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Fünf Kilometer in 15:18 Minuten, im Schnitt 3:03,5 Minuten pro Kilometer. Lisa Redlinger war bereits Österreichs schnellste 5km-Läuferin, sie ist es nach ihrer starken Leistung am Samstag in Kopenhagen jetzt ganz deutlich. Was vielleicht noch mehr imponierte als der nationale Rekord, der angesichts der Leistungen im vergangenen Sommer in der Luft lag, war der beachtliche 14. Platz in einem globalen Meisterschaftsrennen, das sicher nicht das Niveau eines Olympischen 5.000m-Finals hatte, aber nicht schlecht besetzt war.
„Ich bin natürlich sehr zufrieden“, strahlte Lisa Redlinger (TS Lustenau) nach ihrem gelungenen Wettkampf am Samstagnachmittag. Um 16 Sekunden verbesserte sie ihren eigenen ÖLV-Rekord im 5km-Straßenlauf vom Wochenende des Vienna City Marathon im April – und schaffte damit das, was ihr im 5.000m-Lauf auf der Bahn in dieser Saison (noch) nicht vergönnt war: den optimalen Wettkampf. „Ich habe alles erreicht, was ich mir vorgenommen habe. Ich bin daher wirklich rundum zufrieden“, bekräftigte die Vorarlbergerin. Besonders stolz sei sie darauf, nach dem Überholmanöver gegen Megan Keith auf den letzten Metern drittbeste Europäerin im Ranking zu sein. Hinter Marta Garcia aus Spanien (Sechste), die schon EM-Medaillen zu Hause hat, und Hannah Nuttall aus Großbritannien, WM-Achte von Tokio und EM-Fünfte im 5.000m-Lauf von Birmingham.

Die 23-Jährige startete ambitioniert in den Wettkampf und wählte von Beginn an ein hohes Tempo. In diesem Vorhaben erwischte sie eine gute Gruppe, die bei windigen Bedingungen in der dänischen Hauptstadt wertvollen Schutz bot. Bis zum Schluss konnte Redlinger in der Verfolgergruppe der Spitze eine gute Rolle einnehmen und erreichte den durchaus beachtlichen 14. Rang mit einer Endzeit von 15:18 Minuten.
Denn die ein oder andere Läuferin mit gutem Niveau und höherer internationaler Erfahrung konnte die Vorarlbergerin hinter sich lassen, neben der Britin Keith auch zum Beispiel auch die Holländerin Diane van Es, die zweitschnellste Europäerin der Geschichte auf dieser Distanz.

An der Spitze des Rennens wurde Likina Amebaw ihrer Favoritenrolle gerecht. Bei ihrem Debüt im Dress des äthiopischen Verbandes hatte sie am vergangenen Wochenende beim World Athletics Ultimate Championship den Titel im 5.000m-Lauf gewonnen, bei ihrem zweiten Auftritt für ihr Heimatland folgte Triumph Nummer zwei.
Die 28-Jährige kontrollierte den Wettkampf von Beginn an und zog einen Kilometer vor dem Ende von ihrer kenianischen Kontrahentin Caroline Gitonga weg. Sie erarbeitete sich noch sieben Sekunden Vorsprung und überquerte die Ziellinie mit beiden Armen jubelnd in die Höhe gestreckt nach 14:41 Minuten. „Der Wechsel von der Bahn auf die Straße war nicht wirklich kompliziert, zumal ich auf beiden Untergründen viel trainiere. Mir liegt der Straßenlauf besser und ich wusste, dass ich gut vorbereitet sein würde. Deshalb habe ich von Beginn an die Initiative übernommen“, sagte die Siegerin.

Gitonga sicherte sich die Silbermedaille vor Rose Davies, die ihre starken Leistungen vom Ende der Bahnsaison nahtlos auf die Straße transferierte und in Kopenhagen mit einem Ozeanienrekord von 14:50 Minuten überraschte. Dank der Topleistung der 26-Jährigen und des unerwartet sensationellen Auftritts der 25-jährigen Südafrikanerin Tayla Kavanagh, die mit einer persönlichen Bestleistung von 14:51 Minuten Vierte wurde, musste die zweite äthiopische Medaillenanwärterin Aleshign Baweke mit Position fünf Vorlieb nehmen. Die kenianische Mitfavoritin Caroline Nyaga fiel dagegen bis auf Platz 13 zurück, wodurch Kenia in der etwas improvisiert wirkenden, weil künstlichen, Mixed-Wertung hinter Äthiopien und Australien nur Dritter wurde.
Auch der besten Europäerin, Marta Garcia aus Spanien, gelang auf Rang sechs eine persönliche Bestleistung von 14:59 Minuten – gleichbedeutend mit einer deutlichen Verbesserung des spanischen Rekords.
Die jüngsten Erfolge Likina Amebaws und ihre Premiere im äthiopischen Nationalteam sind auch unter dem Gesichtspunkt spannend, dass die Wahl-Spanierin gerne für das europäische Land antreten würde. Amebaw hat sich in den letzten Jahren von einer starken Cross- und Straßenläuferin zu einer Athletin entwickelt, die auch auf der Bahn mittlerweile der Weltklasse anzurechnen ist.
Sie lebt schon seit 2018 in Spanien (Quelle: AS) und ist mit ihrem Trainer und Manager Alberto Garcia auch privat liiert, wie die US-amerikanische Plattform „Let’sRun.com“ berichtet. Bereits vor drei Jahren habe Amebaw erstmals die spanische Staatsbürgerschaft beantragt und öffentlich den Wunsch bekräftigt, international ihre Wahlheimat zu vertreten. Seither befindet sie sich in einer Warteschleife.
Da in diesem Prozess keine Fortschritte erzielt werden konnte – spanische Medienberichte erwecken fast den Eindruck, als würde ihr Antrag ignoriert, liebäugelte die Äthiopierin im vergangenen Jahr mit einem Antrag auf die katarische Staatsbürgerschaft, um endlich auch bei internationalen Meisterschaften starten zu können, wie die spanische Sportzeitung „AS“ damals berichtete. Nach einer kräftigen Leistungssteigerung im Jahr 2026 nahm sie nun die Gelegenheit wahr, in Budapest und in Kopenhagen im äthiopischen Dress zu laufen. Die beiden Erfolge geben der gebürtigen Ostafrikanerin jedenfalls recht.
Die größte Sensation des WM-Wochenendes gab es wohl im allerersten Rennen am Samstagvormittag. Die klar favorisierte Äthiopierin Freweyni Hailu musste sich über die Meile der Französin Agathe Guillemot geschlagen geben, die in einer Zeit von 4:22,74 Minuten den Europarekord verbesserte. Diesen hatte erst vor wenigen Tagen Jemma Reekie mit ihrem Sieg bei der Kö Meile in Düsseldorf aufgestellt.
„Ich habe mich großartig gefühlt“, jubelte die 27-jährige Französin nach einem Traumlauf. „Es war eine lange Saison mit vielen aufregenden Rennen und schwierigen Momenten“, blickte sie zurück. Der Französische Leichtathletik-Verband (FFA) schrieb auf seiner Website von einem „ruhmreichen Tag“ für seine Athletin. Es sei verrückt, dass sie sich nun Weltmeisterin nennen dürfe, schickte Guillemot in der französischen Sportzeitung „L’Équiipe“ nach.
Mit 1,6 Sekunden Rückstand wurde Hailu wie schon vor drei Jahren Zweite, Bronze ging an die Kenianerin Mirriam Cherop. Lokalmatadorin Annemarie Nissen schrammte mit einer Leistung von 4:26,78 Minuten als Vierte haarscharf an Sensation für das Gastgeberland vorbei. Mitfavoritin Addison Wiley aus den USA musste sich mit Platz zehn zufrieden geben.

Der bisher größte Erfolg von Agathe Guillemot war der Gewinn der Goldmedaille bei den Hallen-Europameisterschaften 2025 in Apeldoorn in ihrer Spezialdisziplin, dem 1.500m-Lauf. Ein halbes Jahr davor hatte sie in Rom bei den Europameisterschaften die Bronzemedaille in dieser Disziplin gewonnen. Überhaupt war die Saison 2024 das Durchbruch-Jahr für die ehemalige Mehrkämpferin, die erst spät auf die Mittelstrecken wechselte. Bei den Olympischen Spielen vor heimischem Publikum in Paris schaffte es die Lokalmatadorin mit einer gewaltigen persönlichen Bestleistung von 3:56,69 Minuten überraschend ins Finale, wo sie den tollen neunten Platz belegte.
Ein Jahr später war bei den Weltmeisterschaften von Tokio bereits im Halbfinallauf Schluss, an die Freiluft-Leistungen von 2024 konnte die Französin erst heuer wieder anschließen. In der Diamond League gelangen zwei Top-Drei-Platzierungen, unter anderem mit einem französischen Rekord in Paris in 3:56,24 Minuten. Beim Saisonhöhepunkt, den Europameisterschaften von Birmingham, ging die On-Athletin als Vierte jedoch leer aus – eine Enttäuschung! Nach einer 800m-Bestleistung in Bellinzona Anfang August wurde Guillemot Sechste beim Diamond-League-Finale und Achte beim World Athletics Ultimate Championship. Nun krönte die Sternstunde von Kopenhagen ihr Jahr 2026.
Autor: Thomas Kofler
Bilder: © ÖLV / DECA, © Gaelle Mobuchon / World Athletics, Dan Vernon / World Athletics