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Über zwei Minuten! Im Sport sind das Welten. Auf dem Weg zu seinem zweiten EM-Titel im Uphill distanzierte Jacob Adkin in einem Alleingang die versammelte Konkurrenz um mindestens 2:07 Minuten. Der Schotte war fast wieder ausgeruht, als er den Schweden Petter Engdahl und den Italiener Andrea Elia im Zielbereich empfing, um mit ihnen gemeinsam für das Siegerfoto zu posieren. Noch deutlicher war die Angelegenheit für die Engländerin Morven Goodrum, die 2:31 Minuten zwischen sich und Laura Hottenrott aus Deutschland legte. Nélie Clement aus Frankreich holte sich Platz drei.
Aus österreichischer Sicht verlief der erste von drei Wettkampftagen in der Kleinstadt nahe Ljubljana mit den Erwartungen entsprechendem Abschneiden. Gleichmäßige Ergebnisse im Männerrennen addierten sich zu 95 Platzierungspunkten und Platz acht in der Nationenwertung. Bester des ÖLV-Quartetts war Maximilian Meusburger (Im Wald läuft’s), vor zwei Jahren noch 15. (Uphill) und Zwölfter (Up & Down) in der U20-Klasse, bei der Premiere in der Allgemeinen Klasse heute Vormittag 25. in einer Laufzeit von 55:15 Minuten. Der 21-Jährige mag Bedingungen wie heute, auch mit den kühlen Temperaturen: „Ich bin das Rennen in den flacheren Passagen etwas defensiver angegangen und konnte ab dem Mittelteil, wo es steiler wurde, gut puschen und einige Positionen aufholen. Es war ein lässiger Wettkampf“, sagte er.
Der Vorarlberger konnte dabei einige erfahrene Bergläufer wie den Slowenen Timotej Becan, den ehemaligen Europameister Johan Bugge aus Norwegen oder den Italiener Henry Aymonod aus Italien hinter sich lassen. Nicht weit hinter ihm erreichten auch Markus Bretterklieber (Running Team Lannach, 56:39), Mathias Gwechenberger (TRI RUN KUCHL, 57:12) und Josef Bodner (U. Raika Lienz, 57:56) das Ziel auf den Rängen 34, 36 und 44.
Wie Meusburger kam auch Amelie Muss (LCAV Jodl Packaging) als einzige Österreicherin im Frauenrennen in die Top-30. Mit einer Laufzeit von 1:07:20 Stunden erreichte sie Rang 27 unter 63 Teilnehmerinnen. „Wie bei internationalen Meisterschaften üblich war die Startphase sehr intensiv. Ich habe mich auf mein eigenes Tempo konzentriert und mir ist es gut gelungen, auf gleichmäßigem Level von Anfang bis zum Schluss durchzulaufen“, kommentierte die 23-jährige Oberösterreicherin zufrieden. „Im Schlussteil war es dann so neblig, dass ich mich nur noch von Fähnchen zu Fähnchen orientieren konnte. Dabei habe ich noch einige Kontrahentinnen überholen können, das war eine große Motivation auf den letzten Metern.“
Männer und Frauen mussten bei anhaltendem Regen und starkem Wind sowie schlechter Sicht im oberen Teil eine Distanz von 8,8 Kilometer und 1.275 Höhenmeter bewältigen. Vor allem die Schlussphase gestaltete sich technisch anspruchsvoll. Am besten mit den Verhältnissen zurecht kam Jacob Adkin, am heutigen Tag auch mit Abstand der beste Mann im Feld. Der 30-jährige Schotte ist ein Dauerbrenner in der Szene und hat bereits 2019 in Zermatt den EM-Titel im Uphill geholt. Vor zwei Jahren in Annecy musste er sich bei vergleichbaren Bedingungen lediglich seinem Landsmann Joe Steward geschlagen geben, im Vorjahr überzeugte er als Fünfter bei den Weltmeisterschaften in den Pyrenäen.
Nach geschlossener Führung durch das deutsche Team auf den flachen ersten Metern übernahm erst Petter Engdahl die Spitzenposition, doch schon bald setzte sich Adkin in Front und kreierte schnell eine Lücke. Rasch baute der Schotte einen großen Vorsprung auf und erreichte das Ziel nach 49:21 Minuten als überlegener Sieger. „Es war ein harter Tag, aber meine Beine haben sich heute überraschend gut angefühlt. Wirklich – ein super Tag für mich!“, freute sich der Sieger in einer ersten Stellungnahme. Bereits bei der Zwischenzeit nach zwei Drittel der Distanz hatte er fast eineinhalb Minuten Vorsprung, im Ziel wartete der Europameister zwei Minuten und sieben Sekunden lang, bis Engdahl das Ziel erreichte.
Der 31-jährige in Norwegen lebende Schwede schaffte Historisches: Nie zuvor gelang Schweden eine Medaille bei Berglauf-Europameisterschaften der Männer. Engdahl ist ein ehemaliger Skilangläufer und nahm an Weltcuprennen teil, im Sommer hielt er sich mit Geländeläufen fit. Seit einigen Jahren konzentriert er sich ganz auf das Trailrunning. Die Bronzemedaille sicherte sich der mehrfache italienische Meister Andrea Elia, auch für ihn eine Premiere. Nachdem die Italiener 2024 in der Allgemeinen Klasse ohne Medaille geblieben sind, gelang der traditionsreichen Berglauf-Nation die Rückkehr auf das Stockerl.
Auch in der Teamwertung gewann Italien Bronze. Großer Sieger war aber das Schweizer Team, das mit Dominik Rolli (5.), Jonathan Schmid (6.), Jonas Soldini (10.) und Roberto Delorenzi (13.) in der Breite das stärkste Aufgebot stellte. Delorenzi hat vor zwei Jahren in Annecy den Up & Down Bewerb gewonnen, Rolli holte vor vier Jahren gleich zwei Einzelmedaillen. Silber in der Nationenwertung ging dieses Mal an Frankreich mit Quentin Meyleu als Bestem auf Position vier der Einzelwertung. Nicht weit von einer Medaille entfernt blieb das deutsche Team. Tobias Ulbrich lief als Achter in die Top Ten, wobei er lange Zeit besser lag. Lukas Ehrle, vor zwei Jahren Bronzemedaillengewinner, wurde 14., der in Graz lebende Julius Ott kam auf Rang 19 ins Ziel.


Das Frauenrennen auf derselben Strecke begann mit einem Schock: Die erfahrene Christel Dewalle aus Frankreich kam gleich beim Start zu Sturz, ihr Weg nach vorne führte sie nur noch auf Rang 17. An der Spitze glich das Geschehen jenem bei den Männern. Früh, als das Feld noch auf einer breiteren Forststraße bergan lief, setzte sich Morven Goodrum vom Rest der Spitze ab und initiierte eine One-Women-Show, die den ersten britischen EM-Titel in der Allgemeinen Klasse der Frauen seit zehn Jahren brachte.
Für die 27-Jährige, die sich ihre Nominierung durch eine starke Leistung bei den britischen Meisterschaften verdiente, als sie die renommierte Scout Adkin düpierte, ist es der internationale Durchbruch. Sie feierte ihre Premiere im britischen Nationalteam und holte Gold in einer Zeit von 58:00 Minuten. Adkin, ältere Schwester von Männer-Europameister Jacob, hatte auch in Kamnik das innerbritische Nachsehen und musste sich mit Platz fünf zufrieden geben.
Ganze 2:31 Minuten nach der Siegerin erreichte Laura Hottenrott das Ziel. Für die Deutsche ist es die erste Medaille bei Berglauf-Europameisterschaften. „Es war ein brutal hartes Rennen mit dem matischigen Untergrund, den ganzen Steinen und Wurzeln“, wird sie auf der Website des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) zitiert. „Ich bin unglaublich stolz, hier Zweite geworden zu sein, gerade als Straßenläuferin. Ich bin sehr glücklich, dass das alles geklappt hat und das Training so gut auf den Wettkampf abgestimmt war.“
Die 34-Jährige war bereits bei der WMTRC 2023 in Innsbruck am Start und ist zählt zu den schnellsten deutschen Marathonläuferinnen der letzten Jahren. Das Highlight war die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2024 in Paris. Die Bronzemedaille sicherte sich die erst 22-jährige Nélie Clément aus Frankreich, bereits bei den Weltmeisterschaften im September als Achte beste Französin.
Mitt Hanna Gröber platzierte sich eine zweite Deutsche als Siebte in den Top-Ten. Ins Auge sticht auch der zehnte Platz von Nienke Brinkman aus Holland, die vor einigen Jahren als Quereinsteigerin für Furore im Marathon gesorgt hat.
Eröffnet wurde der Wettkampftag in Slowenien durch die Rennen der Altersklasse U20 mit einer Herausforderung von 3,4 Kilometer und 423 Höhenmeter. Das heimische Trio platzierte sich im 60 Athleten umfassenden Feld im Mittelfeld: Als Bester erreichte Ben Balik (ProTeam Vienna) nach 21:35 Minuten das Ziel auf Platz 35. Christoph Müller (PSV Leoben) folgte in 22:21 Minuten auf Position 44, fünf Sekunden und zwei Positionen später überquerte Matteo Ragonese (KLC) das Ziel. „Das Team hat sich gut geschlagen, schließlich war es für die Drei das erste Hineinschnuppern bei einem internationalen Großereignis“, lobt Geisler.
Der Juniorenbewerb war die Spielwiese des französischen Teams: Emilien Simoneau und Yannik Memheld liefen Hand in Hand nach 18:56 Minuten ins Ziel. European Athletics entschied sich, beiden die Goldmedaille zu überreichen – eine durchaus eigenwillige Interpretation eines sportlichen Wettkampfs. Die beiden hatten sich den Plan des gemeinsamen Zieleinlaufs am Tag vorher ausgeheckt, wie sie nach dem Rennen verrieten. Oscar Cransac-Chayrigues sicherte sechs Sekunden später den französischen Dreifachsieg ab. Die logische Folge war Team-Gold mit 5 Punkten vor Italien (28) und Spanien (42).
Die 17 Jahre junge Gloria Herold aus Deutschland gewann bei den Juniorinnen das Duell um Gold in einer Zeit von 21:52 Minuten um eine Sekunde gegen Anna Kynclova aus Tschechien. Danach wurde sie von ihren Emotionen übermannt und fand auch im ersten Interview mit European Athletics kaum Worte. Für die haushohe Favoritin und Titelverteidigerin Julia Ehrle aus Deutschland blieb nur die Bronze. Das deutsche Team sicherte sich den Sieg in der Nationenwertung mit 13 Punkten vor dem französischen (27) und dem italienischen (33).
Autor: Thomas Kofler
Quelle: Österreichischer Leichtathletik-Verband
Bilder: © ÖLV / Michael Geisler