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Pallitsch folgt Ingebrigtsen ins Hallen-WM-Finale

Raphael Pallitsch hat mit einer konzentrierten Leistung und einem taktisch konsequenten Rennen den Sprung ins WM-Finale geschafft. Für Caroline Bredlinger kam das frühe Aus.
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Kein „Copy & Paste“ von Apeldoorn, wie von ihm befürchtet (siehe RunUp.eu-Bericht)! Raphael Pallitsch hat dank einer neuerlich großartigen taktischen Leistung und seiner Endschnelligkeit auf den letzten 100m unerwartet souverän den Aufstieg ins Finale des 1.500m-Laufs geschafft und steht nun vor einem absoluten Highlight am Sonntag. Die Hallen-WM 2025 in Nanjing war die größte Bühne in der noch jungen Karriere Caroline Bredlingers, die sich im Vorlauf über 800m gut hielt, aber die Halbfinal-Qualifikation nicht realisieren konnte.

Offensichtlich dauerte es nach der ersten fast obligatorischen Jubelgeste beim Übertritt der Ziellinie ein paar Sekunden, bis Raphael Pallitsch (Union St. Pölten) bewusst wurde, dass er sein großes Saisonziel, die Qualifikation für das Finale der Hallen-Weltmeisterschaften von Nanjing, tatsächlich erreicht hat. Dann winkelte er seinen rechten Ellbogen mehrmals im 90°-Winkel zu einer Jubelpose ab und freute sich sichtlich Richtung Tribüne. „Hier im WM-Finale zu stehen ist der Wahnsinn, verrückt!“, wird er in der Presseaussendung des Österreichischen Leichtathletik-Verbandes zitiert. Bei allen Top-Leistungen in den letzten Jahren, mit den Höhepunkten des sechsten Platzes bei der EM in Rom 2024 und der Olympia-Teilnahme von Paris, ist ein WM-Finale der bisherige sportliche Höhepunkt der zweiten Karriere des Raphael Palltisch.

Österreichisch-irisches Duell

13 Jahre, nachdem er als junger 800m-Läufer bei der Hallen-WM von Istanbul 2012 überraschend ins 800m-Halbfinale gelaufen ist, ist diese Finalteilnahme keine Überraschung, sondern das Produkt des gelungenen Formaufbaus über den ganzen Winters und einer taktisch gelungenen Vorstellung. Anders als bei der Hallen-EM in Apeldoorn eröffnete dem Österreicher das Los günstigeren Spielraum. Hinter dem unerreichbaren Jakob Ingebrigtsen, der prompt den Vorlauf sichtlich locker in 3:39,80 Minuten gewann, definierte es in einem extrem unausgewogenen Feld Andrew Coscoran als direkten Gegner um den zweiten Platz für Pallitsch. Die restliche Konkurrenz durfte sich realistischerweise maximal Außenseiterhoffnungen machen.

Der Ire hat in dieser Saison im absurd schnellen Rennen der Millrose Games in New York zwar eine Top-Meilenzeit von 3:49,26 Minuten erreicht, sich sonst hauptsächlich auf die 3.000m konzentriert. Nach Platz sechs bei der EM versucht der 28-Jährige nun in Nanjing das Doppel. Doch die schnellen Schritte im Wettkampffinale fehlten Coscoran an diesem Freitagabend chinesischer Zeit auf der kürzeren der beiden Distanzen.

Anspannung vor dem Start in den Vorlauf. © ÖLV / Sona Maleterova

Die ehemalige Spitzenläuferin Hannah England, die als Expertin den Livestream der Hallen-WM begleitet, lobte Raphael Pallitsch ausdrücklich mit den Worten „großartige taktische Entscheidungen“. Der Plan des Burgenländers sah vor, die ersten beiden Drittel des 1.500m-Vorlaufs konstant an der zweiten Position zu verbringen. „Weil mit nur sieben Startern klar war, dass es eher ein langgezogenes Feld und weniger Drängerei geben wird, war diese Positonierung ideal“, erklärte der Routinier. Egal, wer nach vorne ging, erst Bussotti-Neves, dann für längere Zeit der Kanadier Melleck und später der iranische Außenseiter Seyedamir Zamanpour: Pallitsch lief immer im Rücken des Führenden.

Schnelle Schritte hinter Ingebrigtsen

Nach 1.060 Metern übernahm der Burgenländer dann die Führung. Der auf Kräfteschon-Modus programmierte Ingebrigtsen löste sich erst beim Glockenton zur letzten Runde aus dem Hinterfeld und marschierte sichtlich problemlos außen vorbei an die Spitze. Ein Glücksfall für den Österreicher, der damit gut 100 Meter vor dem Ziel einen neuerlichen Rhythmusgeber vor die Nase bekam. Pallitsch konnte den Schritt halten und damit auch den Iren Coscoran und den Italiener Joao Bussotti-Neves, die sich vor der letzten Runde hinter Pallitsch formiert hatten, letztlich klar hinter sich lassen. „Ich habe mit Jakob mitbeschleunigt, weil so konnte keiner an uns vorbei. Auf der Zielgerade habe ich auf die Vidiwall geschaut und erkannt, dass der Abstand immer größer wird“, schilderte er.

Ergebnis des 1.500m-Vorlaufs mit Raphael Pallitsch
1. Jakob Ingebrigtsen (Norwegen) 3:39,80 Minuten
2. Raphael Pallitsch (Österreich) 3:40,08 Minuten

3. Andrew Coscoran (Irland) 3:40,79 Minuten
4. Joao Bussotti-Neves (Italien) 3:40,92 Minuten
5. Foster Malleck (Kanada) 3:42,55 Minuten
6. Seyedamir Zamanpour (Iran) 3:43,77 Minuten
7. Aaron Alexander Hernandez Bolanos (El Salvador) 3:57,77 Minuten

Finale mit sieben Europäern

Das neunköpfige Finalfeld ist ein spannendes für Pallitsch. Naturgemäß mit starker Konkurrenz, aber keiner vor der er sich fürchten müsste. Der mit Abstand schnellste Vorlauf war der erste mit Sieger Neil Gourley, der den US-Amerikaner Samuel Prakel hinter sich ließ. Als einziger über die Zeitregel stieg der Spanier Adrian Ben auf, während Ruben Verheyden, in Apeldoorn noch Finalist, klar ausschied.

Aus dem dritten Vorlauf erreichten der US-Amerikaner Luke Houser und der Schwede Samuel Pihlström das Finale, der Australier Oliver Hoare und der Kanadier Kieran Lumb hatten das Nachsehen. Das Finalfeld ergänzen noch zwei starke Europäer aus einem wahnsinnig langsamen Vorlauf mit einer Siegerzeit von 4:02,68 Minuten: Mariano Garcia und Hallen-EM-Medaillengewinner Isaac Nader. Dagegen blieben in diesem interessanten und vielleicht dichtesten Vorlauf gleich drei Afrikaner und der zweite Brite, Adam Fogg, hängen. Der zweifache Hallen-Weltmeister Samuel Tefera aus Äthiopien fehlte gänzlich.

Das kleine ÖLV-Team bei der Hallen-WM 2025: Caroline Bredlinger und Raphael Pallitsch. © ÖLV / Sona Maleterova

Besondere Zugabe

Das Finale mit dem haushohen Gold-Favoriten Jakob Ingebrigtsen, der vom Publikum in Nanjing so lautstark angefeuert wurde wie kaum ein anderer nicht aus China stammende Athlet am ersten Wettkampftag, geht am Sonntag um 13:15 Uhr über die Bühne, live zu sehen im Livestream von Eurovision Sport (kostenlos, aber mit Anmeldung). Ohne afrikanische Beteiligung kurioserweise. „Alles besser als Neunter ist eine Zugabe. Ich habe nichts zu verlieren und gehe mit Lockerheit ins Finale. Auf das Abschneiden hier bin ich jetzt schon stolz, egal was noch kommt“, freut sich Pallitsch auf den Wettkampf im Nanjing Cube.

Der Österreicher ist laut Saisonbestleistungen die Nummer sieben im Line-up, laut Weltranglistenposition die Nummer fünf.

Die neun Final-Teilnehmer, gereiht nach Vorlaufleistungen

  • Neil Gourley (Großbritannien)
  • Samuel Prakel (USA)
  • Adrian Ben (Spanien)
  • Jakob Ingebrigtsen (Norwegen)
  • Raphael Pallitsch (Österreich)
  • Luke Houser (USA)
  • Samuel Pihlström (Schweden)
  • Mariano Garcia (Spanien)
  • Isaac Nader (Portugal)

Bredlinger gegen starke Konkurrenz

Bereits in den frühen Morgenstunden mitteleuropäischer Zeit startete Caroline Bredlinger (LT Bgld Eisenstadt) in ihren Vorlauf über 800 Meter. Auf diese Herausforderung biochronologischer Natur hat sich die Burgenländerin gezielt vorbereitet und ihre letzten Trainingseinheiten in Österreich in die frühen Morgenstunden vorverlegt.

Ohnehin in der Rolle der Außenseiterin bekam die 23-Jährige alles andere als ein günstiges Los. Im vierten von vier Vorläufen standen ihr fünf Gegnerinnen gegenüber, die allesamt weit vor ihr in der Weltrangliste liegen: Die Olympia-Vierte Shafique Maloney von der Inselgruppe St. Vincent und die Grenadinen, Hallen-Europameisterin Anna Wielgosz aus Polen, US-Meisterin Nia Akins und die Schweizerin Rachel Pellaud, beides Olympia-Halbfinalisten, sowie die Australierin Sarah Billings, die im September 2024 eine Bestzeit von 1:58,94 Minuten gelaufen ist.

© ÖLV / Sona Maleterova

Die Burgenländerin hielt sich in diesem starken Feld gut und ordnete sich von der Innenbahn startend auf Position vier ein. War die erste Runde angeführt von Maloney schnell, nahm das Tempo bald ab und das Feld rückte in der zweiten und dritten Runde zusammen. Bredlinger setzte weiter auf die Innenbahn und wechselte erst nach außen, als Wielgosz 200 Meter vor dem Ziel an die Spitze beschleunigte. Die Österreicherin versuchte an der Australierin vorbei zu kommen und hatte sogar kurz den dritten Platz im Blick, der zum Aufstieg ins Halbfinale gereicht hätte.

Doch Maloney nützte von hinten die frei werdende Innenbahn zum Schlussspurt auf Platz drei und auch Billings verteidigte ihre Position vor Bredlinger. „Zwischendurch ist schon der Hoffnungsschimmer aufgekommen, dass es sich ausgehen können. Aber die Favoritinnen waren am Ende doch stärker“, sagte Bredlinger nach dem Rennen. Die Österreicherin finishte in 2:03,78 Minuten auf Platz fünf vor der abgeschlagenen Pellaud, in Apeldoorn noch im Finale. „Wir nehmen die Erkenntnis mit, dass Caroline noch spurtstärker werden muss. Aber insgesamt sind wir mit dieser Hallensaison sehr zufrieden“, sagte Trainerin Ursula Bredlinger, die den Auftritt ihrer Tochter aus der Heimat verfolgte.

Ergebnis des 800m-Vorlaufs mit Caroline Bredlinger
1. Nia Akins (USA) 2:03,29 Minuten
2. Anna Wielgosz (Polen) 2:03,40 Minuten
3. Shafiqua Maloney (St. Vincent und die Grenadinen) 2:03,56 Minuten

4. Sarah Billings (Australien) 2:03,60 Minuten
5. Caroline Bredlinger (Österreich) 2:03,78 Minuten
6. Rachel Pellaud (Schweiz) 2:06,24 Minuten

Wertvolle Erfahrungen

Wie bei der Hallen-EM in Apeldoorn endete für die Burgenländerin das Großereignis nach dem Vorlauf, doch neuerlich konnte die mehrfache Staatsmeisterin bei der Musik mitspielen. „Ich bin stolz, bei beiden Großereignissen dabei gewesen zu sein. Ich habe in dieser Hallensaison, besonders bei EM und WM, viel gelernt, vor allem, wie ich taktisch besser agieren kann. Das wird mich auf jeden Fall stärker machen“, bilanziert die junge Athletin und denkt bereits an die Zukunft: „Ich weiß, dass mir noch einiges fehlt, um zur WM in Tokio zu kommen. Aber ich werde an diesem Ziel arbeiten und versuchen, in der Freiluftsaison an die Zwei-Minuten-Marke heranzukommen.“

Autor: Thomas Kofler
Bilder: © ÖLV / Sona Maleterova

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