Enter your email address below and subscribe to our newsletter

,

Lisa Redlinger: „Ich kann bei der EM nur gewinnen!“

Für Lisa Redlinger war die erstmalige EM-Qualifikation keine Pflicht, sondern eine Kür. Sie gelang auf eindrucksvolle Art und Weise mit starken Wettkampfleistungen.
Weiterlesen

Share your love

„Ich kann dort nur gewinnen!“, lautet die Devise von Lisa Redlinger vor ihrer EM-Premiere am Abend des 11. August im Alexander Stadium von Birmingham. Nach der Realisierung des großen Saisonziels kann sie beim Kontinentalhöhepunkt des Jahres ohne Druck laufen. Im Gepäck sind dennoch große Ziele. „Es ist megacool, gemeinsam mit den Stars an der Startlinie zu stehen. Aber ich lass mich davon nicht einschüchtern, sondern sehe mich als Teil des Events“, demonstriert die 23-Jährige ihr Selbstbewusstsein.

Es wird der bisherige Höhepunkt der Karriere von Lisa Redlinger. Die ersten Europameisterschaften bei den Großen. Birmingham kann kommen! Mit der erfolgreichen Qualifikation mag die junge Vorarlbergerin selbst den einen oder anderen Insider der heimischen Leichtathletik überrascht haben, der sie zu Jahresbeginn nicht auf der Liste gehabt hätte. Die 23-Jährige hat mit einem beeindruckenden Wettkampfsommer überzeugt und blickt mit großer Vorfreude auf die Belohnung: „Ich freue mich richtig auf das Stadion. Ich bin noch nie in einer so großen Arena und vor so vielen Zuschauer:innen gelaufen. Und ich freue mich auf den Wettkampf in einem richtig starken Starterfeld!“

Lisa Redlinger EM-Fahrplan
Dienstag, 11. August um 20:25 Uhr (MEZ) – 5.000m-Finale der Frauen

Uralt-Rekord im Blick

Das Erlebnis mag eine wichtige Komponente der Reise nach England werden. Redlinger freut sich auch darauf, viele österreichische Leichtathletinnen und Leichtathleten wiederzusehen, die die Vorarlbergerin vorwiegend aus geografischen Gründen im restlichen Jahr selten sieht – vor allem zu Caroline Bredlinger verbindet sie seit Juniorinnenzeiten eine Freundschaft. Das Teamgefühl, das Teamgefüge, es wird eine weitere Extrabrise Motivation bringen.

Denn im Vordergrund stehen natürlich die sportlichen Ambitionen. Sie unterstreicht, dass sie nach der erfolgreichen Saison mit realisierter EM-Qualifikation frei von Druck auflaufen will. Gleichzeitig hat sie große Ziele im Visier. Sie träumt von einem Idealrennen, das sie in die Top-Ten bringt. Unrealistisch ist das nicht, schließlich ist die Österreicherin in der nach Saisonbestleistungen gereihten Entry List die Nummer zwölf im 25 Athletinnen umfassenden Feld.

Und sie will jenes Ziel erreichen, das im Jahr 2026 noch offen ist: der seit 2001 bestehende österreichische Rekord von Susanne Pumper. 15:10,54 Minuten. „Meisterschaftsrennen sind bekanntermaßen immer taktisch geprägt und sicher nicht geeignet, um Europarekorde zu verbessern. Aber das Feld ist hochklassig und für mich könnte das Tempo gut passen, um eine sehr schnelle Zeit laufen zu können“, schätzt Redlinger.

Zitterpartie mit der „Road to Birmingham“

Zu Saisonbeginn stand eine Null in der „Road to Birmingham“. Fast. Um den Nachteil fehlender Hallenleistungen bzw. Leistungen aus dem letzten Jahr in entsprechender Punktqualität wettzumachen, brauchte die Vorarlbergerin entweder das knackige EM-Direktlimit von 15:05,00 Minuten (fünfeinhalb Sekunden unter dem ÖLV-Rekord) oder drei starke Leistungen für einen hohen Punktschnitt in der Europarangliste, äquivalent zum Qualifikationsranking.

Sie lieferte ab: bei einem Meeting in Stadtallendorf in Hessen, bei der Track Night Vienna und bei einem Meeting in Tübingen. Mit dem Punktschnitt von 1.157 rangierte die Österreicherin knapp innerhalb des 25-köpfigen Starterfelds für die EM, es begann eine nervenaufreibende Zitterpartie. Nach dem internationalen Meisterschaftswochenende zum Ende des Qualifikationszeitraums lag sie zwischenzeitlich auf dem Schleudersitz – wenige Tage später war klar: Es reicht: Birmingham gebucht!

Dass die junge Läuferin nach einigen Absagen und Bereinigungen letztendlich als 19. der „Road to Birmingham“ doch recht sicher ins EM-Starterfeld gekommen ist, war für sie eine große Erleichterung. In diesem Moment gipfelte eine ganze Saison. „Am Anfang des Jahres hätte ich es nie erträumt, bei der EM dabei sein zu können. Aber jetzt war ich schon an dem Punkt, an dem ich unglaublich traurig gewesen wäre, wenn es nicht geklappt hätte.“ Dass es so knapp wurde, ist auch dem komplexen Qualifikationsmechanismus über die Europarangliste geschuldet. Denn in Europas Jahresbestenliste liegt Redlinger deutlich weiter vorne als in der „Road to Birmingham“.

Der Österreichische Rekord beim Vienna 5K im Rahmen des Vienna City Marathon leitete Lisa Redlinger auf ihren Weg, sich den EM-Startplatz im 5.000m-Lauf zu holen. © VCM / Johannes Radlwimmer

Neues Leistungsniveau

Zwischen Saisonbeginn und der Gegenwart liegt eine enorme Steigerung in den Wettkampfleistungen im Vergleich zu den letzten Jahren. Der Turnaround in ihrem Kopf war der Österreichische Rekord im 5km-Lauf am Vortag des Vienna City Marathon – nur wenige Tage nach einem starken 10km-Lauf in Zürich. „Diese beiden Rennen haben mir gezeigt, dass ich die Zeiten in den Wettkämpfen abrufen kann.“ Plötzlich sei der Gedanke an Birmingham greifbar geworden.

Gemeinsam mit ihrem Manager und ihrem Umfeld gestaltete sie einen smarten Wettkampfplan: „Es galt, die richtigen Wettkämpfe auszuwählen: nach Kategorie, Bonuspunkten und Leistungsniveau der Starterfelder“. Sie selbst knüpfte mit ihren Leistungen an die Straßenlaufsaison im Frühjahr an und öffnete erfolgreich die Tür zu Europas Spitze im 5.000m-Lauf.

Deutlicher Sieg über Klosterhalfen

Ein feines Highlight setzte Redlinger im Juli beim Meeting in Tübingen, wo eigentlich die beiden erfahrenen Deutschen Elena Burkard und Konstanze Klosterhalfen das Direktlimit angreifen wollten. Turnierdirektor Dieter Baumann organisierte Tempomacherinnen, die Österreicherin freute sich auf ein harmonisches Feld für die Attacke auf den österreichischen 5.000m-Rekord von 15:10,54 Minuten, dem sie im Juni bei der Track Night Vienna schon auf eineinhalb Sekunden nahegekommen war.

Doch bei hohen Temperaturen entwickelte sich das Rennen anders als erwartet, die Tempomacherinnen hielten nicht durch, Redlinger war früh alleine an der Spitze und musste große Teile des Rennens „on my own“ bewältigen. „Trotz der tollen Unterstützung des Publikums war das schwierig. Wenn man so lange alleine ist, ist die Orientierung schwierig und dann fällt man automatisch ein bisschen zurück“, erinnert sie sich. Umso beeindruckender waren zwei Fakten: erstens die Zeit von 15:16,05 Minuten, zweitens, dass die 23-Jährige die deutschen Stars um Ex-Europameisterin Klosterhalfen förmlich deklassierte.

Lisa Redlinger

Verein: TS Lustenau
Trainer: Markus Hagmann
Disziplin: 5.000m
EM-Debüt
„Road to Birmingham“: Position 19/25
PB: 15:12,03 Minuten (Wien 2026)
Staatsmeistertitel 5.000m: 1

Lisa Redlinger bei ihrem starken Auftritt beim Meeting in Tübingen. © Jan Haller

Ihre Wettkämpfe 2026:
Sieg – 10km-Lauf beim Zürich Marathon, 32:29 Minuten
Sieg – Vienna 5K, 15:34 Minuten (NR)
Platz 4 – Elitelauf ASICS Österreichischer Frauenlauf, 15:37 Minuten
Platz 3 – The Lightning 10.000 in Stadtallendorf, 15:19,02 Minuten
Platz 9 – Track Night Vienna, 15:12,03 Minuten (ÖM-Titel)
Sieg – LAV & Friends, Tübingen, 15:16,05 Minuten

Konstanz als Schlüssel

Um die Gründe dafür zu analysieren, warum ihr der große Leistungssprung hin auf die Saison 2026 gelungen ist, blickt Lisa Redlinger zwei Jahre zurück. Damals lebte sie zu Ausbildungszwecken in San Francisco, ihre Karriere geriet durch diverse Ermüdungsbrüche ins Stocken. Gemeinsam mit ihrem damaligen Trainer gelang die Gestaltung eines Sportalltags mit hohem Anteil an Alternativtraining, das ihren Körper stabilisierte. „Die Konstanz, die ich seither habe, hat meine Entwicklung angetrieben“, betont sie.

Noch heute absolviert sie alle Ausdauereinheiten mit Alternativtraining. Wenn die Laufschuhe geschnürt werden, steht die Qualität an der Tagesordnung. Eine Belastungssteuerung als richtiger Mittelweg, der ihre Entwicklung forciert. „Auch die Trainingsgruppe in St. Gallen motiviert mich sehr“, erzählt sie von vielen jungen Nachwuchsathleten beim LC Brühl, die sich unter der Leitung des prominenten Schweizer Trainers Markus Hagmann, dessen Expertise sie schätzt, entwickeln und ein harmonisches Niveau in gemeinsame Trainings mit ihr einbringen. Auch wenn Redlinger viele Trainingseinheiten im westlichen Nachbarland absolviert – die kurze Anreise mit einer halben Stunde Autofahrt von ihrem Wohnort wahrt den regionalen Charakter.

Erfolgreich in Beruf und Leistungssport

Die Vorarlbergerin vertraut auf zwei Standbeine in ihrem Leben. Neben dem leistungsorientierten Laufsport ist sie gemeinsam mit ihrem Freund mit einem Webdesign-Unternehmen in Vorarlberg sehr erfolgreich. Sie schätzt die Gemeinsamkeiten zwischen Sport und Selbstständigkeit im Beruf. „Disziplin, Hingabe, konsequentes Arbeiten und das Verfolgen von Zielen – das ist in beidem wichtig.“

Die Balance gelingt, die Wechsel vom Fokus auf das Berufliche auf den Fokus aufs Sportliche und viceversa tun ihr gut. Durch die digitalen Möglichkeiten in ihren beruflichen Aufgaben findet sie die Flexibilität in Zeit und Raum, um beim Sport keine Abstriche machen zu müssen. Während der Zeit in Birmingham freilich, muss die Arbeit ein paar Tage ruhen.

Autor: Thomas Kofler
Bilder: © VCM / Roman Pfeiffer, © Jan Haller

Share your love