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Gerade einmal zwei Tage lang hat der vermeintliche Fabel-Weltrekord von Sifan Hassan im 10.000m-Lauf gehalten. Die Äthiopierin Letesenbet Gidey verbesserte die Rekordmarke von 29:06,82 Minuten, welche die Holländerin am Sonntag beim World Athletics Continental Tour Meeting in Hengelo aufgestellt hat…


Gerade einmal zwei Tage lang hat der vermeintliche Fabel-Weltrekord von Sifan Hassan im 10.000m-Lauf gehalten. Die Äthiopierin Letesenbet Gidey verbesserte die Rekordmarke von 29:06,82 Minuten, welche die Holländerin am Sonntag beim World Athletics Continental Tour Meeting in Hengelo aufgestellt hat (siehe RunAustria-Bericht), auf der exakt gleichen Laufbahn um fast sechs Sekunden auf eine Zeit von 29:01,03 Minuten. Ein offenbar geplanter Versuch, denn nach dem Rennen sagte die 23-Jährige, sie habe den Weltrekordlauf erwartet. Die Richtmarke von 29 Minuten sieht sie nun aus der Nähe: „Nächstes Mal versuche ich vielleicht 28:56 zu laufen.“ Dieses Selbstbewusstsein widerspiegelt den Reigen an neuen Weltrekorden und Fabel-Bestleistungen der letzten Monate und Jahren. Denn unter modernsten Begebenheiten der Jetzt-Zeit werden fächendeckend historische Leistungen angeboten, daran hat sich die Laufwelt langsam gewohnt.
Am Dienstagabend wurden in der holländischen Kleinstadt nicht zum ersten Mal die äthiopischen Trials durchgeführt und die Weltrekordhalterin im 5.000m-Lauf (14:06,62, Valencia 2020) nutzte die guten äußeren Bedingungen, den für ein Meisterschaftsrennen eher günstigen Rennverlauf mit Halbmarathon-Weltrekordhalterin Ababel Yeshaneh als Begleiterin und insbesondere die Wavelight-Technologie als strahlende Orientierung der Pace. Sie ist nun die erste Läuferin seit Ingrid Kristiansen, die zeitgleich die Weltrekorde über 5.000m und 10.000m hält. Dasselbe Kunststück gelang 2020 bei den Männern Joshua Cheptegei, dessen Vorgänger Kenenisa Bekele ebenfalls beide Weltrekorde parallel gehalten hat – und das rund eineinhalb Jahrzehnte lang.
Besonders herausragend am Weltrekordlauf von Gidey ist der eklatante Negativ-Split. Denn die erste Hälfte absolvierte sie in rund 14:42 Minuten, eine Zwischenzeit, die auf eine sehr starke Endzeit, aber nicht unbedingt auf einen neuen Weltrekord hinwies. Dann kam aber eine beträchtliche Beschleunigung, die zweite Hälfte absolvierte sie in unglaublichen gut 14:18 Minuten. Diese Teilzeit umgemünzt in ein 5.000m-Einzelevent würde für die Top-Ten der ewigen Bestenliste in dieser Disziplin reichen und ist gleichbedeutend mit dem kenianischen Rekord von Hellen Obiri, ihres Zeichens amtierende Weltmeisterin in dieser Disziplin. Und übrigens ist der kenianische Landesrekord der zweitstärkste im 5.000m-Lauf hinter dem äthiopischen von Gidey, der gleichzeitig Weltrekord ist.
Weil Yeshaneh ausstieg, kam Tsiegie Gebreselama in einer Zeit von 30:06,091 Minuten auf Rang zwei ins Ziel, Tsehay Gemechu sicherte sich in 30:19,29 Minuten den dritten Platz. Beides sind persönliche Bestleistungen, Gebreselama ist nun die Nummer acht der ewigen äthiopischen Bestenliste, Gemechu die Nummer 13 (14 und 26 der ewigen Weltbestenliste). Gaststarterin Francine Niyonsaba knackte das Olympia-Limit, wie ihr schon über die halbe Distanz gelang. Ihr neuer Landesrekord für Burundi liegt bei 31:08,51 Minuten.
Für die zweite Sensationsleistung des Abends sorgte die de facto unbekannte Werkwuha Getachew im 800m-Lauf. Die amtierende äthiopische Meisterin lief in einer Weltjahresbestleistung von 1:56,67 Minuten zum Sieg und verbesserte den zwei Jahre alten Landesrekord von Habitam Alemu um 0,04 Sekunden. Die 26-Jährige, die zuvor noch nie unter zwei Minuten geblieben ist, ist die neue Nummer acht der ewigen afrikanischen Bestenliste im 800m-Lauf. Alemu musste sich übrigens trotz einer starken Leistung um eine Sekunde geschlagen und mit Silber zufrieden geben.
Auch im 5.000m-Lauf der Frauen hielt die eindrucksvolle Serie an historischen Leistungen an. Gudaf Tsegay lief das Rennen in irrem Tempo an und finishte es hochqualitativ. In einer Zeit von 14:13,32 Minuten ist sie nun die fünftschnellste Läuferin aller Zeiten über diese Distanz. Ihr folgten die erst 21 Jahre alte Ejgayehu Taye und die routinierte Senbere Teferi auf den weiteren Medaillenrängen. In ebenfalls erstaunlichen Zeiten von 14:14,09 und 14:15,24 Minuten bugsierten sie sich auf Rang sieben und acht der ewigen Weltbestenliste. Tsegays Siegerzeit ist selbstredend eine neue Weltjahresbestleistung.
Hochklassig war auch der 1.500m-Lauf der Frauen mit dem Sieg von Freweyni Hailu, die eine deutliche Bestleistung von 3:57,33 Minuten, äquivalent mit Position vier in der ewigen äthiopischen Bestenliste, markierte. Junioren-Weltmeisterin (800m) Diribe Welteji verbesserte den äthiopischen Juniorenrekord auf Platz zwei auf eine Zeit von 3:58,93 Minuten, Lemlem Hailu wurde Dritte.
Angesichts der höchsten Qualität bei den Frauen-Bewerben ging das mit Spannung erwartete, weil hochkarätige Rennen über 10.000m der Männer fast etwas unter, zumal keine Weltjahresbestleistung erzielt wurde. Allerdings blieben gleich fünf Athleten unter 27 Minuten. Nach einem spannenden Schlagabtausch setzte sich Selemon Barega in 26:49,51 Minuten vor Yomif Kejelcha und Berihu Aregawi durch – Hagos Gebrhiwet und Tadese Worku folgten mit Respektabstand. Baregas Schlussrunde dauerte weniger als 52 Sekunden, er und Kejelcha verpassten neue „Hausrekorde“ nur knapp.
Im 3.000m-Hindernislauf siegte Äthiopiens neue Rekordhalterin Mekides Abebe in einer Zeit von 9:13,63 Minuten, Sieger bei den Männern war der junge Bikila Takele in 8:09,37 Minuten, Vize-Weltmeister Lamecha Girma fehlte am Start. Den 1.500-Lauf entschied Teddese Lemi in persönlicher Bestleistung von 3:31,90 Minuten (Rang fünf der ewigen äthiopischen Bestenliste) für Samuel Abate und Samuel Tefera für sich. Im 5.000m-Lauf der Männer triumphierte Getnet Wale, eigentlich Spezialist für 3.000m-Hindernisläufe, aber seit Monaten auch auf flachen Strecken pfeilschnell – und das in einer Spitzenzeit von 12:53,28 Minuten, natürlich Weltjahresbestwert. Auch Nibret Melak, Milkesa Mengesha und Addisu Yehune blieben unter 13 Minuten.
Bemerkenswert: Der zweifache Weltmeister Muktar Edris musste sich mit Rang fünf zufrieden geben und droht die Olympischen Spiele zu verpassen. Die Trials sind für den äthiopischen Verband traditionell nicht binden wie etwa in den USA, in der Regel respektiert man allerdings die Resultate.
10.000m-Lauf der Frauen
10.000m-Lauf der Männer
5.000m-Lauf der Frauen
5.000m-Lauf der Männer
3.000m-Hindernislauf der Frauen
3.000m-Hindenislauf der Männer
1.5000m-Lauf der Frauen
1.500m-Lauf der Männer
800m-Lauf der Frauen
800m-Lauf der Männer
* neuer Weltrekord
** neue persönliche Bestleistung
*** neuer äthiopischer Juniorenrekord
**** neuer äthiopischer Landesrekord