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Königstein und Mayer in Berliner Hitze zur Bestzeit

Mit den Plätzen sechs und acht bestachen die beiden deutschen Marathonläuferinnen Fabienne Königstein und Domenika Mayer beim Sieg von Rosemary Wanjiru beim Berlin Marathon.
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2:22:17 und 2:23:16 Stunden – zwei Marathonzeiten, die Geschichte schreiben im deutschen Marathonlauf. Ungeachtet der Wetterbedingungen mit hohen Temperaturen, die den überwiegenden Großteil der Elite- und Freizeitläufer*innen etwas langsamer als erhofft performen ließ, stürmten Fabienne Königstein und Domenika Mayer zu neuen Marathon-Bestzeiten. Der Wettkampfsieg ging an die am Schluss schwer kämpfende Favoritin Rosemary Wanjiru, die gerade einmal gut eine Minute vor der besten Deutschen im Ziel war.

Man muss weit in den Geschichtsbüchern des Berlin Marathon blättern, um zwei deutsche Top-Acht-Platzierungen bei den Frauen zu finden. 2005 war das zuletzt der Fall, als Luminita Zaituc und Melanie Kraus beim Sieg der Japanerin Mizuki Noguchi, ihres Zeichens Olympiasiegerin, unter die Top-Vier liefen. Ansonsten sind deutsche Spitzenplatzierungen bei den Frauen in Berlin tatsächlich keine Seltenheit, auch nicht in den letzten Jahren. Irina Mikitenko erklomm alle Stufen auf dem Siegespodest, Sabrina Mockenhaupt war 2010 Vierte, Anna Hahner und Katharina Steinruck (damals noch mit ihrem Mädchennamen Heinig) belegten fünfte Plätze, Melat Kejeta zuletzt 2019 wie Fabienne Königstein Position sechs. Und dennoch ist das Resultat der 33-Jährigen besonders. Nur 68 Sekunden lief sie hinter der Siegerin ins Ziel, zeitlich so nahe am Erfolg beim Berlin Marathon war zuletzt mit einem deutschen Pass Irina Mikitenko, als sie 2008 als Erste ins Ziel gelaufen ist.

BMW Berlin Marathon 2025

Bestzeiten trotz Hitze

Die Geschichte der deutschen Topleistungen beim Berlin Marathon 2025 ist auch die Geschichte darüber, dass Fabienne Königstein und Domenika Mayer die Hitze schier ignorierten. Sehr gut gepact von individuellen Tempomacher-Teams gelangen Königstein, im April Vierte beim Vienna City Marathon, und Mayer annähernd zwei gleich schnelle Marathon-Hälften. Und beiden glückte eine neue Bestzeit: Königstein gelang die viertschnellste Zeit in der Geschichte des deutschen Marathonlaufs, sie steigerte ihre in Hamburg 2023 aufgestellte persönliche Bestleistung um sage und schreibe dreieinhalb Minuten!

© SIP / Johannes Langer

Das wäre selbst bei idealen Marathon-Bedingungen ein erstaunlicher Quantensprung in einer fortgeschrittenen Marathon-Karriere einer bald 33-jährigen Mutter einer Tochter. „Die Menschenmassen haben mich weiter und weiter getragen“, begründete Königstein, die von einer harten Schlussphase berichtete, da ihr Tempomacher das Tempo nicht über die gesamte Distanz halten konnte. „Ich freue mich riesig, denn eigentlich kann ich in der Wärme nicht so gut laufen“, wird sie in der Medienaussendung des Veranstalters zitiert.

Fabienne Königstein
Halbmarathon-Splits: 1:10:42 / 1:11:35 Stunden
5km-Teilzeiten: 16:41 / 16:43 / 16:52 / 16:50 / 17:02 / 16:51 / 16:44 / 17:02 / 7:32 (2,195 km) Minuten
Domenika Mayer
Halbmarathon-Splits: 1:11:08 / 1:12:08 Stunden
5km-Teilzeiten: 16:54 / 16:42 / 16:50 / 16:58 / 17:09 / 16:59 / 17:05 / 17:14 / 7:25 (2,195 km) Minuten

Domenika Mayer ist Mutter zweier Kinder und liegt hinter Königstein nun auf Platz vier der ewigen deutschen Bestenliste. Ihre persönliche Bestzeit von 2:23:16 Stunden, 31 Sekunden schneller als vor zwei Jahren an gleicher Stelle, als sie sich für die Olympischen Spiele qualifizierte, ist die sechstschnellste Marathonzeit der DLV-Geschichte – die von Uta Pippig erzielte Bestleistung als Siegerin des Boston Marathon ist nicht in der offiziellen Rekordliste, da die abschüssige Punkt-zu-Punkt-Strecke in Boston dafür die Kriterien nicht erfüllt. „Ich bin sehr zufrieden, denn mein Kreislauf war durch die Hitze schon sehr belastet und ich konnte das hohe Tempo vom Rennbeginn nicht ganz durchziehen. Man muss bei solchen Bedingungen kämpfen, bis der Körper nicht mehr kann – Gott sei Dank war das bei mir erst nach der Ziellinie“, kommentierte Mayer im RTL. Dass ihr Zieleinlauf im deutschen Fernsehen aufgrund eines Werbeblocks nicht gezeigt wurde, erstaunte angesichts der qualitativ hochwertigen Leistung sehr.

Österreichische Marathon-Begeisterte

362 österreichische Läufer*innen haben sich laut Mika Timing für den BMW Berlin Marathon 2025 angemeldet. Als Erster erreichte Mario Bauernfeind auf Platz 34 das Ziel. Neben Peter Herzog, der das Rennen aufgab, war mit Andreas Vojta noch ein dritter heimischer Topläufer am Start, der das Rennen aber im für seine Fähigkeiten lockeren Laufschritt absolvierte und nach 2:46:36 Stunden ins Ziel kam.

Auch einige Freizeitläufer*innen aus Österreich erzielten bemerkenswerte Ergebnisse. Fritz Lange erreichte in der Altersklasse M60 mit einer Zeit von 3:07:18 Stunden den starken achten Platz, Martin Mistelbauer (team2012.at) wurde in der Altersklasse M40 mit einer Zeit von 2:27:29 Stunden Siebter. Sigi Möslinger erreichte in der Altersklasse M55 in einer Zeit von 3:26:46 Stunden den 13. Platz, Maria Hörmandinger in der Altersklasse W55 in 3:31:51 Stunden Platz 19. Die ehemalige Staatsmeisterin Carola Bendl beendete den Marathon in einer Zeit von 3:15:39 Stunden. Alle in diesem Block genannten Zahlen sind Nettozeiten.

Wanjiru Siegerin im dramatischen Finale

Auch an der Spitze bot sich den Fans des Berlin Marathon, egal ob auf der Strecke oder vor dem Fernsehen, ein faszinierendes Rennen, welches lange Zeit von einer Spitzengruppe in einem ruhigen, konstanten Rennverlauf diktiert wurde. Die Halbmarathon-Durchgangszeit lautete 1:09:07 Stunden, sieben Läuferinnen lagen binnen acht Sekunden.

Kurz vor Kilometer 30 löste sich Rosemary Wanjiru, Siegerin des Tokio Marathon 2023 und deklarierte Favoritin, aus der vierköpfigen Spitzengruppe. Azmera Gebru und Dera Dida bildeten ein äthiopisches Verfolgerduo. Es sah gut aus für die 30-Jährige, die sieben Kilometer vor dem Ziel fast eine Minute Vorsprung auf ein Trio hatte, das sich mittlerweile gebildet hat. Doch bei Temperaturen von 24°C hatte Wanjiru auf den letzten Kilometern ordentlich zu kämpfen. Ihr hektischer Blick nach hinten, zigmal wiederholt, demonstrierte ihre Sorge, den Sieg noch aus der Hand zu geben.

© SCC Events / Petko Beier

Mit letzter Kraft

Am Ende reichte es in einem Finale nicht ohne Dramatik. In einer Zeit von 2:21:05 Stunden, der langsamsten in Berlin seit zwölf Jahren, rettete die Favoritin drei Sekunden Vorsprung auf Dera Dida, Ehefrau des Marathon-Olympiasiegers Tamirat Tola. Völlig erschöpft legte sich die Siegerin direkt hinter der Ziellinie auf die Straße. Wanjiru hatte vor drei Jahren in Berlin ein starkes Marathon-Debüt in einer Zeit von 2:18:00 Stunden als Zweite absolviert und wollte auch im vergangenen Jahr in der deutschen Hauptstadt laufen. Eine Verletzung verhinderte ihren zweiten Berlin-Start, der sich auf 2025 verschob.

Ergebnis BMW Berlin Marathon 2025 der Frauen
1. Rosemary Wanjiru (Kenia) 2:21:05 Stunden
2. Dera Dida (Äthiopien) 2:21:08 Stunden
3. Azera Gebru (Äthiopien) 2:21:29 Stunden
4. Viola Cheptoo (Kenia) 2:21:40 Stunden
5. Fantu Worku (Äthiopien) 2:21:57 Stunden
6. Fabienne Königstein (Deutschland) 2:22:17 Stunden
7. Degitu Azimeraw (Äthiopien) 2:23:02 Stunden
8. Domenika Mayer (Deutschland) 2:23:16 Stunden
9. Honami Magda (Japan) 2:24:36 Stunden
10. Mestawut Fikir (Äthiopien) 2:24:52 Stunden
11. Aleksandra Lisowska (Polen) 2:24:59 Stunden

15. Melina Wolf (Deutschland) 2:30:31 Stunden

Die ewige deutsche Marathon-Bestenliste

  • 2:19:19 Stunden – Irina Mikitenko (Berlin Marathon 2008)
  • 2:21:47 Stunden – Melat Kejeta (Dubai Marathon 2024)
  • 2:22:17 Stunden – Fabienne Königstein (Berlin Marathon 2025)
  • 2:23:16 Stunden – Domenika Mayer (Berlin Marathon 2025)
  • 2:24:32 Stunden – Laura Hottenrott (Valencia Marathon 2023)
  • 2:24:35 Stunden – Katrin Dörre-Heinig (Hamburg Marathon 1999)
  • 2:25:54 Stunden – Deborah Schöneborn (Houston Marathon 2024)
  • 2:24:56 Stunden – Katharina Steinruck (Osaka Women’s Marathon 2024)
  • 2:25:37 Stunden – Uta Pippig (Berlin Marathon 2025) *
  • 2:25:42 Stunden – Fate Tola (Frankfurt Marathon 2016)

 
* Uta Pippig gewann den Boston Marathon 1994 in einer Zeit von 2:21:45 Stunden

Kein Glück mit den Sekunden

Die 28-jährige Dida belegte bereits zum dritten Mal in dieser Marathonsaison den zweiten Platz. Beim Dubai Marathon im Jänner musste sie sich ihrer Landsfrau Bedatu Hirpa um fünf Sekunden geschlagen geben, drei Monate später lautete der Zieleinlauf beim Paris Marathon genau gleich, dieses Mal lag Dida vier Sekunden hinter Hirpa. Und nun der dritte zweite Platz mit dieses Mal drei Sekunden Rückstand in Berlin. „Ich werde weiter daran arbeiten, das nächste Mal zu gewinnen“, sagte sie. Sie habe gar nicht bemerkt, wie knapp das Rennen am Ende war.

© SIP / Johannes Langer

Ein riesiges Lauffest

Über 55.000 Läufer*innen haben sich für die 51. Auflage des BMW Berlin Marathon angemeldet. Anmeldungen von Teilnehmer*innen mit 160 unterschiedlichen Nationalitäten gingen dabei ein. Unter ihnen absolvierten auch etliche Prominente den Klassiker. Der britische Sänger und Schauspieler Harry Styles finishte den Marathon mit einer beachtlichen Leistung von 2:59:13 Stunden.

Autor: Thomas Kofler
Fotos: © SCC Events / Petko Beier & SIP / Johannes Langer

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