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Nach 25 Jahren – die Ära Reschenseelauf endet

Der Rennerclub Vinschgau hat in einer Presseaussendung nach 25 Austragungen das sofortige Ende der Traditionsveranstaltung am Reschensee bekannt gegeben.
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„Der Reschenseelauf wird nicht mehr stattfinden!“ Es ist eine nüchterne Headline, die Besucher:innen auf der Veranstaltungswebsite begrüßt. Sie passt nicht zum hinter den Worten thronenden, weithin bekannten Kirchturm des alten Grauner Dorfes, der bei der Aufstauung vor fast 80 Jahren sämtlichen Sprengungen standhielt und als historisches Mahnmal aus dem See ragt. Ein touristischer Hotspot, millionenfach fotografiert, die alpine Idylle im Hintergrund. Eines der wichtigsten Assets Südtirols. Diese Impression schreit förmlich nach Erlebnis, nach Natur, nach Sport. Doch das Zugpferd Reschenseelauf gehört ab jetzt der Vergangenheit an – nach 25 Austragungen.

Bis zu 4.000 Läufer:innen aus dem In- und Ausland haben den Reschenseelauf ein Vierteljahrhundert lang zu einem der beliebtesten Laufevents im Sommer im Alpenraum gemacht. Der Rennerclub Vinschgau, über die Jahre engagierter Veranstalter, bezeichnet den Event als „geprägt von Herzlichkeit, Idealismus und dem Herzblut unzähliger Menschen, Helfer, Freunde und Sportler“. Als „Ausdruck von Begeisterung, Gemeinschaft und Stolz“. Nun hat er die Entscheidung getroffen, den Reschenseelauf nicht mehr zu organisieren. Es sei ein Schritt, der schwer gefallen sei. „Aber nach intensiver Abwägung ist er unausweichlich geworden“, heißt es in einem Pressestatement. Der Entschluss erfolgte bei bereits geöffneter Anmeldung für das Jahr 2026.

Große Herausforderungen

Die angeführten Gründe für die Entscheidung sind ein Rundumschlag gegen Organisationshürden: der bürokratische Aufwand, das organisatorische und finanzielle Risiko, umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen, personelle Probleme und der mangelnde Rückhalt durch einige lokale Partner. Diese Herausforderungen zermürbten den zeitlichen Einsatz des OK-Teams, das den Sprung in die nächste Generation nicht geschafft hat. Eine verantwortungsvolle Weiterführung des Reschenseelaufs sei so nicht mehr realisierbar.

Rückzug des Ok-Chefs

Das Gesicht des Reschenseelaufs war seit vielen Jahren Gerald Burger, der in der Region diverse Sportveranstaltungen organisiert. Wie die Südtiroler Tageszeitung „Dolomiten“ vor einigen Tagen berichtete, wurde Burger zu Jahresende 2025 unerwartet als Direktor der Ferienregion Reschenpass gekündigt – auf Basis einer internen Personalentscheidung, wie in regionalen Medien zu lesen ist.

Rai Südtirol zitiert Burger mit folgenden Worten: „In den letzten zehn Jahren habe ich im Tourismusverein gearbeitet und konnte die Veranstaltung in meiner Arbeitszeit organisieren. Jetzt bin ich nicht mehr im Tourismus tätig. Und in der Freizeit auf freiwilliger Basis geht so etwas nicht.“ Eine Wertschöpfung von rund 2 Millionen Euro habe der Reschenseelauf jährlich für den Vinschgau gebracht, schreibt RAI Südtirol online.

„Nahezu unglaublich“

Auf Social Media kommentierte der bekannte Südtiroler Läufer Hermann Achmüller, der viele prominente Marathonläuferinnen in den letzten Jahren als Tempomacher unterstützte, darunter Naoko Takahashi bei ihrem Weltrekordlauf in Berlin 2001 oder Andrea Mayr bei ihrem VCM-Sieg 2009: „Es ist nahezu unglaublich, dass eine der schönsten Veranstaltungen, die wir in Südtirol je hatten, nach 25 Jahren sterben muss, weil einem die Umstände dazu zwingen und die nötige Unterstützung von außen fehlt. (…) Es waren 25 unvergessliche Jahre!“

Ein besonderer Lauf

Mit dem Ende des Reschenseelauf verschwinde nicht nur eine Veranstaltung. Es gehe ein Stück Südtiroler Laufkultur verloren, betont das Statement des Veranstalters. Der Reschenseelauf war und ist der bekannteste Laufevent in der Region, auf rund 1.500m Meereshöhe, an einem der nördlichsten Punkte Italiens, einen Steinwurf vom Grenzübergang zu Österreich, eine Bergkette getrennt von Schweizer Territorium.

Viele derer, die in der Region sportlich aktiv sind, haben eine Teilnahme am Reschenseelauf als Pflichtprogrammpunkt deklariert, als fixes To-Do auf der Bucket List. Ähnlich handhabten dies zahlreiche Laufbegeisterte aus ganz Europa. „Zurück bleiben Erinnerungen an emotionale Zieleinläufe, sportliche Höhepunkte und die besondere Atmosphäre rund um den Reschensee“, so das Veranstalterteam. „Es bleiben Geschichten, Freundschaften und der Stolz, gemeinsam etwas Großes geschaffen zu haben.“

Der Reschenseelauf verabschiede sich – aber er hinterlasse Spuren, die lange in der Erinnerung verankert bleiben würden.

Autor: Thomas Kofler
Bild: © newspower.it

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