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Im Jahr 1908 ging das älteste, jährlich durchgeführte Hallen-Leichtathletik-Meeting der Welt in New York erstmals über die Bühne, die Millrose Games. 118 Auflagen später schrieb Cameron Myers eine besondere Geschichte. Im Alter von 19 Jahren und 237 Tagen ist er der jüngste Läufer aller Zeiten, der den traditionsreichsten Bewerb im Rahmen dieses Meetings gewonnen hat: die Wanamaker Mile.
Für den wohl größten Wettkampfsieg seiner Karriere – den Traditionsbewerb bei einem der wichtigsten Hallenmeetings der Welt – musste der australische Rohdiamant sich gegen starke Konkurrenz durchsetzen. Und das tat er mit einer Attacke rund 300 Meter vor dem Ziel. Von vorne lief der 19-Jährige als Sieger über die Ziellinie: um ein Hauch keine persönliche Bestleistung, aber der Sieg in 3:47,57 Minuten und immer noch in der neuntschnellsten Hallenzeit über diese Distanz aller Zeiten.
Im Hallen-Interview mit der NBC gab Myers zu, dass er erwartet hätte, eine Zeit von 3:45 Minuten laufen zu müssen, um den Wettkampf zu gewinnen. „Die Zeit ist aber egal, ich habe gewonnen und das ist großartig!“, so Myers. „Eigentlich wollte ich drei Runden vor dem Ende attackieren, aber nach dem Rennverlauf habe ich mich entschieden, etwas länger zu warten.“
Hobbs Kessler, der vor einer Woche in Boston eine Weltbestleistung im 2.000m-Hallenlauf aufgestellt hatte (siehe RunUp.eu-Bericht), und Yared Nuguse folgten ihm, konnten das Blatt aber nicht mehr für einen Heimsieg wenden. Kessler ist der drittschnellste Meilenläufer der Geschichte unter dem Hallendach, Nuguse der zweitschnellste. Letzterer musste sich nach drei Siegen in Folge bei der Wanamaker Mile mit Platz zwei zufrieden geben, obwohl er sich auf den letzten Metern noch an seinen Landsmann vorbeischieben konnte. Myers blieb unerreicht für ihn.
Der Deutsche Robert Farken belegte in einer Zeit von 3:51,07 Minuten den siebten Platz.
Die Millrose Games gingen bereits zum 118. Mal über die Bühne und sind damit das älteste, ununterbrochen ausgetragene Hallenmeeting der Welt. Ausgerichtet wird das Meeting von den New York Road Runners, Austragungsort ist das Nike Track & Field Center at the Armory in New York City. Fast 100 Jahre lang war bis 2011 der legendäre Madison Square Garden die Bühne für die Millrose Games. Nach einem phänomenalen Meeting mit zwei Weltrekorden im vergangenen Jahr gab es 2026 starke, aber keine Wunderleistungen, dafür auf den Laufdistanzen spannende Entscheidungen. Die Wanamaker Mile ist der traditionelle Hauptbewerb.
Das zweite Highlight des Abends auf den Langdistanzen war das in kurzfristiger, krankheitsbedingter Abwesenheit von Grant Fisher auf ein Duell reduzierte Zwei-Meilen-Rennen: Cole Hocker gegen Josh Kerr. Bei den Olympischen Spielen in Paris hatte Hocker im 1.500m-Lauf Kerr auf höchstem Niveau besiegt. In New York kehrte der Schotte nach seiner während des WM-Finals erlittenen Muskelverletzung auf die Wettkampfbühne zurück. Damals schädigte er seine Wadenmuskulatur zusätzlich, indem er das Rennen nicht abrupt beendete, sondern noch fast einen Kilometer ins Ziel lief – sehr unrund. „Mein Job ist es, so schnell wie möglich von der Startlinie weg bis zur Ziellinie zu laufen – und das hab ich getan. Man kann nie wissen, was passiert“, rechtfertigte er sich in einem Interview mit der BBC wenig später.
Bei den Millrose Games verhielt er sich typisch, indem er in Lauerposition beobachtete, was an der Spitze passierte. Als Kerr sich an die Spitze orientierte und Hocker aufmerksam mitging, wagte Parker Wolfe, US-Meister im Crosslauf, einen entschlossenen Vorstoß. Erst wenige Meter vor der Ziellinie verhinderte der amtierende Weltmeister im 5.000m-Lauf, Cole Hocker, den Sensationssieg und sicherte sich mit einem Überholmanöver auf der Außenbahn den Sieg in einer Zeit von 8:07,31 Minuten. Kerr schlüpfte innen noch auf Platz zwei in 8:07,68 Minuten durch, Wolfe folgte in 8:07,83 Minuten. Dahinter platzierten sich der australische Hallen-WM-Medaillengewinner Ky Robinson und 3.000m-Hindernislauf-Weltmeister Geordie Beamish aus Neuseeland.
In der Wanamaker Mile der Frauen lieferten sich Nikki Hiltz und Jessica Hull einen spannenden Schlagabtausch um den Sieg. Die US-Amerikanerin Hiltz übernahm in der vorletzten Runde die Führung und gab sie nicht wieder ab. Mit einer Zeit von 4:19,64 Minuten hatte die 31-Jährige im Ziel einen Vorsprung von 0,47 Sekunden auf die Australierin, die sich wesentlich verbessert gegenüber ihren Auftritt letzte Woche in Boston zeigte. Platz drei ging an die Polin Klaudia Kazimierska in 4:21,36 Minuten.
Eine Sensation gab es im 800m-Lauf der Männer, in dem der Spanier Mohamed Attaoui, nachdem er Donavan Brazier eingangs der letzten Runde mit einer Beschleunigung von der Spitze verdrängt hatte, wie der sichere Sieger aussah. Doch mit einem unfassbaren Finish überholte ihn noch der Außenseiter Colin Sahlman, der in einer deutlichen persönlichen Bestleistung von 1:44,70 Minuten als Erster die Ziellinie überquerte. „Ich dachte, ich wäre der langsamste im Feld. Aber man läuft natürlich immer auf Sieg. Ich bin super happy mit dem, was ich zeigen konnte“, sagte der 22-jährige Überraschungsmann im Hallen-Interview mit der NBC.
Der WM-Fünfte Attaoui, der ehemalige WM-Medaillengewinner Ben Pattison sowie die viel höher eingeschätzten Landsleute Brazier und der ehemalige Hallen-Weltmeister Bryce Hoppel sahen nur die Rücklichter. Boston-Sieger Cian McPhillips fehlte kurzfristig an der Startlinie. Für den Spanier war die Zeit von 1:44,98 Minuten trotz des verpassten Siegs eine persönliche Hallen-Bestleistung. Er attackiert beim World Athletics Indoor Tour Meeting der Stufe Gold in Madrid am kommenden Freitagabend vor heimischem Publikum den 1.000m-Hallenweltrekord.
Eine weitere Sensation wäre beinahe im 600m-Lauf passiert: Jenoah McKiver führte lange, aber das US-Talent Cooper Lutkenhaus fing ihn kurz vor der Ziellinie noch ein. In einer Zeit von 1:14,15 Minuten verbesserte der 17-Jährige die U18-Hallen-Weltbestleistung deutlich. Den 600m-Lauf dominierte die US-Amerikanerin Roisin Willis in einer Zeit von 1:24,87 Minuten.
Einen Favoritensieg feierte die Kenianerin Doris Lemngole im 3.000m-Lauf der Frauen in einer Zeit von 8:31,39 Minuten, wobei sie von seiner starken Schlussrunde profitierte. Im 1.000m-Lauf der Frauen war die ehemalige Hallen-Weltmeisterin Tsige Duguma (800m) nicht zu schlagen. Sie erzielte eine Zeit von 2:35,50 Minuten, Addison Wiley wurde Zweite.
🇦🇹 Am Donnerstag fand das erste internationale ÖLV-Hallenmeeting in der Sport Arena Wien statt. Im 800m-Lauf erzielte Tabea Schmid (ULC Riverside Mödling) in einer Zeit von 2:12,01 Minuten eine neue persönliche Bestleistung, klare Siegerin war die Rumänin Cristina Daniela Balan in 2:07,64 Minuten. Wenig später feierte Anton Seiler (KSV Alutechnik) einen Heimsieg in 1:56,89 Minuten. Die Siege in den 3.000m-Läufen gingen an Markus Reißelhuber (team2012.at, 8:31,69) und Anita Claudia Zaro aus Rumänien (10:01,00).
🇺🇸 Sie war U20-Europameisterin und U23-Europameisterin, doch bisher ist Isabelle Boffey der Durchbruch in der Allgemeinen Klasse nicht gelungen. Das könnte sich letzten Freitag bei einem Meeting in Boston nachhaltig geändert haben. Die 25-jährige Britin zauberte eine Zeit von 1:57,43 Minuten auf die Laufbahn und liegt nun auf Rang zwei der ewigen britischen Hallenbestenliste hinter Paris-Olympiasiegerin Keely Hodgkinson und auf Platz acht der ewigen Weltbestenliste unter dem Hallendach. Das Besondere: Boffey lief fast zwei Sekunden schneller als ihre Freiluft-Bestleistung.
Nur zwei Tage vor ihrem Sieg bei den Millrose Games glänzte auch die 21-jährige Roisin Willis auf der Bahn in Boston. Sie verbesserte mit einer Zeit von 1:57,97 Minuten den US-Hallenrekord von Ajee Wilson um gut drei Zehntelsekunden. Die drittplatzierte Gladys Chepngetich brach in einer Zeit von 1:58,81 Minuten den kenianischen Hallenrekord der Olympiasiegerin von Peking 2008 Pamelo Jelimo.
🇺🇸 Ein historischer Sportmoment hat sich am Samstag in Boston zugetragen. Der erst 16 Jahre alte Sam Ruthe, der eine 50-stündige Anreise aus Neuseeland hinter sich hatte, lief beim John Thomas Terrier Classic eine Indoor-Meile in einer Zeit von 3:48,88 Minuten und stellte damit eine neue Weltbestleistung für die Altersklasse U18 auf. Noch nicht genug: Der Teenager löschte damit den legendären neuseeländischen Meilenrekord der Lauflegende John Walker aus den Bestenlisten. Wie die US-amerikanische Plattform „Let’sRun.com“ verglich, hat das Ausnahmetalent Ruthe die besseren Vergleichsleistungen als 16-Jähriger als die Europäer Niels Laros und Jakob Ingebrigtsen sowie der Australier Cameron Myers.
🇫🇷 Die amtierende U23-Europameisterin Audrey Werro hat ihre Hallensaison mit einem Paukenschlag eröffnet. Beim Meeting de l’Eure im französischen Val-de-Reuil, ein Meeting der World Athletics Indoor Tour Silber, pulverisierte sie ihren eigenen Schweizer Hallenrekord um fast zweieinhalb Sekunden! Mit einer Leistung von 1:57,49 Minuten reiht sich die 21-Jährige nun in die Top-Ten der ewigen Hallen-Bestenliste ein. Beim Gold-Meeting in Liévin in gut zwei Wochen wird es zum Aufeinandertreffen zwischen Werro und Superstar Keely Hodgkinson kommen.
Die Deutsche Majtie Kolberg wurde in einer Zeit von 2:01,42 Minuten Wettkampf-Fünfte. Mit einem neuen französischen Hallenrekord hat sich die amtierende Hallen-Europameisterin im 1.500m-Lauf, Agathe Guillemot in Position für eine gute Hallensaison gebracht. Nur zwei Tage nach ihrem starken Saisondebüt über 800m (2:00,30) glänzte die 26-jährige Bretonin im Meilenrennen mit einer Zeit von 4:23,27 Minuten. Jocelyne Wind verbesserte den Schweizer Hallenrekord auf eine Zeit von 4:37,02 Minuten.
Autor: Thomas Kofler
Bild: Pixabay