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Laura Muirs ehemaliger Erfolgscoach Young gesperrt

Vor einigen Jahren war Andy Young einer der Starcoaches im europäischen Laufsport. Nun ist dem schottischen Trainer schwerwiegendes Fehlverhalten nachgewiesen.
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Olympia-Silber, WM-Bronze, zwei Medaillen bei Hallen-Weltmeisterschaften, zwei EM-Titel, eine Goldmedaille bei Commonwealth Games, 14 Diamond-League-Siege – Laura Muir Erfolgsliste ist lang. Und liest sich schön. Zweimal U23-EM-Gold, Junioren-Europameisterin, vierfache Diamond-League-Siegerin, Hallen-WM-Silbermedaillengewinnerin und Finalteilnahmen bei Olympischen Spielen sowie Weltmeisterschaften. Das ist die Bilanz von Jemma Reekie. Auch sie hat viel erreicht. Die beiden Athletinnen und ihr Trainer Andy Young waren zu Erfolgszeiten ein harmonisches Trio, bis die Zusammenarbeit zu Jahresbeginn 2023 abrupt endete. Nun ist der Coach für drei Jahre gesperrt, rückwirkend ab April 2023. Und hat seine Trainerlizenz verloren.

Laura Muir habe „ein schwieriges Kapitel“ endgültig „hinter sich gelassen“. So zitiert die BBC das Urteil gegen ihren ehemaligen Trainer Andy Young. Es ist ein Ruf nach Befreiung. Rückwirkend seit 2023 ist der schottische Trainer für drei Jahre gesperrt worden, weil ihm „schwerwiegendes Fehlverhalten“ im Umgang mit Athletinnen mehrfach nachgewiesen werden konnte. Er hat medizinische Ratschläge ignoriert und mit manipulativen Verhalten seine Athletinnen unter Druck gesetzt.

Zurück zur Leidenschaft

Sie habe sich gegen anonymisierte Aussagen entschieden und damit den Druck in den Verhandlungen erhöht, erklärt Muir. Die 32-Jährige, die nun von der ehemaligen EM-Medaillengewinnerin und Kontrahentin Laura Weightman trainiert wird, entdecke im neuen Trainingsumfeld langsam die Liebe zu ihrer Leidenschaft wieder und möchte eine schwierige Wettkampfsaison 2025 bald hinter sich lassen. „Ich konzentriere mich jetzt auf die Zukunft, freue mich auf die nächsten Jahre und lasse dieses schwierige Kapitel endgültig hinter mir.“

Trügerisches Bild vom Erfolgstrio

Die Jubelmeldungen und euphorischen Schlagzeilen vor Jahren warfen ein ganz anderes Licht auf Erfolgscoach Andy Young und die Aushängeschilder seiner Trainingsgruppe, Muir und Reekie. Die beiden wirkten zu dieser Zeit nicht wie normale Trainingspartnerinnen und schon gar nicht wie Kontrahentinnen, sondern eher wie enge Freundinnen oder Geschwister. Heute lässt sich erahnen, dass nicht nur die Erfolge und die hervorragenden sportlichen Entwicklungen zusammenschweißten.

Heute trainieren die beiden nicht mehr miteinander. Jemma Reekie wird von Jon Bigg betreut. Wie Muir konnte auch die 27-Jährige in den letzten Jahren nicht an das sportliche Niveau ihrer Karriere-Hochzeit anknüpfen.

Strafmilderung nach Berufung

39 Anklagepunkte untersuchte der Disziplinarausschuss des Britischen Leichtathletik-Verbandes (UK Athletics) im September 2024, in neun fand er eine (Teil-)Schuld, sieben Fälle davon waren schwerwiegend. Youngs Berufung erwirkte, dass die Strafe von ursprünglich fünf auf drei Jahre verkürzt worden ist. Eine Rückkehr in den Trainerberuf mit neuerlicher Lizenzierung sei ihm nur nach dem Besuch festgelegter Schulungen zu entsprechenden Verhaltensthemen möglich.

Young wird kein direkter Missbrauch vorgeworfen. Die Vorwürfe sind dahingehend, dass er die sportliche Leistung über das Wohlergehen seiner Athletinnen stellte und auf diesem Weg medizinische Ratschläge ignorierte sowie andererseits auf psychischer Ebene mit Drohungen und Handlungen enormen Druck ausübte. In britischen Medien wird das Beispiel gebracht, dass er eine Athletin unter Schmerzen zum Training zwang, später wurde eine Stressfraktur diagnostiziert. Oder jenes, als er eine Athletin (oder einen Athleten) nach wilder Autofahrt aus der Emotion einfach am Straßenrand absetzte und davon fuhr. Oder dass er Kommentare zum Körpergewicht abgab.

Verband will hohe Verhaltensstandards

Auch Gabriela DeBues-Stafford, die sich in den Jahren 2019 und 2020 der Trainingsgruppe unter Young in Glasgow angeschlossen hatte, trat als Zeugin auf. In sozialen Medien bezeichnete die Kanadierin den gesamten Anhörungsprozess und seine Folgen „als entmenschlichend und frustrierend“, sah aber die Wichtigkeit darin, Erkenntnisse zu gewinnen, wie Athletinnen in Zukunft in solchen Lagen besser unterstützt werden könnten.

Die Lehren aus dem Fall betont man auch beim Britischen Leichtathletik-Verband. „Kein noch so großer Erfolg auf der Laufbahn kann jemals ein Verhalten rechtfertigen, das so weit hinter den Standards zurückbliebt, die von einem von UKA lizenzierten Trainer verlangt werden“, stellte Jack Buckner, CEO von UK Athletics, klar. Für Tom Solesbury, Geschäftsführer des britischen Verbandes, hat das Wohlergehen der Athletinnen und Athleten oberste Priorität: „Wir werden weiterhin die höchsten Verhaltensstandards im gesamten Sport durchsetzen.“ Colin Hutchinson, CEO von Scottish Athletics, bot allen Betroffenen die Unterstützung seines Verbandes an.

Auch der Präsident des Europäische Leichtathletik-Verband (European Athletics) meldete sich öffentlich zu Wort. „Keine Medaille und kein Ergebnis kann jemals ein Verhalten rechtfertigen, das die Würde und das Wohlergehen von Sportlerinnen und Sportlern untergräbt“, betonte Dobromir Karamarinov. Der Bulgare lobte zudem Laura Muirs „enormen Mut“: „Wir hoffen, ihr Mut wird sie stärken und ein Vorbild für andere sein.“

Autor: Thomas Kofler
Bild: © Fitsum Admasu / Unsplash (Symbolfoto)

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