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Es war das wahrscheinlich stärkste Starterfeld eines Frauen-Marathons aller Zeiten und dementsprechend wurde auf den Straßen von London am gestrigen Sonntag direkt die Frage geklärt, wer aktuell die beste Marathonläuferin der Welt ist. Die Antwort hallte gefolgt von drei Rufezeichen…


Es war das wahrscheinlich stärkste Starterfeld eines Frauen-Marathons aller Zeiten und dementsprechend wurde auf den Straßen von London am gestrigen Sonntag direkt die Frage geklärt, wer aktuell die beste Marathonläuferin der Welt ist. Die Antwort hallte gefolgt von drei Rufezeichen durch die Marathon-Welt. Wenn die versammelte Weltklasse in einem Rennen um den Sieg kämpft und eine Läuferin zerlegt die Spitzengruppe auf der zweiten Marathon-Hälfte auf eine derartig drastische Art und Weise und gewinnt das Rennen mit fast zwei Minuten Vorsprung, bleibt nicht einmal mehr der geringste Zweifel an der Frage, wer die verdiente Siegerin war. Die 25-jährige Brigid Kosgei verbesserte ihre persönliche Bestleistung um 15 Sekunden auf eine Zeit von 2:18:20 Stunden und rutschte auf Rang sieben der ewigen Bestenliste, obwohl sie erst nach 1:11:38 Stunden auf die zweite Marathon-Hälfte ging. Richtig gelesen: Brigid Kosgei spulte die zweiten 21,0975 Kilometer in London in einer Zeit von 1:06:42 Stunden ab. Das hat es in der Marathon-Geschichte natürlich noch nie gegeben.
Brigid Kosgeis Halbmarathon-Splits: 1:11:38 / 1:06:42 Stunden
Brigid Kosgeis Teilzeiten: 16:58 – 16:45 – 17:15 – 17:15 – 15:55 – 15:36 – 16:04 – 15:31 (alle 5 km) – 7:01 (2,195 km)
Angesichts der irren Teilzeiten der Athletin aus dem arg vorbelasteten Rennstall von Federico Rosa, dessen Agentur Rosa Associati in den letzten von mehreren hochkarätigen Doping-Fällen (Rita Jeptoo, Jemima Sumgong, Sarah Chepchirchir) erschüttert wurde, hatte die Konkurrenz keine Chance. Vorjahressiegerin Vivian Cheruiyot wurde Zweite, die Äthiopierin Roza Dereje gewann die Spurt-Entscheidung um den dritten Platz gegen Gladys Cherono und Mary Keitany. Alle vier Verfolgerinnen liefen ebenfalls einen deutlichen Negativ-Split und schluckten dennoch eine Minute nach der nächsten im Kampf gegen Kosgei, der ungleicher kaum sein hätte können. Das seit Jahren mit starken Leistung aufzeigende Supertalent aus Kenia, das oft einen gelangweilten Gesichtsausdruck macht, ging ein halbes Jahr nach ihrem eindrucksvollen Triumph beim Chicago Marathon mit der Leistung von London den nächsten, logischen Schritt. Diesen setzte sie mit einer irren, im Marathon noch nie da gewesenen Demonstration auf der zweiten Hälfte.
Der RunAustria-Bericht des Männer-Rennens: Mit purer Dominanz zum Rekordsieg

Es stellte sich nicht als Bluff heraus, dass Mary Keitany bei der Pressekonferenz vor dem London Marathon betonte, nicht an den Weltrekord zu denken. Diesen Weg beschritt der Veranstalter mit und verzichtete nach dem missglückten Versuch im vergangenen Jahr auf den Einsatz von männlichen Tempomachern im Frauen-Feld. Damit kehrte waschechtes Women-Racing zurück in die britische Hauptstadt und es entwickelte ein sehr konservatives Rennen, auch weil die Eliteläuferinnen die Unterstützung der Pacemakerinnen, darunter Halbmarathon-Weltrekordhalterin Joyciline Jepkosgei, erst gar nicht annahm. In relativ konstantem Tempo ging es dahin, alle Favoritinnen überquerten die Zwischenzeit beim Halbmarathon in einer Zeit von 1:11:38 Stunden.
Sinead Divers Halbmarathon-Splits: 1:11:22 / 1:12:49 Stunden
Sinead Divers Teilzeiten: 16:57 – 16:45 – 17:02 – 16:53 – 16:51 – 17:16 – 17:39 – 17:20 (alle 5 km) – 7:27 Minuten (2,195 km)
Zu diesem Zeitpunkt lag Sinead Diver aus Australien in Führung. Die 42-Jährige entschied sich nach gut zehn Kilometern, ihr bevorzugtes Tempo zu laufen und verzichtete auf die leichte Verlangsamung der Gruppe der Favoritinnen. Und so kam es, dass die gebürtige Irin, die seit 17 Jahren am anderen Ende der Welt lebt, als Solistin einige Kilometer in Führung lag. Nach 1:11:22 Stunden war die erste Rennhälfte vorbei – für Diver in einem schnellen Tempo. Das Sprichwort mit dem Wein und dem Alter wird in der Sportberichterstattung sicherlich zu häufig eingesetzt, bei ihr passt es aber. Erst mit 37 begann Diver, die als IT-Beraterin arbeitet und zwei Kinder hat, mit Marathonlaufen. Mit 41 knackte sie erstmals die 2:30 Stunden und als 42-Jährige lief sie in London zu einer persönlichen Bestleistung von 2:24:11 Stunden, weil sie ihr Tempo auch auf der zweiten Hälfte gut durchhalten konnte. Zwar verlor sie die Führung kurz nach dem Beginn der zweiten Streckenhälfte, Platz sieben bei einem der wichtigsten Marathonläufe der Welt ist aber ein sensationelles Ergebnis für sie. Diver ist nun die drittschnellste australische Marathonläuferin aller Zeiten.
Kaum hatte die zweite Streckenhälfte begonnen, fiel praktisch ein zweiter Startschuss. Die Elite schaltete zwei Gänge hoch, überholte Diver und absolvierte die schnellste Phase des Rennens. Sieben Läuferinnen, angeführt von Linet Masai, überquerten gemeinsam die Zwischenzeit bei Kilometer 25. Das US-amerikanische Duo Emily Sisson und Molly Huddle orientierte sich gemeinsam mit der später ausscheidenden Äthiopierin Haftamnesh Tesfay ihr eigenes Tempo. Nach 1:39:44 Stunden war die Zwischenzeit bei Kilometer 30 erreicht. Dank des höllischen Tempos hatte Brigid Kosgei nun bis auf Vivian Cheruiyot alle Kontrahentinnen abgehängt. Roza Dereje, Gladys Cherono und Mary Keitany bildeten nun ein Verfolgertrio. Die ehemalige 10.000m-Weltmeisterin Linet Masai fiel in ihrem zweiten Marathon in der Folge bis auf Platz elf zurück, Birhane Dibaba konnte ihre Position ebenfalls nicht halten und wurde am Ende Neunte.
Titelverteidigerin Cheruiyot hielt noch fünf weitere Kilometer Kontakt zur entfesselnd laufenden Kosgei, danach „explodierte“ sie. Bei Kilometer 40 hatte die 35-Jährige eine Minute Rückstand auf ihre Landsfrau, im Ziel waren es fast zwei. Angesichts der überragenden Leistung von Kosgei war der zweite Platz ein gutes Ergebnis, zumal die zweite Marathon-Hälfte von 1:08:36 Stunden durchaus von Qualität zeugt.
Dass diese Teilzeit im Schatten der 1:06:42 Stunden von Brigid Kosgei steht, ist auch klar. Mary Keitany hatte beim New York City Marathon 2018, als Cheruiyot ebenfalls Zweite war, die zweite Marathon-Hälfte in unfassbaren 1:06:58 Stunden absolviert und schaffte die erste Marathon-Hälfte in London 2017 auf ihrem Weg zum Afrikarekord in 1:06:54 Stunden. Diese inoffizielle Rekorde sind nun ausgelöscht! Kosgei absolvierte den Weg von der Zwischenzeit bei Kilometer 35 bis ins Ziel um 25 Sekunden schneller als Mo Farah, immerhin Europarekordhalter bei den Männern, wenige Minuten später! Bei Rennhälfte waren Kosgeis Worte von der Pressekonferenz, „Es ist ein leichtes für mich, eine 2:17er Zeit zu laufen“, bereits vergessen – im Finale waren sie präsenter denn je. Die Leistung der jüngsten London-Marathon-Siegerin überhaupt auf der zweiten Marathon-Hälfte spiegelt sich in zwei fabelhaften Halbmarathon-Leistungen im laufenden Kalenderjahr wider: 1:05:50 Stunden in Houston und 1:05:28 Stunden in Manama (Bahrain).
Spannend wurde es noch einmal im Endspurt um den dritten Podestplatz: Roza Dereje, 2018 Siegerin des Dubai Marathon, setzte sich gegen die dreifache Berlin-Siegerin Gladys Cherono und die dreifache London-Siegerin Mary Keitany durch und stellte in 2:20:51 Stunden ein Top-Resultat sicher. Damit verpasste die 37-jährige Keitany zum zweiten Mal in Folge den Sprung auf das Stockerl des größten Marathons Großbritanniens, an dem bei guten Marathon-Bedingungen über 40.000 Läuferinnen und Läufer teilgenommen haben.
Die US-amerikanische Laufszene hat schon lange nicht mehr einen City-Marathon-Auftritt einer US-Läuferin außerhalb der eigenen Landesgrenzen mit so viel Interesse beobachtet wie das Marathon-Debüt von Emily Sisson. Am Ende konnte sie die in sie gesetzten Hoffnungen erfüllen und markierte in einer Zeit von 2:23:08 Stunden das zweitschnellste Marathon-Debüt einer US-Amerikanerin überhaupt. Auf dem Weg dorthin absolvierte 27-Jährige zwei ausgeglichene Hälften mit einem leichten Negativ-Split. Genau bei Kilometer 30 überholte Sisson Diver, später auch noch Masai und Dibaba. Weniger erfreulich verlief der London Marathon 2019 für die zweite US-Amerikanerin Molly Huddle trotz einer persönlichen Bestleistung von 2:26:33 Stunden. Da sie aber erstmals bei einem Rennen abseits der nicht unbedingt schnellen Strecken von Boston und New York startete, hatte sie auf eine größere Steigerung als elf Sekunden gehofft. Bereits nach zehn Kilometern fühlte sie, dass der Marathon schwer würde, sagte sie nachher. Kurz vor Kilometer 30 ließ sie ihre Landsfrau, mit der sie bis dato das Rennen gemeinsam gestaltet hatte, ziehen und wurde schlussendlich Zwölfte vor der jungen Japanerin Yuka Ando, die lange Zeit im Schatten ihrer Landsfrau Mao Ichiyama gelaufen ist. Ichiyama wurde zum Schluss allerdings durchgereicht.
Gar nicht nach Wunsch verlief der London Marathon 2019 für die britische Elite, die sich Hoffnungen auf eine Olympia-Teilnahme 2020 macht. Mit einer riesigen Ausnahme: Charlotte Purdue. Die 27-Jährige erwischte einen traumhaften Marathon und verbesserte sich um rund vier Minuten auf eine Zeit von 2:25:38 Stunden. Damit bugsierte sie sich auf Rang drei der ewigen britischen Bestenliste hinter Weltrekordhalterin Paula Radcliffe und Mara Yamauchi. „Ich bin wunschlos glücklich, es hätte nicht besser laufen können“, kommentierte die Lokalmatadorin nach einem für sie sehr gleichmäßigem Rennen auf hohem Niveau. Aus europäischer Sicht war lediglich die Portugiesin Carla Salome Rocha mit einer neuen persönlichen Bestleistung von 2:24:47 Stunden schneller. Die beiden liegen nun auf den Rängen drei und vier der europäischen Jahresliste, die seit dem Paris Marathon von Clémence Calvin angeführt wurde, gegen die allerdings ein Ermittlungsverfahren wegen einer möglicherweise verweigerten Dopingkontrolle läuft.
Charlotte Purdues Halbmarathon-Splits: 1:12:35 / 1:13:03 Stunden
Charlotte Purdues Teilzeiten: 17:07 – 17:06 – 17:21 – 17:18 – 17:08 – 17:22 – 17:29 – 17:08 (alle 5 km) – 7:39 Minuten (2,195 km)
Der RunAustria-Bericht des Männer-Rennens: Mit purer Dominanz zum Rekordsieg
1. Brigid Kosgei (KEN) 2:18:20 Stunden *
2. Vivian Cheruiyot (KEN) 2:20:14 Stunden
3. Roza Dereje (ETH) 2:20:51 Stunden
4. Gladys Cherono (KEN) 2:20:52 Stunden
5. Mary Keitany (KEN) 2:20:58 Stunden
6. Emily Sisson (USA) 2:23:08 Stunden **
7. Sinead Diver (AUS) 2:24:11 Stunden *
8. Carla Salome Rocha (POR) 2:24:47 Stunden *
9. Birhane Dibaba (ETH) 2:25:04 Stunden
10. Charlotte Purdue (GBR) 2:25:38 Stunden *
11. Linet Masai (KEN) 2:26:06 Stunden
12. Molly Huddle (USA) 2:26:33 Stunden *
13. Yuka Ando (JPN) 2:26:47 Stunden
14. Lilia Fisikovici (MDA) 2:27:26 Stunden ***
15. Mao Ichiyama (JPN) 2:27:27 Stunden
16. Tish Jones (GBR) 2:31:00 Stunden *
17. Lily Partridge (GBR) 2:31:53 Stunden
18. Hayley Carruthers (GBR) 2:33:59 Stunden *
19. Tracey Barlow (GBR) 2:36:26 Stunden
20. Sonia Samuels (GBR) 2:36:50 Stunden
* persönliche Bestleistung
** Marathon-Debüt
*** moldawischer Landesrekord
Virgin Money London Marathon