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Anna Plattner, WM-Fünfte im Short Trail 2025 in den spanischen Pyrenäen, absolvierte beim heutigen Trailrun im Rahmen der European Off-Road Running Championships in den Bergen rund um der slowenischen Kleinstadt Kamnik ein engagiertes Rennen und lag bis kurz nach Halbzeit des Wettkampfs hinter der Schweizerin Judith Wyder auf Silberkurs. Doch der Magen streikte und zwang die Tirolerin zur Aufgabe. Im Männerrennen zeigte EM-Debütant Felix Bleier eine starke Leistung und erreichte Position 28 unter 85 Finishern.
Am Ende bliebt nur ein Eindruck: Schade! Anna Plattner (LG Decker Itter) erweckte die Hoffnungen auf die erste österreichische EM-Medaille im Trailrunning, seitdem das Trailrunning unter das Dach des Leichtathletik-Weltverbandes (World Athletics) gerückt ist und sowohl Welt- als auch Europameisterschaften gemeinsam mit Berglauf-Disziplinen ausgetragen werden. Dass die Trendsportart Trailrunning in ist, zeigte sich auch im Kamnik. 85 Athletinnen aus 28 europäischen Mitgliedsverbänden traten in Kamnik an – Plattner vertrat als Solistin die rot-weiß-roten Farben.
29 Kilometer lang lag die Tirolerin auf dem zweiten Platz, hinter der überlegenen Schweizerin Judith Wyder, aber vor dem Rest der europäischen Konkurrenz, aus der sich die schwedische Weltmeisterin Tove Alexandersson früh verabschiedete. Zu diesem Zeitpunkt war der Abstand auf Platz vier schon minutengroß, aber akute Magenprobleme mit noch über 20 Kilometern Restdistanz ließen nur eine Möglichkeit übrig: Aufgabe. Der Trailrunning-Tag in Slowenien endete für die 32-Jährige viel zu früh – und in grenzenloser Enttäuschung.
So bleibt vom heutigen Wettkampftag die Überlegenheit von Judith Wyder in Erinnerung. Sie beendete einen Start-Ziel-Sieg in einer Zeit von 4:36:41 Stunden und sicherte sich ihren ersten internationalen Titel, seitdem sie vom Orientierungslauf ins Trailrunning gewechselt ist.
Spannung kam im Duell um Silber auf: Emma Eriksson lag zwischenzeitlich schon fast zweieinhalb Minuten vor Maria La Chica, doch die Spanierin machte im Schlussdrittel mächtig Boden gut und konnte die Schwedin sogar noch überholen. In einer Zeit von 4:40:24 Stunden gewann La Chica wie ihre Landsfrau Nuria Gil vor vier Jahren Silber, Erikssons Bronzemedaille in 4:40:38 Stunden ist die erste für Schweden bei der dritten Off-Road EM in allen Disziplinen – gestern hatte ihr Landsmann Petter Engdahl die erste schwedische Berglauf-Medaille überhaupt geholt (siehe RunUp.eu-Bericht)
Die 37-jährige Schweizer Ausnahmeläuferin hat ein bewegtes Leben hinter sich – und eine erfolgreiche Karriere, die weiter andauert. Sportlich war sie im vergangenen Jahrzehnt die Nummer eins im Orientierungslauf und sammelte mehrfach EM- und WM-Goldmedaillen. 2019, während ihrer zweiten Schwangerschaft, erlitt die Schweizerin einen Schlaganfall in Folge eines Blutgerinnsels. Ihre zweite Tochter kam gesund auf die Welt, aber Wyder hatte mit nachhaltigen Problemen am rechten Auge und mit der Gedächtnisfunktion zu leiden.
Der Physiotherapeutin, die heute mit ihrem Ehemann im Kanton Tessin regelmäßige Trainingscamps organisiert, kämpfte sich in den Spitzensport zurück. Nach den Silbermedaillen im Short Trail bei der WMTRC 2023 in Innsbruck sowie im Up & Down Bewerb der Europameisterschaften 2024 ist der EM-Titel im Kamnik 2026 der vorläufige Höhepunkt des Trailrunning-Kapitels in der langen und erfolgreichen Karriere Judith Wyders.
Der einzige Österreicher im Männerrennen, Felix Bleier (EXCITINGFIT RUNNINGTEAM), teilte sich seinen Wettkampf bei seinem EM-Debüt im mit 104 Athleten besetzten Trail Race der Männer gut ein. Der 24-Jährige machte während der zweiten Rennhälfte sukzessive Plätze gut.. „Dadurch, dass es für mich die erste EM-Teilnahme war, waren meine Erwartungen nicht allzu hoch. Aber ich bin gut ins Rennen gekommen und habe gleich im ersten Anstieg gemerkt, dass ich ziemlich gute Beine habe“, berichtete der Oberösterreicher.

Als 28. gelang ihm noch der Sprung in die Top-30 des Rennens, vor allem in den Downhills konnte er einige Plätze wettmachen. Seine Zielzeit nach 52,7 Kilometern mit einer Höhendifferenz von 2.648 Höhenmetern im Anstieg und im Gefälle lautete 4:25:55 Stunden. „Ich hatte bis zum Schluss große Freude am Wettkampf und bin sehr zufrieden – mein Abschneiden ist deutlich besser als erwartet!“ Bleier stammt aus Bad Ischl und war in seiner Jugend Skilangläufer.
In bisher jeweils zwei Medaillenentscheidungen, seitdem das Trailrunning gemeinsam mit dem Berglauf Europameisterschaften austrägt, hat der französische Verband sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen je fünf der sechs Medaillen bisher gewonnen – 2024 beim Heimspiel in Annecy gab es zwei – nach amerikanischer Sportsprache – „Sweeps“.
Diese Überlegenheit des französischen Trailrunnings setzte sich 2026 in Kamnik nur bei den Männern fort, bei den Frauen blieb Frankreich mit Audrey Tanguy als Sechste ohne Edelmetall. Fréderic Tranchard, vor neun Monaten Weltmeister im Short Trail, dominierte das Männerrennen in einer Zeit von 3:55:14 Stunden und trat in die Fußstapfen seines Landsmanns Thomas Cardin, der dieses Mal nicht dabei war. Antoine Charvolin sicherte sich in einer Zeit von 4:05:13 Stunden die Bronzemedaille.
Der einzige, der die französische Party etwas gefährdete, war der Südtiroler Daniel Pattis, der die erste Hälfte der Strecke gemeinsam mit Tranchard an der Spitze lag. Am Ende gewann der 28-Jährige in einer Zeit von 3:59:54 Stunden die Silbermedaille – und damit die erste EM-Medaille im Trailrunning für Italien seit der Zusammenführung.
Der Norweger Stian Angermund, frisch von einer Dopingsperre zurück – er konnte glaubhaft argumentieren, unabsichtlich durch eine Kontamination zur verbotenen Substanz gekommen zu sein, weshalb sich seine Sperre auf 16 Monate hielt, musste sich mit Platz sechs zufrieden geben. Der zweifache Weltmeister ist einer der Big Names der Szene.
In den Nationenwertungen jubelte Frankreich bei den Männern konsequenterweise über die Goldmedaille mit nur elf Platzierungspunkten. Polen mit gleich drei Top-Ten-Platzierungen und Spanien sicherten sich die weiteren Medaillen. Bei den Frauen holte Frankreich hinter dem aus einer Überlegenheit heraus siegreichen Schweizer Team mit Judith Wyder (1.), Theres Leboeuf (5.) und Nadja Fässler (11.) die Silbermedaille. Spanien sicherte sich die Bronzemedaille.
Die Strecke des Trail Race führte vom Stadtzentrum in Kamnik nach einigen flacheren Kilometern die gestrige Uphill-Strecke hinauf zum höchsten Punkt in über 1.600 Meter über dem Meeresspiegel und dann weiter Richtung Norden. Dort machte die Strecke eine Wende und führte in einer Schleife mit Ab- und Anstiegen zurück zur finalen Bergabpassage Richtung Ziel in Kamnik. „Es war eine sehr abwechslungsreiche Trailstrecke. Von gut zu belaufenden Forststraßen bis hin zu engen und fordernden Single Trails war alles dabei“, schilderte ÖLV-Trailrunning-Referent Michael Geisler.
Im Gegensatz zum gestrigen Wettkampftag genossen die Athletinnen und Athleten optimale Wetterbedingungen mit angenehmen, frühlingshaften Temperaturen. Nur an den höchsten Punkten der Strecke schränkte Nebel die Sicht etwas ein.
Autor: Thomas Kofler
Quelle: Österreichischer Leichtathletik-Verband
Bilder: © ÖLV / Michael Geisler