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Manuel Innerhofers Abstecher in die Trailrunning-Weltspitze

Manuel Innerhofer lief beim Prolog zum Golden Trail Finale in der Schweiz auf den starken zehnten Platz. Im Hauptrennen zwangen ihn Schmerzen in der Wade zur Aufgabe.
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Es war ein Auf und Ab, im wahrsten Sinne des Wortes. Nicht nur auf der anspruchsvollen Strecke des Finalevents der Salomon Golden World Series in Ascona-Locarno im Schweizer Kanton Tessin am Lago Maggiore. Sondern auch in der Gefühlswelt von Manuel Innerhofer. Der Pinzgauer überraschte trotz suboptimaler Vorbereitung mit dem zehnten Platz im Prolog am Freitag und hielt auch am Sonntag im Hauptrennen lange gut in der erweiterten Weltspitze mit, ehe die Schmerzen in der Wade zu stark wurden. Sein Zwillingsbruder Hans-Peter spürt die lange Saison in seinem Körper und biss trotz Sturz durch. Der große Sieger des Wochenendes war El Housine Elazzaoui aus Marokko.

„Ich war selbst überrascht!“, kommentierte Manuel Innerhofer (LC Oberpinzgau) das Auftaktergebnis beim Finale der Golden Trails Series in Ascona-Locarno in der Schweiz. Platz zehn belegte der Pinzgauer im sieben Kilometer langen Prolog am Freitag mit 400 zu überwindenden Höhenmetern, mitten in der Trailrunning-Weltklasse. Mit einer Zeit von 28:09 Minuten fehlten am Ende nur 16 Sekunden bis zum sechsten Platz, das wäre gleichbedeutend der drittbeste Europäer hinter den beiden Schweizer Lokalmatadoren Rémi Bonnet und Roberto Delorenzi gewesen.

„Das ist schon ein starkes Ergebnis, insbesondere wenn man bedenkt, dass ich die letzten drei Wochen kaum trainieren konnte“, bekräftigte der 29-Jährige. Sieben Kilometer lang war der auf einem Rundkurs ausgetragenen Prolog, rund 400 Höhenmeter waren zu bewältigen. Sein Zwillingsbruder Hans-Peter, der bei diesem Einzelstartrennen vor ihm loslief, staunte nicht schlecht, wie früh er von Manuel überholt wurde: „Ich hab nur gedacht: ,Boa, Mani ist heute gut drauf’. Und hab ihn lautstark angefeuert.“ Hans-Peter, der für den Deutschen Marc Dürer, der auf ein Antreten verzichtete, erst ins Teilnehmerfeld nachgerückt war, beendete den Wettkampf in einer Zeit von 30:03 Minuten auf dem 33. Rang.

Der RunUp-Podcast zum Thema Trailrunning

Lange in Führung

Dadurch dass die beiden Österreicher nicht der in der World Series laufenden Weltelite angehören, sondern sich über die nationale Serie für das Finale qualifiziert haben, hatten die Zwillingsbrüder frühe Startnummern – im Gegensatz zu den Besten, die zum Schluss liefen. „Das sind alles Vollprofis“, betonte Hans-Peter Innerhofer, die beiden Pinzgauer dagegen gehen ihren Berufen nach und trainieren daher stets am Tagesrand.

Umso mehr genoss Innerhofer den Moment, als klar Führender ins Ziel zu kommen und diese Position eine Zeit lang inne zu haben – und bis zum Schluss bester der Nicht-Elite vor dem jungen Schweizer Loic Berger zu bleiben. Erst gegen Ende des Rennens, das 99 Finisher zählte, wurde deutlich schneller gelaufen: El Housine Elazzaoui legte mit einer Siegerzeit von 25:49 Minuten vor Rémi Bonnet (26:13) und Vertical-Berglauf-Weltmeister Patrick Kipngeno (26:40) ordentlich für das Hauptrennen vor.

Finale der Golden Trail World Series 2024

Von Schmerzen zum Aufhören gebracht

Die 23,5 Kilometer lange Strecke mit 1.400 zu bewältigenden Höhenmetern bezeichnete Manuel Innerhofer als perfekt für sich. Doch am Sonntag rächte sich die suboptimale Vorbereitung. Nach einer krankheitsbedingten Pause Anfang Oktober absolvierte er bei sich in der Heimat beim Kimmler Wasserfalllauf eine Trainingseinheit unter Wettkampfbedingungen und verspürte dabei einen Stich in der Wade. Um das Risiko vor dem großen Saison-Highlight im Trailrunning zu minimieren, absolvierte er in den knapp zwei Wochen hin zum Wettkampf lediglich lockere Laufeinheiten und ansonsten Radtraining.

So gut es ihm im Prolog gelang, die Schmerzen in der Wade zu „überlaufen“, so gut gelang ihm das über die 23,5 Kilometer nur in der Anfangsphase. Bis dahin lag der Österreicher gut im Rennen und bildete ein Tandem mit dem Italiener Daniel Pattis, der als zweitbester Europäer letztlich Siebter wurde. „Nach rund einer Stunde Wettkampfzeit waren die Schmerzen so groß, dass ich meine Kraft nicht mehr auf den Boden bekommen habe. Zeitweise konnte ich nicht mehr laufen, bergauf ging ich“, schilderte er. Der unvermeidliche Schluss: Aufgabe, auch wenn es nicht mehr allzu weit ins Ziel gewesen wäre. „Schade, denn bevor ich im Vorfeld der Halbmarathon-Staatsmeisterschaften, die ich gerne gelaufen wäre, erkrankt bin, war ich in absoluter Topform“, bilanzierte Innerhofer. Nun hofft er auf schnellstmögliche Genesung, um bei den Crosslauf-Staatsmeisterschaften am 17. November in Tulln wieder in guter Verfassung zu sein.

Das war die Salomon Golden Trail World Series 2024

  • 20. April 2024 – Kobe Trail (Japan)
  • 27. April 2024 – Four Sisters Mountain Trail (China)
  • 26. Mai 2024 – Zegama-Aizkorri (Spanien)
  • 30. Juni 2024 – Marathon Du Mont-Blanc (Frankreich)
  • 10. August 2024 – Sierre-Zinal (Schweiz)
  • 17. August 2024 – Tatra Sky Marathon (Polen)
  • 14. September 2024 – Headlands 27K (USA)
  • 22. September 2024 – Mammonth 26K (USA)
  • 17.–20. Oktober 2024 – Ascona-Locarno Golden Trails Finals (Schweiz)

Elazzaoui gelingt perfektes Wochenende

An der Spitze zementierte Elazzaoui seine Überlegenheit in der gesamten Saison mit einem neuerlichen Sieg in einer Zeit von 1:50:19 Stunden. Er bezeichnete den Sieg bei der Golden Trail World Series als „wahr gewordenen Traum“. Elazzaoui lebt in der Sommersaison in der Region, hatte dementsprechend ein echtes Heimrennen, was sich auch in der Gunst des Publikums widerspiegelte.

Damit war ihm auch der Sieg in der Gesamtwertung der Salomon Golden Trail World Series mit 1.000 Punkten vor Kipngeno und Bonnet sicher. Elazzaoui hatte neben dem Final-Doppel auch den Marathon du Mont-Blanc sowie die Amerika-Rennen in Headlands und Mammoth gewonnen. Kipngeno, der die ersten beiden Saisonrennen in Asien gewonnen hatte, belegte auch am Sonntag den dritten Platz und hatte bei diesen finalen Rennen insbesondere in den sehr steilen Bergauf- und Bergabpassagen offensichtliche Nachteile gegen seine beiden Kontrahenten.

Lange Saison

Einziger Österreicher im Ziel am Sonntag war demnach Hans-Peter Innerhofer in einer Zeit von 2:07:14 Stunden, der Platz 42 Wert war. Ein Sturz im finalen Downhill, der eine blutende Wunde am Knie, sonst aber keine weiterführenden Verletzungen zur Folge hatte, kostete eine Top-30-Platzierung. Dass Hans-Peter am vergangenen Wochenende nicht so leistungsstark war wie sein Bruder, hat ihn nicht überrascht: „Ich war jetzt im Herbst nicht mehr in meiner besten Form. Es war eine lange Saison und ich habe gemerkt, wie viel Substanz die vielen langen Rennen gekostet haben.“ Auch die Rippenverletzung, die er sich im Sommer zugezogen hatte und die eine Zwangspause zur Folge hatte, war nicht förderlich beim Formerhalt. Dennoch war er mit seinem Auftritt beim Finale in der Schweiz im Rahmen der Voraussetzungen nicht unzufrieden und nahm auch die tolle Stimmung am Streckenrand des Rundkurses wohlwollend auf.

Das Golden Trail World Series Finale

Das Golden Trail World Series Finale powered by Salomon fand erstmals in den Alpen statt und zwar in der von mediterranem Klima geprägten südlichen Schweiz. Das Finalfeld setzt sich aus den Teilnehmer*innen der World Series und den jeweils zwei Besten der National Series zusammen. Jene in der DACH-Region umfasste je zwei Rennen in Deutschland (Alpenstadt City & Trail in Hochstaufen und Zugspitz Ultratrail in Garmisch-Partenkirchen), der Schweiz (Zermatt Marathon und Sierre Zinal) sowie Österreich (Pitz Alpine Glacier Trail und Mayrhofen Ultraks).

Kenianische Gesamtsiegerin

Bei den Frauen ging die Golden Trail World Series mit 964 Punkten (die besten vier Resultate in der Serie zählten, Anm. d. Red.) klar an die Kenianerin Joyce Njeru, die 150 Punkte mehr als die Schweizerin Judith Wyder gesammelt hat. In Ascona-Locarno lieferte sich die kenianische Siegerin des Berglauf-Weltcups ein spannendes Duell mit der US-Amerikanerin Lauren Gregory. Im Prolog gewann Njeru in einer Zeit von 31:38 Minuten exakt eine halbe Minute vor Gregory, es folgte die Rumänin Madalina Florea auf das Stockerl, während Wyder hinter der Amerikanerin Sophia Laukli Fünfte wurde.

Im Hauptrennen triumphierte die aus dem offenen Feld heraus laufende Joyline Chepngeno aus Kenia, die den Prolog nicht in den Beinen hatte, mit einer Zeit von 2:08:40 Stunden mit über vier Minuten Vorsprung. „Ich hoffe, im nächsten Jahr bin ich bei der ganzen Serie dabei!“, sagte sie. Gregory ließ Njeru im Kampf um Platz zwei hinter sich – um exakt eine halbe Minute! Da das Hauptrennen als wichtiger klassifiziert war, erhielt die Amerikanerin die meisten Punkte am Final-Wochenende. Wyder folgte als Vierte. Die in Österreich lebende Slowakin Silvia Schwaiger, die sich über die National Series für das Finale qualifiziert hatte, erzielte einen mehr als beachtlichen 16. Platz. Auch im Prolog ist die 43-Jährige bereits gut gelaufen, Platz 24.

Autor: Thomas Kofler
Bild: © Colin Olivero

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