Newsletter Subscribe
Enter your email address below and subscribe to our newsletter


Julia Mayer visiert mit viel Zuversicht den Valencia Marathon am Sonntag an. Der Wettkampf soll der krönende Höhepunkt eines gelungenen Marathon-Zyklus werden. Und damit auch der Höhepunkt eines Marathon-Jahres, das die 32-Jährige nach einem schwierigen Frühling im kontinuierlichen Steilflug beenden möchte.
Dezember 2023, Valencia, Ciutat de les Arts i les Ciènces. Am späten Vormittag ticken entscheidende Sekunden für die österreichische Marathon-Geschichte. 2:26:50 Stunden lautete das Limit für die Olympischen Spiele in Paris, bereits damals war sicher – es würde für eine Qualifikation notwendig sein. Julia Mayer (DSG Wien) lief die Zielgerade entlang und schaffte es, sieben Sekunden darunter zu bleiben. Es waren die entscheidenden Sekunden in ihrer Karriere als Marathonläuferin. Mit diesem Erfolg schaffte sie ihren Durchbruch endgültig – und realisierte den Traum einer jeder Sportlerin: Olympische Spiele!
Heute jährt sich dieser Tag zum zweiten Mal. Bis zum zweiten Valencia-Start für Österreichs schnellste Marathonläuferin dauert es noch vier Tage. Die 32-Jährige ist jedoch schon vor Ort und verbringt die letzten Tage vor dem wichtigen Wettkampf in der „Ciudad del Running“, wie sich Valencia medienwirksam selbst bezeichnet. Sie ist in der visuellen und emotionalen Auseinandersetzung mit dem Erfolg von damals mit gemischten Gefühlen gelandet. Obwohl dieser ihr den Höhepunkt des ersten Kapitels ihres Marathonlebens verwirklicht hat, die Olympia-Teilnahme.
„Ich habe den Erfolg und die Erlebnisse von damals gar nicht so euphorisch präsent“, erzählt sie. Vielleicht habe sie die Bedeutung ihrer Verbesserung um vier Minuten damals und die Konsequenz des sicheren Startplatzes in Paris 2024 nicht realisieren können. Jedenfalls blieb sie im professionellen Olympia-Zyklus-Prozess und lenkte unmittelbar ihre Aufmerksamkeit der Olympia-Vorbereitung, anstatt sich Zeit zu nehmen, die Emotionen von Valencia zu äußern und zu verarbeiten. Das war ihr eine Lehre: „Seither nehme ich mir bei jedem Wettkampf fest vor, Emotionen immer zuzulassen. Egal, ob positive oder negative. Auch am kommenden Sonntag.“
Mayer klingt im Gespräch mit RunUp.eu ausgesprochen optimistisch und daher in Erwartung von positiven Emotionen im Zielraum des Valencia Marathon. „Ich habe nach Tokio gesagt, dass ich in der Form meines Lebens bin. Jetzt bin ich noch fitter. Die Vorbereitung ist definitiv gelungen. Wir haben alles gemacht, was wir machen konnten.“ Die Nervosität steige rasant, seit sie in Valencia ist, verrät sie. Schon oft war sie Vorbote einer guten Leistung.
Mayer hoffe auf gute äußere Bedingungen für den Marathon. Der doch recht merkbare Wind in diesen Tagen soll sich am Sonntag laut Wetterprognosen zurückhalten, die Temperaturen fallen zur Wettkampfzeit am Vormittag noch erträglich aus, während die vielen Tausend Hobbyläufer:innen am frühen Nachmittag spätsommerliche Bedingungen erwarten könnten.

Das gute Gefühl der Olympia- und WM-Teilnehmerin stützt sich auch darauf, dass sie die Marathon-Vorbereitung als bisher entspannteste ihrer Karriere bezeichnet. „Warum sich das so anfühlt, weiß ich auch nicht ganz genau“, gibt sie zu. Entweder profitiere sie von der gestiegenen Erfahrung von Marathon-Zyklus zu Marathon-Zyklus oder vom hohen Niveau, mit dem sie den aktuellen nach der WM in Tokio begonnen hat.
Nach einer nur kurzen Pause nach dem 33. Platz im Hitzemarathon in der japanischen Hauptstadt überzeugte sie mit beachtlichen Unterdistanzleistungen: beim Vienna Night Run, bei den 10km-Meisterschaften in Amstetten und beim Graz Halbmarathon. „In Graz ist eine überraschend gute Zeit herausgekommen“, wundert sie sich selbst. Mit eingerechnet, dass die Strecke in Graz nicht so schnell ist wie jene in Barcelona, wo sie 2024 ihren ÖLV-Rekord gelaufen ist, sei die Leistung für sie sogar höher einzuschätzen.
Auch das anschließende, gezielte Marathon-Training mit spezifischen Einheiten verlief zur Zufriedenheit – im regelmäßigen Standortwechsel zwischen ihrem Wohnort Wien und der Ramsau, Wohnort ihres Trainers Vincent Vermeulen. Bis zu 240 Laufkilometer pro Woche Umfang erreichte Mayer zu Spitzenzeiten in dieser Vorbereitung, darunter auch schnelle Einheiten. „Teilweise war es mir ein Rätsel, wie gut ich mich gefühlt habe. Als ob mich nichts umhauen könnte!“ Erschöpfungsmomente, wie sie in Marathon-Vorbereitungen normal sind und auch in der WM-Vorbereitung vorkamen, waren dieses Mal die Seltenheit.
Angesichts dieser motivierenden Erkenntnisse aus der Vorbereitung und den starken Wettkampfleistungen im Herbst 2025 ist der ÖLV-Marathonrekord von 2:26:43 Stunden die logische Orientierung für sie im Wettkampf. Ihr wäre eine erste Rennhälfte mit einer Brise Zurückhaltung am liebsten – um dann bei guter Tagesverfassung die Option einer Steigerung zu einem negativen Split zu ziehen. Die zu erwartende Gruppe, die auf die Erfüllung des EM-Limits von 2:27:00 Stunden für Birmingham 2026 abzielt, könnte dafür die richtige Bühne bilden. „Die endgültige Entscheidung über die Renntaktik fällt wie immer nach dem technischen Meeting am Samstag“, so Mayer. Aber: „Ich glaube, alles läuft in die richtige Richtung!“
Als zweite Österreicherin hat Lemuela Wutz (DSG Wien) einen Startplatz im Elitefeld des Valencia Marathon bekommen. Die 27-Jährige hat vor knapp zwei Monaten den Graz Marathon in einer Zeit von 2:44:35 Stunden gewonnen und erhofft sich auf der schnellen Marathonstrecke in der südostspanischen Hafenstadt eine Steigerung.
36.000 Marathon-Begeisterte haben sich für die 45. Auflage des Valencia Marathon angemeldet. Zwei von drei Anmeldungen kommen aus dem Ausland, fast 150 unterschiedliche Nationalitäten sind vertreten. Weltweit werden 414 TV-Sender Bilder vom Valencia Marathon ausstrahlen – entweder live oder mit Zeitversetzung.
Der Weg zum Sieg beim Valencia Marathon 2025 der Frauen führt über ein prominentes Trio. Amane Beriso und Peres Jepchirchir sind die beiden letzten Weltmeisterinnen in dieser Disziplin, die Kenianerin die aktuelle. Die 32-jährige Jepchirchir hat den Valencia Marathon im Jahr 2020 gewonnen. Wie sie in einem Interview mit der kenianischen Tageszeitung „Daily Nation“ erinnerte, war der Sieg damals für sie der Sprung von der Halbmarathon-Weltmeisterin zur Marathon-Weltklasse-Athletin. Wenige Monate später gewann Jepchirchir in Sapporo Olympisches Marathon-Gold.
Beriso stürmte 2022 zum noch gültigen Streckenrekord von 2:14:58 Stunden, eine der besten Marathonleistungen der Geschichte. In das Spitzentrio gesellt sich die ehemalige Halbmarathon-Weltrekordhalterin Joyciline Jepkosgei dazu, die bereits Marathonsiege in New York und London gefeiert hat. In Valencia wurde sie vor fünf Jahren Zweite hinter Jepchirchir.
Schwerpunkte im Elitefeld setzen die USA und Australien: Keira D’Amato, Emma Bates und Lindsay Flanagan haben in diesem Jahr auf einen der US-Marathons verzichtet und laufen auf der schnellen Strecke in Valencia. Jessica Stenson, Isobel Batt-Doyle und Genevieve Gregson bilden das starke australische Trio. Auch die südafrikanische Rekordhalterin Glenrose Xaba steht weit oben auf der Eliteliste.
Im Feld finden auch einige starke Europäerinnen Platz: die Britinnen Charlotte Purdue und Rose Harvey sowie die Französinnen Mekdes Woldu und Méline Rollin, dazu die finnische Rekordhalterin Alisa Vainio und die Belgierin Chloe Herbiet. Die Skandinavierin war WM-Fünfte in Tokio und bestreitet bereits ihren dritten Marathon binnen nicht einmal drei Monaten.
Die Schweizerin Fabienne Schlumpf dagegen muss aufgrund ihres im Oktober erlittenen Risses der hinteren Oberschenkelsehne weiterhin pausieren. Trotz der Abwesenheit der ursprünglich angekündigten spanischen Rekordhalterin Majida Maayouf ist die spanische Spitze beim Valencia Marathon 2025 mit Ester Navarrete, Meritxell Soler und Elena ordentlich besetzt.
…
Die europäische Story des Rennens könnte aber eine Debütantin schreiben. Gesa Krause gibt ihr Debüt im Marathon. Die zweifache WM-Medaillengewinnerin im 3.000m-Hindernislauf und Olympia-Finalistin von Paris nach der Rückkehr aus ihrer Mutterschaftspause blickt auf eine aufgrund einer Rippenverletzung eher missglückte Leichtathletik-Saison zurück, die aber mit Platz sieben im WM-Finale von Tokio ein großes Highlight hatte. „Es war schon immer mein Ziel, einen Marathon zu laufen. Ich wollte mir neue Herausforderungen suchen“, schrieb sie auf ihrem Instagram-Kanal, nachdem ihr Start beim Valencia Marathon bekannt gegeben worden war.
In Vorbereitung ihrer Premiere im Marathon hat die 33-Jährige in den letzten Jahren einige Straßenläufe bestritten. Die 10km-Bestleistung stammt aus dem Februar und liegt bei durchaus flotten 31:50 Minuten. Bei zwei Halbmarathonläufen im Frühling blieb sie in Den Haag knapp unter und in Berlin knapp über 1:10 Stunden. In der direkten Vorbereitung auf das Marathon-Debüt verzichtete die Deutsche auf Wettkämpfe, sondern konzentrierte sich auf ihr Höhentraining in Boulder im US-Bundesstaat Colorado.
Autor: Thomas Kofler
Bild: © SIP / Johannes Langer