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Paukenschlag durch Beamish, Favoritensieg für Hailu

Geordie Beamish hat mit einem phänomenalen Schlussspurt sensationell die Goldmedaille im 1.500m-Lauf der Männer bei den Hallen-Weltmeisterschaften von Glasgow geholt.
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Geordie Beamish ist ein wahres Multitalent im Laufsport. Begonnen hat der 27-jährige Neuseeländer, der seit Jahren in den USA lebt, als Mittelstreckenläufer. Ohne die ganz großen Ergebnisse. Dann visierte er die längere Distanz an, bei den Hallen-Weltmeisterschaften 2022 schaffte er als Zehnter ein respektables Ergebnis im 3.000m-Lauf, ein halbes Jahr später folgte Rang sechs bei den Commonwealth Games über 5.000m. Anfang 2023 folgte eine bemerkenswerte Entscheidung: Beamish wechselte zum 3.000m-Hindernislauf, eine Disziplin, die er in jungen Jahren schon geübt hatte, und hatte von Anfang an großen Erfolg. Er lief einen Ozeanienrekord und zeigte bei den Weltmeisterschaften als Fünfter auf. Beamish wird wohl als Hindernisläufer weiter machen, für die Hallensaison kehrte er zurück auf die Mittelstrecke und erzielte in Glasgow eine persönliche Bestzeit von 3:36,54 Minuten. Was das bemerkenswerte ist: Damit gewann der 27-Jährige sensationell die Goldmedaille. Als erster Ozeanier in der Geschichte von Hallen-Weltmeister und als zweiter ozeanischer Medaillengewinner nach seinem Landsmann Nick Willis im Jahr 2016.

Ein traumhaftes Finish

Sensationell war auch die Art und Weise, wie es ihm gelang. Noch in der letzten Kurve lag Beamish auf Position fünf. Mit viel Schwung lancierte er seinen Endspurt und spurtete auf Bahn vier noch ganz nach vorne. Verdutzt beobachteten innen seine viel höher eingeschätzten Kontrahenten, wie der Neuseeländer außen jubelnd sein Glück kaum fassen konnte. „Eine unglaubliche WM für Neuseeland!“, jubelte der Vertreter der drittbesten Nation im Medaillenspiegel. „Wir hoffen, wir haben unseren Landsleuten eine große Freude gemacht.“ Beamish weiß über seine Stärke in der Schlussrunde Bescheid: „Ich hatte Glück, dass es kein Rennen unter 3:30 Minuten wurde.“

Ergebnis 1.500m-Finale der Männer, Hallen-WM 2024
Gold: Geordie Beamish (Neuseeland) 3:36,54 Minuten *
Silber: Cole Hocker (USA) 3:36,69 Minuten **
Bronze: Hobbs Kessler (USA) 3:36,72 Minuten

 
4. Isaac Nader (Portugal) 3:36,97 Minuten
5. Narve Gilje Nordas (Norwegen) 3:37,03 Minuten **
6. Adel Mechaal (Spanien) 3:37,76 Minuten
7. Samuel Tefera (Äthiopien) 3:38,10 Minuten
8. Samuel Pihlström (Schweden) 3:38,35 Minuten
9. Biniam Mehary (Äthiopien) 3:40,00 Minuten
10. Vincent Kibet (Kenia) 3:40,04 Minuten
11. Mario Garcia (Spanien) 3:40,48 Minuten
12. Ryan Mphahlele (Südafrika) 3:41,08 Minuten
13. Kieran Lumb (Kanada) 3:41,37 Minuten
14. Adam Fogg (Großbritannien) 3:43,81 Minuten
 
* neue persönliche Bestleistung
** neue persönliche Bestleistung (Kurzbahn)

US-Duo am Stockerl

Das entwickelte sich auch deshalb nicht, weil die beiden letzten Weltmeister Josh Kerr (startete über 3.000m), Jake Wightman (verzichtete) sowie der schnellste Mittelstreckenläufer der letzten Jahre, Jakob Ingebrigtsen (verletzungsbedingt) in Glasgow fehlten. Und der zweifache Titelverteidiger Samuel Tefera war nicht in der Verfassung früherer Jahre, wie Platz sieben unterstreicht. So entwickelte sich das Rennen ohne den großen Punch sehr abwechslungsreich. Ingebrigtsens Landsmann Narve Gilje Nordas hatte im Vorfeld große Taten angekündigt, konnte im Finale aber auch nicht zulegen und verpasste als Fünfter Edelmetall. Dass sein Trainer Gjert Ingebrigtsen für die Titelkämpfe durch den nationalen Verband nicht akkreditiert wurde, obwohl keiner der Ingebrigtsen-Brüder am Start war, hatte im Vorfeld für Diskussionen gesorgt.

Der Portugiese Isaac Nader zog in die letzte Runde hinein das Tempo an. Hobbs Kessler übernahm die Führung vor der letzten Kurve und ging mit dem Iberer, seinem Landsmann Cole Hocker und dem auf der Innenbahn feststeckenden Norweger in den Zielspurt. Dieser wurde übertrumpft von Beamish, auch Cole Hocker sauste noch vorbei an seinen Landsmann Kessler, es gab Silber und Bronze für die USA. „Ich würde lügen, zu verheimlichen, dass ich hierher gekommen bin, um Gold zu gewinnen“, sah Hocker seine Silberne von zwei Seiten. Kessler zeigte sich stolz auf seine Medaille trotz eines fehlerhaften Laufs und ärgerte sich, dass sage und schreibe 14 Läufer in diesem Finalfeld standen – auf der engeren Hallenbahn.

Beamish im Finale in eigener Liga

Bemerkenswert ist die Zeitenanalyse der letzten 100 Meter: Geordie Beamish absolvierte sie in raketenhaften 12,78 Sekunden und war damit über sechs Zehntelsekunden schneller als der nächstbeste, Silbermedaillengewinner Hocker. Als bester Europäer ging Nader knapp leer aus, Adel Mechaal belegte wie am Vortag über 3.000m den sechsten Platz – nach einem stressigen Wettkampfprogramm am Wochenende in Glasgow.

© Dan Vernon for World Athletics

Hailu hält Äthiopiens Fahnen hoch

Im Finale der Frauen waren die Verhältnisse eigentlich auf dem Papier klar: Aufgrund der Vorleistungen gingen die Äthiopierinnen Diribe Welteji, Freweyni Hailu und Birke Haylom als klare Favoritinnen ins Rennen. Doch anstatt eines „Sweeps“ wie vor zwei Jahren in Belgrad präsentierte sich das Trio in Glasgow alles andere als in der Top-Verfassung vergangener Wochen. Die 18-jährige Haylom musste sich mit Platz neun zufrieden geben, obwohl sie zu Rennmitte kurzzeitig führte. Diribe Welteji, in Budapest noch hinter Superstar Faith Kipyegon Zweite, und in Riga Weltmeisterin auf der Straßenmeile, enttäuschte als Fünfte vollends. Nur Freweyni Hailu, vor zwei Jahren Zweite, hielt die Ehre der Äthiopierinnen aufrecht und sicherte sich in einer Endzeit von 4:01,46 Minuten die Goldmedaille. „Ein sehr gutes Abschneiden für mich“, kommentierte die 23-Jährige, unbewusst oder bewusst, vielsagend.

Zwei starke US-Leistungen

Hailu konterte einer entschlossenen Attacke der US-Amerikanerin Emily Mackay, die zu einer grandiosen Bronzemedaille stürmte. Erst auf den letzten Metern wurde sie noch von ihrer Landsfrauen Nikki Hiltz abgefangen, womit die Amerikanerinnen wie die Männer zwei Medaillen holten – beide mit persönlichen Bestleistungen. „Ich bin überglücklich“, strahlte Mackay, deren Vater aus Schottland stammt. „Mein Ziel war eine Top-Acht-Platzierung, ich dachte, das wäre ein realistisches.“

Für beide US-Frauen war es der größte Erfolg ihrer bisherigen Karrieren. Zuletzt hatte Hallen-Weltmeisterin Regina Jacobs 2003 eine Medaille für den US-Verband in dieser Disziplin geholt. Ohne Medaille blieben die beiden Britinnen Georgia Bell und Revee Walcott-Nolan, die Welteji im Ranking ins Sandwich nahmen.

Ergebnis 1.500m-Finale der Frauen, Hallen-WM 2024
Gold: Freweyni Hailu (Äthiopien) 4:01,46 Minuten
Silber: Nikki Hiltz (USA) 4:02,32 Minuten *
Bronze: Emily Mackay (USA) 4:02,69 Minuten *

 
4. Georgia Bell (Großbritannien) 4:03,47 Minuten
5. Diribe Welteji (Äthiopien) 4:03,82 Minuten
6. Revee Walcott-Nolan (Großbritannien) 4:04,60 Minuten
7. Agathe Guillemot (Frankreich) 4:04,94 Minuten
8. Salomé Afonso (Portugal) 4:06,18 Minuten *
9. Birke Haylom (Äthiopien) 4:06,27 Minuten
10. Maia Ramsden (Neuseeland) 4:06,88 Minuten
11. Lucia Stafford (Kanada) 4:08,90 Minuten
12. Esther Guerrero (Spanien) 4:12,33 Minuten
 
* neue persönliche Bestleistung (Kurzbahn)

Hallen-Weltmeisterschaften 2024 in Glasgow

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