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Nächste Steigerung für Pallitsch in Hengelo

Raphael Pallitsch erzielte bei den FBK Games im holländischen Hengelo eine Saisonbestleistung im 1.500m-Lauf. Die 800m-Läufe wurden zur Jubelbühne in Oranje.
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Die wichtigste Erkenntnis erreichte Raphael Pallitsch längst, bevor er sich auf den Weg nach Hengelo machte. Mit der Gewissheit einer deutlichen Besserung der muskulären Beschwerden, die in Ostrava noch die ein oder andere Sorgenfalte auf seiner Stirn hinterlassen hatte, gelang ihm ein nächster Schritt. Auch wenn in der Schlussphase nicht alles gelang.

Platz neun in einer Zeit von 3:35,15 Minuten, lautete die statistische Ausbeute von Raphael Pallitsch (Union St. Pölten) von seiner Teilnahme an den FBK Games in Hengelo, eines der traditionsreichsten Leichtathletik-Meetings in Mitteleuropa. Ein weiterer Schritt in die richtige Richtung, wie der Burgenländer im Gespräch mit RunUp.eu fünf Tage nach dem Meilenrennen in Ostrava (siehe RunUp.eu-Bericht) betonte: „Die Tendenz meiner Entwicklung stimmt!“ Da der Burgenländer mit Trainingsrückstand in den Sommer startete, ist jeder Wettkampf auf diesem Niveau, knapp zwei Monate vor den Europameisterschaften, viel Wert.

Stau in der Kurve

Dass Pallitsch auf der Innenbahn gesetzt war, was ein Nachteil in der Startphase ist, stimmte ihn nicht besonders glücklich. Wie üblich erfuhren die Athleten die genaue Aufstellung erst im Call Room. Die taktische Folge war ein verhaltener Beginn des Österreichers. „Mit der Rennentwicklung bin ich grundsätzlich zufrieden. 200 Meter vor dem Ziel allerdings, genau als ich das Tempo anziehen wollte, war ich auf der Innenbahn eingeklemmt und bin auf meinen Vordermann draufgelaufen. Da habe ich mein Momentum und meinen Rhythmus total verloren“, schilderte er.

Der 36-Jährige fightete entlang der Zielgerade auf der Innenbahn, mehr als Rang neun in einer Zeit von 3:35,15 Minuten war nicht mehr drin. „Das Niveau ist hoch, die Dichte enorm. Wir haben mittlerweile riesige Starterfelder und alle können und wollen fast gleich schnell laufen. Das führt zu turbulenten Startphasen und macht es extrem schwierig. Dann bedeuten Kleinigkeiten oft gleich einen Verlust von 4-5 Positionen“, so Pallitsch. Der Olympia- und WM-Teilnehmer hofft nun, mit stabiler Gesundheit und Verletzungsfreiheit seine Form weiter zu optimieren.

Der Wettkampfsieg ging überraschend an den Amerikaner Samuel Prakel, der in einer Zeit von 3:33,23 Minuten gerade noch den führenden Franzosen Paul Anselmini (3:33,26) abfing. Für den 31-jährigen US-Amerikaner war dies eines seiner besten Rennen überhaupt und durch die Stellung des Meetings, nämlich als World Athletics Continental Tour Gold-Meeting, der prestigeträchtigste Erfolg seiner Karriere.

Jagd auf den EM-Startplatz

Mit der gestrigen Leistung und den 35 Bonuspunkten, die es für einen neunten Platz bei einem Meeting der World Athletics Continental Tour Gold (A-Meeting) gibt, wird Pallitsch seinen Punkteschnitt aus den fünf besten Wettkämpfen im Qualifikationszeitraum für die EM 2026 in Birmingham noch einmal etwas verbessern. Aus der Wertung fällt seine Halbfinalleistung bei den Weltmeisterschaften in Tokio 2025, womit der Österreicher in der „Road to Birmingham“ den Italiener Pietro Arese überholen wird und in der neuen Ausgabe nächste Woche somit auf Position 25 zu finden sein wird.

Die 24 vor ihm liegenden Athleten haben alle das Direktlimit von 3:33,50 Minuten unterboten, dazu ist Jakob Ingebrigtsen als Titelverteidiger mit einer Wildcard gesetzt. 30 Startplätze sind in den EM-Vorläufen vorgesehen, der Qualifikationszeitraum läuft noch fünf Wochen. Pallitschs Punktevorsprung auf die gegenwärtigen Positionen 27 bis 30 ist enorm, somit können realistischerweise nur eine Reihe von weiteren Direktlimits seinen EM-Startplatz gefährden – und das nur von Athleten, deren Nationen noch nicht dreimal in den Top-30 vertreten sind. Das lädt zu Risiko ein, auf das Direktlimit loszugehen, bestätigt der Routinier.

Der 36-Jährige läuft seinen nächsten Wettkampf am Freitagabend beim Boris Hanzekovic Memorial in Zagreb, ein weiteres traditionsreiches Meeting der World Athletics Continental Tour Gold. In der kroatischen Hauptstadt bestreitet auch Caroline Bredlinger (LT Bgld Eisenstadt), Siegerin des 800m-Laufs bei der Track Night Vienna (siehe RunUp.eu-Bericht), ihren nächsten 800m-Wettkampf.

© Erik van Leeuwen

Heimtriumph für Broeders-Bol

Emotionaler Höhepunkt für das Publikum im nach der legendären holländischen Sprinterin Fanny Blanker-Koen benannten Stadion – auch das Meeting ist mit den Initialen nach ihr benannt – waren die beiden 800m-Läufe. Erst betrat die ehemalige Weltklasse 400m-Hürdensprinterin Femke Broeders-Bol die Arena und feierte ihren ersten Freiluftsieg in ihrer neuen Disziplin, den 800m. Dabei überzeugte die 26-Jährige, indem sie sich die attackierende Konkurrenz auf den letzten Metern souverän vom Leib hielt und ihr Tempo auf den letzten 100 Metern gut halten konnte. Nach einer Durchgangszeit von rund 58 Sekunden zur Hälfte siegte die Lokalmatadorin in einer Zeit von 1:57,41 Minuten, womit sie nur knapp über der Leistung von Ostrava am vergangenen Dienstag blieb (siehe RunUp.eu-Bericht).

Am Geburtstag ihres Ehemanns war Broeders-Bol als klare Favoritin ins Rennen gegangen und schnappte sich auch die Position hinter Tempomacherin Lisanne De Witte, die die erste Runde etwas langsamer absolvierte als vorher angekündigt. Auf der Gegengerade brachte sich Majtie Kolberg in die hervorragende Position hinter dem führenden Superstar, Abbey Caldwell beschleunigte im Hinterfeld und attackierte in der Kurve erfolgreich die Deutsche. Die 24-jährige Australierin kam Broeders-Bol eingangs der Zielgerade beachtlich nahe, danach konnte die Holländerin ihre Überlegenheit ausspielen. „Es ist wichtig, dass ich in so vielen Typen von Rennen Übung bekomme. Ich wollte einen guten Wettkampf mit einer Beschleunigung in der zweiten Runde laufen. Als sich das Rennen nicht so schnell entwickelt hat wie erhofft, bin ich ruhig geblieben“, analysierte sie. Ihr nächster Wettkampfauftritt ist ein besonderer: Beim Diamond-League-Meeting am Sonntag in Paris trifft Broeders-Bol wieder auf Shootingstar Audrey Werro.

Caldwell sicherte sich in einer Zeit von 1:58,22 Minuten Rang zwei, die Französin Clara Libermann schnappte sich in 1:58,69 Minuten noch Kolberg. Die 26-jährige blieb in 1:58,78 Minuten nur knapp über ihrer Saisonbestleistung und ihrer persönlichen Bestleistung von den Olympischen Spielen in Paris. Platz fünf holte sich die Schweizerin Valentina Rosamilia in 1:59,75 Minuten. Mit der neunten Leistung unter zwei Minuten ihrer Karriere behauptete sie sich vor Ex-Weltmeisterin Halimah Nakaayi aus Uganda.

Siegreiches Comeback für Laros

Mindestens genauso eindrucksvoll wie Broeders-Bols Erfolg war Minuten später der Sieg von Niels Laros im 800m-Lauf der Männer. Der 21-Jährige, aufgrund einer Verletzungen in seinem ersten Wettkampf seit dem enttäuschenden fünften Platz bei den Weltmeisterschaften von Tokio 2025, wo er im 1.500m-Lauf für viele als Favorit gegolten hatte, agierte taktisch geschickt und brachte sich vor der letzten Kurve in die beste Position – im Windschatten des Franzosen Yanis Meziane. Diesen überholte er eingangs der Zielgerade und distanzierte in dieser Phase den Rest des Feldes entscheidend. „Ich bin sehr glücklich mit diesem Resultat und bin froh, dass ich wieder Wettkämpfe laufen kann“, so der Youngster.

Die Siegerzeit von 1:43,83 Minuten bedeuten eine neue persönliche Bestleistung auf der Unterdistanz für den 1.500m-Spezialist. Der 21-Jährige liegt damit nun auf Rang drei der ewigen holländischen Bestenliste hinter Bram Som und Rob Druppers. Samuel Chapple, 2025 Hallen-Europameister in dieser Disziplin, sicherte sich zeitgleich mit dem Kroaten Marino Bloudek in 1:44,63 Minuten den zweiten Platz, Meziane blieb der vierte Platz für dem Überraschungs-WM-Vierten des letzten Jahres, Cian McPhillips aus Irland, der wie Laros sein erstes Rennen in dieser Saison bestritt.

In der chronologisch ersten Laufentscheidung des Nachmittags gewann Keneth Kiprop aus Uganda den 5.000m-Lauf in einer Zeit von 13:13,43 Minuten im Duell mit dem 19-jährigen Saymon Amanuel aus Eritrea und seinem Landsmann Dolphine Chelimo. Im Duell um die beste europäische Platzierung hatten der Deutsche Florian Bremm (6.) und der Schweizer Jonas Raess (9.) das Nachsehen gegen den Iren Nicholas Griggs und Lokalmatador Mike Foppen auf den Rängen vier und fünf.

Weitere wichtige Meetingergebnisse

🇰🇪 800m-Weltmeisterin Lilian Odira hat in Nairobi den kenianischen Meistertitel im 800m-Lauf in einer Zeit von 2:00,44 Minuten gewonnen. Die nationalen Titelkämpfe dienen dem kenianischen Leichtathletik-Verband zur Nominierung des Teams, welches im Sommer an den Commonwealth Games in Glasgow teilnehmen wird. Ex-Weltmeisterin Mary Moraa erlitt eine Muskelverletzung im Training und konnte nicht an den Meisterschaften teilnehmen, womit sie ihren vor vier Jahren im Duell mit Keely Hodgkinson errungenen Titel nicht verteidigen kann.

Nicht alle kenianischen Stars wollen bei den Commonwealth Games dabei sein. In Abwesenheit von Olympiasieger Emmanuel Wanyonyi im 800m-Lauf gewann Wycliffe Kinyamal den Titel. Dem 28-Jährigen könnte in Glasgow eine Besonderheit gelingen: Er gewann bereits bei den Commonwealth Games 2018 und 2022 die Goldmedaille. Timothy Cheruiyot gewann den 1.500m-Lauf in für die Höhenlage Nairobis gutklassigen 3:32,28 Minuten.

🇬🇧 Georgia Hunter-Bell hat für das Highlight bei den zweitägigen britischen Leichtathletik-Meisterschaften im Alexander Stadium von Birmingham gesorgt. Die 32-Jährige verbesserte den 31 Jahre alten britischen Meisterschaftsrekord von Kelly Holmes und siegte mit einer Zeit von 1:55,93 Minuten mit dreieinhalb Sekunden Vorsprung auf Isabelle Boffey. Bei den Männern reüssierte Jake Wightman im 800m-Lauf knapp vor Ben Pattison.

🇶🇦 Eine Überraschung lieferte der 800m-Lauf der Frauen im Rahmen des Diamond-League-Meetings am Freitagabend in Doha. Die US-Amerikanerin Addison Wiley besiegte in einer Zeit von 1:57,98 Minuten die äthiopische Olympia-Silbermedaillengewinnerin Tsige Duguma und feierte ihren ersten Erfolg in der prestigeträchtigen Diamond League. Als eine von drei Europäerinnen im Rennen belegte die Schweizerin Lore Hoffmmann in 2:01,96 Minuten den elften Platz.

© Marta Gorczynska for Diamond League AG

Abgesehen von Wileys Überraschungssieg dominierten die Äthiopierinnen. Birke Haylom führte in 3:59,89 Minuten eine äthiopischen Dreifachsieg im 1.500m-Lauf an, die deutsche Hindernislauf-Spezialistin Gesa Krause überzeugte mit einer persönlichen Bestleistung von 4:04,28 Minuten als Vierte. Im 5.000m-Lauf lagen gar fünf Äthiopierinnen voran, mit Medina Eisa als Siegerin in moderaten 14:53,91 Minuten – bei hohen sommerlichen Temperaturen in Katars Hauptstadt. Der einzige Laufbewerb der Männer endete mit dem Favoritensieg von Soufiane El Bakkali im 3.000m-Hindernislauf. Der Marokkaner setzte sich in 8:09,28 Minuten im Duell mit dem Äthiopier Samuel Firewu durch, der Spanier Daniel Arce wurde Dritter. Niklas Buchholz aus Deutschland wurde Sechster.

© Marta Gorczynska for Diamond League AG

Das Diamond-League-Meeting in Doha war ursprünglich für 8. Mai geplant, wurde aufgrund des militärischen Konflikts im Nahen Osten aber aus Sicherheitsgründen auf 19. Juni verschoben. Der veranstaltende nationale Leichtathletik-Verband des Golfstaats verkündete am Tag vorher mit Mazzraty einen neuen Hauptsponsor des einzigen Diamond-League-Meetings der Region.

🇫🇷 Bereits Mitte letzte Woche lieferte Jimmy Gressier den Höhepunkt des Meetings im französischen Montreuil. Der amtierende Weltmeister im 10.000m-Lauf verbesserte den französischen 3.000m-Rekord auf eine Zeit von 7:28,67 Minuten. Dabei unterstützte ihn Hindernislauf-Europameister Alexis Miellet als Tempomacher. Für ein weiteres Highlight des Meetings sorgte die deutsche Smilla Kolbe, die den 800m-Lauf überraschend in einer persönlichen Bestleistung von 1:58,99 Minuten vor drei starken Französinnen und der Schweizerin Veronica Vancardo gewann.

Autor: Thomas Kofler
Bilder: © Erik van Leeuwen / © Marta Gorczynska for Diamond League AG

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