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Olympia-Teilnehmerin Rebecca Cheptegei ermordet

Die ehemalige Berglauf- und Trailrunning-Weltmeisterin überlebte einen Flammen-Attentat auf sie nicht. Tatverdächtiger ist ihr Lebenspartner.
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Nach einem Brandschlag-Attentat ihres Lebenspartners auf sie am vergangenen Wochenende ist Marathonläuferin und Olympia-Teilnehmerin Rebecca Cheptegei am Donnerstag ihren schweren Verletzungen im Krankenhaus von Eldoret erlegen. Die schockierende Gewalttat reiht sich in eine Serie von schweren Gewalttaten auf Läuferinnen in Ostafrika ein.

Rebecca Cheptegei hat ihren kurzen Kampf ums Überleben verloren. Vier Tage, nachdem die 33-Jährige mit schwersten Verbrennungen (rund 80% ihrer Hautoberfläche war laut Medienberichten beschädigt, außerdem erlitt sie innere Brandverletzungen) ins Krankenhaus von Eldoret im kenianischen Hochland eingeliefert wurde, ist die Athletin an einem Organversagen verstorben, wie das Krankenhaus bestätigt hat. Nicht einmal einen Monat, nachdem sie in den Farben ihres Heimatlandes beim Olympischen Marathon von Paris auf Position 44 ins Ziel gelaufen ist.

Aufruf zur Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen

Donald Rukare, Präsident des Olympischen Komitees von Uganda, verurteilte die Gewalt an Frauen in einem Statement auf der Plattform „X“ entschieden und wünschte Cheptegei, dass ihre Seele in Frieden Ruhe könne: „Ihr Vermächtnis wird fortbestehen.“ Rebecca Cheptegei ist mit einer Bestzeit von 2:22:47 Stunden die zweitschnellste Marathonläuferin in der Geschichte ihres Heimatlandes, 2021 war sie in Chang Mai Goldmedaillengewinnerin im Up & Down Bewerb der Berglauf- und Traillrunning-WM 2022, 2023 wurde sie Marathon-WM-14. Auch die Sportminister von Kenia und Uganda riefen öffentlich zum entschlossenen Kampf gegen Gendergewalt auf.

Brandanschlag mit Benzin

Die kenianische Polizei berichtet aus ihren Ermittlungen von einer nahezu barbarischen Tat. Während Cheptegei mit ihren Töchtern in der Kirche war, soll ihr Lebenspartner die Familie in deren Wohlhaus mit einem Benzinkanister aufgelauert haben, diesen der Läuferin über den Körper geschüttet und das Benzin angezündet haben. Ihre beiden Töchter mussten laut eines Berichts der kenianischen Tageszeitung „The Standard“ die Tat, bei der sich auch der mutmaßliche Täter schwere Brandverletzungen zuzog, mit ansehen.

Erschreckende Zahlen

Es ist leider nicht die erste Schreckensmeldung dieser Art und mit diesem Ausgang, die die ostafrikanische Laufszene betreffen. Immer wieder sind Läuferinnen der Gewalt ihrer Partner oder anderen Männern ausgeliefert. Die britische Nachrichtenagentur Reuters zitierte eine Studie der kenianischen Regierung, wonach jede dritte kenianische Erwachsene physische Gewalt erlebt, bei Ehepaaren ist die Quote noch höher.

Die von der UN veröffentlichten Zahlen einer Untersuchung in Uganda lieferte weit schockierendere Zahlen: In Nachbarland Kenias weist nahezu jede Frau Erfahrungen mit physischer Gewalt auf.

Erinnerungen an Mord an Agnes Tirop

Im Laufsport hat der Mord an Agnes Tirop im Oktober 2021 für weltweites Aufsehen gesorgt (siehe RunUp.eu-Bericht). Die Weltklasseläuferin, ebenfalls Olympia-Teilnehmerin, wurde von ihrem Ehemann Ibrahim Rotich in ihrem Haus brutal ermordet. Es ist der prominenteste Fall mehrerer Gewaltexzesse gegen ostafrikanische Läuferinnen in den letzten Jahren und hat in Kenia auch dank der Initiative („Tirop’s Angels“) einiger prominenter Laufkolleginnen einen öffentlichen Diskurs in Gang gebracht (siehe RunUp.eu-Bericht). Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters erklärte Joan Chelimo, eine der engagierten Läuferinnen, dass es ein großes Problem sei, wenn kenianische Frauen in Ehepartnerschaften ihr eigenes gutes Geld verdienen.

Wie im Falle von Tirop soll auch im Falle von Cheptegei der Streit um ein Grundstück Mitauslöser der Straftat gewesen sein.

Autor: Thomas Kofler
Bild: © Johann Conus, CC BY-SA 4.0, Creative Commons Wikimedia – der Bildausschnitt des Fotos wurde auf quadratisch verändert.

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