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Nächstes Gold: Battoclettis unwiderstehlicher Antritt

Mit einem Antritt, der der Konkurrenz in Europa nicht den Hauch einer Chance ließ, fixierte Nadia Battocletti im 10.000m-Lauf ihren bereits vierten EM-Titel alleine im Stadion.
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Wie vor zwei Jahren in Rom dominierte Nadia Battocletti beide Langstreckenrennen bei den Europameisterschaften. Wie im 5.000m-Lauf reichte ihr eine entschlossene und kraftvolle Temposteigerung in der letzten Runde, um einen klaren Sieg herauszulaufen. 28,2 Sekunden für die letzten 200 Meter – unwiderstehlich. Die 26-Jährige ist nun die erfolgreichste italienische Leichtathletin bei Europameisterschaften – gemeinsam mit Gianmarco Tamberi, der am Freitagabend zeitgleich seine Hochsprungshow abzog und mit ebenfalls vier Goldmedaillen die italienische Sprintlegende Pietro Mennea übertrumpfte.

Nach 31:41,17 Minuten stand die vierte EM-Goldmedaille Nadia Battoclettis fest und die Leichtathletik-Historiker dürfen einen neuen Eintrag formulieren. Freilich hatte es das Doppel 5.000m-10.000m bei Europameisterschaften schon öfters gegeben, auch wenn beide Disziplinen bei den Frauen eher jung sind. Zweimal in Folge ist diese Kombination in Gold vor Battocletti niemandem gelungen, weder Sonia O’Sullivan noch Elvan Abeylegesse oder Yasemin Can. „Die ganze Saison lag der volle Fokus auf dieses Doppel. Ich bin sehr aufgeregt, Leichtathletik-Geschichte geschrieben zu haben“, betonte die Siegerin. Mit 26 Jahren ist ein Ende dieser Erfolgsserie angesichts ihrer Dominanz nicht in Sicht.

Ergebnis 10.000m-Finale der Frauen, EM 2026
Gold: Nadia Battocletti (Italien) 31:41,17 Minuten
Silber: Maureen Koster (Niederlande) 31:45,76 Minuten
Bronze: Jana van Lent (Belgien) 31:47,81 Minuten

 
4. Idaria Prieto (Spanien) 31:59,84 Minuten
5. Elisa Palmero (Italien) 32:00,06 Minuten
6. Federica del Buono (Italien) 32:01,42 Minuten
7. Marusa Mismas Zrimsek (Slowenien) 32:02,57 Minuten
8. Megan Keith (Großbritannien) 32:04,81 Minuten
9. Lisa Merkel (Deutschland) 32:09,07 Minuten
10. Lisa Rooms (Belgien) 32:10,22 Minuten

Gold mit Selbstverständnis

Dass sie fast zeitgleich mit Gianmarco Tamberi das jeweils vierte EM-Gold sicherte und damit den Freitagabend ganz im Sinne der italienischen Leichtathletik gestaltete, die in einem Herzschlagfinale gegen Gastgeber Großbritannien den Medaillenspiegel gewinnen sollte, ist eine der wenigen Gemeinsamkeiten zwischen diesen beiden Athleten. Battocletti ist eine ruhige Persönlichkeit, immer mit einem Lächeln auf den Lippen, immer höflich und eher zurückhaltend. Auch sie weiß sich zu inszenieren und für Fotografen zu posen, aber anders als der exzentrische Showmaster in der Hochsprungkurve. Doch es gibt noch eine weitere Gemeinsamkeit: In Sachen Selbstbewusstsein steht Battocletti ihm in nichts nach, wie die Tage in Birmingham zeigten.

© Maja Hitij / Getty Images for European Athletics

Eigene Liga

Und das hat Aussage. Denn nach zwei berauschenden Jahren mit den ersten beiden EM-Titeln sowie globalen Medaillen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften, wo sie einzig der kenianischen Dominatorin Beatrice Chebet den Vortritt lassen musste, und Erfolgsserien auf kontinentaler Ebene auch im Cross- und Straßenlauf, ist die 26-Jährige in dieser Saison in ein kurzes Tief gerutscht. Statt einem Angriff auf den Europarekord kassierte sie beim Diamond-League-Meeting in Rom mit Platz 13 im 5.000m-Lauf eine gewaltige Niederlage. Entgegen der Gewohnheiten der letzten Jahre.

Die italienischen Meistertitel über 1.500m und 5.000m nahm sie im Vorbeigehen mit, auf weitere Wettkämpfe verzichtete sie nach einer intensiven Hallensaison, die mit dem Gewinn der Goldmedaille bei den Hallen-Weltmeisterschaften im 3.000m-Lauf einen grandiosen Höhepunkt hatte. Die Vorfreude auf neuerliche Duelle mit der Weltbesten nach deren Rückkehr aus der Babypause ist groß.

© Maja Hitij / Getty Images for European Athletics

Wettkampf nach Plan

Battocletti mag im Wettkampfsommer 2026 (noch) nicht in der Überform der letzten Jahre sein, sie sprach jedoch von einer guten finalen Vorbereitung. In Kombination mit ihrer taktischen Renngestaltung war sie in Birmingham gegen die europäische Konkurrenz jedenfalls in einer eigenen Liga. Ruhig und achtsam lief sie 9.700 Meter lang, stets alles unter Kontrolle.

Ein abrupter, ruckartiger Wechsel des Schritts auf der Gegengerade der letzten Runde reichte, um ihre Gegnerinnen deutlich zu distanzieren. „Das Rennen lief mehr oder weniger wie ich gehofft hatte. Ich hatte eigentlich geplant, zwei Runden vor Schluss zu beschleunigen. Aber dank der Tempoarbeit von Megan war das nicht notwendig, ich konnte auf meinen Moment warten“, erzählte sie aus dem Rennen.

Und deutete an, dass sie möglicherweise ihre Saison mit den beiden EM-Titeln beendet. Kommt es so, finden sowohl die Ultimate World Championships als auch die Road Running WM ohne sie statt.

Nach elf Jahren auf dem Stockerl

In der längsten Laufdisziplin im Stadion ging es hinter Battocletti, die ein starkes italienisches Team mit den Rängen für Elisa Palmero und sechs für Federica del Buono anführte, nur um die Silber- und Bronzemedaille. Lokalmatadorin Megan Keith hatte von Beginn an mächtig in das Tempo investiert und wurde bitter bestraft. In der vorletzten Runde verlor sie die Medaille aus den Augen, in der letzten Runde brach sie ein und wurde bis auf Rang acht zurückgereiht – noch vor der besten Deutschen, Lisa Merkel.

Nach ihrer auf taktischer Ebene dürftigen Darbietung über die halbe Distanz belohnte sich Maureen Koster dieses Mal endlich mit der längst überfälligen ersten Medaille bei Freiluft-Europameisterschaften. Elf Jahre nach Hallen-EM-Silber im 3.000m-Lauf und nach gleich zwei vierten Plätzen im 5.000m-Lauf 2022 und 2024 machte die 34-jährige Niederländerin dieses Mal vieles richtig und sicherte sich in einer Zeit von 31:45,76 Minuten Silber. „Ich bin sehr stolz auf mich. Ich habe bewiesen, dass ich mich auf meinem Level weiter verbessern kann. Diese Medaille ist die Kirsche auf der Torte“, blickte Koster auf eine starke Saison zurück.

Sie trat damit in die Fußstapfen ihrer Landsfrauen Susan Krumins (2018) und Diane van Es (2024), die ebenfalls 10.000m-Silber gewannen. Dass der sechste Platz über die halbe Distanz am Eröffnungstag eine herbe Enttäuschung darstellte, gab sie ohne Umschweife zu. „Daher bin ich besonders froh. Ich bin 34 und weiß nicht, wie oft noch die Gelegenheit für Edelmetall kommt.“

Premiere für van Lent

Bronze sicherte sich Jana van Lent in einer Zeit von 31:47,81 Minuten und jubelte: „Ich war schön öfters nah dran, endlich habe ich eine Medaille. Sie bedeutet mir alles!“ Im Interview mit European Athletics erinnerte sie an einen allergischen Schock, den sie sechs Tage vor dem EM erlitten hatte. „Ich hatte ein paar richtig schwere Tage und habe schwer Luft bekommen. Gott sei Dank hat es sich schnell gebessert.“

Van Lents Medaille ist nicht nur die erste für Belgien bei Europameisterschaften in dieser Disziplin, sondern auch der allererste Top-Acht-Platz bei 10.000m-Rennen einer Belgierin. Für sie selbst ist die Bronzemedaille besonders nach zwei vierten Plätzen bei Crosslauf-Europameisterschaften eine Genugtuung.

Autor: Thomas Kofler
Bilder: © Maja Hitij / Getty Images for European Athletics

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