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Die Hauptprotagonisten haben bei den Crosslauf-Europameisterschaften geliefert. Jimmy Gressier, in Abwesenheit von Jakob Ingebrigtsen der Topfavorit, musste sich in einem faszinierenden Zweikampf allerdings Thierry Ndikumwenayo knapp geschlagen geben. Weniger Showfaktor hatte Nadia Battoclettis Lauf zur Titelverteidigung, die Italienerin agierte zu souverän.
Jimmy Gressier ist ein Athlet, dem es nicht an Selbstvertrauen mangelt. Und schon gar nicht nach einer echten Traumsaison. Zwei Europarekorde und drei weitere französische Rekorde hat der 27-Jährige alleine in diesem Kalenderjahr aufgestellt. Im April gewann er den Halbmarathon bei den Straßenlauf-Europameisterschaften. Die Krönung war aber das sensationelle WM-Titel im 10.000m-Lauf in Tokio auf Basis einer genialen Schlussrunde. Wenige Tage später ließ er WM-Bronze über die halbe Distanz folgen. In Anbetracht dieser Erfolge und der Tatsache, dass der dreifache Crosslauf-Europameister Jakob Ingebrigtsen kurzfristig seinen Start in Lagoa abgesagt hat (siehe RunUp.eu-Bericht) ging der Franzose zurecht mit dem Gefühl der Favoritenrolle auf seinen Schultern in den 7.470 Meter langen Wettkampf. Er kontrollierte ihn in der ersten Rennhälfte und kurz vor Halbzeit beschleunigte er, um die Spitzengruppe zu sprengen.
Doch einen Kontrahenten konnte Gressier trotz gezielter Tempoverschärfungen, besonders in den winkligsten Passagen, nicht abschütteln: Thierry Ndikumwenayo heftete sich an seine Fersen und übernahm erst eingangs des letzten Kilometers erstmals zaghaft die Führung, als er in einer engen Linkskurve die Innenbahn erwischte.
Schulter an Schulter jagte das Duo hinunter Richtung der kurzen Zielgerade. Ndikumwenayo bog als Erster in die letzte Kurve ein, Gressier kam just dann außer Tritt, als er den verzweifelten Schlussspurt forcieren wollte. Er stellte ab, die Kraft war am Ende, nach drei Titel in der Altersklasse U23 muss der Franzose weiterhin auf seinen ersten Crosslauf-EM-Titel bei den Erwachsenen warten. „Ich hätte geglaubt, dass ich Thierry im Spurt schlagen würde. Aber er war stärker als ich, herzliche Gratulation an ihn. Meine Beine waren nicht stark genug“, sagte Gressier und fügte hinzu: „Es ist nicht das, was ich mir erhofft hatte. Aber nach diesem erstaunlichen Jahr mit dem WM-Titel und dem EM-Titel im Halbmarathon kann ich auch mit Silber sehr zufrieden sein. Was für ein 2025!“
Ndikumwenayo, im Vorjahr Bronzemedaillengewinner, lebt seit acht Jahren in Spanien und stammt aus Burundi. In seinem zweiten Wettkampfjahr im spanischen Nationaldress überraschte er sich mit diesem Titel: „Eigentlich bin ich nicht in bester Form zur Crosslauf-EM gekommen. Es hat sich durch die kurze Anreise und die Unterstützung vom Streckenrand angefühlt, als wäre es mein Heimrennen.“ Die Endzeit eines schnellen Rennens lautete 22:05 Minuten, drei Sekunden später folgte der Silbermedaillengewinner. Es ist der erste Crosslauf-Titel bei den Männern für die traditionsreiche Crosslauf-Nation Spanien seit Alemayehu Bezabeh im Jahr 2013 und der erst dritte insgesamt.
Eine schwierige Wettkampfsaison bisher ohne große Erfolge für Dominic Lobalu fand am gestrigen Sonntag ein glorreiches Ende. Der Europameister im 10.000m-Lauf sicherte sich die Bronzemedaille in einer Zeit von 22:23 Minuten. „Diese Medaille ist mir sehr wichtig“, sagte der 27-Jährige, der zum ersten Mal einen Crosslauf auf diesem Niveau bestritt. Die Bronzemedaille gewann er in einem hauchengen Endspurt gegen den Briten Scott Beattie. „Es war Glück dabei“, gestand Lobalu aufgrund des minimalen Vorsprungs auf seinen Kontrahenten.
Ndikumwenayo durfte das oberste Treppchen des Stockerls gleich doppelt besteigen, denn die in den Top-Ten platzierten Abdessamad Oukhelfen und Aaron Las Heras verhalfen dem spanischen Team zu einer deutlichen Goldmedaille in der Nationenwertung vor Irland und Frankreich.
Die Crosslauf-Europameisterschaften 2025 gingen in der portugiesischen Kleinstadt Lagoa an der Algarve über die Bühne. Herrlicher Sonnenschein und Temperaturen, die bereits am frühen Vormittag deutlich im zweistelligen Plusbereich lagen, gönnten nicht nur den Teilnehmerinnen und Teilnehmern optimale Voraussetzungen, sondern lockten auch viele Zuschauer*innen in den Stadtpark.
Der sehr verwinkelte und daher mit vielen Kurven ausgestattete und leicht hügelige Kurs sorgte für interessante Rennverläufe. Dank des guten Wetters mit Temperaturen bis zu 19°C beim Männerrennen blieb der erdige Boden den ganzen Tag über hart und war daher bis zum Schluss sehr gut und schnell zu belaufen.
Sechs Finger hielt Nadia Battocletti nach dem Zieleinlauf in die Kameras. Nachdem sie zum sechsten Mal als Siegerin eines Crosslauf-EM-Rennens über die Ziellinie gelaufen ist – je zweimal in der Altersklasse U20, U23 und in der Allgemeinen Klasse. Eine Bilanz, die noch keine andere Athletin in der Geschichte dieser Titelkämpfe vorweisen kann – mit sechs Goldmedaillen und einer Silbernen liegt die Italienerin auf Rang drei des ewigen Crosslauf-EM-Medaillenspiegels hinter Sergej Lebid und Jakob Ingebrigtsen. „Dieser Sieg ist sehr wertvoll“, sagte die 25-Jährige. „So wertvoll, wie jeder Sieg. Jeder Crosslauf ist anders, daher bedeutet mir diese Titelverteidigung viel.“
Einen besonderen Dank schickte Battocletti aus Portugal ihrem Professor an der Universität in Trento. Dieser hatte ihr eine Verlegung der Abschlussprüfung an der Fakultät für Architektur und Bau- & Umwelt-Ingenieurwesen ermöglicht, womit sie sich gezielt auf die Crosslauf-EM vorbereiten konnte. Nachholen darf sie die Prüfung nun am 30. Dezember, einen Tag vor ihrem Start beim Silvesterlauf BOclassic in Bozen. „Die letzten fünf Jahre waren verrückt – Studium und Leichtathletik in Kombination“, meinte sie.
Europas beste Läuferin der letzten Zeit, die amtierende Titelträgerin auf kontinentalem Niveau in vier verschiedenen Disziplinen ist, kontrollierte den 7.470 Meter langen Wettkampf von Beginn an. Am Ende der dritten von fünf Runden kristallisierte sich ein Trio heraus, welches die Medaillen unter sich ausmachen sollte. Wenig später schaffte Battocletti die Vorentscheidung und lief im Alleingang die gesamte letzte Runde zum Sieg in einer Zeit von 24:52 Minuten.
Im Kampf um die Silbermedaille setzte sich die Britin Megan Keith gegen die vierfache Crosslauf-Europameisterin Yasemin Can aus der Türkei durch, die wie im Vorjahr bei ihrem Heimspiel in Antalya Bronze gewann. Keith musste sich bereits vor drei Jahren bei deren Heimspiel in Turin in der Altersklasse U23 hinter Battocletti mit Silber zufrieden geben, je einmal konnte sie in den Altersklassen U20 und U23 die Goldmedaille gewinnen. Angesichts eines Sturzes gleich nach dem Start, der sie auf den letzten Platz zurückwarf, war sie mit der Silbermedaille sehr zufrieden: „Ich konnte meine Gedanken und die Nerven während des Wettkampfs kontrollieren.“
Stark präsentierte sich das belgische Team mit den Positionen vier für Jana van Lent, fünf für Lisa Rooms und sieben für Chloé Herbiet, die eine Woche nach ihrem belgischen Fabelrekord beim Valencia Marathon erstaunlich frische Beine nachwies. Auch eine Woche vor dem Valencia Marathon hat sie einen Crosslauf absolviert, als Bronzemedaillengewinnerin bei den belgischen Meisterschaften. Der Aufwand hat sich gelohnt: Das belgische Trio holte überlegen die Goldmedaille vor Großbritannien und Frankreich, während Italien knapp ohne Edelmetall blieb.
Schon zum vierten Mal bei 31 Auflagen war Portugal Gastgeber der seit 1994 jährlich durchgeführten kontinentalen Titelkämpfe im Crosslauf. Vor bereits 114 Jahren wurde im südwesteuropäischen Land der erste dokumentierte Crosslauf durchgeführt. Dobromir Karamarinov, Präsident des Europäischen Leichtathletik-Verbandes (European Athletics), nutzte die Gelegenheit, die Werbetrommel für die Olympia-Aufnahme dieser Disziplin zu rühren.
Zum dritten Mal in den letzten vier Jahren gewann das italienische Team die Mixed-Staffel. Gaia Sabbatini, Sebastiano Parolini, Marta Zenoni und Pietro Arese liefen in einer Zeit von 17:12 Minuten zum klaren Sieg im 4×1.500 Meter langen Teamwettkampf. Niemand aus dem italienischen Quartett markierte eine schnellste Teilzeit, in der Summe der vier Leistungen waren die Favoriten und Titelverteidiger unerreichbar für die anderen Teams. „Als ich den Stab bekam, war die ganze Arbeit schon erledigt. Also ein großes Dankeschön an meine Teamkollegen“, jubelte Arese selbstlos. Der Schlussläufer war als einziger bei allen drei Triumphen dabei, für alle anderen war es der jeweils zweite Titel.
Großen Jubel gab es bei der Mixed-Staffel am Streckenrand: Portugals Top-Athleten Salomé Afonso, zweifache Hallen-EM-Medaillengewinnerin in diesem Jahr, und Isaac Nader, Weltmeister im 1.500m-Lauf, starteten eine fantastische Aufholjagd und brachten den portugiesischen Vierer auf den zweiten Platz vor Großbritannien und Frankreich. Die beiden bilden auch privat das Promi-Paar des portugiesischen Laufsports. Deutschland lief auf Platz neun ins Ziel, die Schweiz mit Delia Sclabas in ihrem ersten Rennen seit eineinhalb Jahren wurde Zwölfte.
1. Spanien 🥇🥇🥇 🥈🥈 🥉🥉🥉
2. Belgien 🥇🥇🥇
3. Großbritannien 🥇🥇 🥈🥈🥈 🥉
4. Irland 🥇🥇 🥈 🥉
5. Italien 🥇🥇
6. Frankreich 🥇 🥈🥈🥈🥈 🥉
7. Deutschland 🥈 🥉
8. Finnland 🥈
8. Portugal 🥈
10. Schweden 🥉
10. Schweiz 🥉
10. Türkei 🥉
Autor: Thomas Kofler
Bilder: © Maja Hitij / Getty Images for European Athletics