anais Bourgoin, vor einer Woche in Paris mit einem französischen Rekord, musste sich in 1:58,66 Minuten mit Rang sechs zufrieden geben.

Cherotich Beste über die Hindernisse

Große Spannung lag beim Traditionsmeeting in Oregon auch über dem 3.000m-Hindernislauf der Frauen, in dem mit Olympiasiegerin Winfred Yavi, Faith Cherotich und Peruth Chemutai die drei Großen der Szene in einem Wettkampf versammelt waren. Die zweifache Saisonsiegerin Chemutai aus Uganda erwischte dieses Mal einen schlechten Tag und brach frühzeitig aus der Spitzengruppe weg – am Ende wurde die 26-Jährige nur Fünfte.

In der entscheidenden Phase zog Winfred Yavi das Tempo von vorne an, doch ihre junge kenianische Kontrahentin Faith Cherotich übertrumpfte sie im letzten Umlauf und lief in einer Zeit von 8:51,74 Minuten zu ihrem bereits sechsten Sieg in der Diamond League. Gut eine Sekunde hinter der 22-jährigen, amtierenden Weltmeisterin erreichte die für den Bahrain startende Yavi das Ziel.

© Diamond League AG

Nächster Schritt für Bouzayani

Die nächste Läuferin, die an die absolute Weltklasse anklopft und in den erlesenen Kreis dieses dominierenden Duos eingreifen möchte, ist Marwa Bouzayani. Die Tunesierin absolviert ihre mit Abstand beste Saison und auch ihren vierten Wettkampf seit Mitte Mai unter neun Minuten. Nach zwei Drittel der Distanz forcierte die 29-Jährige plötzlich das Tempo an der Spitze und zeigte den Top-Drei der Szene damit ordentlich die Zähne. Erst auf der letzten Runde verlor sie ein paar Meter, doch Rang drei mit einer deutlichen persönlichen Bestleistung von 8:54,32 Minuten bedeuteten ein beachtliches Resultat. Mit diesem tunesischen Rekord ist die WM-Vierte von Tokio 2025 nun Siebte in der ewigen Weltbestenliste. Ebenfalls stark in Szene setzte sich die Kenianerin Doris Lemngole mit einer persönlichen Bestleistung von 8:57,89 Minuten.

Einen starken Wettkampf zeigte auch das deutsche Duo Gesa Krause (9:07,50) und Lea Meyer (PB: 9:09,13) auf den Positionen sechs und sieben. Emma Coburn beendete ihren schnellsten Wettkampf seit der Rückkehr aus ihrer Mutterschaftspause auf Platz neun in 9:15,97 Minuten.

Myers dominiert die Meile

Eine weitere sagenhafte Talentprobe lieferte Cameron Myers im Meilenrennen der Männer ab. Der 20-Jährige verbesserte den Ozeanienrekord von Oliver Hoare um fast eineinhalb Sekunden auf eine Zeit von 3:46,06 Minuten und steht nun auf Rang neun der ewigen Bestenliste. Dabei agierte der Australier bei seinem allerersten Diamond-League-Sieg selbstbewusst von vorne und wies dennoch mit das beste Finale auf.

Myers, jüngster Sieger der Bowerman Mile seit 17 Jahren, gewann mit einer halben Sekunde Vorsprung auf Yared Nuguse und dem Überraschungsdritten Ethan Strand, beide aus den USA. „Ich bin überglücklich. Ich bin in einer wirklich guten Verfassung“, sagte der Australier im Diamond-League-Interview – sein nächster Höhepunkt sind die Commonwealth Games in Glasgow.

© Diamond League AG

Oslo-Sieger Timothy Cheruiyot aus Kenia wurde Fünfter vor Olympiasieger Cole Hocker, nur viertbester Amerikaner im Rennen. Einen schönen Erfolg feierte Robert Farken, der als Siebter den deutschen Meilenrekord auf eine Zeit von 3:47,76 Minuten verbesserte und damit bester Europäer des Rennens war.

Lutkenhaus geschlagen

Keine Diamond-League-Punkte gab es im 800m-Lauf der Männer am Vortag des Hauptprogramms, von der Besetzung her amerikanische Meisterschaften mit internationaler Beteiligung. Dafür gab es freilich eine faustdicke Überraschung. Shootingstar Cooper Lutkenhaus, Hallen-Weltmeister und Sieger zweier Diamond-League-Rennen, musste sich in einer Zeit von 1:44,62 Minuten – der mit Abstand langsamsten Saisonzeit – überraschend deutlich Brandon Miller geschlagen geben, der mit 1:43,68 Minuten anschrieb. Donovan Brazer und Bryce Hoppel komplettierten den US-Vierfachsieg.

Die US-amerikanische Laufplattform bezeichnete die Leistung des 17-Jährigen als „menschlich“. Das Rennen war auf den US-Rekord von Bryce Hoppel (1:41,67) angelegt, doch der Youngster konnte bereits in der ersten Runde das dafür notwendige Tempo nicht halten. Auf den letzten 100 Metern hatte er im Duell mit Miller, der mit dem dritten Wettkampfsieg in Folge in der Form seines Lebens zu sein scheint, keine Chance. Noch zum Auftakt der Schlussrunde lag der 24-Jährige auf dem neunten Platz, ehe ihn eine phänomenale Aufholjagd zum klaren Erfolg führte.

Im Zwei-Meilen-Rennen der Männer, ebenfalls am Freitag, wurde der Deutsche Mohamed Abdilaahi in 8:10,34 Minuten Zweiter vor US-Größe Grant Fisher und dem starken Schweden Andreas Almgren, aber hinter dem US-Überraschungssieger Parker Wolfe (8:10,13). Der 22-jährige Amerikaner bestimmte das Rennen überwiegend von vorne. Über dieselbe Distanz bei den Frauen siegte Aleshign Baweke aus Äthiopien am Samstag in 9:20,02 Minuten vor ihrer Landsfrau Hirut Meshesha und der Amerikanerin Shelby Houlihan. Es ist der erste Diamond-League-Sieg für die 20-jährige, amtierende Junioren-Weltmeisterin im 3.000m-Lauf.

Weitere Meeting-Ergebnisse

🇦🇹 Gleich drei Österreichische Meistertitel hat Tabea Schmid (ULC Riverside Mödling) am vergangenen Wochenende bei den Österreichischen Meisterschaften der Altersklasse U23 in Rif bei Salzburg gewonnen. Die 20-Jährige setzte sich nach Erfolgen über 800m und 5.000m am Samstag am Sonntag auch im 1.500m-Lauf durch. „Ich habe auf drei Titel gehofft, aber man weiß nie, ob es auch aufgeht. Ich freu mich riesig über die Siege“, so Schmid. Über 5.000m gelang der Sieg im Duell mit Vereinskollegin Nicole Bauer, die beim Vienna City Marathon einen österreichischen U23-Rekord aufgestellt hatte.
Bei den Männern freute sich Niklas Kainrath (Union St. Pölten) über den Doppelschlag auf den beiden Mittelstrecken: „Ein tolles Wochenende!“ Dasselbe Kunststück gelang Sebastian Kofler (LC Villach) in der Altersklasse U18.

🇧🇪 Cordula Lassacher (ATUS Knittelfeld) hat bei einem Meeting im belgischen Leuven den steirischen Landesrekord im 3.000m-Lauf auf eine Zeit von 9:12,88 Minuten verbessert. Im Wettkampf war lediglich die Südafrikanerin Kyla Jacobs schneller.
Kevin Kamenschak (ATSV Linz LA) belegte bei den Männern nur haarscharf hinter Sieger Kobe Hermans aus Belgien den zweiten Platz in 7:52,66 Minuten, es war die zweitschnellste 3.000m-Zeit in der Karriere des jungen Oberösterreichers. Timo Hinterndorfer (DSG Wien) kam in 8:03,46 Minuten als Achter ins Ziel und freute sich über eine neue persönliche Bestzeit.

🇫🇷 Tobias Rattinger (LAC BMD Amateure Steyr) hat bei einem Meeting in Décines nahe Lyon den neunten Platz im 3.000m-Hindernislauf belegt und mit einer Zeit von 8:28,25 Minuten eine weitere Marke unter 8:30 Minuten erreicht. Der 28-jährige Oberösterreicher verbessert damit seinen Punkteschnitt in der Qualifikationsrangliste „Road to Birmingham“ minimal. Er steht weiterhin einigermaßen sicher in den Top-34 und hat gute Chancen auf eine EM-Qualifikation, der Qualifikationszeitraum läuft noch drei Wochen. Den Wettkampf entschieden die Franzosen auf heimischen Boden für sich: Luc Le Baron siegte in 8:17,85 Minuten vor Louis Gilavert und Europameister Alexis Miellet.

🇫🇷 Bei einem Meeting im französischen Nancy fiel die älteste bestehende Rekordmarke der italienischen Leichtathletik. Der 23-jährige Francesco Pernici verbesserte in einer Zeit von 1:43,60 Minuten den 53 Jahre alten italienischen 800m-Rekord von Marcello Fiasconaro, der damals den Weltrekord hielt. Pernici setzte sich im Wettkampf gegen den Franzosen Louey Ouerrat durch, der Schweizer Ramon Wipfli wurde vor dem Deutschen Alexander Stepanov Sechster. In Europa ist in dieser Saison nur der Brite Max Burgin schneller gelaufen als Pernici.
Bei den Frauen feierten die Französinnen Clara Liberman (1:58,90) und Charlotte Dumas einen Doppelsieg vor der Deutschen Smilla Kolbe (1:59,85). Im 1.500m-Lauf verbesserte Adéle Gay in 4:01,21 Minuten den französischen U23-Rekord. Die Schweizerin Delia Sclabas wurde als Sechste von den beiden Deutschen Verena Meisl und Nele Wessel umrahmt. Im 1.500m-Lauf der Männer lief Lokalmatador Anas Lagity-Chaoudar einen neuen Meetingrekord (3:31,40). Das Meeting Stanislas in Nancy zählt zur World Athletics Continental Tour Silber.

🇦🇹 Bereits letzten Mittwoch fand mit dem Raiffeisen Austrian Open in Eisenstadt das wichtigste heimische Leichtathletik-Meeting abseits des Mehrkampf-Meetings von Götzis statt, schließlich zählte es neuerlich zur World Athletics Continental Tour Silber. An einem denkwürdigen Abend für die Sprinter mit einem bemerkenswerten Rückenwind, der Olympiasieger Marcell Jacobs zu einer historischen Zeit verhalf, ging der Sieg in der einzigen Laufentscheidung des Abends, dem 800m-Lauf der Männer, an Jachym Kaplan aus Tschechien (1:56,00).

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